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Aufkleber-Kampf in Berlin-Neukölln: Wer pappt wem am meisten was oben drauf?

 
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MB 05 April 2019
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Gestatten: Rainer Zufall. Neulich spazierten wir zu viert durch Germendorf bei Oranienburg, um dem dortigen Dino-Erlebnispark einen Besuch abzustatten, als mir die stets wechselnden Aufkleber an den Laternenmasten ins Auge sprangen. Eisern Union, Hertha BSC, wieder Eisern Union. Als vorhin zwei Bilder ins Netz gestellt wurden, entbrannte sofort eine arge erhitzte Diskussion. Oranienburg sei eher blau-weiß-rot, hieß es nach nur wenigen Minuten. Für solch einen Kommentar gab es mal gleich knapp 100 Likes. Nun denn, das Berliner Umland ist groß. Aus meiner Sicht wollte ich nun mal vor der Haustür schauen, wer hier eigentlich in Sachen Sticker den Hut aufhat. Jüngst fielen mir bei Abendspaziergängen zudem einige Aufkleber ganz anderer Vereine ins Auge. Nach Berlin verschlug und verschlägt es halt Fußballfreunde aus allen Ecken des Landes, und besonders Nord-Neukölln inklusive Rixdorf wird zu einem echten Schmelztiegel.

„Überklebt von Friedrichshain Borussen“, hieß es im Böhmischen Viertel an mehreren Stellen. Darunter lugten Aufkleber von Hertha BSC und des 1. FC Union Berlin hervor. An einem anderen Mast hatten Aufkleber des F.C. Hansa Rostock und von Hertha BSC das Nachsehen. Auf dem Weg zur Kita fand ich sogar einen Aufkleber des 1. FC Magdeburg, auf dem Weg zur Schule hieß es indes an einem Mast: „Dynamo-Fans gegen den 1. FCM!“ Dazu die geballte Faust, die das Vereinswappen zertrümmert.

Hier ist was los in Neukölln! Ich würde echt mal gern jemanden „erwischen“, der solch einen Aufkleber anbringt. Klar, in der Mehrzahl zieren eher politische Aufkleber und private Werbeaufkleber die Laternen, Stromkästen und Regenrinnen, doch auch fußballtechnisch geht es hoch her. Logisch, dass der Hauptkampf um die besten Plätze zwischen Unionern und Herthanern ausgefochten wird. Graffiti ist hier so gut wie gar nicht zu sehen, doch entlang der Karl-Marx-Straße ist kaum ein Laternenmast freigeblieben. So wurde ich heute mal neugierig und machte mich auf Achse, um die Gegend einmal unter die Lupe zu nehmen. Die Passanten dachten schon, ich sei vom Ordnungsamt, als ich mit dem Smartphone all die Aufkleber ablichtete. Blöde angequatscht wurde ich jedoch nicht.

„Eisern Berlin“, „Kranker Haufen“, „Alles auf Rot!“, „Wuhlesyndikat“ oder einfach nur „1. FC Union Berlin“, heißt es auf all den FCU-Aufklebern. „Egal wie, egal wo, nur Hertha BSC!“, „Hertha BSC Neukölln“, „Lieber nen blau-weißes Fußballherz als Ostberliner Kultkommerz!“, „Süd-Berlin“, „Kiezsport statt E-Sport“, „Ha Ho He!“, „Hertha und KSC - eine Freundschaft, die nie vergeht!“ sowie „Hertha und kein Event“ ist meist auf den Hertha-Aufklebern zu lesen. Manchmal ist es auch einfach nur der Berliner Bär in Blau-Weiß.

Mein erster Eindruck von heute: Auf der Karl-Marx-Straße haben die Unioner etwas die Nase vorn, auf der Sonnenallee haben die Herthaner eher das Sagen, und in den Nebenstraßen findet man schon mal den einen oder anderen Exoten. Also aus Berliner Sicht. Von Hansa Rostock konnten auch einige Aufkleber gesichtet werden, doch wurden alle inzwischen überklebt. Am Hertzbergplatz, wo einst die Hansa-Amateure einen denkwürdigen Auftritt beim BSV Hürtürkel hatten, ist nicht ein einziger FCH-Aufkleber mehr zu finden. Dafür einen des BFC Dynamo. Dieser blieb am heutigen Tag der einzige, der in Berlin-Neukölln gesichtet wurde, 

 

Immerhin zwei Exemplare der Sp.Vg. Blau-Weiß 90 Berlin kamen mir vor die Linse, sowie erstaunlich viele des VfL Wolfsburg mit dem alten Wappen. Ein alter (oder junger) Wolf scheint hier in Neukölln sein Unwesen zu treiben. Durch Zufall erspähte ich auch ein arg verwittertes Stück von Optik Rathenow. An anderen Stellen konnte ich sogar einzelne Exemplare von Borussia Dortmund, des Hamburger SV und sogar von der SG Dynamo Schwerin finden. 

Und klar, hier im inzwischen arg angesagten Nord-Neukölln sind Aufkleber des FC St. Pauli und des SV Babelsberg 03 keine Seltenheit. Und kiek mal einer an! In einer Seitenstraße erspähte ich sogar einen Aufkleber aus Aue. Ein grimmig dreinblickender Bär mit Hammer über der Schulter und Bierhumpen in der Hand. „Berlin Wismut“, daneben das Wappen von Wismut Aue. 

Mein Knaller des Tages jedoch: Ein grün-weißer Aufkleber der TUS Untenrum (Since 2012). Auf dem Logo greifen die mittleren beiden Frauenfinger dezent in den Damenslip. Zuerst dachte ich, das sei Fake. Allerdings genügte ein Klick, um zu sehen, dass dieser Verein in Aachen in der "Bunten Liga" spielt. Auf angebotenen Shirts ist das Logo inzwischen schwarz-gelb, und zwischen den Beinen der sich rekelnden Lady steht nun das Bierglas mit dem Schaum obendrauf. Sachen gibt´s! Man lernt nie aus. Und klar, es darf nun fleißig kommentiert werden, ob Nord-Neukölln eher Hertha- oder Union-Gebiet ist und wer sich hier noch alles herumtreibt. Zu den anderen Stadtteilen und zum Umland (Oha, dort lassen wahrlich auch der FCH und der FCM grüßen!) kommen wir später dann ganz in Ruhe. 

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: Fußballaufkleber

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Weiter Machen! Gerade das Umland der Stadt. Wie sieht es in Potsdam aus? Bis wohin kommt Magdeburg ran usw

K
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Scheiß Hertha, hat nix zu melden. :-P

G
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Union rückt vor! :-D

K
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Janz Berlin is Hansa-ZONE!

BF
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