Aachen vs. Essen: Marsch, Rekordkulisse und ein entscheidender Standard

KH 07 Februar 2015
Aachen gegen Essen

Tradition kennt keine Liga. So lautete ein Spruchband, das die Aachener Fans heute zeigten und das bei beiden Fanlagern auf große Zustimmung stieß (natürlich nur der erste Teil). Als der Autor dieses Artikels zum ersten Mal diesen Westschlager am 31. Juli 1994 sah (1:1 in der Regionalliga West/Südwest) waren mit Euros vollgepumpte Retortenklubs wie Rasenball Leipzig oder der FC Ingolstadt noch gar nicht auf der Bildfläche. Nun spielen diese Konstrukte um den Aufstieg in die erste Bundesliga und Traditionsvereine wie Alemannia Aachen und Rot Weiss Essen kämpfen in der vierten Liga förmlich ums Überleben / bzw. eine Rückkehr auf die große Fußballbühne.

Das Tradition tatsächlich keine Ligen kennt, zeigte die eigentlich kaum in Worte zu fassende euphorische Aufbruchstimmung in den letzten Wochen zwischen Rhein und Ruhr rund um das heutige Spitzenspiel zwischen der Alemannia und RWE: Gerade war der Ticket-Vorverkauf eingeläutet setzte ein förmlicher Run auf die Karten ein. Bereits vor Weihnachten waren 14.000 Tickets verkauft, darunter 3.000 in Essen. Allen war da aber schon klar, das dabei nicht bleiben würde. Beide Klubs spielen zwar in der vierten Liga, haben aber ein erstligareifes und stimmungsvolles Fanpotential. Mitte Januar meldete Aachen dann einen ausverkauften Tivoli. Vorher ließ es sich der Klub aus der Kaiserstadt nicht nehmen nocheinmal das Gästekontingent um weitere 2.000 Tickets aufzustocken, die neuen Karten waren dann innerhalb von 90 Minuten an der Essener Hafenstraße vergriffen. Einige weitere Essener Fans deckten sich auf anderen Weg ein, so dass heute rund 5.500 rot-weisse Fans ihren Klub unterstützten. Aber auch die Alemannia hatte wenig Probleme ihr Heimtickets loszuwerden, so dass der Alt-Regionalliga-Zuschauerrekord (RL-Nordost 02.09.2012 - RB Leipzig gegen Lok Leipzig - 24.795 Zuschauer) schon frühzeitig eingestellt wurde. Zuletzt kamen in Aachen so viele Zuschauer in der ersten Runde des DFB-Pokals am 18. August 2012 gegen Borussia Mönchengladbach - eine Besonderheit also, auf die sich die Aachener entsprechend vorbereiteten.

Für die Aachener begann der Tag früh: Knapp 1.000 Fans versammelten sich ab 10 Uhr vor dem Aachener Rathaus um sich auf das Spiel gegen den alten Rivalen aus der 130 Kilometer entfernten Messestadt Essen einzustimmen. Um 11:30 Uhr machten sich die Fans mit viel Rauch zu Fuß auf zum Stadion - vorher gab es aber noch ein Mob-Foto. Die über 5.000 Gästefans aus Essen brauchten dagegen viel Geduld: Die Fans, die mit Auto und Bus anreisten standen im Stau, die per Sonderzug kamen zu spät (ein Fan ist bei der Anreise an Herzversagen verstorben), trotzdem legten die rot-weissen einen guten Support mit Choreo hin auch wenn der Spielverlauf sich anders als gewünscht entwickelte.

Zu Beginn hatte RWE mehr vom Spiel. Die Aachener agierten sehr zurückhaltend, vielleicht ein wenig zu beeindruckt von der großen Kulisse, kommen doch sonst im Schnitt (für die vierte Liga immer noch beachtliche) 6.178 Zuschauer (RWE hat einen Schnitt von 7.684). Letzte Saison am 22. Februar 2014 wollten 9.500 Zuschauer das Traditionsduell (3:0) sehen. Beide Teams agieren in dieser Saison sehr stark. Nur eine Niederlage stand vor der Partie auf dem Konto der beiden. Rot-Weiss Essen war 13 Spiele in Serie unbesiegt, die Alemannen immerhin zwölfmal und nun ebenfalls 13 Mal. Denn zwar spielte Essen zu Beginn groß auf, unter anderem konnte der Aachener Keeper in der dritte Minute einen Schuß von Hermes gerade so an die Querlatte lenken, trotzdem ging die Alemannia in der 39. Spielminute in Führung: Kevin Behrens köpfte eine Ecke direkt ins Netz. In der zweiten Hälfte passierte nicht viel. Einzig Kevin Behrens hatte die Chance im Alleingang aufs Tor die Führung in der 73. Minute zu erhöhen. Er wurde aber vom Essener Weber gestoppt, der dafür die Ampelkarte kassierte. Zu zehnt schaffte es RWE nicht mehr die gut stehenden Aachener zu überwinden. Wie Essens Trainer Marc Fascher es formulierte: Aachen war das eine Tor besser.

Aachen ist nun Spitzenreiter und spielt am kommenden Freitag bei der U23 von Fortuna Düsseldorf, während Essen am gleichen Tag die U23 des VfL Bochum zu Gast hat. Noch sind 14 Spiele zu gehen - noch ist nicht entschieden welcher Klub den unsäglichen Weg in Relegation zur dritten Liga antreten darf. Einer der beiden Traditionsvereine oder Viktoria Köln, die in Lauerstellung liegt.

> zur Fotostrecke Alemannia Aachen

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Inhalt über Klub(s):
Spielergebnis:
1:0
Zuschauerzahl:
30.313
Gästefans
5000

Ligen

Inhalt über Liga
Regionalliga
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Eine eigene Liga nur mit den "alten" wäre super. Auf Ingolstadt, die nicht mal ihr stadion vollkriegen und RB kann man verzichten.

G
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Wirtschaften!

Ach, wieder so eine schöne Traditionsmelancholie….nützt nur nix, wenn man Geld verbrennt, über seinen Verhältnissen lebt und gern mit den Finger auf die "Neureichen" zeigt.
Fußball ist Business und da lässt sich Geld verdienen - und wer nicht die Strukturen und das Know-how mitbringt, hat halt Pech. Da hilft kein rumningeln…schon gar nicht wenn der Steuerzahler die ganzen Sachen ausbügeln muss (Stadt Aachen Stadion, gelle?). Das hat dann beim Traditionsgeheule einen ganz bitteren Beigeschmack.

DJ
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beide müssten aufsteigen

G
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30.000 für 4te Liga Respekt

G
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