Wie geil: Dank BVB, SCF und Verband wieder zwei U23-Teams in Liga drei

Wie geil: Dank BVB, SCF und Verband wieder zwei U23-Teams in Liga 3

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KH 10 Juni 2021

Die beste Nachricht für alle Freunde der „modernen“ Fußballkultur erreichte uns am ersten Juniwochenende. Nein nicht der Europameistertitel der deutschen U21 Nationalmannschaft, sondern eine andere „U“ Nachricht: Nach dem Abstieg der U23 des FC Bayern München müssen wir Gottseidank nicht lange trauern, denn mit den „Nachwuchsteams“ von Borussia Dortmund und dem SC Freiburg rücken gleich wieder zwei neue U23-Mannschaften in die Profiliga hoch. Yippieh, die 3. Liga und vor allem die moderne Fußballwelt ist gerettet.

Endlich haben es wieder zwei Teams mit Unterstützung der Landesverbände geschafft, den etablierten Traditionsvereinen in den Regionalligen den Aufstiegsplatz nach allen „Regeln der Kunst“ vor der Nase wegzuschnappen. Man könnte schreien vor Glück, so wie es der Dortmunder Trainer Enrico Maaßen die ganze Saison am Spielfeld vorgemacht hat: „JA, JA, JA“. Seine Spieler singen immer noch in der Kabine den traditionellen Song des ärgsten Konkurrenten Rot-Weiss Essen („Adiole, Oh RWE“). Natürlich ganz „respektvoll“ und ohne Häme, so wie es sich für ein anständigen Profiklub gehört. Was für ein genialer Schachzug: Erst mit reichlich Moneten vom Festgeldkonto den Spielerkader pimpen, dann den Traditionsklubs die lange Nase machen. Das ist der Nachwuchs der Profiklubs, der übrigens schon längst in alle Winde verstreut ist, denn für die neue Liga wird einfach locker flockig nachgelegt. Fantastisch!

Im Fall von Borussia Dortmund wird wie in der Vorsaison einfach die klamme Geldschatulle weit geöffnet und nochmal ordentlich reingelangt für die Zweitvertretung. Zwar erwartet der BVB nach einer Ad-hoc Meldung einen Konzernjahresfehlbetrag von rund 75 Millionen Euro, aber fürs eigene Ego (also das Erreichen was die Bayern vormachten) kann man nochmal so sieben bis zehn Millionen locker machen für ein Team dessen höchstes Gefühl der Klassenerhalt sein wird. Aber was soll´s. Für das Prestige wird alles getan. Wichtig ist an dieser Stelle aber, das Understatement. Also die 10-Mio-Truppe darf auf keinen Fall als Profi-Truppe bezeichnet werden („Lars Ricken“), denn das würde an Sympathien kratzen. Schön die Ziele und die Jungs kleinhalten, was auch super in der vierten Liga funktioniert hat. Demut ist das Stichwort, um dann im richtigen Moment das wahre Gesicht zu zeigen. Ja genau diese viel beschworene Demut, die auch im vergangenen Jahr zu Beginn der Corona-Pandemie so oft gebraucht wurde. Hinter diesem Wort kann man sich perfekt einige Zeit verstecken, um dann im geeigneten Moment loszuschlagen, unter dem Motto: "Was schert mich mein Geschwätz von gestern.“

Was zählt ist jetzt und die neue Hammerliga, die erst durch die beiden U23 Teams von Borussia Dortmund und dem SC Freiburg den richtigen Nervenkitzel bringt. Ok, jetzt nicht gerade die Attraktivität in Sachen Ballsport und Zuschauerresonanz im Schwarzwaldstadion oder im Stadion Rote Erde und auch schon gar nicht auswärts im Gästeblock. Nein endlich können mal die etablierten Profiklubs den Mannschaften der Niederrungen es so richtig zeigen, wie man die Regeln des Fußballs perfekt ausdehnen kann. Wie die Regionalligisten so werden sich die Drittligisten nicht nur den sportlichen Herausforderungen stellen müssen, sondern auch den neuen Aufgaben in Sachen der Regelkunst.

