Die Schweiz und ihre Nati: Ist Ottmar Hitzfeld mit seinem Rätoromanisch am Ende?

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Letztmals verpasste die Schweizer Fussballnationalmannschaft im Jahre 2002 ein grosses Turnier. Und das soll so bleiben. Daher verlängerte der Fussballverband den Vertrag mit Ottmar Hitzfeld bis ins Jahr 2014. Dabei ist Hitzfeld in der Schweiz äusserst erfolglos, so erfolglos, wie nur wenige vor ihm. Mit dem Unentschieden von letztem Samstag gegen Lothar Matthäus' Bulgarien ist die EM-Qualifikation praktisch unerreichbar. Es war ein trostloses Gekicke, wie so oft unter Hitzfeld. Aber wer einen so grossen Trainer wie Hitzfeld verpflichten kann, der kann nicht nein sagen. Ein Blick in die Schweizer Fußballseele vom Schweizer turus.net Autor Kallemann.

Letztmals verpasste die Schweizer Fussballnationalmannschaft im Jahre 2002 ein grosses Turnier. Und das soll so bleiben. Daher verlängerte der Fussballverband den Vertrag mit Ottmar Hitzfeld bis ins Jahr 2014. Dabei ist Hitzfeld in der Schweiz äusserst erfolglos, so erfolglos, wie nur wenige vor ihm. Mit dem Unentschieden von letztem Samstag gegen Lothar Matthäus' Bulgarien ist die EM-Qualifikation praktisch unerreichbar. Es war ein trostloses Gekicke, wie so oft unter Hitzfeld. Aber wer einen so grossen Trainer wie Hitzfeld verpflichten kann, der kann nicht nein sagen. Ein Blick in die Schweizer Fußballseele vom Schweizer turus.net Autor Kallemann.

Basel

Der Anfang war schwer für den Lörracher, denn kaum im Amt musste er die historische 1:2 Heimschlappe gegen Luxemburg verkraften. Danach fing sich die Schweiz und holte sich in den folgenden WM-Qualifikationsspielen immer genau die Punkte, die sie holen mussten – und keinen Punkt mehr, kein Tor zuviel - und wurde Gruppensieger. Typisch Hitzfeld, sagte man. Er ist halt genial. Hitzfelds Taktik hiess und heisst: Hinten hineinstehen und auf Chancen lauern. Sogar die Griechen spielen offensiver. Und nach dem Sieg über Spanien an der WM in Südafrika glaubte man in der Schweiz an eine goldene Fussball-Ära.

Der Schweizer Fussball macht beneidenswerte Fortschritte. Die Fussballjugendteams des FC Basel, FC Zürich und der Grasshoppers gehören zu den Besten in Europa, die Schweiz stellt den amtierenden U17-Weltmeister und die einzelnen Jugendabteilungen sind bei den Europameisterschaften regelmässig weit vorne zu finden. Die Spieler der Nationalmannschaft spielen in den grossen europäischen Ligen, bei Arsenal, bei Leverkusen, in Rom. Das gab es noch nie im Schweizer Fussball. Mit Ottmar Hitzfeld konnte einer der erfolgreichsten Trainer der Welt verpflichtet werden.

Nach dem Sieg gegen Spanien folgte die brutale Ernüchterung. Gegen Chile stand man hinten und verlor 0:1 – ohne sich eine Torchance zu erarbeiten. Gegen Honduras gab es ein 0:0, Torchancen Mangelware, dasselbe gilt es zu den 0:0 gegen Malta und Bulgarien zu sagen. Gegen den Fussballzwerg Montenegro schaffte man es, sich eine 0:1 Niederlage einzufangen, ohne einzige Torchance. Erschreckend war auch die Leistung gegen England (1:3). Selbst die Inseleuropäer waren entsetzt ob der Darbietung der Schweizer und dass sie den Alpenkickern nicht 7 oder 8 Tore reinhauten, lässt sich nur mit Mitleid erklären. Der einzige Lichtblick bot das 4:1 gegen Wales. Die Briten mussten auf 7 Stammspieler verzichten.

