Ausflug nach Pommern: Hafen, Arka Gdynia, Kielbasa und viel Piwo

Ausflug nach Pommern: Hafen, Arka Gdynia, Kielbasa und viel Piwo

 
5.0 (1)
MH 16 März 2020

Eine Situation wie die jetzige gab es wohl noch nie in der Fußballwelt. Dass vereinzelte Länder Spieltage aussetzen, kam sicherlich schon oft vor, aber das nahezu ganz Europa bis in die untersten Ligen jeglichen Spielbetrieb auf Eis legt, ist wirklich ein Novum. Allein das komplette Aussetzen eines Spieltages in der höchsten deutschen Spielklasse gab es seit dem 2. Weltkrieg nicht. Daran Schuld ist ein für uns unsichtbarer Feind, ein kleiner Virus, nur mit besonderen Mikroskopen sichtbar, und dennoch vermag er die Welt ein Stück weit zum Erliegen zu bringen. Bereits am ersten vollen März-Wochenende war vielerorts nicht sicher, ob der Spielbetrieb aufrecht erhalten werden könnte, sodass auch meine Planung, an die polnische Ostsee zu reisen bis zuletzt unsicher war. Letztlich sollte dieses Wochenende aber noch über die Bühne gehen. Das letzte Fußball-Wochenende auf unbestimmte Zeit.

Für mich bedeutete dieser Ausflug allerdings keine Entspannung. Aufgrund meiner aktuellen Abhängigkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln musste ich bereits am Freitagabend per Bus die zehnstündige Anreise über Nacht auf mich nehmen. Am frühen Morgen erreichte ich nach Stopps in Poznan, Bydgoszcz und Gdansk das touristisch eher verschlafene Gdynia.

Mit einem Kaffee in der Hand sollte es dann erst einmal auf eine kleine Erkundungsrunde durch die Stadt gehen. Viel bekommt man nicht zu sehen, aber am Hafen gibt es dann doch das ein oder andere Sehenswerte. Ein altes Kriegsschiff, ein paar Segelschiffe und darüber hinaus kann man entlang der Küste auch ganz entspannt einen Spaziergang einlegen. Wesentlich vielversprechender gestaltete sich dann doch die Dichte an nett aussehenden Bars und Restaurants. Dafür hatte ich am Vormittag zwar noch keine Zeit, aber nach dem Fußball wollte ich diese dann auch in Anspruch nehmen. 

Zu Fuß ging es weiter zum Stadion Narodowy Rugby. In diesem spielen neben dem ansässigen Rugbyteam von RC Arka Gdynia, auch die Viertligisten Baltyk Gdynia, die in der 5. Spielklasse spielende Zweitvertretung von Arka Gdynia und deren Juniorenteams. Wenn man es so will, ein Stadion für alle Fälle. Mich interessierte hier die zur Mittagszeit angesetzte Partie Arka Gdynia U19 vs. Legia Warszawa U19.

Arka Gdynia U19 vs. Legia Warszawa U19 (1:1)

Centralna Liga Juniorów

Stadion Narodowy Rugby

90 Zuschauer

In dem mit einer großen Tribüne versehenen Stadion fanden sich nicht ganz 100 Leute zum Fußballschauen ein. Schade eigentlich, denn ich finde die hochklassigen Spiele aus dem Juniorenbereich oft sehr angenehm und mit der Vertretung vom Hauptstadtclub war auch kein uninteressanter Gegner zu Gast. Arka konnte als Tabellenachter ganz gut mit dem Tabellenzweiten mithalten, nachdem man recht früh in Rückstand geriet. Insbesondere zum Ende hin machten die Jungs schon ordentlich Druck und wurden dafür letztlich auch mit dem Ausgleich in der 81. Spielminute belohnt. Ich denke, damit war man schon ganz zufrieden. Weiter ging es zu Fuß die wenigen hundert Meter zum eigentlichen Hauptspiel dieses Tages. 

