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Ludwigsfelder FC vs. BSG Chemie Leipzig: Unaufgeregte Punkteteilung unter Märkischen Kiefern

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MB 13 April 2019
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Wie sich etwas anfühlt? Es kommt bekanntlich häufig auf den Standpunkt an. Gemeint ist in diesem Fall nicht die eigene Meinung, sondern im wahrsten Sinne des Wortes der Standort, an dem man sich mit beiden Füßen befindet. So bietet in diesem Fall das Waldstadion zwei völlig unterschiedliche Möglichkeiten, ein Fußballspiel zu sehen. Zum einen kann man es sich auf der überdachten Haupttribüne gemütlich machen, zum anderen kann man sich auf die Gegengerade oder besser noch in die flache sandige Kurve begeben. Schlürfte man heute beim Heimspiel gegen die Leutzscher auf der Haupttribüne oben unter dem aufgebauten zeltartigen Dach sein Bierchen, kam schnell ein VIP-Gefühl auf. Gute Sicht, der Zapfhahn nur zwei, drei Meter entfernt, alles prima. Als es dann - auf Wunsch des Sohnemanns - am Ende der ersten Halbzeit in die flache staubige Kurve ging, fühlte man sich sogleich in einem völlig anderen Stadion. Ein Ambiente, das einen an Kindertage zu DDR-Zeiten erinnert. Kienäppel, Märkischer Sand, herumliegende Steine - der Sohn fühlte sich sogleich wie im Ferienlager und nahm fortan kaum noch Notiz vom Spielgeschehen. Praktischerweise befindet sich auch dort ein hölzernes Büdchen, an dem sich die Papas (und Mamas) mit Gerstensaft versorgen können. In Sachen Catering spielt man in Ludwigsfelde ganz klar eine Liga höher. großes Lob an dieser Stelle! 

Wohl denn, zum Waldstadion des Ludwigsfelder FC wurde im Zuge des Heimspiels gegen die BSG Wismut Gera einiges von mir geschrieben. Ich war angenehm überrascht. Ich hatte diese Sportstätte ganz, ganz grau und trostlos in Erinnerung. 2005/06 war ich mit dem BFC Dynamo an einem tristen Herbsttag dort. Damals gab es noch keine überdachte Haupttribüne, und auch der Gästeblock war nicht gerade der Ort der Wohligkeit. Dazu muss allerdings gesagt werden, dass damals die Stufen der Gegengerade für Gästefans geschlossen blieben. Wir standen quasi alle auf dem Stück Wiese am Zaun. 

Da das Gesehene und Erlebte beim Heimspiel gegen Wismut Gera die alten Erinnerungen überspielte, markierte ich mir in der Folge die Partie gegen die BSG Chemie Leipzig ganz fett im Kalender. Nur nicht bitte am gleichen Tag wie das Oberligaspiel Lok Stendal vs F.C. Hansa Rostock! Der NOFV meinte es jedoch ausnahmsweise gut mit einen. Die Rostocker Amateure düsen samt Anhang morgen nach Stendal, und dem heutigen Spiel stand somit nix im Wege. Schade nur, dass die Freunde vom SV Falkensee-Finkenkrug (zwischen dem „Harten Kern“ und den „Falkenseern Jungs“ besteht eine dicke Freundschaft) heute beim SV Victoria Seelow (es gab eine 0:5-Niederlage) antreten mussten. Manche FF-Jungs hätten sich sogar glatt dreiteilen müssen, denn zudem stand unter anderen das Heimspiel des F.C. Hansa Rostock gegen den FC Carl Zeiss Jena an der Tagesordnung.

Letztendlich fanden 783 Zuschauer den Weg ins Waldstadion, unter ihnen schätzungsweise 350 Anhänger der BSG Chemie Leipzig. Gewiss hatte manch einer insgeheim von einer vierstelligen Kulisse geträumt, aber für die Oberliga ging das Ganze gewiss völlig in Ordnung. Und davon ganz abgesehen hatte das 0:4 in Gera sicherlich heute locker 50 bis 100 Heimzuschauer gekostet. Man weiß ja wie das ist bei Zuschauern, die nur gelegentlich zum heimischen Sportplatz pilgern. 0:4? Ach, wat soll dit erst gegen die Chemiker werden? Ne 0:6-Klatsche? Nee, lass mal!

