Oberhausen gegen Essen: Hitziges Pokalfinale im rustikalen Ambiente

KH 22 Mai 2018
 
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Niederrheinpokalsieger 2018 Rot Weiß Oberhausen

Wer braucht schon Dortmund gegen Schalke, wenn er RWO gegen RWE hat. Jedenfalls für die Oberhausener Spielerlegende und heutigen RWO-Trainer Mike Terranova ist das Duell der Nachbarstädte Oberhausen und Essen einem Interview zufolge das bessere Derby im Pott. Gestern nun das dritte Duell in dieser Saison (die beiden anderen Partien endeten 1:1) diesmal im Landespokalfinale. Nach drei Endspielen im Stadion Essen, fand Niederrheinpokal-Finalpartie diesmal im Stadion Niederrhein statt.



Grund: Die Punkrocker Toten Hosen geben am 24. und 25. Mai zwei Konzerte im Essener Stadion und beanspruchen für den Aufbau das Stadion vorab. So mussten sich vor allem die Gästefans in der Kanalkurve mit dem rustikalen Ambiente begnügen, unter anderem mit einem Bierausschank aus dem Innenraum heraus. Eigentlich eine gute Idee, da die Bierbuden in der Kurve gut ausgelastet waren, aber in Sachen Hygenie konnte man nicht viel erwarten.



Da wurden dann später zurückgebrachten Becher nicht immer durch neue ersetzt, sondern einfach nur wieder aufgefüllt. Zudem war die Zapfstelle ab der 60. Spielminute nicht mehr besetzt und die Fans konnten ihre Becher nicht mehr zurückgeben. Gut, 30 Minuten später landeten die dann zwar sowieso im Innenraum, aber dazu später mehr.



Auf Oberhausener Seite ein ganz anderes Bild: Vor dem Spiel stimmte sich die aktive Fanszene mit einem "Derbymarsch" und dem (gesanglichen) Motto "irgendwann, irgendwann einmal holen wir den Niederrheinpokal" auf das Spiel ein und bezog rasch ihre neue Heimat auf der nagelneuen (3.000 Stehplätze fassenden) Tribüne im zentralen Bereich. Mit Marsch, Mottoshirt und der ersten Choreo unter dem oben genannten Motto startete man im Spiel. Auch wenn vom Support (nur der mittlere Teil hängte sich wirklich rein) noch viel Luft nach oben ist, bot die neue Emscherkurve ein gelungenes und interessantes Bild.



Vielleicht wird eines Tages auch noch einmal die Kanalkurve mit einer neuen Tribüne versehen. In dieser tummelten sich gut 6.000 Rot Weiss Essen Fans und anders als in den Wochen zuvor, war die Stimmung fast wieder in Bestform. Die aktive Fanszene war zwar noch nicht mit ihren Gruppenfahnen vertreten, sammelte sich aber zentral hinter einem Banner "Rot Weiss Essen" und koordinierte von dort (endlich) wieder die Stimmung, nachdem sie in den vergangenen Wochen eher durch die "Lösungen finden" Spruchbänder aufgefallen waren. Lösungen schienen gefunden, in den letzten Wochen zeigte die sportliche Kurve nach oben und auch gestern bestimmte Rot Weiss Essen über weite Strecken das Spiel sehr zur Freude der mitgereisten lautstarken Anhänger. Nur am Ende reichte es nicht. Oberhausen brauchte nur zwei Chancen und ein paar glückliche Schiedsrichterentscheidungen um den Pokal zu gewinnen. In der 42. Spielminute war es Kai Nakowitsch, der gegen seinen alten Klub für RWO mit einem Schuss einnetzte. Fast nach Wiederanpfiff glich der Essener Kamil Bednarski aus.



Das Spiel war kein ansehnlicher Leckerbissen, keiner ging volles Risiko. Essen hatte zwar mehr vom Spiel, nutzte aber auch nicht die vielen Chancen zur Führung. Zum Ende des Spiels wurde es hitzig und rustikal. So grätschte Kai Nakowitsch in der 82. Spielminute mit offener Sohle in den Essener Kai Pröger, wenn dieser nicht vorher abgeprungen wäre würde er heute nicht mehr laufen können. In anderen Stadien gab es für so ein Foul auch schon einmal glatt Rot. Für Nakowitsch gab es aber nur Gelb. Glück für Oberhausen.



