Zurück zu SpVgg Fürth! Erläuterte Hintergründe im ausführlichen Interview

Zurück zur SpVgg Fürth! Erläuterte Hintergründe im ausführlichen Interview

 
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MB 31 März 2020

Manchmal braucht es halt ein wenig Zeit. Bereits Anfang November vergangenen Jahres war ein Bericht / Interview zur laufenden Kampagne „Zurück zur SpVgg Fürth“ geplant. Wie heißt es auf der Webseite dieser Kampagne? „Die Zeit ist reif! Nein, nicht für ein bisschen Zärtlichkeit, sondern für etwas, das viele Menschen in Fürth seit langem beschäftigt. Trotz aller Bemühungen, trotz Spruchbändern, Briefen und vielen Gesprächen reden nicht wenige Menschen in Fußball-Deutschland noch immer von den Greuthern oder von den Greuther Fürthern, wenn sie unser Kleeblatt meinen. Damit soll und muss Schluss sein – und dafür werden wir kämpfen.“ Keine Frage, das klingt spannend und unterstützenswert! Somit schickten wir Christoph ein paar Fragen per Mail zu, die er in Ruhe über den Jahreswechsel beantworten wollte. Zuerst viel um die Ohren - und dann auch noch die über uns alle hereinbrechende Corona-Krise. Umso schöner, dass jetzt das Ganze online gehen kann:

turus: Den TSV Vestenbergsgreuth gibt es ja noch, damals trat nur die Fußballabteilung bei. Wie ist das denn nun? Seit wann spielt dieser Verein in der A Klasse? Wie kann es sein, dass er jetzt wieder eine Männermannschaft am Start hat?

Christoph: Servus zunächst aus Fürth und danke für die Möglichkeit auch auf eurer Plattform unsere Kampagne vorzustellen.

1996 trat der TSV Vestenbergsgreuth unserer Spielvereinigung bei. In den Anfangsjahren wurde teilweise das Sportgelände des TSV mitbenutzt. Für einen Profi-Verein sind die Gegebenheiten jedoch nicht ausreichend. Somit hat man sportlich keinerlei Berührungspunkte mehr mit Vestenbergsgreuth. Den Spielbetrieb hatte der TSV bis 2007 ausgesetzt. Knapp 10 Jahre später hat der TSV dann wieder eine Mannschaft angemeldet und kickt seither in der A-Klasse. Zweifelsohne besteht in Vestenbergsgreuth aktuell kein Interesse mehr auf eigenen Profifussball. Der ganze Verein hätte sowieso keine Chance im Profi-Geschäft zu überleben. Um sich die Dimensionen vorzustellen: Der TSV besteht lediglich aus zwei-drei Sportplätzen, einer kleinen Tribüne und ist eher wie der typische Dorfverein inklusive Vereinsleben aufgestellt. Und eben dieses Vereinsleben wollte man beim TSV wohl wieder ein bisschen fördern. Seither gibt es also wieder eine eigenständige Mannschaft in Vestenbergsgreuth.

 turus: Welche eigenen Ambitionen hat eigentlich der TSV Vestenbergsgreuth?

Christoph: Um zu erklären, warum der TSV unserer Spielvereinigung überhaupt beigetreten ist, muss man zunächst ein bisschen weiter ausholen. Der Spielvereinigung ging es zu dieser Zeit aufgrund von Misswirtschaft sehr schlecht. Wir mussten beispielsweise unser Sportgelände verkaufen und auch die Stadt Fürth hatte wenig Interesse an der Unterstützung unserer Spielvereinigung. Jedoch hatten wir für damalige Verhältnisse eine gute Infrastruktur, ein ausgeprägtes Vereinsleben mit etlichen Sportvereinen und eine für damalige Verhältnisse anständige und treue Fanbasis. In Vestenbergsgreuth war es umgekehrt. Unter dem top Geschäftsmann Helmut Hack mauserte sich der Verein bis in die dritte Liga. Jedoch wäre auch niemals mehr für den TSV möglich gewesen. Das wussten die Verantwortlichen damals natürlich auch. Aus diesem Grund reifte die Idee eines Beitritts bei der Spielvereinigung. Mit seinem Vorschlag des Beitritts überzeugte Herr Hack die Verantwortlichen der Spielvereinigung Fürth recht schnell. Es war zu diesem Zeitpunkt wohl der einzige Ausweg, wie man den Verein weiter am Leben halten konnte. Es kam zur Abstimmung in der Stadthalle Fürth und es wurde im zweiten Wahlgang entschieden, den Weg gemeinsam zu bestreiten. Der Namenszusatz Greuther, sowie der Holzschuh (der mittlerweile fast nirgends mehr zu sehen ist) aus dem Logo des TSV Vestenbergsgreuth waren die Zugeständnisse an den TSV Vestenbergsgreuth.