Schade, denn die Mannschaft aus Ludwigsfelde lieferte heute ein gutes Spiel ab und konnte dem Aufstiegsfavoriten einen Punkt abluchsen. Gleich zu Beginn gab es auf beiden Seiten eine gute Möglichkeit, ein Schuss der Leutzscher ging links am Gehäuse vorbei, auf der Gegenseite konnte Chemie-Keeper Latendresse-Levesque den Ball abwehren. Für kurze Aufregung sorgte ein Foul an LFC-Spieler Florian Matthäs nahe der Außenlinie. Nach kurzer Behandlung konnte er jedoch weiter spielen und auch Gästetrainer Miroslav Jagatic munterte ihn auf. 

Und schau an, der Gastgeber hatte in der ersten Halbzeit die Partie gut im Griff und erspielte sich sogar ein Chancenplus. In der 38. Minute versuchte sich Mannschaftskapitän Paul van Humbeeck zum Ersten, beim zweiten Versuch vier Minuten darauf zappelte der Ball im Leutzscher Gehäuse. 1:0 für Ludwigsfelde - der „Harte Kern“ und die anderen Heimzuschauer feierten ausgiebig die Führung.

Aus Sicht der Gäste musste nun einfach was passieren, denn Konkurrent FSV Luckenwalde beobachtet aus der Ferne ganz genau, was die Chemiker auf die Beine stellen können. Die beiden liefern sich in der Südstaffel der NOFV-Oberliga ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wenngleich Luckenwalde bislang zwei Spiele weniger absolviert hat und diese noch gewinnen muss. Erleichterung bei den Gästen, als Alexander Bury nach gutem Zuspiel ins Schwarze traf. Ausgleich in der 52. Minute, es blieb den Chemikern noch genügend Zeit, um sich die drei Punkte zu sichern.  Um dieses Ziel zu erreichen, wurde jedoch einfach zu wenig getan. Während man in der Schlussphase auf Heimseite durchaus mit einem Remis zufrieden schien, machte sich im Gästeblock Ungeduld breit. Am Ende sollte es nicht zu mehr reichen. 

Allerdings sollte bedacht werden, dass es für die Leutzscher das dritte Spiel innerhalb von acht Tagen war. Und ja, die Ausbeute aus den vergangenen zehn Spielen kann sich sehen lassen: Sieben Siege und drei Unentschieden. Ähnlich sieht es jedoch beim Konkurrenten Luckenwalde aus: Sieben Siege und zwei Remis (diese gab es zuletzt) und zwischendurch ausgerechnet gegen Ludwigsfelde eine 0:1-Schlappe. 

Und in Ludwigsfelde? Wir erinnern uns: Nach dem zehnten Spieltag war die Mannschaft noch sieglos und war auf dem vorletzten Platz zu finden. In den 14 folgenden Spielen folgten beachtliche acht Siege und Platz acht ist nun angesagt. Nach dem Einbruch am vergangenen Wochenende in Gera ist das heutige Remis gegen den Tabellenführer ganz klar als Erfolg zu werten. Das sahen auch größtenteils die Spieler und die Fans so. Abklatschen war angesagt auf Seiten der Haupttribüne, im Anschluss lud der „Harte Kern“ seine Freunde noch zum Feiern ein…

Und sonst noch? Schau an, schau an! Als die große Kamera bereits im Rucksack verstaut war, wurden noch ein paar Handybilder angefertigt. Und man staune: Das Smartphone konnte zaubern und Hände wachsen lassen…

PS: Einen persönlichen Gruß an den netten Magdeburger! Bitte einfach bei mir melden! :-)

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: BSG Chemie Leipzig

Spielergebnis:
1:1
Zuschauerzahl:
783
Gästefans
400

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