Arka Gdynia vs. Wisła Płock (1:2)

Ekstraklasa

Stadion GOSiR

4.010 Zuschauer, ca. 200 Gäste

Über Sinn oder Unsinn des Besuches einer solchen Partie kann man sicherlich zweigeteilter Meinung sein. Ein Aufeinandertreffen mit Wisła Płock gehört sicherlich nicht zu den großen Highlights in der polnischen Fußballlandschaft, aber müssen es denn immer die großen und auch so tollen Spiele sein? Ich besuche sicherlich auch gern mal ein Spiel, bei dem auch auf den Rängen gut was los ist, aber ich schaue mir auch gern das Vermögen der Fans im normalen Ligaalltag an. Im Kreise von Groundhoppern ist das sicherlich oft ein Diskussionsthema, aber ich für meinen Teil kann mir auch mal ein normales Fußballspiel anschauen, mit dem ich eben nicht so prahlen und protzen kann. Eine Sache die mehr und mehr überhand nimmt. Aber um sich in Bodenständigkeit zu üben, werden wir ja alle in den nächsten Wochen und vielleicht Monaten genügend Zeit haben.

Rund 4.000 Besucher wollten sich dieses Kellerduell geben. Arka befindet sich mitten im Abstiegskampf und auch für Wisła Płock geht es noch darum, wenngleich es für die Mannen aus der Woiwodschaft Masowien nicht ganz so schlecht aussieht. Etwa 200 Schlachtenbummler folgten ihrem Team auf die 300 Kilometer weite Reise. Der Heimsektor wollte sich an diesem Tag auch nicht so recht füllen, sodass der Block in die Heimkurve schon sehr lückenhaft wirkte. Dazu kam das mäßige Wetter, die Tabellensituation, die Attraktivität des Gaste - alles keine Punkte, die zum Besuch des Stadions GOSiR animierten. Trotzdem herrschte eine recht gute Lautstärke vor. Aber das ist aus Polen ja nichts Neues. Dort sind eben auch 100 Leute in der Lage, eine gute Supportlautstärke zu fabrizieren. Das gleiche gilt auch für die Gäste. Sportlich wirkte es dagegen schon recht eindeutig. Arka fand in Halbzeit eins gar nicht ins Spiel, erst zum Ende kippte dieses Bild. Es reichte zwar noch zum Anschluss, aber direkt danach war die Partie auch bereits vorüber, sodass dieser Treffer zu nichts Zählbarem führte. 

Für die Freunde ausgefallener Stadionarchitektur gibt es in Gdynia allerdings nichts zu holen. Die Heimspielstätte von Arka ist schon recht schlicht und zweckmäßig, ohne wirklich Begeisterungspotenzial auszulösen. Übrigens hatte ich das gleiche Duell bereits in der Vorsaison in Płock gesehen. Damals reichte es für Arka immerhin zu einem Punktgewinn durch ein mäßiges 1:1.

Der fußballerische Teil war damit vorüber und die restlichen drei Stunden nutzte ich anschließend, wie bereits angedeutet, zum Besuch einiger Lokale im Zentrum und am Strand. Der Teil wusste definitiv zu überzeugen. Von der Pierogi-Bar bis zur Mikro-Brauerei in unmittelbarer Strandnähe, kann man sich hier ganz gut die Zeit vertreiben. Am Ende war es doch ein ganz runder Ausflug, den ich absolut nicht bereue, wobei ich im Vorfeld noch etwas unsicher darüber war. Somit ging es dann erneut über Nacht in 10 Stunden zurück nach Berlin und zu meiner eigenen Überraschung, war ich nach zwei Nächten im Bus fitter als gedacht. Das kenne ich von mir auch anders. 

Jetzt bleibt uns allen nur abzuwarten, wie sich die Situation mit dem Covid-19 Virus weiterentwickelt und wann der Fußball wieder zur Normalität zurückfindet. Eines ist gewiss, es wird eine entbehrungsreiche und zumindest für mich harte Zeit. Bleibt gesund und wir sehen oder lesen uns. Entweder hier oder auf den Sportplätzen und in den Stadien dieser Welt!

Fotos: Marcel Hartmann

Spielergebnis:
1:2
Zuschauerzahl:
4.011
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