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FC PlayFair! Gegen Montagsspiele, gegen den Videobeweis, ganz klar auf gleicher Wellenlänge!

 
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MB 25 Mai 2019
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Hier wat für dich, schließ dich mal kurz mit denen! Ich überflog die mir weitergeleitete Mail, und mir war auf dem ersten Blick nicht ganz klar, um was es sicher hier handelte. Beim Überfliegen sah ich nur das „Fair“ und „Play“ und musste sofort an etwaige Kampagnen von DFB, UEFA und FIFA denken. Um Gottes Willen - was soll ich denn damit? Hä, was ist mit der UNESCO? Die ist auch noch mit im Spiel? Zum Glück hatte ich wenig später mir die Mail noch einmal genauer angeschaut. Drei Kreuze - denn sonst hätte ich das überaus grandiose erste Treffen mit Dominik Peters und Claus Vogt nicht gehabt! Nix mit Financial Fair Play der UEFA oder irgendwas mit einer DFB-Image-Kampagne. Auf dem zweiten Blick dämmerte es. Es ging hier um den FC PlayFair! - und von diesem hatte ich schon mal was gehört. Dass ich mich bereits großartig mit diesem beschäftigt hatte, wäre glatt gelogen. Denn dann würde diese Einleitung auch völlig anders aussehen.

Zwei, drei Mails - und zack war ein Treffen im Herzen von Berlin vereinbart. Der 1. Vorsitzende des FC PlayFair! Verein für Integrität im Profifußball e.V. - Claus Vogt - war gerade auf Dienstreise in der Hauptstadt, und somit stand einem Treffen zu dritt in der Lobby eines Hotels nichts im Wege. Ich hatte keine konkrete Vorstellung, aus welchem Holz Dominik Peters und Claus Vogt wohl geschnitzt sein mögen. Wer mich kennt, wird wissen, dass mir trockene, dröge Gespräche mit zu viel Etikette ein Graus sind. Geht es um Fußball, muss es locker zugehen. Ganz egal, wer da mit wem spricht. 

Und was soll ich sagen? Es wurde sensationell! Getränkewahl?! Ich kenne mich mit dem „Gepokere“ ein wenig aus. Nur zu klar, dass niemand als erstes ein alkoholisches Getränk bestellen möchte. Ein Kaffee? Ich war als Zweiter an der Reihe. Wir wollen über Fußball sprechen? Dann würde ich gern ein Bier nehmen! Was für Freude bei Claus Vogt! Punktlandung! Die Chemie stimmte von Beginn an. Wenig später stand vor uns allen ein frisch Gezapftes. 

Meinen Part muss ich hier jetzt nicht erläutern, viel mehr soll es um die Arbeit des FC PlayFair! gehen. Bei der Recherche war ich ein wenig erstaunt, dass der erst 2017 ins Leben gerufene Verein in den zwei Jahren für bereits so viel Trubel sorgen konnte. Wer allerdings mit Claus Vogt persönlich ins Gespräch kommt, dem wundert das nicht. Wie sagt man so schön? Ein echter Macher! Ein Anpacker. Zudem ein Mann, der seit Kindheit an vom Fußball komplett infiziert ist. 

Der Auslöser, den Verein ins Leben zu rufen? Die Zweitligasaison 2016/17. Ganze siebenmal musste sein Herzensverein VfB Stuttgart in jener Saison an einem Montagabend ran. In der Regel besucht Claus Vogt gemeinsam mit seinem Sohn die Spiele des VfB Stuttgart, doch an den Montagen war dies zeitlich einfach nicht machbar. Nach der Schule zum Spiel, und am nächsten Morgen gleich wieder der Unterricht. Einmal - okay, aber auf Dauer einfach nicht möglich! Die Kommerz-Schraube drehte sich im Profifußball immer weiter. Stück für Stück entfernt sich der Profifußball von der Basis. Von den Auswüchsen des europäischen Spitzenfußballs ganz zu schweigen!

Es müsse einfach was passieren, sagte sich Claus Vogt. Er möchte eines Tages in den Spiegel schauen und zu sich selber sagen können: Okay, es war / ist schwer, gegen die Windmühlen zu kämpfen. Aber er hatte es versucht. Zudem war er sich sicher: Mit seinem großen Netzwerk könne man einiges bewegen und in Gang bringen. Gesagt, getan! Gemeinsam mit André Bühler rief Claus Vogt am 1. Januar 2017 den FC PlayFair! Verein für Integrität im Profifußball e. V. ins Leben, der fortan versuchen möchte, Fans, Vereine, Funktionäre und Verbände an einen Tisch zu bringen, damit gemeinsam Lösungen gefunden werden. Ebenso kurz zusammengefasst: Der Verein setzt sich für den Fußball ein, da dieser als ein schützenswertes Kulturgut unserer Gesellschaft angesehen wird. Die Mitglieder des FC PlayFair! sind Anhänger der unterschiedlichsten Clubs, zudem arbeitet der Verein arbeitet übervereinlich.

