Hannover 96 vs. Eintracht Braunschweig: Nachbetrachtung aus Sicht der Gästeseite

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CB 11 November 2013
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BTSVHannoverscher Sportverein von 1896 e.V. gegen den Braunschweiger Turn- und Sportverein von 1895 e.V. Dieses Duell stellte den Auftakt zum 12. Spieltag der 1. Bundesliga dar. Dass sich dabei zwei Mannschaften in einem hochbrisanten Derby gegenüberstehen, muss wohl hier nicht mehr erwähnt werden. Nach 37 Jahren fand dieses Spiel zum ersten Mal wieder in der 1. Bundesliga statt. Und nur zu klar: Die Karten waren nach ziemlich kurzer Zeit restlos ausverkauft. Im Vorfeld war bereits viel über dieses sogenannte „Hochrisikospiel“ geschrieben worden. In den Medien wurden schon reichlich berichtet und man stellte sich die Frage, ob das Sicherheitskonzept aufgehen würde. Dass das nicht ganz so gut geklappt hatte, haben die meisten Leser dieses Textes sicherlich im Vorfeld schon gemerkt.

Auch ich fragte mich im Vorfeld der Partie, warum man dieses Spiel auf einen Freitagabend gelegt hat. Das Spiel sollte ja ursprünglich nicht am 10. November stattfinden, da dieser Tag der Todestag von Robert Enke ist und man Pietätlosigkeiten aus dem Weg gehen wollte. Aber warum zur Hölle dann bei einem Abendspiel? Mal ganz ehrlich, eigentlich bot die Dunkelheit doch die optimalen Vorraussetzungen, bei diversen Vergehen unerkannt zu bleiben. Die Antwort auf diese Frage allerdings wird wohl nur die DFL beantworten können (falls das jemand von den Funktionären liest: Hinterlasst mir doch bitte mal eine Nachricht.).

PolizeiFreitagnachmittag war es dann endlich soweit. Mit ein paar Minuten Verspätung verließ der Sonderzug mit um etwa 17.15 Uhr den Bahnhof Braunschweig. Kurz vor Hannover wurden dann mehrere Notbremsen gezogen, sodass der Zug für einige Zeit still auf den Schienen stand. Mit einer etwa 25-minütigen Verspätung kam man dann am Bahnhof Linden/Fischerhof an und wurde gleich von der Polizei in Empfang genommen. Im Hintergrund waren einige sensationsgierige Reporter zu sehen, die die Ankunft filmten. Hier kam es bereits zu ersten Böllerwürfen und dem Zünden von Rauchtöpfen. Auf dem Weg zum Stadion gab es dann bereits einige Konfrontationen mit der Polizei. Pfefferspray wurde recht schnell eingesetzt, sodass einige Personen gezwungen waren, sich die Augen mit Wasser auszuspülen.

Vor allem die Bundespolizei hatte heute scheinbar einen sehr starken Mitteilungsdrang. Alle paar Minuten konnte man Aussagen wie „Hier spricht die Polizei. Verhalten sie sich ruhig.“ hören. Ob man damit tatsächlich die Masse beruhigen kann, sei dahingestellt. Irgendwann ging der Mann hinter dem Mikrofon den Braunschweig-Fans auf gut Deutsch gesagt nur noch auf den Sack. Es kam zu Pfiffen und Verhöhnungen. Kurz vor dem Gästeblock warteten dann auch hinter den Polizeiketten Reporter mit Kameras. Scheinbar wollte man heute nichts auslassen und jede noch so kleine Aktion der Fans ins schlechte Licht stellen. Dass dieses vorrangig von Sendern geschah, die nachmittags das sogenannte „Assi-TV“ senden, sagt doch schon vieles über die Mission, hier möglichst negative Berichterstattung zu tätigen, aus. Die eine oder Backpfeife wurde hier von Eintracht-Anhängern verteilt.

Kurz vor dem Gästeblock dann auch Leuchtraketen in eine Art Bierpavillon, in dem sich Anhänger der Roten befanden. Die Polizei fackelte nicht lange und drängte die Masse mit Pferden zurück. Zur Abschreckung wurde dann auch ein Wasserwerfer vor dem Gästeeingang aufgefahren, der aber letztendlich nicht eingesetzt wurde. Besonders sinnvoll war auch die Tatsache, dass zeitgleich direkt neben dem Stadion ein „The Boss Hoss“-Konzert stattfinden sollte. Einige Fans der Band warteten sichtlich verdutzt beim Marsch der Braunschweiger hinter der Polizeikette. Die Polizei sagte ein paar Mal durch, dass sich die Musikliebhaber hinter dem Wasserwerfer entlang zum Konzert kommen würden. So etwas haben diese wohl auch noch nicht erlebt.

