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Hertha Zehlendorf vs. TeBe: Packender Kampf vor über 600 Zuschauern

 
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MB 04 Mai 2019
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Freitagabend, 19:30 Uhr Anpfiff auf dem Ernst-Reuter-Sportfeld. Der Verfolger Tennis Borussia Berlin musste nach Möglichkeit beim F.C. Hertha 03 Zehlendorf vorlegen, der Tabellenführer SV Lichtenberg 47 muss am heutigen Samstag gegen den SC Staaken 1919 ran. Mit einem Sieg konnte TeBe am gestrigen Abend schon mal nach Punkten gleichziehen. Eine interessante Angelegenheit in Zehlendorf, für die es sich lohnte mit S-Bahn und U-Bahn in den Südwesten Berlins zu düsen. Das sahen auch viele andere Fußballfreunde so, denn am Ende waren es 603 zahlende Zuschauer, die sich auf den Rängen der Sportanlage der kleinen Hertha einfanden. Wie viele von ihnen den Lila-Weißen die Daumen drückten, war schwer zu sagen, da die Anhängerschaft auf ganzer Breite der überdachten Haupttribüne zu finden war. Wenn man behauptet, dass es durchaus mindestens 200 TeBe-Anhänger waren, dürfte es bei der Gesamtzuschauerzahl nicht übertrieben sein.

Letztendlich war es wichtig, dass dieses Nachbarschaftsduell eine gute Kulisse bekam. Der Gastgeber war sichtlich motiviert, und die Gäste mussten so oder so in die Vollen gehen. Die Zapfhähne liefen auf Hochtouren, die Grills wurden angeworfen. Kohle wurde vorgeglüht, die Versorgung lief wie am Schnürchen. Kurz vor dem Einlaufen der Mannschaften wurde wohl die Rekordzahl an Shakehands erreicht. Wer nicht wem alles die Hände schüttelte und auf die Schultern klopfte.

Anstoß, aus paar Ecken ertönte ein zaghaftes „Lila-Weiße!“, am hinteren Ende der Haupttribüne wedelte ein älterer TeBe-Fan einsam mit einer verwaschenen Fahne. Nun denn, wüsste man nicht die Vorgeschichte, könnte man als Neuling, der einfach mal so beim Spiel hereinplatzte, denken: Mensch ja, für Oberliga doch gar nicht so schlecht das Ganze. 603 Zuschauer werden schließlich selbst in der Regionalliga bei vielen Vereinen nicht erreicht. Okay, beim genauen Betrachten der Zuschauer hätte sich der Neuling vielleicht ein wenig über den doch recht hohen Altersdurchschnitt gewundert. Aber gut, vielleicht entspricht dieser einfach der gut bürgerlichen Gegend, würde der Neuling vermuten und sich das nächste Bierchen holen. 

Auf dem Rasen gingen beide Mannschaften sogleich in die Vollen. Eine Abtastphase gab es nicht, was auch nicht verwunderlich war, wenn man beim Einlaufen in die Gesichter der Spieler geschaut hatte. Hertha 03 Zehlendorf hatte auf gut Deutsch gesagt richtig Bock, dem Nachbarn aus Charlottenburg eins auszuwischen. Und es sah eine ganze Zeitlang danach aus, als könnte dieser Plan aufgehen. In der 13. Minute landete der Ball bei Edräim Gakpeto, und dieser köpfte den Ball zum 1:0 für Hertha 03 ein. Das hatte gesessen! Vor lauter Freude machte Gakpeto mal gleich einen Salto. Miroslav Klose ließ grüßen. 

TeBe legte nun ein Schippchen drauf. Sah das Ganze vor dem 1:0 recht ausgeglichen aus, erspielten sich nun die Veilchen klare Vorteile. TeBe kam zu guten Chancen, und mehrmals ertönte ein lautes Raunen von den Rängen. Oha! Nachdem der Ball von der linken Seite hereingebracht wurde, stand am zweiten Pfosten Kerem Bülbül völlig frei, doch dieser haute das Spielgerät über das Gehäuse. Das hätte der Ausgleich sein müssen. Nur eine Minute später ging von ihm ein Distanzschuss deutlich drüber. 

