Rot-Weiss Essen holt zum zehnten Mal den Niederrheinpokal

Rot-Weiss Essen holt zum zehnten Mal den Niederrheinpokal

 
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KH 22 August 2020

Pokalmarsch, starke Choreos und reichlich Emotionen auf den Rängen, so sah in den vergangenen fünf Jahren normalerweise das Niederrheinpokalfinale aus. Ob in Wuppertal, in Oberhausen oder in Essen die jeweiligen Finalspiele sorgten für reichlich Pulserhöhung auf den Rängen und für faszinierende Bilder. In diesem Jahr ist alles anders: Das Finale, welches eigentlich immer im Mai als „Finaltag der Amateure“ durchgeführt wurde, fand diesmal Ende August statt über ein Jahr nach Start der Pokalrunde (RWE spielte die ersten Runde am 7. August). Corona verändert nicht nur das täglich Leben, sondern auch den Sport. Keine Fans, kaum Emotionen von den Rängen, dafür ein Pflichtspiel mit Testspielcharakter.

Immerhin konnte heute der Niederrhein-Pokalsieger ausgespielt werden. Nach dem die Amateurligen aufgrund der Corona-Pandemie abgebrochen wurden, hielt sich lange das Gerücht, dass auch der Gewinner und damit Teilnehmer an der ersten Runde des DFB Pokals, aus den Halbfinalisten (Rot-Weiss Essen, TVD Velbert, 1. FC Bocholt, 1. FC Kleve) per Losverfahren ermittelt werden würde. Zum Glück wurde es aber sportlich entschieden. Erst mit den Halbfinalspielen TVD Velbert gegen Rot-Weiss Essen (0:2) sowie der 1. FC Kleve gegen 1. FC Bocholt (4:3 n.E.) und heute dann mit dem Finale im Stadion Essen vor 300 ausgewählten (family & friends) Zuschauern .



300 Zuschauer bei einem Pokal-Finale in Essen. Diese Zahl muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. In der abgelaufenen bzw. abgebrochenen Saison pilgerten 11.000 Fans im Schnitt an die Hafenstraße und normalerweise wären auch zum Finalspiel locker zwischen 15.000 und 20.000 Zuschauer gekommen. Corona macht allen einen Strich durch die Rechnung und zwingt die treuen RWE-Fans aufs Sofa vor den Fernseher oder Computer um ihre Mannschaft spielen zu sehen. Alleine für das Halbfinale in Velbert haben sich gut 2.000 von denen in den kostenpflichtigen Stream (fünf Euro) des Dienstes Soccerwatch eingeklingt, um das Spiel aus nur einer Kameraperspektive und mit von starken Windgeräuschen geprägten Ton und einen nicht immer hörbaren Kommentator zu sehen.



Das heutige Finale gab es dann für die Fans im (gebührenfinanzierten) Stream der ARD zu sehen. Nur wenige fanden auf der Haupttribüne Platz wobei ein Grüppchen aus Kleve versuchte wenigstens minimale Stimmung zu verbreiten. Fans die hofften einen Blick durch den Zaun zu erhaschen wurden enttäuscht, denn das Gelände rund um das Stadion war weiträumig abgeriegelt. Weiter als bis zur Kultkneipe Hafenstübchen kam nur jemand mit Ticket und natürlich Mund- und Nasenmaske. Wie auch bei Testspielen üblich musste sich jeder Besucher in Adressenlisten zur Rückverfolgbarkeit eintragen. Alles wirkte aber entspannt und war sehr gut durchorganisiert.



Gut organisiert war auch Rot-Weiss Essen von Minute eins an. Das sollte auch so sein, denn gegen den elften der Oberliga Niederrhein der Saison 2019/2020 (Abbruch nach 23 gespielten Spieltagen) war RWE der haushohe Favorit. Und diesem Status wurde der Traditionsverein von Beginn an gerecht. Mein Tipp unter den Fotografenkollegen lautete 6:0 und eigentlich hätte es das Ergebnis schon zur Halbzeit fast gegeben, wenn Essen seine Chancen eiskalter genutzt hätte. Fast im Minutentakt wurde das Tor des 1. FC Kleve, der mit dem Finaleinzug den größten Erfolg der Vereinsgeschichte feierte, aus allen Lagen und Winkeln beschossen. Marco Kehl-Gomez, Felix Backszat, Simon Engelmann oder Alexander Hahn, alle durften mal. Aber entweder stand der Torhüter im Weg, ein Spieler kratzte den Ball von der Linie oder Pfosten und Latte waren im Weg.



