Dynamo Schwerin vs. Stahl Brandenburg: Lässiger kann ein Freundschaftsspiel kaum sein

Dynamo Schwerin vs. Stahl Brandenburg: Lässiger kann ein Freundschaftsspiel kaum sein

 
5.0 (4)
MB 20 Juli 2021

„Die BSG Stahl Brandenburg wird niemals untergeh’n …“ Prima Stimmung im RE2 von Berlin nach Schwerin am vergangenen Samstagvormittag. Knapp 40 Fans des FC Stahl Brandenburg, der aktuell in der Landesliga zu finden ist, hatten sich als Gruppe auf den Weg gemacht, um ihren Verein auswärts beim frisch gebackenen Verbandsligaaufsteiger SG Dynamo Schwerin zu unterstützen. Zungeschnalzen gab es auch bei mir, als ich vor wenigen Wochen vom geplanten Freundschaftsspiel auf der Paulshöhe erfahren hatte. Das ist doch mal nen Spiel mit Klang! Zumal ziemlich schnell klar war, dass sich die Stahl-Anhängerschaft diesen Leckerbissen nicht nehmen lassen würde. Für mich fiel die geplante Sause jedoch ins Wasser. Hochgelegtes Bein auf der heimischen Couch statt Regionalexpress nach Schwerin. Ibo 600 und Spritze in den Bauch statt Bierchen und Bratwurst. Dem im polnischen Leszno erlittenen Wadenbeinbruch sei Dank. Somit machte sich Tobi allein auf den Weg in die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern. Aber was heißt allein? In seinem Waggon saßen ja die 40 Stahl-Fans und sorgten für beste Unterhaltung.

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Ob es dieses Duell zu DDR-Zeiten schon einmal gab? Spontan würde man sagen, na klar, beide Vereine haben doch einen gewissen Namen. Allerdings muss man zu bedenken geben, dass in der DDR-Liga (zweithöchste Spielklasse) stets in verschiedenen Staffeln gespielt wurde. Von daher boten sich im Pflichtspielbetrieb gar nicht so viele Möglichkeiten, sich zu begegnen. Um es genau zu sagen: Zu finden sind drei Partien im Netz. Am 14. Oktober 1978 empfing die BSG Stahl Brandenburg in der zweiten Rundes des FDGB-Pokals die SG Dynamo Schwerin im Stadion der Stahlwerker.



Stahl wurde damals von Karl Schäffner trainiert, bei Dynamo war es das Duo Horst Löhle und Horst Schulz, welches das sportliche Treiben leitete. Vor 600 Zuschauern war es Rainer Fliegel, der in der 24. und 43. Minute die Brandenburger mit 2:0 in Führung bringen konnte. Nach knapp einer Stunde erzielte Dietmar Hirsch den Schweriner Anschlusstreffer, doch mehr war an diesem Tag nicht zu holen.



Ein Wiedersehen gab es im Frühjahr 1984, als in der Aufstiegsrunde um den Sprung in die DDR-Oberliga gekämpft wurde. Dietmar Hirsch, nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Legende des MSV Duisburg, war auch bei jenen Partien für die SG Dynamo Schwerin am Start. 4.300 Zuschauer wollten am 13. Mai 1984 auf der Paulshöhe das Duell der Schweriner gegen die BSG Stahl Brandenburg sehen. Wie bereits sechs Jahre zuvor im FDGB-Pokal ging Stahl mit 2:0 in Front, und wieder wurden beide Tore von einem Spieler geschossen. Dieses Mal war es Frank Jeske, der in der 23. und 38. Minute den Doppelpack schnüren konnte. Kurz nach der Pause war es Jens Bochert, der mit seinem Treffer die Hoffnung bei den Heimfans weckte. Am Ende blieb es jedoch beim knappen 1:2. Das Rückspiel am 16. Juni 1984 wollten rund 7.000 Fußballfreunde sehen. Stahl war auf Aufstiegskurs und hatte sich auch gegen die anderen Gruppengegner BSG Motor Suhl, die als Zweiter den einmaligen Sprung nach oben schaffte, ASG Vorwärts Dessau und BSG Sachsenring Zwickau durchsetzen können. Befreit aufgespielt wurde dann gegen Dynamo Schwerin. Holger Döbbel, Frank Jeske (2x), Winfried Kräuter, Eckhard Märzke und Peter Schoknecht machten Brandenburg an der Havel glücklich, Bernd-Uwe Schulz gelang in der 78. Minute nur der Ehrentreffer.



