Oldenburg gegen Essen: 240 Jahre Fußballtradition auf Achterbahnfahrt

Oldenburg gegen Essen: 240 Jahre Fußballtradition auf Achterbahnfahrt

 
5.0 (6)
KH 07 November 2022

Vor einem Jahr lief im NDR (und in der ARD Mediathek) die Doku-Reihe "(Fast) vergessene Vereine" mit einer sehenswerten Episode über den VfB Oldenburg und dessen Geschichte, die einer Achterbahnfahrt gleicht: 1992 fast in die erste Bundesliga aufgestiegen, stürzte der Traditionsverein aus dem Norden ab, kam kurze Zeit später zurück für eine Stippvisite in der zweiten Liga um danach „fast“ im fußballerischen Niemandsland (Oberliga) zu verschwinden. 2013 der Aufstieg in die Regionalliga Nord und nun in diesem Jahr die langersehnte Rückkehr in den Profifußball.

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Tragische und glückliche Momente prägten die Geschichte des 1897 gegründeten VfB Oldenburg, genauso wie die von Rot-Weiss Essen (1907 gegründet) und genauso könnte man den Spielverlauf zwischen den beiden Klubs gestern im Oldenburger Stadion Marschweg beschreiben. Aufregend wurde es, aber bevor es losging konnte man sich mit warmer Bratwurst zum fairen Preis („Grüße gehen nach Mannheim“), Kuchen einer lokalen Bierspezialität und Gummibärchen stärken. Gut gestärkt musste man auch sein, denn das Spiel hatte es in sich. Aber erst einmal gab es etwas zu feiern in der Spielstätte mit der imposanten Dachkonstruktion in der der blau-weiße VfB seit 1991 (Nachfolger des als „Hölle des Nordens“ bekannten Donnerschwee-Stadions) spielt und zwar den 125. Vereinsgeburtstag.





Dieser war zwar schon am 17. Oktober und es gab schon ein Heimspiel danach (gegen Ingolstadt), aber einen schöneren und passenderen Rahmen für die Feierlichkeiten bot das Traditionsduell gegen Rot-Weiss Essen am 6. November. Ein rappelvoller Gäste-Stehblock (1.500 Fans) und ein paar hundert RWE-Fans auf der Haupttribüne bildeten eine wunderbare Gesamtkulisse von 7.797 Zuschauern in der die Choreo der Oldenburg Fans / Ultras auf der Gegengerade perfekt reinpasste. Auch wenn der erste Schriftzug „Die Geschichte des VfB beginnt im Jahr 1897, als einige Schüler des Herhartgymnasium auf dem Exerzierplatz der Infanteriekaserne an der Kranbergstrasse dem neuen Spiel aus England nachgingen“ etwas (wahrscheinlich aufgrund der Länge) schwer lesbar und gedrungen wirkte, entfaltete spätestens der zweite „Auf dass die Fahnen in den Farben Blau und Weiß für immer weiter wehen“ mit dem Fahnenmeer seine komplette stimmungsvolle Wirkung.





Motiviert von diesem sehenswerten Intro und angetrieben von den eigenen Fans legte der VfB Oldenburg sportlich richtig los. Rot-Weiss Essen konnte sich in den Anfangsminuten kaum von den schnellen Angriffen und hoch pressenden Norddeutschen befreien. Zu allem Überfluss zeigte Schiedsrichter Eric-Dominic Weisbach schon in der 15. Spielminute auf den Elfmeterpunkt nach einem nicht so einfach zu sehenden Foul von Andreas Wiegel (der im Mai in der Aufstiegsrelegation mit dem BFC Dynamo beim VfB gastierte) am Oldenburger Badjie. Der ehemalige Essener Max Wegner ließ sich die Tormöglichkeit nicht nehmen und knallte den Ball in die Maschen, auch wenn RWE-Keeper Golz die richtige Ecke ahnte.