In der Folge hatte Marco Karim Benyamina zwei Möglichkeiten. „Weiter, weiter! Kopf hoch!“, rief TeBe-Trainer Dennis Kutrieb seinen Spielern zu. Nach einer halben Stunde konnten die Veilchen die erste Frucht ernten. Wunderbar konnte sich Thiago Rockenbach da Silva auf der linken Seite durchsetzen. Der Ball wurde rübergebracht zu Benyamina, und dieser brauchte quasi nur noch einzuschieben. 1:1 für Tennis Borussia Berlin! „Come on TeBe!“ ertönte es aus einem Bereich der Haupttribüne. 

Der Zehlendorfer Torwart bekam in der Folge einiges zu tun, doch kaum kaufte ich dem mitgenommenen Söhnchen eine große Portion Pommes, da klingelte es im TeBe-Gehäuse. Marc Zellner arbeitete sich in der 39. Minute prima durch den Strafraum und schloss dann zum 2:1 ab. Keine Frage, das würde in Halbzeit 2 ein hartes Stück Arbeit für den Tabellenzweiten werden. 

Im zweiten Spielabschnitt erhöhten die Gäste nochmals den Druck. Das „Lila-Weiße!“ ertönte nun immer lauter aus den verschiedensten Bereichen der überdachten Tribüne. Ob organisierter Support oder nicht - das Spielgeschehen riss sämtliche Zuschauer mit. Einen abgefälschten Schuss konnte der Hertha-Keeper Philip Sprint abwehren, wenig später musste er gleich noch einmal eingreifen. In der 55. Minute gab es jedoch fast das 3:1 für Hertha 03 zu sehen, dieses Mal konnte sich TeBe-Keeper Aktas auszeichnen. Manch ein TeBe-Fan wurde unruhig. „Warum stellt er nicht um auf Viererkette?“, „Aufwachen!“ 

Nach exakt einer Stunde durften die Gäste dann wieder jubeln. Der Ball wurde gut zu gespielt auf Tino Schmunck, und dieser ließ sich nicht lange bitte und brachte am Keeper vorbei den Ball routiniert unter. Okay, prima, das dritte von vier Toren hatte ich im Kasten. Beim dritten Treffer des Abends knabberte ich ja gerade die Pommes. Und den fünften Treffer des Abends? Hatte ich irgendwie verpennt. Aber was heißt verpennt? Ich sah sehr wohl, wie Thiago Rockenbach da Silva mit dem Fuß ausholte. Direktabnahme! Das wird doch eh nix, oder?! Denkste! Der Ball schlug maßgenau ein. 3:2 für Tennis Borussia Berlin! Mein lieber Scholli! Da war ich echt zu faul gewesen, die Kamera zu heben?

In der Folge flossen auf beiden Seiten zahlreiche Schweißtropfen. Statt einfach mal den Ball nach vorn zu hauen, versuchte TeBe hinten das Ganze spielerisch zu lösen und ließ somit die TeBe-Fans schwitzen. In der 82. Minute gab es einen langen Abstoß nach vorn in die Spitze und es wurde (wohl zu unrecht) Abseits gepfiffen. Das Spiel befand sich auf des Messers Schneide. In der 83. Minute brachte Hertha 03 von der rechten Seite den Ball herein, aber der Abnehmer schoss den Ball links am Pfosten vorbei. Au Backe, das hätte das 3.3 sein müssen. Kurz vor Schluss wurde schräg rüber der frei stehende Nicolai Matt angespielt, doch wieder hob der Schiedsrichterassistent die Fahne. Unruhe auf den Rängen. Wieder schien die Entscheidung nicht korrekt gewesen zu sein.

Als nach zwei Minuten Nachspielzeit das Spiel schließlich abgepfiffen wurde, fielen den Gästen Lasten ab. Die wichtigen drei Punkte waren in trockenen Tüchern. In der Mitte des Platzes wurde ein großer Spielerkreis gebildet, wenig später wurde mit zirka 60 noch verblieben TeBe-Anhängern gefeiert. Nun darf man gespannt sein, ob die 47er im „Zoschke“ nachlegen können.

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: Tennis Borussia Berlin

Spielergebnis:
2:3
Zuschauerzahl:
603

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Denke aber 47 wird es packen.

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