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Lok Stendal vs. Hansa Rostock II: Verbotener Schnaps und hoher Unterhaltungsfaktor

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MB 15 April 2019
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Auf mit „HANS“ nach Stendal! Genauer gesagt mit der Hanseatischen Eisenbahn, die alle zwei Stunden die Strecke von Rathenow nach Stendal bedient. Spätestens nach der Rostocker Choreo „13 Jahre Stendal Randale - ACAB“ stand der Entschluss fest, das Spiel der Amateure in Stendal auf alle Fälle mitzunehmen. Aber eigentlich wurde diese Entscheidung bereits zu Beginn der Oberliga-Saison getroffen, nachdem der 1. FC Lok Stendal von der Süd- in die Nordstaffel gewechselt war. Zu fest verankert ist der Name Stendal im Kopf. „Rote Kogge, blaues Segel, tätowiert auf seinem Bein. War dabei in Bochum, in Stendal. Hinterlässt in Dresden und Frankfurt sein Denkmal. Denk mal schon, dass er weiß, was er tut. Hansa Rostock bis auf's Blut...“, heißt es bekanntlich im Song „Romeo und Julia“ von Marsimoto. 

Also dann! Tasche gepackt und mit dem RE4 von Berlin nach Rathenow, dort stand bereits der winzige Regionalzug der Hanseatischen Eisenbahn bereit. Da es quasi nur einen Wagen gibt, war es nicht schwer sofort bekannte Gesichter auszumachen. Nun gut, einen Megaansturm würde es sicherlich nicht geben (am Tag zuvor war das Heimspiel gegen Jena), doch mit rund 100 Hansa-Fans war sicherlich zu rechnen. Zwei-, dreimal im Jahr werden die Hansa Amateure verstärkt unterstützt. In Frankfurt / Oder, in Strausberg, bei Hürtürkel, in Staaken. Meist sind es jedoch Spiele, die ganz am Ende der Saison liegen.

Bevor es am gestrigen Nachmittag zum Stadion am Hölzchen ging, das am nördlichen Stadtrand von Stendal liegt, wurde zu zweit ein Abstecher in die Altstadt gemacht. Im Gegensatz zum letzten Besuch beim Spiel gegen TeBe im August 2018, als bei schönstem Sonnenschein die Straßen und Gassen belebt waren, schienen gestern bei der kühlen Witterung die Bürgersteige komplett hochgeklappt. Da fast alle Restaurants tagsüber geschlossen blieben, war es kein Wunder, dass es sich in einem griechischen Restaurants munter tummelte.

Beim Spaziergang durch die Stadt durften zudem die verschiedensten Aufkleber an den Laternenmasten und Ampeln bewundert werden. Mal hieß es „Destroy Lok Stendal“, mal hieß es „Casuals 1. FC Magdeburg“ und mal hieß es „HFC Fighting“ und „Bauerngesindel Magdedorf“. Sämtliche Fraktionen geben in Stendal Duftmarken ab, wobei mehr vom HFC als vom FCM zu sehen war. Je näher man dem Stadion am Hölzchen kommt, nimmt ganz klar die Anzahl der farblich markanten Aufkleber des 1. FC Lok Stendal zu. 

Am Stadion selbst ging es wie bereits beim besuchten Heimspiel gegen Tennis Borussia Berlin überaus gelassen zu. Fast könnte von nordischer Gelassenheit gesprochen werden, und auch generell hat man in der Stadt das Gefühl bereits ein ganzes Stück nördlicher zu sein. Und so passt es wirklich, dass die Stadt wieder offiziell den Namen „Hansestadt Stendal“ trägt. Das Stadion am Hölzchen dürfte fremden Besuchern in der Regel gut gefallen, wenngleich es zu alten Ost-Zeiten sicherlich noch mehr Kultcharakter besaß. Aufgrund komplett fehlender Überdachung möchte ich allerdings auch nicht im November bei zwei Grad plus und Sprühregen auf den Rängen stehen. 

Passt das Wetter jedoch halbwegs, gestern war das Wetter ja auch nicht gerade bombig, ist ein Stadionbesuch wirklich eine Wucht. Ich denke, man müsste sich als Fremder schon wie die Axt im Walde benehmen, um dort mit den Einheimischen ernste Probleme zu bekommen. Ruckzuck ist man dort, egal wo man steht, im Gespräch mit einem Stendaler. Dreht man dort als Besucher seine Runde, wird man sowieso mehr auf die verschiedensten Leute und die angebrachten Zaunfahnen als aufs Spielgeschehen schauen. Ein netter Punkt ist auf jeden Fall das schwarz-rot-gelb angemalte Imbisshäuschen an der Nahtstelle zum Gästebereich, der sich ebenso auf der Gegengerade befindet. Ganz ehrlich, ein packendes großes Spiel mit richtig Gästeanhang muss im dortigen Stadion wirklich ein Erlebnis sein. Demzufolge drücke ich Lok Stendal mal ganz einfach im Landespokal feste die Daumen. Ein mögliches DFB-Pokalspiel werde ich dort das nächste Mal ziemlich sicher mitnehmen. Zuletzt war im August 2018 Arminia Bielefeld zu Gast.