Hier mal ein paar Tipps aus der Trickkiste:

Wenn man mal etwas müde ist zum Ende der Saison und die Verletztenliste länger und länger wird oder sich der eine oder andere Spieler unwohl fühlt, alles kein Problem: Mal kurz Stift und Spielberechtigungsliste raus und zack hat man eine zweiwöchige Pause im Sack. In Zeiten der Pandemie auch genannt als "Corona-Pause". Wenn Corona irgendwann endlich überwunden ist, dann kann man sich einfach was ausdenken, Blähungen oder so und damit die so genannte Spielberechtigungsliste einfach nach Belieben reduzieren, also Spieler streichen. Und die Fristen? Gibt es, aber nach Regelwerk äußerst großzügig dehnbar. Perfekt vorgemacht hat das kürzlich Borussia Dortmund in der Regionalliga West, wo aus 57 gemeldeten Spielern ganz schnell nur zwölf wurden. Ein paar waren in Quarantäne, ein paar beim Training und einige andere feierten den Pokalsieg der ersten Mannschaft in Berlin. Die U23-Saison kann dann fortgeführt werden, wenn es am besten passt. Ist das geil? Ja super! Das Ganze funktioniert natürlich auch anders herum. Wenn man nun einen wichtigen Spieler hat, der aber eigentlich in die so genannte Corona-Pause beispielsweise aufgrund von Vorgaben seines Landes gehen müsste, sprich Quarantäne, reicht hier einfach ein Anruf beim Amt und zack kann der Spieler eingesetzt werden.

Das Beste ist aber: Das funktioniert nur mit Nachwuchsteams von Profimannschaften, wenn andere Mannschaften erkranken, kann man als Profiteam die Durchführung des Spiels fordern oder bei nicht Antritt direkt die Punkte einsacken. Eine der vielen Blaupausen dafür ist das nicht stattgefundene U19 Spiel zwischen Borussia Dortmund und Alemannia Aachen im vergangenen Herbst, aufgrund von Corona Fällen bei den Kaiserstädtern. Der BVB beharrte im September 2020 auf die Durchführung des Spiels, Aachen konnte nicht und musste mit einer Niederlage leben. Anders lief es vor ein paar Jahren in der Regionalliga: Der BVB hatte nach eigenen Angaben nicht genug Spieler und konnte nicht antreten. Der Verband verlegte das Spiel.

Und das ist ja auch toll: Der Verband ist (soweit man es von außen beurteilen kann) immer so freundlich und positiv eingestellt gegenüber den Nachwuchsteams. Da wird unterstützt wo man nur kann, bei jedem noch so seltsam wirkenden Wunsch. Beispielsweise wenn der Winter naht und der Rasen des eigenen Stadions es nicht mehr so den eigenen effizienten Spielfluss hergibt und man jetzt auch keinen neuen Rasen legen möchte, dann ist es überhaupt keine Frage: Natürlich darf der Klub dann anstatt in seinem Stadion auf seinem Trainingsgelände kicken, wo er eingespielt ist. Ebenso ist es dem Klub erlaubt (mit Zustimmung des Gegners) einfach mal das Auswärts- und Heimspiel zu tauschen sowie es die U23 Teams vom BVB und Borussia Mönchengladbach in der vergangenen Regionalligasaison vormachten.

Nicht zu vergessen der unbegrenzte Einsatz von Spielern aus der ersten Elf. Braucht ein Spieler aus dem Bundesligateam mal etwas Spielpraxis, kein Problem. Die zweite Mannschaft hat immer Platz im Kader. Ob WM- oder EM-Teilnehmer, Spielermaterial jeglicher Qualität ist schon in den zweiten Mannschaft aufgelaufen und sei es nur zum Spaß und um den „normalen“ Klubs zu zeigen wo der "Frosch die Locken hat". Auch gibt es kaum Regeln die einen fleißigen Tausch zwischen den Teams verhindern. Und wenn, dann passt der Verband diese so großzügig an, dass sie eigentlich obsolet ist. Wie beispielsweise der Paragraph 11, Absatz 11 der Spielordnung des Westdeutschen Fußballverbandes (WDFV), der besagt dass Spieler, die ab dem 1. Mai in der höheren Mannschaft eingesetzt wurden, nicht wieder Spieler der unteren Mannschaft werden können. Für die gerade zu Ende gegangene Saison wurde der Stichtag aber auf den 1. Juni gelegt, dabei war die Bundesligasaison schon am 22. Mai zu Ende. Eine perfekte Regel, für den Erfolg des eigenen Nachwuchsteam, mit der den Profiklubs ein Freifahrtschein ausgestellt wurde. Die anderen „normalen“ Klubs schauten in die Röhre.

Der Knaller zum Schluß: Wenn „normale“ Klubs sich wehren wollen und die Vorgänge kritisieren und sogar anfangen Einsprüche zu erheben, kann man diese ganz einfach mit viel medialen Rückenwind und Unterstützung der Verbände als „schlechte Verlierer“ darstellen und sie einen bundesweiten Shitstorm aussetzen. Denn die eigenen Fans, für die zwar die „Zwote“ nur ein Hobby ist, werden auch hier den Klub unterstützen. Da wird es kaum Kritik aus den eigenen Reihen geben Ist das nicht der Hammer?

