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KFC Uerdingen 05 vs. 1. FC Magdeburg: Richtig lustig wurde es erst nach dem Spiel

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MB 05 Oktober 2019
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Das muss man sich mal vorstellen! Da standen zwei Magdeburger Fußballfreunde mit offen hängenden Schals in der Düsseldorfer Altstadt bei einem Bierchen vor dem „Weißen Bären“, und da bekamen sie doch glatt ein „Scheiß St. Pauli, Ihr Arschlöcher!“ zu hören. Sankt was? Abstruser konnte eine Beschimpfung wohl kaum sein. Die Gesichter der Beiden kann sich wohl jeder ausmalen. Wenig später marschierte eine Truppe Hochglanz-Hools durch die belebte Altstadt, im Schlepptau gleich eine ganze Truppe mobiler Polizisten. Von welchem Verein diese plakativ aufgemotzten Hools stammten, war nicht ganz klar. Fakt ist, es war eine Menge los auf den engen Straßen der Düsseldorfer Altstadt, in der sich gesang- und trinkfreudige Touristen aus aller Herren Länder pudelwohl fühlen. 

Und ein neuer Hit wurde am gestrigen Abend auch geboren. In einem Pub, in dem es unten eine Karaoke-Bar und oben live Musik gab, beugte sich ein Typ nach vorn, und knapp oberhalb seines Bauarbeiterdekolletés wurde kurz ein Tattoo sichtbar. Schräg über der rechten Pobacke lächelte uns doch tatsächlich eine herzallerliebstes Tätowierung an, und wenig später wurde gemeinsam das Lied „Arschtattoo Düsseldorf, Düsseldorf, schalalala…“ angestimmt. Zum gestrigen Abend passend zur Melodie von „Fußballclub Magdeburg…“ Hoch die Tassen, runter zum Karaoke - und dort gesangtechnisch den Laden sprengen!

Gut bei Gesang waren am gestrigen Abend zwei, drei Stunden zuvor in der Arena auch die zahlreich angereisten Fans des 1. FC Magdeburg. Schade nur, dass statt im kultigen Grotenburg-Stadion in der Merkur-Spiel-Arena gespielt wurde. Mensch ja, was wäre das ein Gaudi gewesen, die rund 1.000 FCM-Fans auf der Gegengerade der Grotenburg zu sehen, so aber hallte der Gesang irgendwie ins Nichts. 

„Arena“, dieser Begriff ist für die Spielstätte von Fortuna Düsseldorf wirklich passend. Es ist, als würde man zu einem Flughafenterminal fahren. Mit der Straßenbahn (genannt auch U-Bahn), die angenehm an die frühen 90er erinnert, geht es raus in den Nordwesten der Stadt, vor Ort dürfte man als Neuling dann eher ernüchtert sein. Es erwartet einen ein Stadion, das von außen definitiv nicht als solches erkennbar ist. Flughafen, Messehalle. An alles dürfte man denken, aber nicht an Fußball. 

Nun mag es bei Heimspielen von Fortuna Düsseldorf schon mal stimmungsvoll zur Sache gehen, doch bei einer Kulisse von 3.874 Zuschauern wird das Ganze echt zu einem Desaster. Wobei es jedoch einen einzigen Vorteil gibt, den die KFC-Fans auskosten dürfen. Sie stehen / sitzen zu fairen Preisen im unteren Bereich der Haupttribüne und haben einen perfekten Blick aufs Spielfeld. Für nen Zwanni (inklusive An- und Abfahrt im VRR) im Block 7, wo bei Fortuna mindestens 51 Euro fällig wären, - das hat schon was. Aber was nutzt es, wenn man von dort aus auf leere Ränge schaut.

Im gestrigen Fall war der Gästeblock noch ein angenehmer Hingucker. Man möchte sich jedoch nicht vorstellen, wie es ist, wenn Wehen Wiesbaden oder Großaspach zu Gast sind. Gruselig! Keine Frage, der KFC Uerdingen 05 muss wieder zurück in die Grotenburg! Und es scheint sich etwas zu tun. Bereits im November könnten die Bauarbeiten beginnen. Wann diese abgeschlossen sind, steht noch nicht ganz fest. Fakt ist, Herr Ponomarev möchte nicht weiter seine Schatulle öffnen, um Miete für Heimspiele im Exil zu bezahlen. Eine Spielzeit in Duisburg und jetzt dazu eine Saison in Düsseldorf - genug! Verein und Fans lechzen danach, endlich einmal wieder echte Heimspiele zu haben.

Und ja, es war schon ein wenig schaurig, durch die verwaisten Gänge der Düsseldorfer Arena zu schlendern. Geöffnet wurde innen ein Bierstand, draußen gab es einen Grill. Speis und Trank zu Erstligapreisen. Eine Krakauer für 4,30 Euro - na Holla die Waldfeh! Hinten sei auch noch ein Schwenkgrill, wurden die in der Schlange stehenden freundlich aufgeklärt. Na dann! Nach hinten laufen wollte jedoch niemand. Schließlich blieb die Anzahl der Wartenden so oder so überschaubar. Erst die Wurst, dann das Bier. Was für eine Wonne! Nun denn, die Krakauer war okay, das Bier indes - nun ja.

