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SG Phönix Wildau 95 vs. FC Energie Cottbus: 110 Stufen zum Pokalsieg

 
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MB 09 September 2019
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„Über sieben Brücken musst du geh’n…“, heißt es bei Karat und Peter Maffay. „110 Stufen musst du hoch…“, heißt es indes in Wildau. Vom S-Bahnhof Wildau aus kommend geht es zuerst an den Gebäuden der Technischen Hochschule vorbei, am Ende des Hochschulrings wartet dann eine beeindruckende Treppe, die zum Otto-Franke-Stadion der SG Phönix Wildau 95 führt. Diese lange Treppe schreit regelrecht danach, für ein prima Mobfoto genutzt zu werden. Nur zu! Stellt Euch auf! Kleinere Gruppen Energie-Fans nutzten in der Tat die Gelegenheit, ein Erinnerungsfoto anzufertigen, doch um die gesamte Treppe zu füllen, hätten mal locker paar tausend Mann vor Ort sein müssen.

Ganz so viele wurden es nicht, doch gut gefüllt wurde es in jedem Fall. Beim letzten Heimspiel in der Brandenburgischen Landesliga Süd durfte die SG Phönix Wildau 95 gegen den FV Blau-Weiß 90 Briesen/Mark 80 Zuschauer begrüßen, am gestrigen Nachmittag platzte das kleine Stadion indes fast aus den Nähten. 1.076 Fußballfreunde waren es gestern, die das Landespokalspiel SG Phönix Wildau 95 vs. FC Energie Cottbus sehen wollten. Da nur eine Seite des Otto-Franke-Stadion Ränge besitzt und geöffnet ist, durfte sich recht eng geknubbelt werden. Hinter den Toren wurde noch jeweils ein Stück freigeben, so dass die meisten Zuschauer am Ende halbwegs was sehen konnten.

Gleich mal vorweg: Phönix Wildau war ein exzellenter Gastgeber. Über sieben Euro Eintritt (vier ermäßigt) kann sich nicht beschwert werden, und die Ordner an den Eingängen waren überaus entspannt. Zwar gab es zwei separate Zugänge und eine grobe Raumtrennung, doch war es kein Problem, sich frei zu bewegen. Wollten auch Energie-Fans die berühmte „Kanal-Wurst“ (Currywurst ohne Pelle) aus Königs Wusterhausen schmausen, so war es kein Problem auf die andere Seite zu kommen. Des weiteren waren zwei weitere Grillstände und zwei Bierstände aufgebaut. Die Versorgung mit Speis und Trank ohne langes Anstehen war somit gewährleistet. Eigentlich sollte dies normal sein, schließlich geht es ja um guten Umsatz, mag man denken, doch zeigt die Realität, dass sich manch ein oberklassiger Verein sich ein Scheibchen abschneiden könnte.

Was das Stadion als solches betrifft, so schnalzen Nostalgiker in jedem Fall mit der Zunge. Die zwei kleinen überdachten Holztribünen, die alten Betonmasten, an denen oben die Scheinwerfer befestigt sind, die Aschebahn, das alte Gebäude, in dem sich das Casino befindet - das Ganze ergibt eine klasse Mischung. Definitiv ist ein Abstecher zu Phönix Wildau kein Besuch auf einer 0815-Sportanlage. Als dann mir noch ein Kumpel von den Testspielen zu DDR-Zeiten gegen den BFC und den 1. FC Magdeburg berichtete, ratterte das Kopfkino. Ein Ding, dass ich noch nie im Leben zuvor im Stadion von Wildau war. Umso besser, dass für das in Arbeit befindliche Buch „Fußballheimat Brandenburg - 100 Orte der Erinnerung“ aktuell so manch eine Lücke geschlossen wird. Logo, die SG Phoenix Wildau 95 wird mit dabei sein in diesem Werk!

