SV Babelsberg 03 vs. FSV Zwickau: Stimmungsvolle Kulisse und Tabellenführung für Nulldrei

MB Updated 19 August 2013
Marco Bertram like

Babelsberg 03 Die Siege gegen den 1. FC Lokomotive Leipzig (1:0) und den VfB Auerbach (3:0) erfreuten zwar die Fans außerordentlich, doch wurden die beiden Erfolge in rein sportlicher Hinsicht nicht allzu hoch eingestuft, da sowohl Lok als auch Auerbach im unteren Drittel der Regionalliga Nordost gesehen werden. Die Spiele gegen den FSV Zwickau und den Berliner AK 07 würden dagegen wirklich Auskunft geben, wie die neu zusammengemischte Mannschaft von Nulldrei zu bewerten ist. Und siehe da: „Zwigge“ kam und wurde vor knapp 2.700 Zuschauern mit 2:1 besiegt! Mit der maximalen Ausbeute von neun Punkten aus drei Spielen ist Babelsberg 03 nun an der Tabellenspitze zu finden.

03Kurz vor Anpfiff gab es in der Babelsberger Nordkurve eine Choreographie, die Bezug auf die Diskussionen nach dem Auftaktspiel gegen den 1. FC Lok Leipzig nahm. Am Zaun ausgerollt wurde ein Spruchband mit der Aufschrift „Alle guten Dinge sind 03“. Dazu weißer und blauer Rauch sowie zahlreiche Sprechblasen, die an den verschiedenen Ecken des Heimblocks hochgehalten wurden. „Ich war´s“, „Echte Fans?“, „Kot statt Böller“, „Steine-Scheißer“, „Kacken gegen Lok“, „Fußball raus... ...aus der Politik“, „Pro Kotateur“, „Strichkot“, „Nur Kaputte“, „Linksfaschist“, „Freibier statt Freiwild“, „Urin statt Uran“, „Sommer, Sonne, Kacktus“ und einfach nur „Fußball“ war unter anderen auf den zahlreichen Schildchen zu lesen.

ZwiggeAuf Gästeseite beließ man es (vorerst) beim verbalen Support, rund 300 Fans hatten sich aus Westsachsen auf den Weg in die Filmstadt gemacht, um ihr Team nach Kräften zu unterstützen. Ein Großteil der Ultras von „Red Kaos“ wird mit dem FSV Zwickau noch nie im Karl-Liebknecht-Stadion gewesen sein. Der Grund dafür ist ein ganz einfach: Das letzte Aufeinandertreffen liegt bereits 14 Jahre zurück. Ende der 90er Jahre hatten Nulldrei und Zwickau zweimal im KarLi die Klingen gekreuzt. Zweimal trennten sich beide Teams 0:0. Unterstützt wurden die Zwickauer Fans dieses Mal von einer handvoll Anhänger aus der SG Dynamo Dresden. Dass es nicht mehr waren, lag an der Tatsache, dass Dresden parallel sein eigenes Heimspiel gegen den FSV Frankfurt hatte.

03Behutsam nahm die heutige Begegnung Fahrt auf. Nach gut einer Viertelstunde brachte Carsten Weis den Ball von rechts rein, dort stand Davy Frick und machte mit dem Kopf fast das 1:0 für Zwickau. Der Ball strich recht knapp über die Latte. Lange Gesangeinlagen im Gästeblock, wo sich zirka 30 bis 40 Fans beteiligten. Gekonnte Trommelwirbel und manch ein Lied, das an ein Partisanenlied erinnert. Keine Frage, die Zwickauer Ultras haben über die Jahre ihren eigenen Stil entwickelt. In Kombination mit den ebenso melodischen Gesangstücken der Babelsberger Nordkurve entstand phasenweise eine sehr spezielle Stadionatmosphäre.

ZwiggeNach einer eher plätschernden Spielphase kamen plötzlich die Tormöglichkeiten in direkter Abfolge. So setzte Christoph Göbel einen Aufsetzer über das Babelsberger Gehäuse. Fast im direkten Gegenzug kamen die Hausherren fix über die rechte Seite, Heiko Schwarz rückte in eine gute Position vor und zog ab. Zwickaus Keeper Marian Unger – einst (wie auch fünf andere im FSV-Kader) in Babelsberg unter Vertrag – konnte gerade noch so mit dem rechten Fuß abwehren. Wenig später gab es auf beiden Seiten jeweils einen Freistoß zu sehen, doch brachten diese nichts ein. Und dann das: Soeben hatte Babelsberg eine fette Doppelchance gehabt (Lucas Albrecht und Severin Mihm), als Zwickau geschwind über die linke Seite vorstieß und den Ball scharf zum Tor reinbrachte. Dort brauchte Davy Frick aus kurzer Distanz nur noch einschieben. 1:0 für die Gäste in der 36. Minute. Jubelorgie am Zaun des Gästeblocks.

