1. FC Lok Leipzig vs. Energie Cottbus: Gut Ding will Weile haben

1. FC Lok Leipzig vs. Energie Cottbus: Gut Ding will Weile haben

 
5.0 (3)
R 14 November 2021

Bereits im 15.Jahrhundert prägte Claus-Dieter Wollitz den bis heute bekannten Spruch "Gut Ding will Weile haben". Nur sechs Jahrhunderte später sollte seine Aussage auch endlich im sportlichen Bereich Anwendung finden können. Wenig gealtert, aber dafür umso emsiger können Wollitz und seine Lausitzer einen ungefährdeten und hochverdienten Auswärtssieg in Leipzig-Probstheida einfahren. 

Der letzte Erfolg der Cottbuser beim 1.FC Lok Leipzig lag zwar wohlgemerkt keine sechs Jahrhunderte zurück, aber die Stadionuhr des HSV zeigt bereits knapp 45 Jahre an. In der DDR-Oberliga gewannen die Gäste im Frühsommer des Jahres 1976 mit 2-1 und gewannen die kommenden direkten Duelle gegen den 1.FC Lok ausschließlich im eigenen Wohnzimmer. Seit der Neugründung der Leipziger im Jahre 2004 gastierte der FC Energie Cottbus gar vier Mal im Bruno-Plache-Stadion und kassierte hierbei eine Niederlage und erkämpfte drei Unentschieden.

 

Kommen wir aber zur Gegenwart. Vor wenigen Wochen musste das Spiel aufgrund einiger Corona-Ausfälle und dazugehöriger Quarantäneverpflichtungen abgesagt werden. BlaBlaBla. Hat man alles schon mal gehört und gelesen, aber ist leider immer wieder erwähnenswert. Zum damaligen Zeitpunkt wären aufgrund der guten Form beider Teams, der noch geltenden 3G-Regelung und aufgrund des Wochentages wohl realistische 5000 Zuschauer ins Stadion gepilgert. Nun also ein Spieltag innerhalb der Woche. Im November. Spontan entschied sich das Bundesland Sachsen die 3G-Regelung in eine 2G-Regelung zu ändern. 

 

Währenddessen haben sich die minimalen Aufstiegsträume des 1.FC Lok dank einiger Punktverluste in Luft aufgelöst und auch die Cottbuser hinken ihren eigenen Erwartungen recht weit zurück. Wie wir aber bereits des Öfteren vom Gästecoach erfahren durften liegt dies alles an der Misswirtschaft der letzten Jahre und nicht am jetzigen eigenen Verschulden von Mannschaft und Trainerteam. Unentschieden bei Tennis Borussia Berlin und Niederlagen bei Tasmania Berlin liegen einzig und allein an seinen Vorgängern - "Danke (Hier bitte Namen einfügen)!". Im Vorfeld der Partie wurde viel gemunkelt und gemosert. Die aktive Fanszene des FC Energie Cottbus verkündete einen Auftrittsboykott. 

 

Mit etwas gedrückter Laune und halbwegs dicken Winterklamotten gehts zum Stadion. Blaulicht links, Blaulicht rechts, Pferdehaufen direkt vor meinen Füßen. Am dunklen und vernebelten Horizont lassen sich die Hinterteile der Polizeipferde erahnen. Wissen die Politessen mehr als wir? Haben die Beamten nicht mehr genug Überstunden zum Abbauen? Mussten die Pferde eh mal ausführt werden, weil in den letzten drei Tagen keine Demos in Leipzig mehr eskalierten? Fragen über Fragen. Vor dem Stadion auch ein absolut ungewöhnliches Bild. Lange Schlangen an den Eingängen. 

 

Eine ähnliche Massenansammlung habe ich zuletzte tatsächlich beim Pokalspiel gegen Bayer Leverkusen erlebt. Ich gehe zum jetzigen Stand einfach von einem völlig überforderten Sicherheitspersonal an den Eingängen aus und erwarte weiterhin nicht viel. Schnell noch die Presse-Weste abgeholt und rein ins Stadion und siehe da - Gut gefülltes Stadion, knapp 300 Personen im Gästeblock und die typische Flutlichtatmosphäre. Alle negativen Gedanken verflogen in diesem Moment. 

 

Hinter der allseits bekannten "Chosebuz" Fahne platzierte sich der kleine aber feine Stimmungsmob, der sich im kompletten Stadionrund gut hörbar in Szene setzte. Die "Ultima Raka" distanzierte sich erneut vom Aufruf der aktiven Fanszene und zog mit einigem Anhang ihr eigenes Ding durch. Die Fankurve der Loksche verzichtete komplett auf Ultrastuff und platzierten die meterlange "1.Fussballclub Lokomotive Leipzig" vor der Kurve. Ab und zu gab es mal einen Schlachtruf zu hören, aber auch hier überwog der Frust über die neuen Regeln und Gesetze. 

 

Spielerisch konnten die Leipziger den Gästen auch nicht viel entgegensetzen. Nach einer ausgeglichenen Anfangsphase mit Chancen auf beiden Seiten erzielte Maximilian Pronichev den Führungstreffer für die rot-gekleideten Gäste. Diese spielten wie ein Aufstiegsanwärter und ließen recht wenig Zweifel am Auswärtserfolg aufkommen. Zografakis erhöhte kurz vor dem Pausenpfiff zum 0-2, ließ den Gästeblock explodieren und den Rest des Stadions in Kälte und Frust erstarren. Auch wenn die Leipziger Lebensversicherung Djamal Ziane in der zweiten Hälfte verkürzen konnte, hatten man selten den Eindruck, dass das Spiel kippen könnte. Erneut war es Pronichev der den alten Vorsprung wieder herstellen konnte und somit auch den Schlusspunkt setzte.

 

Für die Leipziger eine misslungene Generalprobe vor dem Ortsderby. Die Cottbuser rücken in der Tabelle an die Loksche heran und könnten mit einem Erfolg im Nachholspiel auf sieben Punkte an die Tabellenspitze heranrutschen.

Bericht: "schwarze_natascha" (externer Link zu Instagram)

Fotos:"schwarze_natascha" (externer Link zu Instagram)

> zur turus-Fotostrecke: 1. FC Lokomotive Leipzig

> zur turus-Fotostrecke: FC Energie Cottbus

 

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Spielergebnis:
1:3
Zuschauerzahl:
3.795

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