Nächste Glücksszene, die entscheidende für RWO, das umstrittene Tor in der 89. Spielminute: Der Essener Torhüter Robin Heller will eine Flanke wegfausten, was sichtlich schief geht, der Ball fliegt in Richtung Tor wo der RWO-Spieler Ben Balla ihn Richtung Linie drückt. Der Ball wird auf der Linie geklärt, was man aber nur in den Fernsehbildern sieht, der Schiedsrichter aber nicht: Tor für Oberhausen. In der dritten Spielminute der Nachspielzeit setzt Kai Pröger zu einem Foul an Ben Balla an, trifft ihn aber aus der Fotografenperspektive nicht wirklich. Der Oberhausener lässt sich aber wenig später theatralisch fallen, so dass die Situation auf dem Platz und den Rängen komplett eskaliert.



Während es zur "Rudelbildung" auf dem Rasen kommt, springen einige Essener Fans aus dem Sitzplatzbereich und den Stehblock über den kleinen Zaun und wollen aufs Spielfeld. Die Ordner und die herbeieilende Polizei drängen sie zurück. Das Spiel wird wieder angepfiffen, aber wenig später ist Schluß und die Essener Fans versuchen nun in den Innenraum zu gelangen. Die Sicherheitskräfte nicht zimperlich, entladen ihre "Pfefferspray" Magazine in die Stehblöcke. Währendessen klettern die ersten Oberhausener Fans über den Zaun des Stehblocks, wenig später wird ein Fluchttor geöffnet und mehrere hundert Fans strömen auf das Spielfeld und gehen langsam in Richtung Gästekurve, in der der eine oder andere Böller gezündet und Feuerlöscher entleert wird.



Der Oberhausener Stadionsprecher versucht mit allen Mitteln, die Heimfans dazu zu bewegen zurück in den Heimblock zu gehen. Mit wenig Erfolg. Erst eine Reiterstaffel der Polizei drängt die Fans zurück, so dass die Siegerehrung vorgenommen werden konnte. Der Gästeblock hat sich zu diesem Zeitpunkt schon fast komplett geleert, scheinbar genauso wie die Reizgas-Dosen der Sicherheitskräfte. Unverständlich warum ein Polizist in Richtung eines Fans, der hinter einem geschlossenen Zaun steht und die Arme hebt, seine Reizgas Katusche entleeren muss. Ein Blick nach der Siegerehrung hinter den Gästeblock sagt alles: zahlreiche Fans mit tränenden Augen in der ärztlichen Versorgung oder schon auf dem Weg ins Krankenhaus.



Trotz der eskalierten Situation, hielt das einen Oberhausener Spieler nicht davon ab über die Stadionmikrofone derbe Schmähgesänge über den Erzrivalen anzustimmen ("Heute ist doch der Tag, an dem Rot-Weiss Essen starb, oder?“). Einen RWE-Fan der es unauffällig in den Innenraum geschafft hat, konnte sich in der Folge nicht mehr beherrschen und ging in Richtung Heimbereich, wurde aber umgehend von den Sicherheitskräften festgenommen.



Am Ende eines ereignisreichen Nachmittags erhielten dann 30 Minuten nach Abfiff die Oberhausener Spieler den Pokal, den sie zuletzt 1998 gewannen. Damit steht RWO auch in der ersten Runde des DFB Pokals, welche am Wochende des 18. August gespielt wird. Persönliche Meinung: Drei Mal in Folge war Rot Weiss Essen in der ersten Runde dabei, deswegen sei es auch mal jemanden anderes gegönnt auch wenn es vom Spielgeschehen hätte anders laufen müssen. Aber das ist Fußball mit all seinen Facetten. Die Essener können sich nun komplett auf die kommenden Saison konzentrieren und vielleicht ihr "Hoch Drei" noch verwirklichen, während man in Oberhausen von großen Namen in Runde eins träumt (bei der letzten Teilnahme schaffte es RWO bis ins DFB-Pokal Halbfinale) und künftig nicht mehr im Stehplatzbereich im Regen stehen muss.

> zu den Rot Weiß Oberhausen Fotos

> zu den Rot Weiss Essen Fotos

Spielergebnis:
2:1
Zuschauerzahl:
15.000
Gästefans
6000

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Unverdienter Sieger, trotzdem Glückwunsch

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