1. FC Kaiserslautern Fußballfibel: Im Morgengrauen teuflisch gut geschrieben

1. FC Kaiserslautern Fußballfibel: Im Morgengrauen teuflisch gut geschrieben

 
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MB 10 November 2020

Mit dem 1. FC Union Berlin, dem BFC Dynamo, dem SV Babelsberg 03 und dem FC Energie Cottbus begann alles im Jahr 2015. Zeitgleich gingen damals die ersten vier Bände an den Start. Inzwischen ist die Reihe „Bibliothek des Deutschen Fußballs“ (Herausgeber Frank Willmann) mächtig angewachsen. Als Band 35 kam kürzlich die „1. FC Kaiserslautern Fußballfibel“ auf den Markt, die von Eric Scherer geschrieben wurde. Wie es dazu kam, und ob er lieber morgens bei einem Kaffee oder abends ganz klassisch bei einem Gläschen Pfälzer Wein in die Tasten haute, schildert er in unserem geführten Interview.

turus: Wie kamst du zum Verlag bzw. wie kam Frank Willmann auf dich?

Eric Scherer: Ich habe von 2016 bis 2020 auf „blogvierzwei.de“ über den FCK gebloggt und damit nach und nach eine beachtliche Reichweite erzielt. Offenbar bis nach Berlin. Denn so wurde Frank Willmann auf mich aufmerksam – und hat bei mir angefragt, ob ich eine Fußballfibel über meinen Herzensverein schreiben will. 

turus: Ist dies dein erstes Buch?

Eric: Ich habe 2003 und 2005 zwei Regionalkrimis beim Frankfurter Societätsverlag veröffentlicht. Vor zwei Jahren habe ich auch einen Roman mit dem FCK-Bezug geschrieben und im Selbstverlag herausgegeben. „Block 4.2“. Kann man über meine Homepage ericscherer.de beziehen.

turus: Wie erfolgte für dich der typische Schreib-Tag? Morgens beim Kaffee oder eher abends bei einem Gläschen Pfälzer Wein?

Eric: Die - ungefähr – ersten 50 Seiten meiner Fußballfibel habe ich während unseres La Palma-Urlaubs im Januar 2020 reingehauen. Der Rest entstand in Zeitfenstern, die sich während meines Tagesgeschäfts ergeben. Am besten voran komme ich, wenn ich früh morgens schreibe, im Sommer ab 6, im Winter ab 7 Uhr, da ist man ausgeruht und vor 9 Uhr klingelt bei mir selten das Telefon. Kollegen, die während des Schreibens Alkohol in sich schütten, fand ich zwar immer cool, Selbstversuche haben aber gezeigt: Das ist nicht mein Ding.

turus: Wie kamst du zum Fußball? Klassisch beim Papa an der Hand?

Eric: Ich bin in der Pfalz geboren. Da wird man entweder FCK-Fan oder ein Arschloch.

turus: Die Meisterschaftsfeier im Frühjahr 1991 in Köln-Müngersdorf war legendär. Wie hat sich das angefühlt mit den 40.000 anderen Auswärtsfans?

Eric: Wie soll ich das mit Worten beschreiben? Mer soll zwar de Dom in Kölle losse, haben wir ja auch gemacht, aber an diesem Tag haben wir den Betzenberg kurzerhand in Kölle aufgeschüttet. Nach dem 6:2 durch Schupp stürmten wir bereits den Rasen, dabei hatte der Schiedsrichter das Spiel noch gar nicht abgepfiffen. Der Rasen musste erst wieder geräumt werden, damit er den Abpfiff noch nachholen konnte, denn ohne hätte die Partie wohl abgebrochen und 2:0 für Köln gewertet werden müssen. Einige Spieler standen da bereits halbnackt auf dem Platz. Unbezahlbar. 

turus: Abstieg - Aufstieg und dann gleich Meister mit König Otto. Das muss doch wie ein Traum gewesen sein?

