Gamba Osaka vs. Vegalta Sendai: Inspiration aus Italien und Lateinamerika

MH 07 Mai 2018
 
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Gamba Osaka vs. Vegalta Sendai: Inspiration aus Italien und Lateinamerika

Fußball aus Asien. Sicherlich eine Region, mit der sich nicht jeder im Bezug auf den beliebtesten Ballsport der Welt beschäftigt. All zu viele Erfolgsgeschichten hört man auch nicht, von diesem Teil der Erdkugel. Wer beschäftigt sich schon mit dem asiatischen Europa League Pendant – dem AFC Cup oder der asiatischen Schwester der UEFA Champions League – der AFC Champions League? Wenn man aber etwas aus Asien hört, dann wohl am ehesten aus Japan. Insbesondere im Bezug auf die dortigen Fanaktivitäten. Vegalta Sendai und Urawa Reds sind hierbei wohl die bekanntesten Namen, wenn man auf YouTube nach stimmungsgeladenen Spielen aus dem Land der aufgehenden Sonne sucht. Wollen wir das Ganze doch mal genauer unter die Lupe nehmen.

Osaka

Die Reise nach Japan beginnt in Osaka. Seines Zeichens drittgrößte Stadt des Landes und unter Einbeziehung aller umliegenden Gebiete, befindet sich die Stadt, zusammen mit Kyoto und Kobe, inmitten des 14. größten Ballungsgebietes der Welt. Im Fußballbereich teilen sich die Sympathien in Osaka hauptsächlich zwischen zwei Vereinen auf. Zum einen Gamba Osaka und zum anderen Cerezo Osaka. Beide Vereine spielen in Japans höchster Spielklasse, der J1 League. Den nächst größeren Verein der Stadt findet man dann erst in Liga 4, den FC Osaka, welcher zuschauerbezogen aber eher ein kleines Licht am japanischen Fußballhorizont ist.

Gamba

Der sportliche Premierenbesuch Japans beginnt auf dieser Reise bei Gamba Osaka. Zuerst ein kurzer Blick in die Vergangenheit, denn diese ist auch ihrer jüngeren Geschichte nicht ganz optimal verlaufen. Der Verein kann eigentlich auf viele erfolgreiche Jahre zurückblicken. Meist stand man am Ende der Saison im Bereich von Platz 1 bis 4 und auch die AFC Champions League konnte im Jahr 2008 gewonnen werden. In der Saison 2012 erwischte Gamba allerdings ein richtiges Seuchenjahr. Während man die Vorsaison mit Platz 3 beendete, hieß es Ende der 2012er Spielzeit Abstieg in die Zweitklassigkeit.

Osaka

Damit hatte wohl niemand so wirklich gerechnet. Aber im Folgejahr besann man sich auf die sonst erfolgreichen Jahre und konnte den Aufstieg als Tabellenerster nach nur einem Jahr Erstliga-Abstinenz feiern. Aber es kam noch viel besser, denn das Aufstiegsjahr wurde nach spannendem Saisonfinale mit dem Meistertitel vergoldet. Wie einst Kaiserslautern in Deutschland. Es war nach 2005 die zweite Meisterschaft. Verrückte Jahre für den Verein und seine Anhänger.

Die Partie des 12. Spieltages sollte mit Vegalta Sendai, einen wie bereits angedeutet, interessanten Gegner aus Sicht seiner Fans bereithalten. Wie viele Schlachtenbummler würden die 850km an einem Mittwoch auf sich nehmen? Am Ende waren es etwa 400 Fans, welche sich komplett in gelb im Gästebereich einfanden. Eine stattliche Anzahl.

Japan

Die Heimkurve im Panasonic Stadium, welches 2016 das direkt daneben befindliche Osaka Expo 70 Stadium ersetzte, war gut gefüllt. Der Rest des modernen Stadions war eher mäßig ausgelastet. Knapp 12.000 Leute sollten es am Ende sein, was eher einen schlechten Besucherwert darstellt. Beim Derby Ende April war das Stadion restlos gefüllt. Werktags hat eben auch in Japan nicht jeder Zeit. Der Blick in beide Fanbereiche konnte aber sehr gefallen. Große Schwenkfahnen und Zaunfahnen zu Hauf, gespannte Stoffbahnen wie man sie aus Südamerika kennt und Fans, welche ihre Farben geschlossen mit Stolz tragen. Das versprach ein interessanter Abend zu werden. Die Vielzahl italienisch orientierter Zaunfahnen bei Gamba zeigte deutlich, wo man hauptsächlich nach Inspiration suchte. Die Flaggen bei Vegalta Sendai waren dagegen allesamt in englischer Sprache gehalten.

Die Melodien der Fangesänge hoben sich ebenfalls nicht sehr von dem ab, was man in den Stadien Europas zu hören bekommt. Auch der Stil des Vortragens, wirkt eher europäisch als asiatisch. Vielleicht ist das gerade nicht so leicht zu verstehen, aber wenn man beispielsweise seine Augen schließen würde und vergessen würde wo man sich befindet, dann würde einem Europa wohl als ersten in den Sinn kommen. Man stützt sich hierbei offensichtlich lieber auf das Altbewehrte der europäischen Ultranationen, als das Rad komplett neu zu erfinden. Das ist sicherlich nicht der schlechteste Ansatz, aber es fehlt auch eine gewisse eigene Note, welche die japanische Kultur zweifelsfrei in fast allen Lebenslagen bereit hält.

Gambino

Das ist sicherlich Meckern auf hohem Niveau und soll keinesfalls heißen, dass der fantechnisch dargebotene Teil schlecht ist. Das ist er definitiv nicht. Definitiv bekommt man bei Gamba Osaka eine engagierte und aktive Fanszene zu Gesicht, welche nahezu 90 Minuten Stimmung verbreitet und auch die in Europa bekannten optischen Stilmittel nutzt. Armeinsätze, Hüpfeinlagen, Doppelhalter und Fahnenschwenken sind auch hier eine Standardkomponente. Gleiches kann man auch von den Gästen behaupten. An einem Spieltag am Wochenende wäre womöglich von beiden Fanlagern einiges mehr gekommen. Der einzige auf Anhieb spürbare Kulturunterschied im Stadion war, dass es keine Pöbeleien gegen die gegnerischen Fans gab und man sich mit Respekt begegnete.

Werte, die auch im alltäglichen Leben von den Japanern gelebt werden. Schon sympathisch irgendwie. Wenn man das Treiben auf den Rängen nicht mit Europa vergleicht, dann kann man zumindest diesen beiden Vereinen eine intakte und attraktive Fanbase zuschreiben. Ob sich dieses Fazit auf alle Fanlager der J1 League und der darunter befindlichen Ligen ummünzen lässt, wird sich in den kommenden 2 Wochen des Japan-Aufenthaltes noch deutlicher zeigen.

Gambino

Über den sportlichen Teil dieser Partie, bedarf es keiner großen Worte. Am Ende konnte Gamba den Sieg knapp, aber völlig verdient einfahren. Ein wichtiger Erfolg für die Hausherren, denn aktuell befindet man sich nur knapp über den Abstiegsplätzen. Ein Ende wie 2012 wird wohl niemand noch einmal erleben wollen.

In diesem Sinne: arigatou & bai bai!

Bericht & Fotos: Marcel Hartmann

> zur turus-Fotostrecke: Japan

Spielergebnis:
1:0
Zuschauerzahl:
11.824
Gästefans
500
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Super Artikel!

Hoffentlich schafft es es mal nach Indonesien!

G
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Sehr interessant und bitte mehr davon!

G
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T
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