70 Jahre MKS Pogoń Szczecin: Große Feier - Rückblick auf turbulente Zeiten

 
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MB 03 Mai 2018
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Volle Ränge im Florian-Krygier-Stadion, und endlich gab auch die Kurve des U-förmigen Stadions wieder einen richtig guten Anblick ab! Es ist nicht so lange her, dass die Heimkurve bei interessanten Begegnungen gut gefüllt war. Unvergessen das Heimspiel gegen Lechia Gdansk im August 2012 und die Spiele gegen Legia Warszawa, als die Fanszenen noch miteinander befreundet waren und in der Kurve gemeinsam supportet und Pyrotechnik gezündet wurde. In jüngerer Vergangenheit wirkte die Kurve eher verwaist. Ein Großteil der Fans fand sich auf der Gegengerade mit der markanten Überdachung ein. Versuche gab es indes einige Male, die eigene Fankurve wieder flott zu machen. So zum Beispiel Ende Oktober 2016, als beim Heimspiel gegen Ruch Chorzów vor 8.400 Zuschauern eine große Blockfahne (Stichwort Iron Maiden) präsentiert und zahlreiche rote Fackeln angerissen wurden.

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MKS

Nun feierte der Morski Klub Sportowy Pogoń Szczecin am 21. April seinen 70. Geburtstag (an diesem Tag musste auswärts angetreten werden), die große Party stieg im folgenden Heimspiel gegen Sandecja Nowy Sącz. Die Ränge sollten zu diesem Anlass komplett gefüllt werden, und somit wurden die Eintrittskarten an die Zuschauer verschenkt. Gästefans waren kaum zu erwarten, und demzufolge wurden kurzerhand keine Gästefans zugelassen, so dass auch der Gästeblock den Heimzuschauern zur Verfügung gestellt werden konnte.

Pogon

Zu Beginn der Partie wurden aus allen Zuschauerbereichen (der Bereich der aktiven Fanszene ausgenommen) Kassenrollen auf das Spielfeld geworfen. Zu Beginn der zweiten Halbzeit folgte eine Aktion mit blauen und bordeauxroten Luftballons, bei der sich allerdings auch nicht die Ultras beteiligten. In diesem Bereich gab es um die 70. Minute herum die erste große Blockfahne, umrahmt von Fackeln und Raketen. Kurz darauf folgte eine weitere Blockfahne. Piroday in Stettin. Dem Anlass angemessen gab es wieder reichlich Fackeln, gefolgt von blauem und rotem Rauch.

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Zum Sportlichen: In der laufenden Saison sah es zwischenzeitlich richtig arg es, und es schien, als würde ausgerechnet zum 70. Geburtstag des Morski Klub Sportowy der Abstieg in die zweite Liga drohen. Die Mannschaft von Pogoń konnte sich allerdings fangen. In den letzten zehn Partien gab es nur zwei Niederlagen, dem gegenüber stehen fünf Siege und drei Unentschieden. In der Tabelle der Abstiegsrunde der Ekstraklasa (acht Mannschaften) ist Pogoń derzeit auf Rang vier zu finden. Der Vorsprung auf die Abstiegszone beträgt neun Punkte. Am Ende der Hauptrunde waren es noch zwei Punkte. Und zur Erinnerung: Nach dem 15. Spieltag war Pogoń Szczecin auf dem letzten Tabellenplatz zu finden - mit neun mageren Pünktchen und sechs Punkten Rückstand! Zu jenem Zeitpunkt fanden nur etwas über 3.000 Zuschauer den Weg ins altehrwürdige Florian-Krygier-Stadion. Zuletzt stieg die Zahl wieder auf rund 6.000. Einen 2:0-Sieg gegen Sandecja Nowy Sącz bekamen am vergangenen Wochenende die 15.288 Zuschauer zu sehen. Die Treffer erzielten Ricardo Nunes kurz vor und Adam Buksa kurz nach der Pause.