TorDie Partystimmung hielt jedoch nicht allzu lange an, denn nur fünf Minuten später konnte Daniel Becker den Ausgleich besorgen. „Das war doch mal nen geiles Tor!“, ließ der Babelsberger Stadionsprecher verlauten. War es auch, zumindest aus Heimsicht. Nach einem „Wir haben (H)Unger, Unger, Unger, Unger ... haben Durst“ der Nordkurve machten sich plötzlich drei, vier Dresdner nahe des Pufferblocks auf sich aufmerksam. Nach einem anschließenden kurzen „Scheiß Dynamo!“ kamen die Jungs mit den Tätowierungen wieder schnell zur Ruhe. Fast fiel sogar noch das 2:1 vor dem Pausentee, aber eben nur fast. Mit dem Spielstand von 1:1 ging es in die Kabinen, und auch die zahlreichen anwesenden Polizisten zogen sich kurz zur Beratung zurück.

ZwiggeBeim FSV schien Trainer Torsten Ziegner ein paar klare Worte gefunden haben, denn sein Team legte direkt nach der Pause munter los. In der 55. Minute dann fast das Tor, nach einem Kopfball von Davy Frick musste Nulldrei-Schlussmann Marvin Gladrow eine Parade zeigen, um einen erneuten Rückstand zu verhindern. Und die Gefahr blieb. Zwei Ecken in Folge, nach der zweiten zog Manuel Stiefel aus der Distanz ab, sein Schuss ging rechts am 03-Gehäuse vorbei. Es blieb spannend. Zuerst wurde am Spielfeldrand bei einem Zweikampf eine Trinkflasche zerdeppert, dann fiel in der 67. Minute das 2:1 für die Babelsberger. „Das nächste geile Ding“, wie der Stadionsprecher hocherfreut verkündete.

NulldreiDie letzten 20 Minuten gestalteten sich offen. Zunächst versuchten die Babelsberger noch einen Treffer nachzulegen, zum Ende der Partie hin wurde dann fast nur noch verteidigt. Für Aufmerksamkeit sorgte in der Schlussphase ein fetter Rauchtopf, der den Gästeblock und Teile des Spielfeldes mächtig einnebelte. Nach kurzer Unterbrechung konnte es allerdings problemlos weitergehen. Die Gäste versuchten noch ihr bestes, fanden jedoch nicht das richtige Mittel, um die Nulldrei-Abwehr noch einmal zu knacken. Kurz vor Abpfiff ertönte aus den ansonsten eher ruhigen Bereichen der Gegengerade ein lautstarkes „S – V – Babelsberg 03!“ Keine Frage, das Babelsberger Publikum war zufrieden. Geschickte konnte die Mannschaft die knappe Führung über die Zeit bringen. Großer Jubel nach Abpfiff. Drei Spiele, drei Siege. Alleiniger Spitzenreiter der Regionalliga Nordost. Wer hätte das vor Saisonstart gedacht?

NulldreiAm kommenden Samstag nun das Spitzenspiel zwischen dem Tabellenzweiten Berliner AK 07 und dem SV Babelsberg 03 im altehrwürdigen Poststadion. Federn ließen indes der 1. FC Union Berlin II, der am Freitagabend beim FC Viktoria 1889 Berlin nicht über ein 1:1 hinaus kam, und der FC Carl Zeiss Jena, der nach 2:0-Führung beim Aufsteiger Wacker Nordhausen noch das 2:2 hinnehmen musste. Einen 3:1-Sieg feiern konnten die Fans des 1. FC Magdeburg. 5.168 Zuschauer wollten das Börde-Duell gegen Germania Halberstadt in der MDCC-Arena sehen.

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: SV Babelsberg 03

> zur turus-Fotostrecke: FSV Zwickau

 

Artikel wurde veröffentlicht am
18 August 2013
Spielergebnis:
2:1
Zuschauerzahl:
2.676
Gästefans
300

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