Ironie off
Liest sich „geil“, wenn es nicht so bitter wäre. Es ist ein Unding, dass Klubs Regeln so dehnen dürfen wie sie möchten und der Verband aufgrund der Regularien nur tatenlos zuschauen kann. Zudem gehören zweite Mannschaften nicht in Profiligen. Es muss sich endlich was ändern. Auch wenn unsere Artikel normalerweise nicht vulgär sind, dieser Spruch zum Ende muss sein:

„Karma is a bitch“.  

Foto: Symbolbild BVB 09 U23 gegen Rot-Weiss Essen

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Stimmt alles.
Peinlich vor allem: Menschen, die "ihre" zweite Mannschaft unterstützen, aber sonst gerne gegen den Kommerz / modernen Fußball / Ausverkauf des Spiels / TV-Diktat u.s.w. sind.
Wie heuchlerisch ist das denn? Wenn ihr Abwechslung zum langweiligen Einheitsbrei 1.Liga braucht ( jedes Jahr nach Hoffe, LEV, WOB, RB , Augsburg zu fahren fetzt ja echt nicht mehr... ), sucht euch einen richtigen Amateurverein vor eurer Haustüre. Ich denke gerade im Pott gibt es mehr als eine Alternative und auch in Freiburg gibt es zB den Freiburger FC. Das wäre mal eine respektable Position, aber nein, man supportet noch , dass die Zweitvertretung weiteren guten alten Vereinen, mit ner interessanten Fanszene einen Platz wegnimmt (übrigens ist es auch die Langeweile pur, jedes Jahr zu den Freiburg, Hoffenheim, Stuttgart u.s.w. - Amateuren zu fahren). Die richtigen Amateurvereine hätten es doch viel viel nötiger, dass sie unterstützt werden.
Die 4.Ligisten haben es ja fast noch gut, aber wenn ich sehe welche einst höherklassigen Vereine in der 5. Liga rumhängen ( zB siehe Trier, TuS Koblenz, Worms, Stuttgarter Kickers...) und über Jahre nicht mehr hochkommen, gegen die es aus Fansicht durchaus interessant wäre zu spielen, dann verstehe ich das Verhalten der eigentlich Kommerzkritischen Fanszenen nicht, die den Aufstieg ihrer Zweitvertretungen supporten. Ist halt doch mehr Schein als Sein....
Genauso merkwürdig, wie das Verhalten der FC Bayern Amateur-Fanszene: Klar, den FC Bayern an sich kannste eigentlich aus moralischen Gründen eh nicht mehr unterstützen ( für welchen männlichen Profifußball"verein" gilt das überhaupt noch?), aber wenn euch das alles ankotzt und ihr den Flair von Amateurvereinen oder zumindest 3./4./5. - Liga-Fußball bevorzugt, dann supportet doch einen anderen Münchner Verein. Gut, als Roter kannste natürlich nicht 60 unterstützen, aber in einer Millionenstadt wie München gibt es doch zuhauf interessante Vereine, die sich über einen Haufen wie den eurigen freuen würde ( wie wäre es zB mit Wacker, einem alten Traditionsverein?).
Ist ungefähr so, wie sich darüber aufzuregen, dass in den Innenstädten überall die gleichen McDonald´s Filialen stehen, aber trotzdem jedes Wochenende dort zu essen, wenn auch nur den Veggie Burger.
Also lasst die Finger davon und unterstützt doch einfach einen Amateurverein vor eurer Haustüre, als es noch zu fördern, dass die langweiligen und wettbewerbsverzerrenden Zweitvertretungen noch besser werden.
Oder supportet die Frauen. Das ist auch so ein Thema, warum gibt es keine Gleichstellung in der Bezahlung von männlichen und weiblichen Profis? Das wäre ebenfalls noch eine sehr zu unterstützende Sache, 1000x besser, als die männliche Zweitvertretung zu unterstützen. Ich weiß den verein kann man sich nicht raussuchen, aber man muss das fehlerhafte System ja nicht auch noch unterstützen.

U1
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Spielordnung verändert!

Die Leudde die hier immer noch hinter ihrer Zwoten stehen, sollten sich mal mit dem Thema Spielordnung befassen. Warum ändert ein Verband eine im Oktober 2020 verfasste Spielordnung nochmal im März 2021 und das zu Gunsten der U23 Teams der Profiklubs.

K
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Starker Artikel

G
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Wie schon vor 10 Jahren, turus immer vorne weg. Kein Blatt vor dem Mund nehmen, wo sich andere wegducken oder den großen Klubs in den Allerwertesten kriechen. Sehr gut, weiter so

G
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Die Wahrheit, exzellent beschrieben

G
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G
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Sahne Artikel, so und nicht anders

G
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