Gegen Bulgarien stand eine Mannschaft auf dem Platz, die ohne Herz spielte, ohne Mut, ohne Siegeswille und praktisch ohne Offensivkraft. So wie schon zuvor unter Hitzfeld. Auch gegen Bulgarien liess Hitzfeld erst wenige Minuten vor Schluss offensiver spielen, da war es bereits zu spät. Hitzfeld ist nun seit 2008 im Amt. Seine Handschrift ist nicht zu erkennen, keine Automatismen klappen, kein Fortschritt sichtbar. Er agiert ängstlich, mutlos und so spielt auch die Mannschaft. Die Hitzfeld-Jahre drohen zur Stagnation der Entwicklung zu verkommen.

Hitzfeld steht jedoch auch wegen seiner Personalpolitik in der Kritik. Er will den Udinese- Spieler Inler zur Führungsfigur aufbauen, einen schüchternen, höflichen Spieler, der keinerlei Führungspotential erkennen lässt und offensichtlich der Aufgabe nicht gewachsen ist. Bei Udinese ist er unumstritten der Star, in der Nationalmannschaft war er einmal mehr ein Totalausfall. Er lässt den technisch besten Spieler der Schweiz, Yakin, auf der Bank schmoren, eine klassische Nummer 10, technisch brillant, ungemein gefährlich bei Freistössen und mit dem Auge für den tödlichen Pass ausgestattet. Zudem holt er viele Freistösse heraus. Doch in Hitzfeld Konzept hat eine Nummer 10 einfach keinen Platz. Am meisten scheiden sich die Geister aber an Spielführer Alex Frei, einem Stürmer, dem vorgeworfen wird, dass er sich zuerst um sich selbst kümmere und sonst um nichts weiter. Vielleicht hat Jürgen Klopp Frei deshalb - trotz seiner vielen Tore bei Dortmund - hinausgeworfen. Der Schweizer Rekordtorschütze gebärt sich als Diva. An der WM soll er den Machtkampf mit Ottmar Hitzfeld gesucht haben, als dieser ihn beim Spiel gegen Spanien auf die Ersatzbank verbannte.

Hitzfeld lässt Frei seither alles durchgehen. Frei legt sich dauernd mit Medien und Fans an, denn wer Kritik an ihm äussert, begeht eine Majestätsbeleidigung. Höhepunkt bildete das Heimspiel gegen Wales, als er nach seiner Auswechslung beleidigt vom Platz stolzierte und dabei vom Publikum ausgepfiffen wurde. Gestenreich verabschiedete er sich vom Heimpublikum und kündigte seinen Rücktritt an. Aber nicht sofort oder auf Ende der Qualifikation. Er entschied, dass er nach dem Spiel im Londoner Wembley die internationale Fussballbühne verlassen wird. Seine Leistungen in den letzten Spielen sehr dürftig, drei Elfmeter hat er verschossen. Hitzfeld hält zum Entsetzen der Fussballschweiz an Frei fest. Man kann davon ausgehen, dass es innerhalb dieser Mannschaft mit der Harmonie nicht zum Besten steht.

Hitzfeld steht vor einer schwierigen Aufgabe. Wagt er den Bruch mit der Taktik? Wagt er den Neuanfang mit jüngeren Spielern? Weist er Alex Frei in die Schranken oder sortiert er ihn gar aus? Nichts deutet darauf hin. Er wagt keine Experimente, keine Veränderungen. Äusserst talentierte Nachwuchsspieler - wie der Leverkusener Derdiyok - versauern auf der Bank. Und Hitzfeld liess verkünden, dass er auf Alex Frei nicht verzichten könne (man rätselt wieso), dass man an der Qualität der Freistösse und Eckbälle arbeiten müsse (lässt aber den Einzigen, der gefährliche Freistösse schiessen kann, auf der Bank) und die Defensive das Wichtigste sei. Die sagt er schon seit seinem Dienstantritt 2008. Nichts hat sich seither verbessert. Es scheint, als drohe der Schweiz weiteren Angsthasenfussball, Grottenkicks und Torflauten. Fussball zum Abschalten eben.
  
Lothar Matthäus meinte nach dem Spiel Bulgarien-Schweiz, dass er sehr zufrieden sei mit der Leistung seiner Bulgaren. Seine Mannschaft könne weder technisch noch spielerisch mit der Schweiz mithalten, hätte aber mit Herz gekämpft. Bulgarien hätte den Sieg verdient gehabt. Ottmar Hitzfeld konnte ihm nicht gross widersprechen und in der Schweiz fragt man sich, ob man nicht lieber einen weniger bekannten, jüngeren Trainer hätte verpflichten sollen und schaut neidisch auf Deutschland und Jogi Löw..

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