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Kein runder Geburtstag ohne einen Blick auf die Historie. Am 21. April 1948 wurde der Verein als Klub Sportowy Sztorm ins Leben gerufen, die Vereinsfarben dunkelblau und bordeauxrot wurden vom einstigen Verein LKS Pogoń Lwów (heute Lwiw / Ukraine) übernommen. Pogoń Lwów wurde vor dem Zweiten Weltkrieg viermal Polnischer Meister (1922, 1923, 1925, 1926) und dreimal Vizemeister (1932, 1933, 1935). Im Jahre 1939 wurde Pogoń Lwów aufgelöst. Interessanterweise wurde dieser Verein im Januar 2009 vom polnischen Konsul in Lwiw wiederbelebt.

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In Szczecin einigte man sich sieben Jahre nach der Vereinsgründung auf den neuen Namen MKS Pogoń Szczecin, der bis heute Bestand hat. Sportlich ging es für den Verein immer wieder auf und ab, Pogoń pendelte zwischen der ersten und zweiten polnischen Liga. Konstanz gab es zwischen 1966 und 1979, als nonstop in der Ekstraklasa gespielt wurde. Die größten sportlichen Erfolge konnten allerdings 1987 und 2001 gefeiert werden, als Pogoń polnischer Vizemeister wurde.

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Zeitgleich mit dem zweiten Vizemeistertitel wurde es im Verein arg unruhig. Kurz zuvor stieg ein türkischer Geschäftsmann ein, doch nach Meinungsverschiedenheiten ließ er den Verein wieder fallen. Nachdem sich ein schwedischer Geschäftsmann bei Pogoń versucht hatte, ging alles den Bach runter. Es folgte der Abstieg im Frühjahr 2003 und die Auflösung des Vereins kurze Zeit später. Der Besitzer des Vereins Piotrkovia strebte ein Fusion mit Pogoń an, um diesen Verein in Szczecin unterzubringen. Diese Pläne stießen bei der Anhängerschaft auf massiven Widerstand, kurzerhand wurde von Pogoń-Fanclubs der Verein Pogoń Szczecin Nowa gegründet, der in den unteren Gefilden einen Neubeginn in Angriff nahm. Der neue Fusionsverein packte indes die Wiederkehr in das Fußballoberhaus.

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Nun wurde es sehr kurios. Der Besitzer des Fusionsvereins bestand darauf, nur brasilianische Spieler auflaufen zu lassen. Die Ränge leerten sich, der Verein schlitterte in die nächste Krise. Proteste und massive Drohungen waren die Folge. Das Desaster endete im Sommer 2007. Der Besitzer meldete den Verein vom Spielbetrieb ab. Kurz darauf meldeten Pogoń-Fan-Clubs und zwei regionale Geschäftsleute den Verein in der vierten polnischen Liga wieder an. Nachdem mit dem zuvor von Fans gegründeten Verein Pogoń Szczecin Nowa fusioniert wurde, stand einem Neustart und einer gemeinsamen Zukunft nichts mehr im Wege.

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Die Kräfte wurden gebündelt, endlich kamen wieder polnische Fußballspieler mit regionalen Wurzeln zum Einsatz. Die Zuschauerzahlen stiegen in der vierten Liga wieder auf bis zu 5.000 an, groß gefeiert wurde der 60. Geburtstag. Ein Video von damals mit der beeindruckenden Hymne „My Portowcy“ ist ganz leicht im Netz zu finden. Stück für Stück konnte sich der Morski Klub Sportowy Pogoń Szczecin sportlich wieder hocharbeiten. Der Sprung von der II Liga (dritte Liga) in die I Liga (zweite Liga) gelang am Ende der Saison 2008/09, die Rückkehr in die Ekstraklasa durfte Ende Mai 2012 gefeiert werden. Der 2:0-Sieg bei Arka Gdynia brachte den Aufstieg in trockene Tücher. Das zweite Spiel der Saison 2012/13 war das eingangs erwähnte Heimspiel gegen Lechia Gdansk, zu dem über 10.000 Zuschauer ins Florian-Krygier-Stadion strömten und bei dem wir damals vor Ort waren. Womit wir einfach mal den Kreis schließen wollen. Auf, dass es bei Pogoń sportlich weiter bergauf geht!    

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Fotos: Los Misenas, Marco Bertram, P. Schoedler, Michael

> zur turus-Fotostrecke: MKS Pogon Szczecin

Inhalt über Klub(s):
Spielergebnis:
2:0
Zuschauerzahl:
15.100
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