Die Erlösung dann für die es mit RWE hielten in der 39. Spielminute. Neuzugang Simon Engelmann netzte zum ersten von dreimal in diesem Finale für seinen neuen Klub. Mit 1:0 ging es in die Pause. Für Kleve ein schmeichelhafter Zwischenstand, der sie aber scheinbar motivierte, denn zu Beginn der zweiten Hälfte spielten sie auf und setzten starke Konter. Auf einen von diesen folgte ein Foul von Kevin Grund im Strafraum und ein verwandelter Elfmeter. Einen Euro ins Phrasenschwein: Wenn Du vorne die Dinger nicht machst, wirst Du bestraft.



Zittern und wacklige Füße bei RWE? Mitnichten. Nur drei Minuten später nahm Simon Engelmann Maß und platzierte seinen wenn auch leicht abgefälschten Schuss im Tornetz der Klever. Das 2:1 war noch nicht das K.O für den Oberligisten, der stemmte sich gegen die Niederlage. Als der Schiedsrichter dann aber in der 82. Spielminute auf den Punkt zeigte und Engelmann verwandelte, war das Finale verloren, bzw. für RWE gewonnen. Essen hatte noch zwei weitere hochkarätige Chancen, aber am Ende blieb es beim verdienten zehnten Pokalsieg.





Die Finalshirts „Über Bielefeld fahren wir nach Berlin“ auspackt und überzogen wurde der Pokalsieg feucht-fröhlich gefeiert. Rot-Weiss Essen trifft nun in der ersten Runde des DFB Pokals auf den Bundesligisten Arminia Bielefeld (12. September), wie schon vor vier Jahren wo RWE knapp im Elfmeterschießen verlor. Die Teilnahme an der ersten Runde ist für den Traditionsklub vor allem finanziell wichtig. Anders als die Bundesligisten leben die Klubs in Liga 4 neben den Sponsorengeldern besonders von den Zuschauereinnahmen, insbesondere in Essen mit so einer großen Anhängerschaft. Einnahmen aus Eintrittsgeldern und Catering bei Zuschauerzahlen um die 11.000 sind nicht mal eben so zu verkraften.



Umso wichtiger das Klub und Fans an einen Strang ziehen: Nicht nur die Corona Aktionen um virtuelle Heimspiele, Biere und Würstchen wurden dankend angenommen auch die aktuelle Dauerkartenaktion wird überwiegend wohlwollend und positiv von der Fangemeinde aufgenommen. Obwohl es seitens der Politik derzeit keine Anzeichen dafür gibt, die Stadien für eine kleine Anzahl an Besuchern zu öffnen, haben nicht nur die Profivereine sondern auch einige Regionalligavereine Konzepte für Spiele mit Zuschauern vorgelegt. In Essen ist man sich mit der Stadt einig 5.000 Fans ins Stadion lassen zu können, also alle Fans die in der vergangenen Saison über eine Dauerkarte verfügten.

Obwohl es noch kein „Go“ von der Politik gibt, verkauft RWE die Dauerkarten für die in zwei Wochen startende Regionalligasaison (Saisonauftakt gegen den SC Wiedenbrück am 4. September) mit dem Bonus und gleichzeitig Novum das Spiel live im Internet per Stream sehen zu können, wenn ein Besuch im Stadion nicht erlaubt ist. Eine starke Aktion vom Verein, vor allem da der Preis der Dauerkarte nicht steigt. Dazu soll es Angebote geben einzelne Spiele streamen zu können.



Natürlich ist ein Spiel vom Sofa zu schauen nicht das gleiche, als wenn man es von der emotional aufgeladenen „West“ sieht. Selbst die Spieler hätten heute lieber vor einem feiernden Publikum gespielt, wie Amara Conde der nach dem Spiel den neuen im Team mit Blick auf die Stehplatztribüne wehmütig mitteilte: „Die wäre heute eigentlich komplett voll“. Wann die „West“ wieder voll ist, weiß keiner, aber irgendwann wird es soweit sein bis dahin gibt es Fußball einer ganz anderen Art.

> zu den Rot-Weiss Essen Fotos

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Inhalt über Klub(s):
Spielergebnis:
3:1
Zuschauerzahl:
300
Gästefans
100

Ligen

Inhalt über Liga
Landespokal
Stadionname:
Stadion Essen
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Immerhin gewonnen. Weiter gehts. Wir stehen das durch

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