BSG Chemie Leipzig vs. VfB Empor Glauchau: Leutzscher Aufstiegsrausch hoch drei

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MB 19 Juni 2016

ChemieEndlich einmal wieder die sächsischen Landesgrenzen verlassen! Hoffnungen, Qualen, Rückschläge. Auferstanden aus Ruinen. Ganz unten begonnen. Sich hoch gearbeitet. 2008/09 in der 3. Kreisklasse (12. Liga) begonnen - mit einem Zuschauerschnitt von knapp 400. Aufgestiegen in die 2. und 1. Kreisklasse. 2011 wurde wieder den Namen „Betriebssportgemeinschaft“ angenommen und das Spielrecht des VfK Blau-Weiß Leipzig übernommen. Somit konnten ein paar Spielklassen übersprungen und in der Sachsenliga (6. Liga) durchgestartet werden. Allerdings stoppte vorerst der Durchmarsch. Das Hickhack zwischen der BSG Chemie Leipzig und der SG Leipzig-Leutzsch zeigte Spuren. Nach einem siebten Platz im Jahr 2012 folgte der Abstieg in die Bezirksliga am Ende der Saison 2012/13. Mit im Schnitt 856 Zuschauern im Rücken glückte der Wiederaufstieg in die Sachsenliga. Und fast glückte ein weiterer Aufstieg, doch kurz vor Ende ging ein wenig die Puste aus, und am letzten Spieltag konnte der direkte Konkurrent FC International mit einem erstaunlich klaren Auswärtssieg als Tabellenzweiter hinter Bischofswerda den Aufstieg in die Oberliga sichern. Und auch in der zurückliegenden Saison ging zwischenzeitlich das Glück verloren. Gegentore in der Nachspielzeit. Nur 1:1 in Reichenbach, nur 1:1 gegen Heidenau. Es wurde eng. Doch am Ende wurde mächtig was drauf gelegt. 6:2 in Chemnitz, 1:0 gegen Kamenz, 3:1 bei Zwickau II. Und da sich am vorletzten Spieltag die BSG Stahl Riesa und der FC Grimma 1:1 trennten, stand plötzlich doch noch das Tor zur Oberliga sperrangelweit offen. Aus eigener Kraft konnte der Aufstieg gesichert werden. Kein Schielen auf andere Ergebnisse. Ein Heimsieg gegen Empor Glauchau - und die grün-weiße chemische Party konnte steigen.

AKSWohl denn, es war angerichtet. Und auch der Wettergott meinte es gut mit den Chemikern. Kein Regen, sondern trockene Witterungsverhältnisse. 3.622 Zuschauer (keine sichtbaren Gästefans) strömten am Samstagnachmittag in den altehrwürdigen Alfred-Kunze-Sportpark. Zu Beginn der Partie gab es hinter dem Tor eine Choreo - bestehend auf großer Chemie-Blockfahne, Luftballons und einzelnen Bengalen - präsentiert. „Nichts ist größer als Du“, war an zentraler Stelle Grün auf Weiß zu lesen. Nicht mehr, nicht weniger. Gesagt wurde vor dem Spiel bereits genug. Jeder Spieler wusste, worum es ging. Die Karten mussten auf den Tisch gelegt werden. Es sollte bis zum Umfallen gekämpft werden. Für Gänsehaut sorgte wieder das „Warum seid ihr alle hier?“ - „Wegen Chemie!“ Punkt 15 Uhr ging es in die Partie - und es sollte 70 Minuten lang ein Hoffen, Bibbern, Flehen und Beten werden.

ChemieAngefeuert von den Fans, die Ultras der BSG wurden wieder von etlichen Frankfurtern unterstützt, bestimmte zwar die Mannschaft aus Leutzsch ganz klar die Partie, doch nach vorn ging noch nicht allzu viel. Logisch wurde nicht von Beginn an alles nach vorn geworfen und alles auf eine Karte gesetzt. Ein dummes Gegentor - und das Ganze wäre noch schwieriger geworden. Die Jungs von Empor Glauchau gingen ernsthaft ins Spiel und machten es den Chemikern nicht einfach. Den Norddamm im Rücken versuchte Chemie das Spiel in Richtung leeren Gästeblock, vor dem „Chemie Leipzig - für immer mit dir“ zu lesen war, voranzubringen. Richtig fette Möglichkeiten blieben jedoch im ersten Spielabschnitt Mangelware.