BTSVUnd das sogenannte Sicherheitskonzept? Scheinbar beim Gästeeingang nicht vorhanden. Nachdem die sinnlose Hinhaltetaktik fast 75 Minuten lang durchgezogen wurde, wurden einige Anhänger sauer und fingen an zu drängeln, sodass eine Massenpanik drohte. Kurz darauf flogen dann alle möglichen Dinge in Richtung Security. Es wurde versucht, sich Zugang zu verschaffen. Die Ordner bemerkten, dass sie sich wohl lieber schnell verziehen sollten und taten dies auch. Die Karten-Kontrollgeräte wurden kurzerhand zur Seite geschoben und die Tore wurden geöffnet. Das war dann also das Sicherheitskonzept. Man braucht wohl nicht erwähnen, dass es folglich keine Kontrollen gab. Glück für die Leute, die im Vorfeld keine Karte bekommen hatten. Auch das pyrotechnische Material konnte nun unbehelligt mit ins Stadion genommen werden. Mit einem Schmunzeln nahm ich im Nachhinein der Partie die Aussagen von Martin Kind zur Kenntnis. Seiner Aussage nach müsse man feststellen, wie es dazu kommen konnte, dass soviel Pyrotechnik ins Stadion gelangen konnte. Ich denke, die Erkenntnis dürfte nicht allzu lange auf sich warten lassen.

HannoverHannover zeigt zu Beginn des Spiels eine beeindruckende Choreo, die sich über die gesamte Nordkurve erstreckte und im großen Stil Beleidigungen gegen den Kontrahenten enthielt. In Sachen Pyrotechnik wurde heute einiges geboten. Ich kann mich wirklich nicht dran erinnern, wann ich das letzte mal im Stadion live ein Spiel in Deutschland verfolgt habe, bei dem es wirklich konstant brannte. In der Nordkurve war ständig eine Fackel an und im Gästeblock wurde auch einiges mit hereingenommen. Auf beiden Seiten brannte dann jeweils geklautes Material. Einige Schals zerfielen im Laufe des Spiels zu Asche. Hannover gelang es allerdings nur wirklich selten, das Stadion voll mitzunehmen. Pöbeleien gegen den anderen Verein gab es das ganze Spiel über auf beiden Seiten en masse. Wirklich gewundert hat das wahrscheinlich keinen.

BannerDas Spiel lässt sich dann wohl mit einem Satz zusammenfassen: Viel Kampf und viele Fouls, die am Ende zu einer Punkteteilung führten. Das 0:0 war insgesamt das 1000. torlose Remis der Bundesligageschichte. Braunschweig hat der Punktgewinn geholfen, die rote Laterne an Nürnberg abzugeben und ist jetzt auch dank der Niederlage der Freiburger gegen Stuttgart punktgleich mit den Breisgauern. Hannover tritt ein wenig auf der Stelle. Nach drei Niederlagen und zwei Unentschieden ist eher ein Abwärtstrend zu erkennen. Bei der Braunschweiger Eintracht dagegen geht es ein wenig bergauf. Nach zuletzt zwei Spielen ohne Gegentor und immerhin sieben Punkten aus den letzten fünf Spielen verhält sich der Aufsteiger mit dem Mini-Etat ein wenig wie das Eichhörnchen und sammelt mühsam seine Punkte für das große Ziel Klassenerhalt. Beim direkten Duell der beiden Mannschaften, welche momentan im Tabellenkeller verharren, hat die Eintracht die Möglichkeit, in zwei Wochen drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz zu erarbeiten. Man darf gespannt sein.

BTSVNach dem Spiel wurde dann vom Auswärtsanhang noch einmal die Mannschaft gefeiert, die heute kämpferisch einiges an den Tag legte und den Punkt mit nach Hause brachte. Auf Heimseite wurde die Mannschaft ausgepfiffen. Das Remis bedeutet schließlich, dass die Eintracht selbst nach zehn Jahren weiterhin amtierender Derbysieger ist. Damals wurden die Roten im DFB-Pokal mit 2:0 nach Hause geschickt. Die Chance, den Spieß umzudrehen, bietet sich dann erst wieder in der Rückrunde.

Auf dem Rückweg vom Stadion zum Bahnhof gab es dann einige Pöbeleien in Richtung Pressevertreter. Mehr passierte jedoch nicht, sodass man recht schnell den Bahnsteig erreichte. Auch auf der Rückfahrt im Sonderzug passierte nichts mehr, was wirklich erwähnt werden müsste, und gegen 00:15 Uhr erreichten die mit dem Zug reisenden Eintracht-Fans schließlich wieder die Löwenstadt. Diversen Medien war zu entnehmen, dass es nach dem Spiel wohl in der Innenstadt noch mächtig zur Sache ging. Dabei wurden wohl einige Polizisten verletzt und Polizeibusse demoliert. Wer als Braunschweiger mit dem Zug an- und abgereist war, kam jedoch von diesen Vorfällen nichts mit.

Fotos: Ricardo Lichtenfeld

> zur turus-Fotostrecke: Hannover 96

> zur turus-Fotostrecke: Eintracht Braunschweig

Spielergebnis:
0:0
Zuschauerzahl:
47.200
Gästefans
4500

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1. Bundesliga
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