BAK 07 vs. BFC Dynamo: Überaus emotionaler Auswärtssieg im Poststadion

BAK 07 vs. BFC Dynamo: Überaus emotionaler Auswärtssieg im Poststadion

 
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MB 31 August 2020

Hätte mir jemand vor einem Jahr erklärt, dass die Gästefans aus Sicherheitsgründen nicht in den Gästeblock dürfen, sondern stattdessen mit auf der Haupttribüne Platz nehmen müssen, was hätte ich mir wohl gedacht? Was für ein Hirni? Was für ein Utopist? Was für ein Phantast? Nie im Leben hätten wir wohl alle erahnen können, dass es tatsächlich mal so kommen würde. „Hat jemand Bock auf das Auswärtsspiel beim BAK?“, fragte vor einer Woche ein Freund in unserer WhatsApp-Gruppe. Das Interesse hielt sich arg in Grenzen. Zum einen war da der grausig verkackte Saisonstart inklusive Ausscheiden im Berliner Landespokal 2019/20. Zum anderen ließ die Vorstellung, im Gästeblock des Poststadions bei in der Regel eher mieser Verpflegung herumzustehen, nicht gerade das Fußballherz hüpfen.

Aber dann! Plötzlich trudelte die Neuigkeit ein, dass aufgrund des aktuellen Hygienekonzeptes der Gästebereich geschlossen bleiben musste. Ah okay, keine zugelassenen Gästefans. Wen sollte das noch großartig überraschen, wenn sogar ein ganzer Spieltag von der Kreisliga bis hoch zur Landesliga abgesagt wird?! Ich wollte schon abwinken. Aber hey! Es kam anders! Statt in die abgelegene Gästekurve sollte es für die BFC-Fans mit auf die Haupttribüne gehen. Bingo! Das versprach unterhaltsam zu werden. Ruckzuck durfte unser Freund mal eben sechs Tickets besorgen. Die Tageskasse blieb indes geschlossen.

Wie zu alten Zeiten fuhr ich mit der S-Bahn zum Treffpunkt an der Weltzeituhr, und mein größerer Sohn erfreute sich an der krass zugesprayten S-Bahn, aus der man quasi auf einer Seite gar nicht mehr rausgucken konnte. Praktischerweise war direkt an der Weltzeituhr ein Holztisch aufgebaut, so dass das erste Kaltgetränk zu sich genommen werden konnte. Nach ein paar Freundschaftsspielen im Berliner Umland war die Regionalligapartie Berliner AK 07 vs. BFC Dynamo unser erstes richtiges Fußballspiel seit Anfang März. Damit ein wenig Auswärtsfeeling aufkam, nahmen wir kurzerhand den Regionalexpress, der uns vom Alex bis Hauptbahnhof brachte.

Vor Ort am Poststadion musste man sich in eine Adressenliste eintragen, anschließend wurde die Eintrittskarte gegen eine andere Karte getauscht. Somit konnte am Ende akkurat gezählt werden, wie viele Zuschauer denn wirklich auf den Rängen waren. Erstaunlicherweise nahmen nicht noch mehr BFC-Fans das Angebot an, auf der Haupttribüne sitzen zu dürfen. Wer nicht kam, dürfte das Wegbleiben bereut haben. Insgesamt waren es offiziell 416 Zuschauer, die das gestrige Spiel vor Ort verfolgt hatten. Rund die Hälfte von ihnen drückte den Weinroten die Daumen, 130 Fans hatten sich im Vorverkauf eine „Gästekarte“ gesichert. Der Rest wird sich vermutlich auf anderem Wege ein Ticket besorgt haben.

Und ja, man muss schon sagen: Der Unterschied, in der fernen Gästekurve zu stehen oder bequem unter dem Dach der historischen Haupttribüne zu sitzen, ist wahrlich eklatant. Der Blick auf das Spielfeld ist erste Sahne, das allgemeine Ambiente ist aufgrund der alten Stahlträger ebenso spitze. Ein bisschen wie England vor 30 Jahren. Und dass es unter dem Dach laut werden kann, durfte bereits nach wenigen Minuten bestaunt werden. Zuerst hieß es jedoch Plätze einnehmen - und zwar mit dem nötigen Abstand. Aufgrund der zahlreichen verfügbaren grauen Sitze war dies auch wirklich kein Problem. Es wurde weitgehend auf Selbstdisziplin gesetzt. Man hatte freie Platzwahl, und somit verteilten sich die 416 Zuschauer hübsch über den mittleren Bereich der Tribüne.

Nicht ganz unwichtig war zudem der Faktor, dass es richtiges Bier gab! Kein Lightbier, kein Abwaschwasser, sondern angenehmes kühles Fassbier. Da mir draußen sogar noch fix das Heftchen „Barney Bugle“ zugesteckt wurde, wurde es schon fast unheimlich. So viel Gastfreundschaft war ich beim Berliner AK 07 gar nicht gewohnt. Und es wurde ja noch besser, aber dazu später mehr. Wie gesagt, Aufpasser auf den Rängen gab es keine. Die Ordner hielten sich angenehm zurück, und auf Gästeseite war eh niemand auf Krawall gebürstet. Man wollte einfach nur Fußball schauen und selbstverständlich die eigene Mannschaft siegen sehen.

