Cerezo Osaka vs. V-Varen Nagasaki: Festival der Farben - Kirschblüte, Frieden und Segeln

MH 15 Mai 2018
 
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Cerezo Osaka vs. V-Varen Nagasaki: Festival der Farben - Kirschblüte, Frieden und Segeln

Der Zweite im Bunde der großen Fußballvertreter Osakas ist Cerezo. Der Verein zählt zu den erfolgreicheren Vereinen des Landes, allerdings liegen diese Erfolge schon in den 70er Jahren. Seit Einführung des Profifußballs in Japan, konnte kein Titel mehr errungen werden. Gleichzeitig klebte dem Verein aber auch das Pech am Fuße. Seit 1976 stand der Verein 6 mal im Finale um den japanischen Kaiserpokal und alle gingen verloren. Erst im Jahr 2017 konnte der Titel nach über 40-jähriger Durststrecke wieder errungen werden, nachdem er zuvor in den Jahren 1968, 1970 und 1974 in die Hände Cerezos – damals aber noch unter dem Namen Yanmar Diesel FC – wanderte. 

Japan

Bei den Vereinsnamen der japanischen Clubs denkt man beim ersten Blick oft an einen Sponsorennamen, da diese meist einen Zusatz wie Cerezo, V-Varen, Gamba oder ähnliches enthalten. Weit gefehlt! Der Begriff Cerezo stammt aus dem Spanischen und heißt „Kirschbaum“, welcher nicht nur der Baum der Stadt Osaka ist, sondern sich als Blüte auch im Wappen des Vereins wiederfindet. Die Kirschblüte ist letztlich auch maßgeblich für die dominante Vereinsfarbe Rosa-Blau. Eine wohl recht selten anzutreffende Farbkombination. 

Nagasaki

Gleiches ist bei den Gästen aus Nagasaki der Fall. V-Varen steht nicht für einen Sponsor, wie man es vermuten könnte. Das erste V soll für das portugiesische „Vitoria“ und das niederländische „Vreden“ und somit „Sieg“ und „Frieden“ stehen. Das Wort „Varen“ entstammt ebenfalls dem Niederländischen und bedeutet „segeln“. Nagasaki war einst niederländischer Handelshafen und es bestanden auch Beziehungen zu Portugal. Somit wurden beide Verbindungen im Namen bedacht. Auch hier sind die Vereinsfarben blau-orange etwas ungewohnt. Wenn man es so will, ist diese Partie gleichzeitig ein Festival der Farben. Die Negativgeschichte Nagasakis ist sicherlich ebenfalls bekannt. So wurde im 2. Weltkrieg auf Nagasaki – neben Hiroshima – die zweite Atombombe abgeworfen. Eines der wohl traurigsten Kapitel der Menschheitsgeschichte.

Japan

Deutlich schöner ist der größte Erfolg Nagasakis im Fußball. Dies ist der Aufstieg in die J1 League zum Ende der Saison 2017. Somit spielt man in der laufenden Spielzeit erstmalig in der japanischen Eliteliga mit und schlägt sich bisweilen ganz anständig. 

Als Spielstätte für diese Partie diente das Nagai Stadium, welches eines der WM-Stadien von 2002 und Austragungsort für 3 Partien war. Unter anderen Nigeria – England und auch eine Partie Japans wurden hier ausgetragen. Von den 47.000 Plätzen wurde bei diesem Spiel ein überraschend hoher Gebrauch gemacht. Zu rund 2/3 füllte sich das Stadion bis zum Anpfiff. Unter den 29.845 Zuschauern, befanden sich überraschend viele Gäste. Gut und gerne 1.100 Anhänger folgten ihrer Mannschaft auf die 750km-Reise von Kyushu auf die größte Insel Honshu. 

Japan

Somit waren beide Kurven gut gefüllt und konnten das bereits bei Gamba Osaka wahrgenommene Bild bestätigen. Auch hier bedienten sich die Fans der gespannten Stoffbahnen, wie man sie aus Südamerika kennt. Zaunfahnen, Schwenkfahnen und Doppelhalter wieder im Stile der europäischen Ultranationen. Während es bei Cerezo fast nur Fahnen in lateinischer Schrift gab, hatten die Fans aus Nagasaki nur eine „Ultras Nagasaki“-Fahne im Gepäck. Der restliche Zaunschmuck war überraschend stark japanischen Stils, was aber gleichzeitig viel authentischer wirkt. Immerhin spielt man ja in Japan und nicht in West- und Mitteleuropa. Der Blick in die Kurven machte dennoch Spaß, insbesondere das Fahnenmeer bei Cerezo wusste sehr zu gefallen. Chaotisch schön. Da störte selbst die Farbe rosa nicht. In der Masse wirkte es sogar irgendwie cool, denn nahezu jeder Besucher trug etwas in diesem Farbton. Bei US Palermo ist das nicht so extrem ausgeprägt, um mal einen der europäischen Vertreter dieser Farbe zu benennen.

Gol

Beide Fanlager konnten neben dem optischen auch ein angenehmes akustisches Klima ins Stadion bringen. Die Abwechslung bei den Melodien und Liedern fehlte zwar auch hier etwas, aber die Lautstärke und die sogenannte Mitmachquote war auf einem sehr ordentlichen Level. Das Spiel machte in allen Belangen Spaß. Der Blick in die Kurven, die Gesänge, aber auch das Spiel wussten zu gefallen. Die Heimelf ließ auf dem Rasen nichts anbrennen und auch keinen Zweifel daran, wer als Sieger vom Platz gehen würde. Da hat der Liganeuling etwas Lehrgeld zahlen müssen, sich aber keinesfalls unter Wert verkauft. 

Japan

Auch nach diesem Spiel hinterlässt die japanische Fanlandschaft ein positives Bild, auch wenn hier erneut zu Bemängeln ist, dass die eigene Identität auf den Rängen kaum zum Vorschein kommt. Man erwartet ja keine herumspringenden Ninjas oder Samurai, welche sich nach einer Niederlage einen Säbel in den Leib rammen, aber der ein oder andere japanische Moment wäre auch im Stadion eine coole Sache. So muss man eben das eigenhändige Beseitigen jeglichen Mülls nach Anpfiff als typisch japanisch werten. Immerhin etwas! ;)

Bericht: Marcel Hartmann

Fotos: Marcel Hartmann

> zur turus-Fotostrecke: Fußball in Japan

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