Vor 7 Jahren: Als Hansa Rostock in Aachen vor Freude komplett ausrastete!

Vor 7 Jahren: Als Hansa Rostock in Aachen vor Freude komplett ausrastete!

 
5.0 (9)
R 13 April 2020

Blau-Weiß-Rot in Ekstase. Man schrieb den 12. April 2013, als der F.C. Hansa Rostock bei Alemannia Aachen antreten musste. Die Lage war bei beiden Vereinen damals alles andere als goldig. Doch während Alemannia mit 23 Punkten bereits auf dem letzten Tabellenplatz festhing, schlingerte die Kogge noch knapp über der roten Linie. Ein Sieg auf dem Tivoli - und die Sache würde wieder etwas besser aussehen. Allerdings ließ die 0:2-Niederlage gegen Arminia Bielefeld in der Woche zuvor den Hansa-Fans die Haare ausreißen. Es war mal wieder zum Mäusemelken. Stand es zur Pause vor 9.000 Zuschauern im Ostseestadion (damals noch DKB-Arena) noch 0:0, so klingelte es direkt nach der Pause im eigenen Gehäuse. Nach einer Stunde stand es dann 0:2 - und die Zuschauer waren restlos bedient. Jetzt erst recht! Alle nach Aachen! Und das an einem Freitag! Mit dabei war damals auch unsere Autorin Mia B., die ein paar Sätze in ihrer gewohnte locker flockigen Art auf Papier - oder besser gesagt auf den Bildschirm - gebracht hat. Also dann! Viel Spaß bei der Zeitreise!

Heute vor sieben Jahren… Samstagmorgen. Du wachst mit einem fetten Grinsen im Gesicht auf. Immer noch musst du vereinzelten Leuten erzählen, was da gestern passiert ist. Was war passiert?

Zwei Tage vorher, Donnerstag. Du sitzt auf Arbeit, völlig entschlossen, am nächsten Tag nicht wieder deine gesammelten Überstunden für eine erneute unmögliche Leistung deiner Mannschaft zu opfern. Zu groß ist immer noch der Frust, der sich nach dem Auftritt am vergangenen Wochenende angestaut hat. 

Plötzlich bekommst du eine Nachricht von Andy Win: „Ich fahr morgen doch. Hab auch schon paar andere, die mitfahren. Mit dir wäre das Auto voll“.  So überzeugt, wie du gerade noch warst, garantiert nicht nach Aachen zu fahren... wirklich zögern tust du nicht, als du zu deiner Chefin gehst und fragst, ob du morgen Mittag abhauen kannst. 

Am Freitag geht es dann los. Knapp 530 Kilometer, selbst ohne Verkehr gute fünf Stunden Fahrt. Und das ganze, so denkst du, für eine erneute, ganz bittere Niederlage. So richtige Hoffnung hat irgendwie keiner der 600 Leute, die sich auf den Weg machen. Der einzige kleine „Hoffnungsschimmer“, der Optimismus durchblicken lässt, ist eine Raststätte auf dem Weg: Siegerland! Ihr seid euch trotz allem Pessimismus einig, dass das eure Anlaufstation für die Rückfahrt wird. 

Du kommst gerade pünktlich zum Anpfiff ins Stadion. Deine Mannschaft spielt gar nicht so schlecht, erarbeitet sich ein, zwei nennenswerte Chancen und geht sogar in Führung. Doch dann passiert mit deiner Mannschaft erstmal nichts mehr. Stattdessen drehen die eigentlich schon als Absteiger feststehenden Gastgeber auf. Ein KOPFBALL aus 20 Metern und ein Freistoß sorgen für den Rückstand zur Pause. Hinter dem Gästeblock purer Frust. Es fällt ein Satz, der dir endgültig klar macht, was hier gerade passiert: „Wenn du hier heute verlierst, steigst du ab!“

Bääm! Der hat gesessen. Genau so war es tatsächlich auch, nur hast du das bis zu diesem Moment erfolgreich verdrängt. Immer noch bedrückt von dieser Aussage gehst du wieder in den Block und musst mit ansehen, wie deine Mannschaft sofort nach Wiederanpfiff das 1:3 frisst. Das war’s. Ende Aus Micky Maus. Wärst du doch lieber konsequent geblieben und hättest dich nicht überreden lassen, mitzufahren. 

So wirklich Stimmung ist nicht mehr im Block, als einer der jungen Wilden aus dem eigenen Nachwuchs deines Vereins einfach mal drauf hält und das 3:2 erzielt. Die Freude über dieses Tor hält sich in Grenzen. Keiner glaubt daran, dass dieser Treffer irgendwas auslösen könnte. Aber es hat was ausgelöst! Kurz darauf liegt die Kugel schon wieder im Tor vor dem Gästeblock. Ausgleich. Der Block verschiebt sich mal eben um eine Reihe nach vorn und du bist froh, dass dich dein Nebenmann festhält. 

Und dann plötzlich passiert etwas, womit wirklich KEINER im Stadion gerechnet hat. Fast vom Anstoß weg verliert Aachen den Ball, kommt dann in der Abwehr überhaupt nicht klar und auf einmal liegt der Ball wieder im Tor. Im Gästeblock hauen 600 Leute einen Torjubel raus, den Du dein ganzes Leben lang nicht mehr vergessen wirst. Wenn unerwartete pure Freude auf absolute Erleichterung trifft, dann passiert eben genau sowas. Es ist einfach nur Wahnsinn und selbst du, sonst immer sofort mit dem Gedanken „jetzt müssen wir das nur noch über die Zeit bringen“ brauchst ein paar Minuten, um wieder runterzukommen. 

Aber deine Mannschaft kämpft plötzlich auch wieder, schlägt die Bälle hinten raus und verteidigt so die wertvollen drei Punkte. Als der Abpfiff im Gästeblock wahrgenommen wird, könnte man meinen, deine Mannschaft hat das fünfte Tor geschossen. Noch lange nach Abpfiff stehst du mit Freunden zusammen und versuchst zu begreifen, was da gerade passiert ist. Es sollte eins dieser Spiele gewesen sein, für das du auch sieben Jahre später keinen Spielbericht beim Kicker suchen wirst. Der Ablauf, die Torschützen, der Jubel, einfach alles wird für immer im Kopf bleiben. Mit den Worten „Dieser Verein macht mich fertig!“ setzt du dich über eine Stunde nach Spielende ins Auto und trittst den Heimweg an. Natürlich mit dem kleinen Zwischenstopp, der schon auf der Hinfahrt ausgemacht wurde.

Nachtrag: Torschütze des 4:3-Siegtreffers heißt Ondřej Smetana! „Smetana“ bedeutet im Polnischen und Russischen „Schmand“ oder „Sahne“. Keine Frage, das war wirklich allererste Sahne! :-)

Torfolge:

0:1 Michael Blum (22. Min)

1:1 Timmy Thiele (23. Min)

2:1 Oğuzhan Kefkir (45. Min)

3:1 Oğuzhan Kefkir (62. Min)

3:2 Tom Weilandt (76. Min)

3:3 Johan Plat (80. Min)

3:4 Ondřej Smetana (82.)

Fotos: Aumi

> zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock

 

Spielergebnis:
3:4
Zuschauerzahl:
9.323
Gästefans
600

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Nur der FCH
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Genial von euch.

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