In den bislang zweieinhalb Jahren wurden bereits einige Nägel mit Köpfen gemacht. So gab der FC PlayFair! bereits im Mai 2017 in Zusammenarbeit mit dem „Kicker“ die „Situationsanalyse Profifußball 2017“ heraus. 17.330 Fußballfans aus ganz Deutschland haben sich an der Studie beteiligt, die Ergebnisse sind für jeden kostenfrei auf der Webseite einsehbar. 17.330 Fans - das klingt nach einer guten Hausnummer. Es wurde jedoch noch viel besser! An der Umfrage zu den Anstoßzeiten der Bundesliga (ebenfalls in Kooperation mit dem „Kicker“) nahmen 186.254 Personen teil! Hierbei wurde eine Zahl erreicht, die wahrlich die Augenbrauen hoch ziehen lässt. Solch eine Umfrage ist keine Stichprobe mehr. Hier kam mal eben die breite Masse der Stadionbesucher zu Wort. Das Ergebnis dürfte uns alle kaum überraschen: Neun von zehn Teilnehmer lehnen die Montagsspiele kategorisch ab.

Parallel zum Ganzen reichte der FC PlayFair! bei der UNESCO einen Antrag ein, die Fußball-Fankultur in Zeiten der Überkommerzialisierung schützen zu lassen. Die Fußball-Fankultur als schützenswertes Kulturgut an. Auf diese Idee muss man erst einmal kommen! Mit dem Antrag an die UNESCO will der FC PlayFair! das öffentliche Bewusstsein darüber stärken, dass der Fußball eben nicht nur zum Spielball von Verbänden und Investoren wird. So heißt es auch im Antrag: „Die Schutzfunktion durch die Aufnahme in das UNESCO-Verzeichnis würde beispielhaft demonstrieren, dass der Fußball nicht alleine den Verbänden und Investoren gehört sondern grundsätzlich jedem, der sich dafür begeistert, aktiv oder passiv.“ Einen Rückschlag gab es jedoch bereits: Trotz vieler prominenter Unterstützer wurde der erste Antrag bei der UNESCO leider abgelehnt. Der FC PlayFair! nimmt es sportlich, er wird es wieder versuchen und weiter am Ball bleiben!

Aufgestellt hat der FC PlayFair! zudem elf Thesen. Hier soll aus der entsprechenden pdf-Datei wortwörtlich zitiert werden: „Im Englischen gibt es den Begriff „Sportsmanship“, er bedeutet, sich beim Sport und auch generell wie ein Sportsmann zu verhalten. Oder eine Sportsfrau. Sportlich fair bleiben. Am deutlichsten zu sehen ist ein solches Verhalten im Fußball bis heute in der englischen Premier League: Schwalben sind dort immer noch verpönt. Sogar die Fans der Heimmannschaft pfeifen eigene Spieler konsequent aus, wenn diese versuchen, durch unfaires Verhalten einen Freistoß oder Elfmeter zu schinden. Ausnahmen bestätigen diese Regel. Im Deutschen haben wir kein dem „Sportsmanship“ vergleichbares Substantiv, allenfalls ein denglisches „Fairplay“ kommt da ran.“

In diesen elf Thesen geht es unter anderen um nachhaltige Investitionen, um die geregelte Teilhabe der Fans, um transparente Prozesse in der Organisation des Sports und um die vorbildliche Umsetzung der Werte, auf denen unsere Gesellschaft beruht. Auch diese Datei ist auf der Webseite des FC PlayFair! kostenfrei abrufbar.

