Der BFC Dynamo greift sich im Mommse den Berliner Pokal

Der BFC Dynamo greift sich im Mommse den Berliner Pokal

 
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MB 30 Mai 2021

Der BFC Dynamo schlägt den Berliner AK 07 mit 2:1 und schnappt sich nicht unverdient den Berliner Landespokal. Ohne Zuschauer / Fans war es jedoch irgendwie blöde. Textende. Na watt denn? Ist doch so. Wat jibbit hier noch zu schreiben? Wer Bock hatte, schaute sich im Biergarten seiner Wahl auf dem mitgebrachten Laptop den Livestream des RBB an und bestellte sich danach noch gleich nen frisch Gezapftes. Und da es in diesem Magazin in einem nicht unerheblichen Umfang um das Geschehen auf den Rängen geht, ist es gar nicht leicht, hier irgendwas zum Lodern zu bringen. Aber ick geb ma Mühe. Versprochen.

Vor dem gestrigen Berliner Pokalfinale musste ich tatsächlich überlegen, wann ich überhaupt das letzte Mal in einem Innenraum gestanden hatte. In den letzten Monaten war mein Plätzchen meist vor dem Fernseher bei Bier und Obstler. Die 3. Liga befand sich volle Kanne im Fokus, und Leber und Nerven mussten einiges verkraften. Da die Regionalliga Nordost und die unteren Ligen sowieso seit vergangenem Herbst ruhten, konnte ich mich voll und ganz dem Geschehen in der 3. Liga widmen. Zweimal saß ich während dieser Zeit in Rostock auf der Tribüne, und am vergangenen Wochenende ging an der Küste endlich mal wieder auch auf den Rängen (und draußen sowieso) fett die Luzie ab. 

Beim letzten Heimspiel des BFC Dynamo im altehrwürdigen Jahn-Sportpark gegen den SV Lichtenberg 47 durfte ich die Fotos von ganz, ganz oben machen, bei dem einen oder anderen Amateurspiel stand ich meist bei den Fans. In der einen Hand Stift, Notizblock und Kamera, in der anderen Hand den begehrten Gerstensaft. So zum Beispiel bei Lok Stendal. Und ja, Innenraum? Das muss wohl vor der grässlichen Corona-Krise gewesen sein.

Nach langer Zeit wurde am gestrigen Vormittag mal wieder die „große Kanone“ auf die Kamera geschraubt und der Rucksack sorgsam gepackt. Am Bahnhof Eichkamp wollten die wartenden Polizisten mich sogleich aufgreifen, doch konnte das Ganze rasch geklärt werden. Überhöflich wurde mir schließlich noch ein schöner Arbeitstag gewünscht, und mit dem Negativtest in der Tasche ging es zum Mommsenstadion. Das Einloggen über eine App war Pflicht, alles wurde akribisch notiert, doch immerhin gab es ein kleines Verpflegungstütchen und eine Flasche Mineralwasser. Weshalb im Innenraum die ganze Zeit eine FFP2-Maske getragen werden musste, kann ich nicht beantworten. Es ergab einfach keinen Sinn. Nur frisch getestet kam man als Pressevertreter in das Stadion, die Innenräume waren eh alle geschlossen, und auf der Tartanbahn war wahrlich genügend Platz. Der Sicherheitsabstand von 19,66 Metern konnte, wenn man wollte, auf der Gegengerade locker eingehalten werden. Durch einen Spalt schnupperte ich mal zwischendurch frische Luft und genoss den Geruch vom frisch geschnittenen Rasen.

Traurig war der Blick auf die Ränge. Null Zuschauer waren zugelassen. Während in Rostock (dort aber auch wirklich volle Pulle), in Kiel und Osnabrück zuletzt eine bestimmte Zahl Zuschauer zugelassen wurde, wurde im Berliner Landespokal noch voll auf Null gefahren. Völlig unverständlich, hätte man mit Schnelltests auch in diesem Fall auf Nummer sicher gehen können. Also bitte. Frische Luft. Ein mitgebrachtes negatives Testergebnis. Maskenpflicht. Kein Alkohol. 500 Tickets pro Seite. Man kann sich das wirklich nicht vorstellen, dass dies nicht umsetzbar war. Dass trotzdem ein paar BFC-Fans zum Mommsenstadion fahren würden, lag auf der Hand. Während einige von der Polizei abgefangen wurden, schafften es schätzungsweise 40 bis 50 Fans geschlossen den Vorplatz vor dem Zugang zum Gästebereich zu erreichen. Erfreulicherweise ließ man die Fans in Ruhe und unbehelligt bis zum Abpfiff supporten.