ChemieEin Geduldsspiel wurde es in der zweiten Halbzeit. 50. Minute, 60. Minute, 65. Minute. Noch immer nur 0:0. Zeitgleich lag der FC Grimma in Führung. Ein Tor musste auf jeden Fall her. Auf der alten Holztribüne rutschten die Zuschauer auf den Bänken. Die Gesichter wurden angespannter. In der Magengrube rumorte es zunehmend. Würde Chemie wieder den Aufstieg verspielen? Warum wird nicht schneller nach vorn gespielt? Der Gegner zu Fehlern gezwungen? Langsam müsste das Tempo erhöht und die Brechstange herausgeholt werden. Gesagt, getan. Kaum gedacht auf den Rängen, schon umgesetzt auf dem grünen Rasen des AKS! Nach einem hübschen Spielzug machte Nicolas Ludwig von rechts in der 69. Minute das 1:0 für die BSG. Was für ein emotionaler Ausbruch auf den Rängen! Fackeln wurden angerissen, der Zaun des Norddamms wurde geentert, Rauch stieg auf. 

ChemieDoch noch war nichts in trockenen Tüchern. Die Gäste kamen zu einer guten Möglichkeit, der Ball ging recht knapp über das Gehäuse. Nachdem Glauchau jedoch ab der 80. Minute aufgrund einer Roten Karte nur noch zu zehnt spielen musste, platzte bei den Chemikern endgültig der Knoten. Daniel Heinze und Andy Müller schoben sich vor dem Tor den Ball hin und her, souverän vollendete schließlich Andy Müller das Ganze. 2:0 in der 82. Minute! Das war´s! Da würde nichts mehr anbrennen! Noch einmal wurde den Emotionen freien Lauf gelassen. Wieder brannten etliche Fackeln und Rauch waberte an verschiedenen Ecken des Norddamms. Nachdem Nico Schönitz in der Nachspielzeit das 3:0 erzielt hatte, wurde die Partie abgepfiffen. Ganze Batterien wurden nun verballert. Tore wurden geöffnet und die Chemie-Fans durften den Rasen fluten. Während sich eine grün-weiße Traube um die Spieler bildete, wurde im nahen Wohngebiet eine weitere Batterie abgeschossen. 

ChemieDer fünf, sechs Spieltage vor Saisonschluss kaum noch für möglich gehaltene Aufstieg wurde nun doch in die Realität umgesetzt. Am Ende hatte Trainer Dietmar Demuth alles richtig gemacht. Als es drauf ankam und die Mannschaft nach drei unglücklichen Remis richtig down war, fand er die richtigen Mittel, um das Team für die Endphase vorzubereiten und zurück auf die Erfolgsspur zu bringen. Vier Siege in Folge, und am Ende konnte sogar der Meistertitel gefeiert werden. Zwar wollte der SV Einheit Kamenz eh nicht aufsteigen, doch aufgrund des 3:3 bei Kickers 94 Markkleeberg rutschte Kamenz noch auf Rang zwei ab und die BSG Chemie durfte als Tabellenführer den Sprung in die Oberliga feiern. 

chemieDie Gegner in der kommenden Oberliga-Saison können sich mitunter sehen lassen: VfB Germania Halberstadt, BSG Wismut Gera, VfL Halle 1896, VFC Plauen. Und ja, die Chemiker dürfen sogar einmal in den Norden reisen und beim umgruppierten Brandenburger SC Süd 05 ihre Visitenkarte abgeben. Ein Wiedersehen gibt es indes mit dem FC International Leipzig und dem Biscchofswerdaer FV 08. Zudem steht ein kurzer Ausflug zum SSV Markranstädt an. Kurzum: Auf die Spielzeit 2016/17 darf man sich freuen. Und ja, was Aufstiege betrifft, schoss Fußball-Sachsen wirklich den Vogel ab. Neben der SG Dynamo Dresden, dem FC Erzgebirge Aue, dem FSV Zwickau, RasenBallsport Leipzig und dem 1. FC Lokomotive Leipzig gelang nun der BSG Chemie Leipzig der Sprung nach oben. Herzlichen Glückwunsch!

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: BSG Chemie Leipzig

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Nach diesem Endspurt ist der Aufstieg vollkommen verdient. Freut mich für meine heimliche Liebe Chemie Leipzig! Dynamische Grüße aus der Landeshauptstadt

J
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Einfach Klasse

Respekt, sehr sachlich und natürlich gut geschrieben.

R
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Schöner Bericht. Danke und Gruß aus Leipzig-Leutzsch.

R
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Daumen hoch! Gera freut sich auf Euch!

C
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Glückwunsch nach Leutzsch!!!

G
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