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SV Lichtenberg 47 vs. Optik Rathenow: Shakehands trotz Niederlage

 
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MB 11 September 2019
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Wäre man rein theoretisch am gestrigen Abend erst zum Abpfiff ins Lichtenberger Zoschke-Stadion hereingeplatzt, hätte man auf dem ersten Blick (die Anzeigetafel mal weggedacht) nicht erkennen können, wie das Nachholspiel gegen den FSV Optik Rathenow wohl ausgegangen war. Ein Lichtenberger Sieg? Ein gerechtes Unentschieden, das beide Seiten feiern? Sämtliche Lichtenberger Spieler gingen zu den Zuschauern und klatschten zahlreiche Hände ab. Aufmunternde und anerkennende Worte von den Fans. Auf den zweiten Blick hätte der Nachkömmling jedoch erkannt, dass die Optik-Spieler am anderen Ende des Platzes wohl doch einen eingefahrenen Auswärtssieg feiern. Geballte Fäuste bei den Spielern, strahlende Gesichter bei den mitgereisten Fans, ein ebenso strahlendes Gesicht bei Ingo Kahlisch, der seit nun mehr 30 (!) Jahren Trainer beim FSV Optik Rathenow ist. Und in der Tat, Rathenow konnte das Wiederholungsspiel - beim ersten Anlauf musste wegen Unwetter abgebrochen werden - knapp und etwas glücklich mit 1:0 für sich entscheiden. 

Für den FSV Rathenow war es der erste Saisonsieg, für den Aufsteiger aus Berlin-Lichtenberg war es die dritte Niederlage. Da jedoch bereits drei großartige, teils sehr überraschende Siege eingefahren wurden, ist der SV Lichtenberg 47 mit ausgeglichener Bilanz im Mittelfeld zu finden. 1:0 in Auerbach, 1:0 gegen den Berliner AK 07, ein 1:1 beim BFC Dynamo und ein 5:1 gegen Wacker Nordhausen - die bisherige Ausbeute konnte sich sehen lassen, und so strömten trotz früher Anstoßzeit gestern zum Heimspiel 625 Zuschauer auf die Ränge des Zoschke-Stadions. An der an der Ecke des Geländes befindlichen Tafel wurde die 17:14 angekündigt, doch offiziell war der Anpfiff exakt um 17:15 Uhr. Vielleicht ging die „5“ aus, vielleicht war es einfach nur ein Gag.

Im Gegensatz zu den Oberliga-Spielzeiten hat sich nun einiges geändert. Geöffnet ist derzeit nur eine Seite der Ränge. Direkt hinter dem Tor durften die Optik-Fans ihre Plätze einnehmen. Ein totales Umherwuseln auf sämtlichen Rängen ist nun nicht mehr möglich, und auch das Vereinsheim kann nur noch mit der entsprechenden Berechtigung betreten werden. Sicherlich ist dies ein kleiner Wermutstropfen, doch gibt es in der Regionalliga bekanntlich ganz andere Auflagen als in den darunter befindlichen Spielklassen. Seinen grundsätzlichen Charme wird das Zoschke so oder so nicht verlieren. 

Glück hatten Spieler und Zuschauer am gestrigen Tag mit dem Wetter. Bei angenehmer Witterung mit etwas abendlichen Sonnenschein konnte die Partie über die Bühne gehen. Ein Sieg - und der SV Lichtenberg 47 wäre vorgerückt auf Rang fünf. Vorbei am Berliner AK 07 und am BFC Dynamo! Das war sicherlich Motivation genug, um in die Vollen zu gehen. Jedoch wusste Ingo Kahlisch, der alte Fuchs, mit Sicherheit, wo am gestrigen frühen Abend der Hebel anzusetzen war. Er wird sich am zweiten Spieltag beim ersten Anlauf den Gegner ganz genau angeschaut haben, um daraus Erkenntnisse zu ziehen. 

Allerdings konnte nicht alles umgesetzt werden, was sich Optik Rathenow im Vorfeld vorgenommen hatte. Im ersten Spielabschnitt kontrollierten die Lichtenberger weitgehend die Partie, allerdings gab es nicht allzu viele hochkarätige Möglichkeiten zu verzeichnen. Einmal lag den 47ern bereits der Torjubel auf den Lippen, doch der Schuss von Christian Gawe ging nur an den Pfosten. Im zweiten Spielabschnitt legte der Gastgeber ein Schippchen drauf. Während ich im Vereinsheim noch ein Interview zu führen hatte, war draußen der Torjubel zu hören. Na, schau an, 1:0 für Lichtenberg 47! Als ich mich wenig später auf den Rängen wiederfand, gab es die Nachricht: Nein, keine Führung, das Tor wurde aufgrund der Abseitsstellung nicht gegeben. Es stand weiterhin 0:0.

Und dann! Zehn Minuten vor Schluss arbeiteten sich die Gäste nach vorn, Caner Özcin kam frei zum Abschluss und vollendete aus rund zehn Metern zum 1:0 für Optik. Lichtenberg drückte in den verbleibenden Minuten, und das Publikum war nun da und feuerte die Mannschaft an. Noch ein Angriff, noch eine Ecke - es sollte nicht sein. Es blieb beim 0:1. Kurzes Durchatmen, dann liefen die Spieler zur Tribüne und klatschten die Zuschauer ab. Mund abputzen, nach vorne schauen. So kann Fußball sein. Mit der schlechtesten Saisonleistung wurden die ersten drei Punkte eingefahren, erklärte Ingo Kahlisch. So ein Fuchs! Das war doch alles so geplant…

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: SV Lichtenberg 47

 

Inhalt über Klub(s):
Spielergebnis:
0:1
Zuschauerzahl:
625
Gästefans
30

Ligen

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Regionalliga
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