Wie erwartet fanden sich gestern knapp 100 Hansa-Fans im Gästeblock ein. Viele Stoffe hatte man verständlicherweise nicht dabei. Am Zaun hing eine einfache Hansa-Fahne, an einem Wellenbrecher wurde zudem die Fahne der „Reisegruppe mit Niveau“ angebracht. Was den Support betrifft, ließ man es im gewohnten Stil beim Spiel der Amateure etwas lockerer angehen. Im Zuge des Bier-Konsums nahm die Unterstützung der Mannschaft allerdings im Laufe des Spiels etwas zu.

Eher ruhig blieb es auf Heimseite, was jedoch vor allem an der Leistung in den vorherigen Partien lag. Lok Stendal steckt nach einer zwischenzeitlichen Hochphase wieder tief unten drin im Abstiegskampf. Ein Sieg musste her - und dieser sollte gegen die Rostocker auch gelingen. Auf dem Rasen wurde ein couragiertes Spiel gezeigt. Der Einsatz stimmte, bereits nach einer Viertelstunde erzielte Martin Gödecke den Treffer des Tages. Man spürte förmlich, wie der Knoten platzte und Lasten auf Heimseite abfielen. Dieses Tor war ein echter Befreiungsschlag. Zwar zeigte auch Hansa Rostock II durchaus Einsatz, doch Stendal ließ hinten nichts anbrennen. Den letzten Schuss des Tages gab in der Nachspielzeit der Rostocker Keeper Alexander Sebald ab, der mit nach vorn geeilt war, doch ging der Ball recht deutlich am Gehäuse vorbei. 

 

Gute Laune herrschte trotzdem im Gästeblock. Man gönnte Stendal die Punkte, schließlich würde man gern in der kommenden Saison wiederkommen. Es wurde reichlich Bier konsumiert und rumgeblödelt. Zweimal flogen Klorollen aufs Spielfeld, einmal wurde versucht das mobile Toilettenhäuschen zu drehen, so dass die Tür zum Zaun zeigt und der Insasse nicht mehr raus konnte. Aus Spaß wurde von Hügel zu Hügel rübergepöbelt. Man wünsche eine Runde Schnaps, dort säße man auf dem Trockenen. Ein älterer Mann mit Mütze hatte zuvor den Gästefans zugeprostet und zwei Schnäpschen genüsslich runtergekippt. Das Witzige: Ein Teil seiner Familie stand auf Heimseite, zwei Enkel standen als Hansa-Fans mit im Gästebereich. 

Schnaps? Eine Runde könnte man spendieren, dachte ich und fragte den Ordner im Innenraum, ob er die Türen aufschließen könne. Ja, könne er, ich müsste aber selber schauen, wenn ich dort drüben Probleme bekäme. Ran ans Holzhäuschen und ein Scheinchen auf den Tisch gelegt. Die Fläschchen könne man nicht rausgeben. Kein Problem - rein damit in zwei, drei Plastikbecher. Als jedoch rausgehört wurde, dass die Ladung Schnaps für die Rostocker bestimmt sei, wurde sogleich Veto eingelegt. Dies sei ein Hochsicherheitsspiel - kein harten Getränke für die Gästefans!

Nun blieb es drüben bei einer kleinen Runde Bier. Die letzten Minuten wurden geschaut, der Schuss des Rostocker Torwarts wurde bestaunt. Nach Abpfiff staunten die Ersten unten am Tor nicht schlecht, als sie raus wollten. Es wurde vergessen, die Tür wieder aufzuschließen. Zwei, drei kletterten über den Zaun, dann fand sich jedoch eine elegante Lösung das ganze Tor zu öffnen. Zum Bahnhof laufen musste niemand. Routiniert wurden die freien Plätze vergeben, im Neuner ging es in meinem Fall schließlich zurück zum Hauptbahnhof.

„Hier raucht ja gar nix“, meinte ein Hansa-Fans ganz trocken. Das Einzige, das richtig mächtig qualmte war die E-Zigarette einer Polizistin. Ein kleines Aufgebot stand bereit, doch lächelten die Beamten ganz lieb. Hinein in die Hanseatische Eisenbahn nach Rathenow, wohlbehalten kam die kleine Truppe in Berlin an und ließ dort den Abend in gewohnter Manier hübsch ausklingen.

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock

> zur turus-Fotostrecke: 1. FC Lok Stendal

Spielergebnis:
1:0
Zuschauerzahl:
407
Gästefans
100

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Die müssten mal Regionalliga spielen. Das wäre doch was.

NM
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Macht Lust, solche Ama-Spiele mal zu besuchen.

G
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FCH
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G
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Schöner Ausflug in die Altmark. Was steht als nächstes an?

V
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:-D

G
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