Was ein früher Schlag für RWE, aber Essen erholte sich und kam zu zahlreichen Chancen. Einen Sololauf von Lawrence Ennali unterband Oldenburgs Torhüter Sebastian Mielitz nicht regelkonform, so dass der Unparteiische den zweiten Elfmeter des Spiels schon nach etwa 30 Minuten pfiff, diesmal für Essen. RWE und Elfmeter, eigentlich keine Erfolgsgeschichte in den letzten Jahren. Aber wie schon zuletzt im Niederrheinpokal beim Lokalrivaten ETB Schwarz Weiß Essen, so netzte „rot-weiss“ auch diesmal und das total souverän. Felix Bastians versenkte den Ball unhaltbar in die Maschen. Mit dem Ausgleich übernahm RWE die Spielkontrolle und ging kurz vor der Pause dann auch verdient durch einen Abstauber von Ron Berlinski in Führung, der sich bei seinem Jubel bei Initiator des voraus gegangenen Angriffs mit einem „F“ Zeichen bedankte: Dem wie immer agilen Felix Götze.





Auch nach dem Wiederanpfiff lief es optimal für die Gäste. Nach einem Freistoß von Niklas Tarnat köpfte Felix Bastians durch die Beine des Oldenburger Keepers und schnürte seinen Doppelpack. 3:1, RWE hatte dem VfB den Zahn gezogen. Denkste. Wie schon in Spielen zuvor so ließ sich Essen auch gegen Oldenburg manchmal perfekt auskontern. Nutznießer war Manfred Starke nach einem Pass von Max Wegner, der den 2:3 Anschlusstreffer erzielte. Die RWE Fans ahnten Schlimmes und nicht wenige dachten an das Niederrheinpokal-Achtelfinale gegen den Oberligisten ETB wo eine 3:0 Führung verspielt wurde. Und tatsächlich: Oldenburg gelang nach einer sehr schlecht verteidigten Ecke in der Starke alleine gelassen wurde der viel umjubelte und nicht unverdiente 3:3 Ausgleich.





Aber anders als gegen den ETB agierte Essen nun eiskalt und unbeeindruckt von der Aufholjagd der tapfer kämpfenden Oldenburger. Nach einem Einwurf in der 72. Spielminute war Björn Rother zur Stelle und köpfte den Ball (der wohl noch abgefälscht wurde) zum 3:4 ins Tor. Der Gästeblock nun außer Rand und Band und es kam noch besser für RWE: In der Schlußphase nutzte man eine Unaufmerksamkeit der Gastgeber und konterte nach einem schnell ausgeführten Freistoß mit erfolgreichem Abschluß bei dem VfB-Verteidiger Marcel Appiah vor dem Einschuss bereiten Lawrence Ennali den Ball in die eigenen Maschen zum 3:5 versenkte. Abpfiff.





Was ein spektakuläres Spiel, was für eine sportliche Achterbahnfahrt am 15. Spieltag mit dem sich Rot-Weiss Essen weiter in der 3. Liga festigt. Oldenburg (15 Punkte) bleibt knapp über dem Strich und RWE rangiert mit 20 Punkten auf Platz 11. Weiter geht’s für RWE direkt am 9. November zu Hause an der Hafenstraße (vor bestimmt 13.000 Zuschauern) gegen den SV Meppen (Rang 19 mit 12 Punkten). Aber Vorsicht: In der „verrückten“ Liga 3 kann jeder jeden schlagen und zum Träumen ist noch Zeit.

Alle Fotos: Bildagentur frontalvision.com

> turus Fotosstrecke VfB Oldenburg

> turus Fotostrecke Rot-Weiss Essen

 

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Spielergebnis:
3:5
Zuschauerzahl:
7.797
Gästefans
1700

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Danke für den Hinweis mit dem "VfB". Ist natürlich korrigiert ;-)

G
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VfB

Schöner Artikel, aber bitte unbedingt VfB im Teaser! (VfL sind die Handballerinnen)

R
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