So, jetzt noch eine gezogene Zaunfahne oder eine brachiale Pyro-Show im Gästeblock - und für Unterhaltung wäre gesorgt. Am gestrigen Abend wollten die Magdeburger Fans (verständlicherweise) in der spärlich gefüllten Arena jedoch nicht zu den Bengalen greifen, und seit dem Vorfall gegen Eintracht Braunschweig wird auch das lange Grotenburg-Banner auf dem Oberrang bewacht. Das geübte Auge erspähte in der ersten Halbzeit jedoch eine junge Person mit weißem Fischerhut, die sich auf der Gegengerade langsam durch die Sitzplatzreihen arbeitete und dann durch ein Türchen in den Innenraum ging.

 Zwar nahm niemand Notiz von ihm, doch hatte das ja nichts zu heißen. Mit Dreistigkeit kam schon so manch einer weiter bzw. an das Objekt der Begierde. Also ehrlich, wenn dieser Typ nicht wie ein Magdeburger aussah! Und da! Kaum ertönte der Halbzeitpfiff, zog er sich an der Eckfahne eine graue Jacke über und marschierte die Außenlinie ab. Jetzt geht’s los! Einmal an den Trainerbänken vorbei und direkt zum Block der Krefelder Ultras. Doch statt weiter zu den Uerdinger Stoffen zu rennen, schnappte er sich plötzlich eine rollbare Werbewand und schob diese zu einem TV-Interview. Verrückt! Ich hätte schwören können, der Kerl führte etwas Verrücktes im Schilde. Vielleicht war es auch verrückt genug, durch das halbe Stadion zu latschen, um solch eine rollbare Wand zu schieben.

Und sonst so? Tja, Tore gab es keine zu sehen. Zwingende Torchancen waren auf beiden Seiten auch eher Mangelware. Für (fast) die einzigen Highlights sorgte mein Namensvetter Sören Bertram. In der 35. Minute zuckte ich kurz zusammen, weil hinter mir ein lautes „Bertram, du Idiot!“ ertönte. Mir war in jenem Moment nicht ganz klar, dass der gute Sören ja inzwischen nach Magdeburg gewechselt war, und dachte, irgendein Chemischer Hopper hatte mich erkannt und wollte mir die Meinung geigen. Beim Blick auf den Rasen wurde jedoch schnell klar, worum es wirklich ging. Sören Bertram hatte ein Handspiel im Strafraum gesehen, doch der Schiedsrichter teilte nicht seine Meinung und ließ weiterspielen.

Bereits 30 Minuten zuvor war es genau jener Bertram, der mit die dickste Möglichkeit der ersten Halbzeit hatte. Nach einem sehenswerten Haken setzte er den Ball knapp neben den linken Pfosten. In der Tat war die Anfangsphase durchaus intensiv, doch in der Folge wurde das Tempo rausgenommen. Aufgrund der weitgehend sehr fairen Spielweise beider Teams hatte das Ganze zwischenzeitlich etwas von einem Testspiel auf neutralem Terrain. Auch in der zweiten Halbzeit war es Bertram, der in der 54. Minute zu einer nennenswerten Möglichkeit kam, doch sein Abschluss stellte kein Problem für KFC-Keeper Königshöfer dar. 

Zum Ende der Partie wurde es vor allem im Gästebereich noch einmal lauter - ganz nach dem Motto, wenn wir schon mal hier sind, feiern wir auch, wurde nun gesungen -, doch den Lucky Punch machten fast die Krefelder. In der 77. Minute ging ein Fernschuss von Rodriguez ins Außennetz. Am Ende blieb es beim torlosen Remis. Für die Magdeburger war es bereits das siebte Unentschieden im elften Spiel (es wurde erst einmal verloren), KFC-Interimstrainer Stefan Reisinger blieb indes eine Heimniederlage erspart. Wobei das „Heim“ wirklich relativ ist. Guter Blick aufs Spielfeld schön und gut - der KFC muss wieder in die Grotenburg! Gegen Rostock, gegen Magdeburg! Da haben wir doch alle Bock drauf! 

Und gestern? Nach dem Spiel die Sause in die Altstadt. Bunt gemischt ging es mit der Old-School-Straßenbahn zum Ort des Geschehens. Gerettet war der Abend spätestens, als das besagte Arsch-Tattoo zum Vorschein kam und das Lied zum ersten Mal ertönte. Und noch mal! Arsch-Tattoo Düsseldorf, Düsseldorf, Düsseldorf!!! Kurz, ganz kurz stutzte der gute Mann mit der skurrilen Tätowierung, schaute sich um, verschwand dann aber fix in der Raucher-Lounge…

Fotos: Marco Bertram, Christian Lenke

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0:0
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Ich dachte schon, es hat danach gescherbelt. :-D

Z
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EP
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DZ
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G
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