Regionalliga West: Neues von der „Kirmesliga“, Verband und Medien

Regionalliga West: Neues von der „Kirmesliga“, Verband und Medien

 
4.7 (12)
KH 03 Juni 2021

Eine Kirmes bedeutet Spaß, wo (fast) jeder machen kann was er will. Manche drängeln sich vor, manchen wird schlecht. Ähnlich verhält es sich zur Regionalliga West (4. Liga): Hier dürfen manche nach eigenen Regeln das Fußball-Karussell drehen, während andere frustriert am Rand zuschauen müssen und den „Wettbewerb“ regelkonform unter dem strengen Blick des Westdeutschen Fußballverband (WDFV) durchführen müssen. Die aktuellen Entwicklungen rund um den künftigen Aufsteiger in die 3. Liga und vor allem die Art und Weise der externen Kommunikation werfen aber leider kein gutes Licht auf Verband. Ein kritischer Kommentar:

Eigentlich ist alles angerichtet für das Saisonfinale der Regionalliga West. Der Aufsteiger wird „sportlich“ am 5. Juni (ab 14 Uhr) im Fernduell zwischen der (unsäglichen) zweiten Mannschaft des BVB und Rot-Weiss Essen ermittelt. Der Borussia reicht ein Unentschieden im Auswärtsspiel beim Wuppertaler SV, während RWE auf eine Niederlage der Schwarz-Gelben hoffen muss und selber mindestens einen Sieg mit zwei Toren Unterschied beim FC Wegberg-Beeck einfahren muss. Seit über einem Jahrzehnt hat Rot-Weiss Essen nicht mehr so eine starke Saison gespielt. 87 Punkte auf der Habenseite und nur wenige (teilweise vermeidbare) Ausrutscher. Aber auch die zweite Mannschaft des BVB zeigte in dieser Saison eine überragende Leistung (wenn auch teilweise nach eigenen Regeln) und hat aktuell den Spitzenplatz inne.

Ganz Essen fiebert dem Samstag entgegen, die Foren und Gruppen in den sozialen Netzwerken laufen über, dann platzte gestern (02.06.) eine Meldung des WDFV in die Vorfreude, die das Saisonfinale noch einmal unter neuen Gesichtspunkten darstellen lässt. So würden laut Pressemeldung des Verbandes Einsprüche „gegen die Spielwertungen einzelner beteiligter Vereine“ vorliegen, die die Entscheidung wer am Samstag aufsteigt vertagen würde. Einem Erdbeben kam die Meldung gleich und die Foren und Netzwerke kochen seitdem über. Dabei sollte man aber vor allem aber auch über die Art und Weise, wie der Verband diese vorgelegten Einsprüche gegenüber den Medien kommuniziert hat, diskutieren.

Muss ein Verband nicht neutral gegenüber den Vereinen und vor allem wertfrei gegenüber Einsprüchen jeglicher Art sein? Die Pressemeldung des WDFV suggeriert aber etwas anderes. So steht in dieser nicht der Einspruch der Vereine im Mittelpunkt, sondern unterschwellige Kritik an diesen, weil deswegen die vom Verband und von langer Hand geplante Meisterfeier für den entsprechenden Aufsteiger verschoben werden muss. Zitat: „Die Situation erschwert unsere Planungen derart, dass der WDFV nicht umhinkommt, die Ehrung zu verschieben. Dass bedauern wir sehr.“ Ernsthaft? Hier geht es um Traditionsvereine und deren sportliche Weiterentwicklung sowie Sorgen, und der Verband hat nichts anderes zu tun, als über eine verschobene Meisterfeier zu jammern? Das kann man kaum glauben, steht aber hier: Link zur Meldung.