Zu dieser Zeit war jedoch kaum jemanden klar, was für Auswirkungen das ganze hatte. Herr Hack versuchte systematisch das Greuther zu pushen und als Marke zu etablieren. Alte Vereinspokale der Spielvereinigung Fürth wurden entsorgt und der Teil Spielvereinigung geriet immer weiter in den Hintergrund. Mit der Umbenennung wurden auch eine ganze Reihe rechtliche Hürden in die Vereinssatzung miteingebaut, dazu kommen wir weiter unten nochmal intensiver. Die Ambitionen des TSV Vestenbergsgreuth lassen sich mittlerweile relativ leicht erklären: Einfach wieder Fußball spielen und ein wenig Vereinsleben haben. So etwas fördert ja auch immer die Dorfgemeinschaft.

turus: Wie ist die Stimmung bei den Fans in Fürth?

Christoph: Seit dem Beitritt gab es immer wieder Proteste gegen das Greuther. In den Anfangsjahren wurde viel gegen den Holzschuh und vor allem Helmut Hack gewettert. Gerade zu Zeiten der Ultras Fürth wurde sich stark gegen die Vereinsführung und den Greuther Makel ausgesprochen. Den Kampf setzten dann die Sportfreunde Ronhof sowie die nachfolgenden Ultragruppen fort. Immer wieder kamen seitens der Spielvereinigung Zugeständnisse. Beispielhaft zu nennen wäre die Rückkkehr des Kleeblatts. Aktuell haben wir es geschafft durch die Kampagne eine sehr breite Masse hinter uns zu bekommen. Etliche Geschäfte, Firmen, Fans und Bürger der Stadt Fürth positionieren sich mittlerweile klarer gegen das Greuther, als es noch vor ein paar Jahren der Fall war. Standardaussagen früher waren: „Für mich war es schon immer das Kleeblatt oder die Spielvereinigung“. Dies hat sich wie geschrieben bereits deutlich geändert. Fast täglich stößt man auf den Slogan unserer Kampagne „Zurück zur Spielvereinigung“. Wir würden behaupten, es ist aktuell eines der brisantesten Themen innerhalb der Stadt.

turus: Möchte wirkliche jeder das Greuther ablegen?

Christoph: Fast jeder möchte das Greuther ablegen, nicht jeder traut sich das auch auszusprechen. Gerade innerhalb der Spielvereinigung meiden Vereinsmitarbeiter das Thema. Aus Angst jahrelange Kollegen zu vergraulen, aus Respekt vor einem Sponsor aus Vestenbergsgreuth und aus Respekt vor dem Erbe Helmut Hack’s. Man muss sich vorstellen, dass das Thema innerhalb des Vereins immer stiefmütterlich behandelt wurde. Niemand würde es wagen in der Öffentlichkeit sich contra Greuther zu positionieren, da man sofort als Nestbeschmutzer gelten würde. Nach außen möchte man als Einheit zusammenstehen und gibt dies in entsprechenden Statements immer wieder nach außen. Jedoch wünscht sich insgeheim fast jeder eine Rückkehr zum traditionellen Namen. Es ist ja auch einfach nur logisch. Niemanden bringt das Greuther etwas. Der Versuch die Marke zu etablieren ist gehörig schief gelaufen und eine wahre Fanidentität, wie es bei anderen Vereinen der Fall ist, konnte nie entstehen. Die einzigen (überraschend wenige) kritischen Stimmen, die wir bisher vernehmen konnten waren immer von Angst geprägt. Natürlich bringt eine so einschneidende Veränderung immer Unruhe in den Verein. Dies schreckt manchen Kleeblattfan ab, sich noch aktiver gegen das Greuther zu stemmen.

turus: Wie sind die konkreten Aussichten? Was genau müsste juristisch passieren? Aus der Ferne betrachtet erscheint das ganze sehr kompliziert und undurchsichtig?