Aus Sicht der Weinroten ging es exzellent los. Bereits in der neunten Spielminute machte Benjamin Förster das 1:0 für den BFC klar, nach einer Ecke hatte er mit dem Kopf ins Schwarze getroffen. Laut brandete der Jubel auf, an vielen Stellen der Tribüne gab es kein Halten mehr. Zwar ermahnte der Stadionsprecher immer wieder die Gästefans, nicht allzu laute Gesänge anzustimmen, doch wollten es sich zahlreiche Fußballfreunde nicht nehmen lassen, ihre Mannschaft zu unterstützen. Verständlich, denn Trainer Christian Benbennek hatte seine Spieler optimal eingestellt. Das, was auf dem Rasen geboten wurde, war wirklich klasse, und somit wurde zwei Plätze neben mir im Freudentaumel ein „echt eines der coolsten Spiele der vergangenen Jahre“ in die besagte WhatsApp-Gruppe geschrieben. 

Nach monatelangem Schmachten und Fußballverzicht fühlte sich die gestrige Partie wahrlich mega an. Der BFC Dynamo ließ den viel zitierten Knoten platzen, und auch für die Fans war dieser Nachmittag ein echter Befreiungsschlag. Ein klares Zeichen: Auch zu harten Zeiten, die mit Regeln überhäuft sind, ist ein stimmungsvoller Fußballnachmittag möglich. Mehr noch: Es braucht quasi gar keinen Gästeblock. Wenngleich den BAK und den BFC nun wahrlich keine große Freundschaft oder gar Liebe verbindet, so wurde gestern klar ersichtlich, dass es funktionieren kann. Dass es dennoch zu der einen oder anderen kuriosen Situation kam, ist verständlich. Nachdem sich mein Sohnemann draußen eine Limo geholt hatte, wäre er trotz Ticket gar nicht mehr reingekommen. Erst als ein ebenso draußen Getränke holender Kumpel zum Ordner meinte, dass dies sein Sohn sei, durfte er wieder das Stadion betreten. 

Die Wege und Räumlichkeiten des Poststadions werde ich eh nie verstehen. Als mein Sohn und ich in der Halbzeitpause mal kurz drinnen Pipi machen gingen, fanden wir uns quasi ungewollt am Buffet wieder. Als ich dann auch noch gefragt wurde, ob Reis oder Nudeln, schnappten wir uns einen Teller. Da ich eh mit einer Runde dran war, wollte ich drei Bier und eine Cola in den Räumlichkeiten käuflich erwerben. „Kostet doch nix!“, wurde mir lächelnd erklärt. Ah ja, stimmt. Mit den Bechern wurde sich nun andersherum der Weg zurück auf die Tribüne gebahnt. Höflich wurde einem das Türchen aufgehalten, wenig später staunte ich nicht schlecht, als ich sah, dass die Gruppe bereits ebenfalls für Nachschub gesorgt hatten. Weil es so schön war!

Der Stand der Dinge: Nachdem Abdul Beyazit kurz vor der Pause nach einem Spielzug, der die gesamte Hintermannschaft des BFC aushebelte, nur noch einschieben brauchte, stand es nun 1:1.  Rückschlag? Nicht doch! Kaum wurde Platzgenommen, machte Benjamin Förster seinen zweiten Treffer des Tages. Als dann Lucas Brumme nach einer Stunde auf 3:1 erhöhen konnte, war der Drops gelutscht. Peng, rein mit dem Fünfer ins Phrasenschwein! Hier brannte nix mehr an. Bei misslungenen Spielzügen des BAK hallte ein lautes „Das war super, das war elegant!“ über den Platz. Am Ende des Spiels wurden die typischen Dynamo-Schlachtgesänge angestimmt, und die Mannschaft wurde ausgiebig gefeiert.

Kurios ging es draußen weiter. Der BAK und sein Catering meinten es fast zu gut. Als an einem Stehtisch das Spiel gemeinsam ausgewertet wurde, wurde der Biernachschub gratis hingestellt. Das Fass musste eh leer gemacht werden. Also dann, nur zu! Während es an verschiedenen Ecken der Stadt mächtig geregnet hatte, blieb unsere Truppe wie durch ein Wunder völlig trocken und ließ den tollen Fußballnachmittag bei einem Imbiss am Alexanderplatz ausklingen. Dass es so entspannt zugehen würde, hatte ich wahrlich nicht erwartet, und von daher an dieser Stelle mal ein ganz fettes Dankeschön an den Berliner AK 07! 

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrtecke: BFC Dynamo

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