Die Meldung gibt ansonsten kaum Informatives darüber, worum es eigentlich geht und welche Vereine Einspruch gegen welche Spiele eingelegt haben. Aber der Verband richtet direkt den Finger auf die ihm bekannten Vereine und zeigt ihnen so, dass die von ihm organisierte und verschobene Feier mehr wiegt, als das „rechtliche“ Anliegen der Vereine in der Herren-Regionalliga West, dessen Träger er doch ist. Wer im Visier steht, wird schnell klar, wenn man in die Gazetten schaut. Scheinbar hat der Verband einen Vereinsnamen, der Einspruch eingelegt hat, den Medien übermittelt. Es geht um den (Ironie an) „Lieblingsklub“ (Ironie aus) des Verbandes: Rot-Weiss Essen. Klar, dass die Medien ganz im Sinne des Verbandes auch ohne Detailwissen zack ihre Fließbandartikel raushauen und das mit schlagkräftigen Clickbait-Titeln wie „RWE! Einspruch gegen Spielwertungen - Meisterehrung verschoben“ oder „Trotz RWE-Einspruch: Wird BVB II Erster, wird gefeiert“. Dass es anscheinend nicht nur um den Einspruch von RWE geht, sondern angeblich auch von anderen Vereinen wird gar nicht erst versucht zu übermitteln. Der „Buhmann“ steht am Pranger und die Fans anderer Vereine springen auf den RWE-Shitstorm-Zug auf.

Schlechter Verlierer“, ist noch das freundlichste was in den Kommentaren geschrieben wird. Schaut man von außen auf die Situation, kann natürlich der Eindruck entstehen. Aber welche Vereinsführung, sei es in Oberhausen, Aachen, Wuppertal, Münster oder Köln, würde nicht alles für den eigenen Verein tun, damit dieser endliche diese „Kirmesliga“ verlässt. Zumal, wenn es eventuell um eine angebliche nicht regelkonforme Durchführung des Spielbetriebs eines anderen Vereins geht. Hand aufs eigene Fan-Herz, da wäre die eigene Vereinsführung im falschen Job, würde sie das nicht prüfen lassen. Das hat nichts mit „schlechter Verlierer“ zu tun. Man denke nur an die „Wechselfehler“ in der Bundesliga von König Otto, Trapattoni oder Winfried Schäfer. Diese wurden im Nachgang auch vom Verband entsprechend geahndet.

Der Aufruhr ist groß, aber noch ist keinem klar, worum es genau geht. Vermutlich um die Corona-Pause des BVB II aufgrund fehlender Spieler (Quarantäne), wobei gleichzeitig Spieler zur ersten Mannschaft geschoben wurden und diese auch beim DFB Pokalsieg mit in Berlin feierten. Auch könnte ein Fehler beim Einsatz von nicht berechtigten Spielern, da diese zu einem Zeitpunkt sich bei der ersten „festgespielt“ hatten, vorliegen. Nichts Genaues weiß man nicht. Etwas mehr Zurückhaltung in Sachen Kommunikation wäre an dieser Stelle der richtige Schritt gewesen, bis das Sportgericht den Einspruch klärt. Aber der Verband wollte die Öffentlichkeit halt anders informieren und zerrte damit den „Verursacher“ des Einspruchs vor die Medien- und Meinungskandare. Dabei muss doch der Verband seine Vereine schützen und vor allem die Regeleinhaltung kontrollieren.

Wie es weiter geht? Warten wir es ab. Hoffen wir auf eine sportliche Entscheidung. Ansonsten wird das Sportgericht sicherlich den wie auch immer ausgeprägten Einspruch korrekt entscheiden und der sonst professionell agierende Verband das dann sicherlich besser kommunizieren.

Foto: Symbolbild vom Spiel Rot-Weiss Essen gegen BVB II im März 2021

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Es geht nicht um schlechte Verlierer. Endlich hat mal ein Klub den Mut gegen das Gemauschele der zweiten Mannschaften mit dem Verband vorzugehen. Ich hoffe auch in der nächsten Instanz

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Essen wurde schon oft gefi**t von den Verbänden. Während andere galant durchkamen, wurde mit RWE kurzer Prozess gemacht.

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Wenn man der BILD glaubt, dann hat RWE wohl den Verband vor 4 Wochen aufgefordert die Spielberechtigungsliste des BVB zu prüfen. Bisher hat der Verband laut Zeitung nicht reagiert.

Das wäre der Hammer: Rumheulen weil keine Party steigt, aber selber nicht seine Aufgaben erledigen.

G
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Wir werden Essen nie vergessen
G
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Was ist das für ein Verband, ist ja wie beim NOFV

G
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Unaufgeregt

Endlich ein unaufgeregter sachlicher Artikel.

J
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