Damit auch beim Verein FC PlayFair! selbst wichtige Regeln eingehalten werden und nicht eines Tages etwas aus dem Ruder läuft, wurde ein Verhaltenskodex auf Papier fixiert. So heißt es in einem der Punkte: „Mitarbeiter dürfen im Zusammenhang mit ihrer Vereinstätigkeit keinerlei unberechtigte oder verschwenderische Vorteile, Geschenke, Einladungen oder sonstige Vergünstigungen von Mitgliedern annehmen, noch solche an genannte Personen oder Institutionen gewähren.“ Zudem heißt es im Verhaltenskodex: „Jedem Mitglied muss bewusst sein, dass er auch in seinem Privatleben den Verein repräsentiert und von seiner Umwelt als „Insider des Vereins“ wahrgenommen wird, auch und insbesondere, wenn er in den Sozialen Medien auftritt oder gegenüber Dritten Aussagen macht.“

Ebenso wichtig: Der FC PlayFair! ist keine geschlossene Gesellschaft. Jeder interessierte Fußballfan kann mitmachen! Als Mitglied, als Sponsor, als Förderer. Die Details hierzu sind ebenso mit ein, zwei Klicks auf der Webseite abrufbar. Da eingangs das große Netzwerk angesprochen wurde: Der Verein hat einige namenhafte Unterstützer, so zum Beispiel: Torsten Frings (ehemaliger Bundesligaspieler), Reiner Calmund (ehemaliger Manager bei Bayer 04 Leverkusen), Cem Özdemir (Spitzenpolitiker Bündnis 90/Die Grünen), Dr. Stefan Kaufmann (Kreisvorsitzender der CDU Stuttgart), Dieter Münch (Leiter Marketing/Werbung, Firma Würth) und Andreas Rettig (Fußballfunktionär).

 

Um zurück zu den Studien zu kommen: Die Ergebnisse sind wirklich alle abrufbar, doch soll es trotzdem einen kleinen Auszug geben, um das Interesse zu wecken. Schauen wir auf die Top-10-Probleme des (deutschen) Profifußballs und listen hier die ersten fünf mal eben auf:

1. Die derzeitigen Spielergehälter und Ablösesummen sind realitätsfremd. (9,3%)

2. Indem die Top-Clubs die großen Geldtöpfe abgreifen, kommt es zu einer Wettbewerbsverzerrung innerhalb der Liga. (9,2%)

3. Die Zerstückelung des Spieltags aufgrund der Fernsehvermarktung geht zu weit. (8,1%)

4. In der Champions League gibt es zu viel Geld für immer die gleichen Mannschaften. (8,0%)

5. Es geht im Profifußball nur noch um noch mehr Geld. (7,7%)

Ebenso soll an dieser Stelle ein Auszug der Ergebnisse zur Umfrage zu den Anstoßzeiten wiedergegeben werden. So heißt es: „Der traditionelle Samstag-15:30-Uhr-Termin bleibt mit über 96-prozentiger Zustimmung die beliebteste Anstoßzeit der befragten Fußballfans, gefolgt von der zweiten Anstoßzeit am Samstag um 18:30 Uhr (63,4%). Für die Anstoßzeit am Sonntag um 15:30 Uhr sprechen sich knapp die Hälfte der Befragten (49,3%) aus. Die Anstoßzeit am Freitag um 20:30 Uhr wird zwar von jedem vierten befragten Fußballfan positiv gesehen, allerdings auch von jedem dritten befragten Fußballfan abgelehnt. Diese beiden Anstoßzeiten kann man in der Beliebtheitsskala dem neutralen Bereich zuordnen. Die Anstoßzeiten am Sonntag um 18:00 Uhr und insbesondere um 13:30 Uhr werden von der Mehrzahl der befragten Fußballfans abgelehnt. Den Montagabendtermin um 20:30 Uhr lehnen neun von zehn Fußballfans (91,4%) kategorisch ab.“

Sonst noch was? Ja, fast vergessen! UFFL – die Fan-App. In dieser App kann sich jeder Fußballfan selbst sein eigenes Portfolio an Vereinen auswählen, über die er mit anderen Fans gerne kommunizieren möchte – von der Kreisliga bis hin zur Champions League. Die App wird den Fans kostenlos und ohne Werbung zur Verfügung gestellt. Mehr dazu ebenso auf der Webseite. 

In den kommenden Wochen vor allem im Fokus: Der Videobeweis, der nun auch in der 2. Bundesliga eingeführt werden soll. Was die Fans / Zuschauer von diesem Videobeweis halten? Man kann es sich denken, doch sollen es die Zahlen bestätigen. 188.000 Teilnehmer einer Umfrage?! Bei diesem Thema soll nach Möglichkeit noch ein Schippchen draufgelegt werden. Auch unser Magazin wird sich beteiligen und die Thematik mit beleuchten. Mehr dazu in Kürze!

Fotos: Marco Bertram. K. Hoeft, Wochenendpöbler, Claude Rapp, Felix

> zur offiziellen Webseite des FC PlayFair

 

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