37 Jahre später gab es nun ein Wiedersehen. Und wieder gingen die Brandenburger mit 2:0 in Führung! Bevor es jedoch dazu kam, gab es für die mit der Bahn angereisten Stahl-Fans ein schmuckes Gruppenfoto mit dem Schweriner Schloss im Hintergrund. Im Sportpark Paulshöhe sorgten schließlich insgesamt 420 Zuschauer für eine tolle Atmosphäre bei bestem Sommerwetter.

Wie es sich gehört, setzten sich beide Fanlager für den Erhalt der Paulshöhe ein. „Paulshöhe du bist ne Legende wie das Flutlicht am Quenz“ und „Unsere Heimat Paulshöhe für immer“ war hinter dem Tor unübersehbar zu lesen. Im späteren Verlauf gab es noch eine große schwarze Blockfahne mit der fetten weißen Aufschrift „Paulshöhe für immer“ zu sehen. Und damit das Ambiente auch wirklich passte, kamen in beiden Fanlagern Rauch und Fackeln zum Einsatz.

Nach nur wenigen Sekunden vom Platz musste der Stahl-Spieler Niko Baumann, der ohne gegnerische Einwirkung umgeknickt war. Keine Tore fielen im ersten Spielabschnitt, und neben der einen oder anderen guten Möglichkeit war die FairPlay-Aktion in der 33. Minute das Highlight. Nach einer falschen Einwurfentscheidung warf Stahl-Spieler Max-Bennet Säger den Schwerinern den Ball zu.



Nachdem nach der wohl verdienten Pausenerfrischung zwei Warnschüsse in beide Richtungen abgegeben wurden, gab es in der 58. und 60. Minute einen Brandenburger Doppelschlag zu sehen. Zuerst traf Lukas Hehne ins Schwarze, dann legte Leon Sitz mit einem Freistoß zum 2:0 für den FC Stahl nach. Nachdem bis zum Ende der regulären Spielzeit keine Treffer mehr fallen wollten, rechneten die meisten bereits mit dem Brandenburger 2:0-Erfolg. Doch dann! Nach einem Foul an Aleksandrs Kartisovs gab es in der 91. Minute Elfmeter für Dynamo Schwerin, den Nicklas Klingberg verwandeln konnte. Und es kam noch besser! Dynamo drückte nun und kam zu Chancen. Nachdem in der 90.+4. Minute Johannes Ernst den Ausgleich auf den Fuß hatte, war es zwei Minuten später Johannes Ernst, der nach einer Ecke von Evgeni Pataman mit dem Kopf das 2:2 klarmachen konnte.



Unter dem Strich ein Ergebnis, mit dem beide Seiten leben können. Und ganz sicher war es wieder einmal ein wunderbares Fußballfest auf der Paulshöhe, das Lust auf mehr macht. Paulshöhe erhalten!!!

Fotos: Tobi, Marco (Stadion am Quenz)

> zur turus-Fotostrecke: SG Dynamo Schwerin

> zur turus-Fotostrecke: FC Stahl Brandenburg

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Spielergebnis:
2:2
Zuschauerzahl:
420
Gästefans
50

Ligen

Inhalt über Liga
Testspiel
Stadionname:
  • Paulshöhe
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Sehr schön, dass Tradition an vielen Standorten bewahrt wird. Und der Paulshöhe kann man nur viel Glück wünschen. Möge der Abriss vermieden werden.

L
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Rückspiel

Wird es ein Rückspiel geben?

S
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