Eric: Da kann ich nur die Sätze zitieren, der meiner Fibel als Motto vorangestellt sind: „Die anderen können nur an Wunder glauben. Wir wissen, dass es sie gibt.“

turus: Dein schönstes Spiel? Dein schlimmstes Erlebnis?

Eric: Auch wenn das viele FCK-Fans nicht verstehen: Mein Lieblingsspiel ist das gegen den FC Barcelona, 1991 im Europapokal der Landesmeister. Wie schlugen Cruyffs "Dream Team 1.0“ mit 3:1, schieden aber dennoch aus, wegen des Gegentreffers, den Barca erst in der Nachspielzeit erzielte. So viel Triumph und so viel Tragödie in 90 Minuten (plus Nachspielzeit), das habe ich bis heute nirgendwo sonst erlebt.  

turus: Blick über den Tellerrand: Was interessiert dich am meisten?

Eric: Neben Fußball: Reisen in die Natur, gute Filme, gute Bücher, gutes Essen, guter Wein. Und ich liebe es bis heute, einfachen Lokaljournalismus zu machen. Porträts sogenannter „einfacher“ Menschen, vor allem, um zu zeigen, dass es eigentlich keine „einfachen“ Menschen gibt.

turus: Dein heimlicher Favorit im Fußball-Osten?

Eric: Ich schaue seit einigen Jahren ein wenig neidisch auf Union Berlin, weil die viele Dinge richtig machen, die der FCK dringend mal wieder richtig machen müsste - die genaue Begründung würde jetzt zu viel Platz einnehmen. In der Dritten Liga schaue ich seit zwei Jahren Hansa Rostock immer wieder mal gerne zu. Guter Fußball und mit Jens Härtel ein Trainer, der schwer was auf dem Kasten hat und dennoch ein angenehm zurückhaltender Typ ist. Ist selten in dem Geschäft.

turus: BFC vs. Kaiserslautern: Warst du dabei? Wenn ja, deine Sicht der Dinge?

Eric: Ich war nicht dabei. Was soll ich sagen: Ja, es kommt immer wieder mal zu Ausbrüchen von Gewalt  in den Stadien, und die sollten auch nicht verharmlost oder gar totgeschwiegen werden. Man sollte einen Verein aber auch nie auf seine Idioten reduzieren, denn die gibt’s überall, hier und da vielleicht mal ein paar mehr, anderswo weniger. Fußballfans, die gerne ins Stadion gehen, mit ihrem Verein fiebern, sich aber nicht kloppen wollen, sind aber immer noch in der überwältigender Überzahl, und zwar ebenfalls überall. Ich gehe seit über 45 Jahren zum Fußball und habe mich nach einem Spiel bei einem Bier schon mit Schalkern, Dortmundern, Dresdnern und, und, und unterhalten und auch gestritten, aber nie sind die Fäuste geflogen.

turus: Die jüngere Entwicklung / der Absturz in den letzten Jahren: Bitte paar Worte dazu. Deine Meinung...

Eric: „Ein paar Worte dazu“ ist nahezu unmöglich - lies meine Fibel. In der Kurzfassung: Es wird meist so dargestellt, als sei der FCK mit seiner Bewerbung zum WM-Stadion dem Größenwahn anheim gefallen und habe sich damit sein eigenes Grab geschaufelt. Das stimmt so nicht, die Wahrheit ist ungleich komplexer. Ja, das WM-Stadion war und ist ein schwerer Klotz am Bein, aber wenn davor und danach im Sport- und im Finanzmanagement weniger Fehler gemacht worden wären, könnte man auch heute noch Erst- oder zumindest Zweitligist sein.

turus: Vielen lieben Dank für das Interview und Dir viel Erfolg mit deiner teuflischen Fußballfibel! :-)

Fotos: Anne Hahn, Marco Bertram, Marco Hensel

> die „1. FC Kaiserslautern Fußballfibel“ beim Verlag CULTURCON medien

 

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