Christoph: Da habt ihr völlig recht. Alleine um sich durch die Paragraphen und Sonderregelungen zu kämpfen benötigt man viel Geduld und Muße. Herr Hack war wie beschrieben ein genialer Geschäftsmann, hat jedoch auch einige sehr große Hürden gestellt, um eine Rückbenennung quasi fast unmöglich zu machen. Es gibt allerdings einen Weg, den wir bereits über verschiedene Anwälte haben prüfen lassen. Gerne würden wir jedoch darauf verzichten es über den „normalen“ Weg zu probieren und hoffen eher darauf, dass die Spielvereinigung bei genug Druck selbst auf die Rückbenennung pocht.

Der „normale“ Weg geht ganz regulär über die Mitgliederversammlung, die jährlich stattfindet. Hier ist eine 2/3 Mehrheit notwendig, um eine Satzungsänderung zu erreichen. Jedoch benötigt man eine 9/10 Mehrheit im, um eine Namensänderung zu erreichen, was jedoch quasi unmöglich ist, da eine solche Mehrheit unrealistisch ist. Verändert man also die Satzung, besteht die Möglichkeit in einer fairen Abstimmung mit regulärer 2/3 Mehrheit wieder den alten Vereinsnamen zu bekommen.

Diesen Weg möchten wir aber vermeiden und versuchen durch etliche Gespräche innerhalb des Vereins das Meinungsbild der Entscheidungsträger zu ändern. Wir sind überzeugt davon, dass der individuelle Weg für alle der einfachere wäre und bei einer Rückbenennung durch den Verein eine erfolgreiche, gemeinsame Zukunft bestritten werden kann. Sollte der Verein allerdings nicht einlenken, wird es natürlich zur Abstimmung kommen. Von dem eingeschlagenen Weg lassen wir uns nicht mehr abbringen.

turus: Welche Aktionen sind in Zukunft noch geplant?

Christoph: In dieser Saison sind noch einige kleinere und größere Projekte geplant, um das Thema weiter hoch zu halten. Aktuell arbeiten wir separat am Bunker, sodass wir als Fanszene komplett ausgelastet sind. Wir möchten noch nicht zu viel Verraten, da gerade der Überraschungseffekt bei diversen Aktionen in der Vergangenheit sehr gut bei den Kleeblattfans ankam. Jedoch ist auch klar, dass wir dieses Thema nicht mehr loslassen und das Greuther langfristig fallen wird. Davon sind wir überzeugt.

turus: Wie ist die Kommunikation mit der eigenen Vereinsführung? Bezüglich dieser Frage…

Christoph: Seit 2018 haben sich die Strukturen in unserem Verein ein wenig geändert. Helmut Hack galt immer als Alleinherrscher und hat bei der Greuther Thematik zwar immer Verständnis gezeigt, allerdings auch klar gemacht, dass er bei dem Thema nicht wirklich einlenken wird. Ab 2018 wurden die Karten neu gemischt und mit Hr. Höfler wurde ein Präsident installiert, der von sich behauptet, bereits vor 1996 zur Spielvereinigung gegangen zu sein. Leider hält sich dieser auch aus Respekt vor Herrn Hack noch ziemlich bedeckt. Gespräche mit der aktuellen Vereinsführung werden regelmäßig gehalten.

turus: Schaut man auf die Landkarte, ist man als Nicht-Franke erstaunt, wie weit dieses Tee-Dorf entfernt ist. Wie kam es damals zur Fusion? Also relativ weit. Ist halt kein Nachbardorf.

Christoph: Wie ihr oben richtig geschrieben habt, gab es nie eine Fusion, sondern lediglich einen Beitritt der Fußballabteilung. Dies wird immer wieder fälschlicherweise als Fusion dargestellt, dem ist allerdings nicht so. Auf die Frage wurde weiter oben schon ausführlich geantwortet.

turus: Wir danken Dir / Euch für das ausführliche Interview. Viel Erfolg weiterhin und bleibt gesund!

Fotos: Sachseninformer, Jean Falkner, Felix, Arne Amberg

> zur Seite der Kampagne „Zurück zu SpVgg Fürth!“

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Der richtige Weg!

Danke an die Kampagnenträger für ihren Einsatz. Das “Retortengreuther“ wird diesem einzigartigen Traditionsverein, der er war, aber seit 1997 leider gefühlt nicht mehr sein wollte (allein diese gruseligen Plastiklogos, die aussahen wie eine einfallslose 1:1 Kopie des Anforderungsfax an die Agentur oder die Stadionnamen, die immer nur schnelles Geld anstatt langfristige Fanbindung im Blick hatten), einfach nicht gerecht.
Viele verlorene Jahre hinsichtlich einer emotionalen Bindung und Begeisterung, aber vielleicht ist es noch nicht zu spät.

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