Was auf dem Rasen zu erwarten war? Einen Tipp abzugeben, war nahezu unmöglich. Sowohl der BFC Dynamo, als auch der Berliner AK 07 hatten im Halbfinale grandios überrascht. Während die Weinroten bei den Himmelblauen von Viktoria 1889 Berlin mit 3:0 gewinnen konnten, fegte der BAK die VSG Altglienicke mit 4:0 vom Platz. Eigentlich hätte es Mitte November 2020 die dritte Hauptrunde gegeben, in welcher der Berliner AK 07 bei SF Kladow und der BFC Dynamo bei Sparta Lichtenberg antreten hätten müssen, doch wurden sämtliche Partien abgesagt und am Ende durften jetzt nur noch die vier Regionalligisten die Sache unter sich ausmachen. 

Nun denn, ran an die Buletten. Beim gestrigen Finale ging es schließlich um die Qualifikation für die erste Runde des DFB-Pokals. Nach der zuletzt arg tristen Zeit würde ein schmuckes Los endlich mal wieder Würze reinbringen. Vorausgesetzt, dass im August Zuschauer zugelassen sind.  Motiviert gingen beide Teams zu Werke, beim BFC setzte Alexander Siebeck mit einem Schuss aus der zweiten Reihe eine erste Duftmarke. Auf der Gegenseite war es Ali Abu-Alfar, der in der 26. Minute zu einer guten Möglichkeit kam, beim Abschluss jedoch etwas wegrutschte. In der Folge machte der Berliner AK einen etwas besseren Eindruck. Kräftig aus den Tritt gebracht wurde der BAK jedoch kurz vor Pause, als Ugur Tezel nach einem erneuten Foul seine zweite gelbe Karte sah und vorzeitig zum Duschen gehen durfte.

Wenn zuletzt beim BFC Dynamo etwas ging - dann bei Standards! Und so auch gestern gegen den BAK. Marvin Kleihs brachte in der 49. Minute einen Freistoß herein, und Andreas Pollasch stand bereit und brachte den Ball mit dem Kopf im Kasten unter. 1:0 für den BFC Dynamo - draußen vor dem Stadion konnte die kleine Truppe zum Jubeln ansetzen. Nur drei Minuten später kam jedoch der BAK zu einer guten Möglichkeit und der Ball trudelte am linken Pfosten vorbei. Das Spiel lebte von der Spannung, und immer wieder trieb BFC-Keeper Kevin Sommer mit der Rückennummer 79 seine Mitspieler lautstark an.

Verrückt wurde es kurz vor Schluss. Nach einem langen Abschlag von Kevin Sommer kam vorn Matthias Steinborn an den Ball, spielte mit dem Gegner kurz Katz und Maus und machte schließlich das 2:0 klar. Traubenbildung an der Eckfahne, der Jubel konnte sich hören und sehen lassen. Der Grund war auch ein Doppelter. Es handelte sich um den 71. Treffer von Steinborn, somit ist er jetzt der Rekordtorschütze beim BFC Dynamo seit dem Mauerfall. 

In der Nachspielzeit gab es noch einen Foulelfmeter für den den BAK, den El-Jindaoui sicher verwandeln konnte, doch ließ der BFC nix mehr anbrennen und brachte die knappe Führung über die verbleibende Zeit. Zum siebten Mal konnte der BFC Dynamo seit 1990 den Berliner Landespokal gen Himmel stemmen.

Schön anzusehen war, wie nach der Siegerehrung die BFC-Spieler geschlossen hoch liefen zu den draußen stehenden Fans. Am Zaun konnte immerhin für ein paar Minuten eine kleine Pokal-Party steigen. Mehr war leider für die Fans am gestrigen Tag nicht möglich. Was bleibt? Die Hoffnung auf das geniale Kracher-Los. Die Hoffnung, dass endlich die Zuschauer in die Stadion zurückkehren dürfen…

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: BFC Dynamo

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