Ins Leben gerufen wurde der Verein vor 109 Jahren als Wildauer F.C. Phönix 1910. Genutzt wurde bereits damals die Hochfläche an der jetzigen Bergstraße / Ecke Jahnstraße. Zudem wird angenommen, dass in der Anfangszeit auch der Turnplatz der Kolonie Wildau (heutige Schwarzkopff-Siedlung) bespielt wurde. Das heutige Otto-Franke-Stadion wurde am 02. Oktober 1926 als Gemeinde-Sportplatz eingeweiht. Nach Streitigkeiten wurde 1928 der Verein aufgelöst, es bildete sich stattdessen der V.f.R. Wildau, etliche Phönix-Spieler schlossen sich dem Wildauer F.C. Blau-Weiß 1910 an. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde am 18. Juni 1948 die Sportgruppe (SG) Wildau 48 ins Leben gerufen, am 11. Juli 1951 wurde der Anschluss an die Abteilung Fußball der BSG Motor beschlossen. Diese wurde zuvor am 18. März 1950 als BSG LOWA (Lokomotiv- und Waggonbau) Wildau gegründet. Wenig später wurde diese in BSG Motor Wildau umbenannt. Bemerkenswert: 1955 und 1956 gab es zwei Kräftemessen mit Borussia Dortmund. Das Heimspiel im Otto-Franke-Stadion ging mit 1:10 verloren, das Rückspiel wurde auf der Dortmunder Hoeschkampfbahn ausgetragen und endete mit einem 1:0-Sieg der BSG Motor Wildau. 

Bis 1966 spielte die BSG Motor Wildau im Bezirk Potsdam, dann wurde der Verein in den (Ost-)Berliner Spielbetrieb eingegliedert. 1973 gelang der Aufstieg in die Bezirksliga Berlin. Den Älteren in Erinnerung blieb auf jeden Fall der 2:0-Sieg im Freundschaftsspiel gegen den 1. FC Union Berlin am 19. Januar 1977. Nach der Wende ging es schließlich als SG Phönix Wildau 95 weiter. 2006/07 wurde in der Landesklasse Mitte gespielt, am Ende jener Saison musste der Abstieg in die Kreisliga verschmerzt werden. 2011 wurde als souveräner Meister die Wiederkehr in die Landesklasse gefeiert. Zwei Jahre später gelang mit 16 Punkten Vorsprung auf den SV Grün-Weiß Lübben der Sprung in die Landesliga Süd. Die zurückliegende Saison wurde mit Rang 12 beendet. 

Während in der vergangenen Saison im Landespokal in der ersten Runde vor 186 Zuschauern gegen den FSV Union Fürstenwalde (0:4) gleich Schluss war, gab es dieses Mal in der ersten Runde ein etwas einfacheres Los. Vor knapp 100 Zuschauern konnte der Brandenburgligist FC Eisenhüttenstadt mit 3:2 bezwungen werden - und das nach 0:2-Rückstand! Gegen den Regionalligisten aus der Lausitz würde es um einiges schwerer werden, doch wollte man sein Bestes geben und versuchen, die Partie so lange als möglich offen zu halten.

Nachdem bereits in der fünften Minute Berkan Taz und in der 13. Minute Moritz Broschinski die ersten beiden Treffer für den FC Energie Cottbus erzielten, schien der Plan nicht aufzugehen. Es drohte eine deutliche Klatsche. Doch in der Folge kam Phönix Wildau besser ins Spiel und konnte bis zur 72. Minute einen weiteren Gegentreffer verhindern. Dann konnte Moritz Broschinski einen weiteren Treffer nachlegen, in der 77. Minute traf zudem Berkan Taz vom Elfmeterpunkt aus. 4:0 für Cottbus - so der Endstand. Mehrfach auszeichnen konnte sich Phönix-Keeper Nils Alexander. In der elften Minute wehrte er einen Strafstoß ab, in der Folge war er zudem bei Schüssen von Taz und Florian Meyer mehrfach zur Stelle. 

Unter dem Strich war der Lausitzer Sieg völlig verdient, doch zeigte Phönix Wildau guten Einsatz und Moral und vor allem eins - sich als sehr guter Gastgeber!

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: SG Phönix Wildau 95 vs. FC Energie Cottbus

Spielergebnis:
0:4
Zuschauerzahl:
1.076

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