Nachbetrachtung Union - Hansa: Rostocker Fans kommen zu Wort

MB
 
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Wie bereits berichtet, kam es im Rahmen des Zweitligaspiels 1. FC Union Berlin vs. F.C. Hansa Rostock zu Ungereimtheiten, was die Tickets für den Gästebereich betrifft. Als Zuschauer im Stadion An der Alten Försterei war einem unklar, weshalb der Gästeblock bis kurz vor Spielbeginn fast komplett leer war und weshalb so viele Rostocker Fans nicht ins Stadion kamen. Sich vor Ort ein objektives Bild zu machen, war fast unmöglich. Bereits vor dem Spiel war allerdings klar, dass die Ticketvergabe in Rostock für sehr großen Unmut bei den Hansa-Fans sorgte. Das turus Magazin lässt an dieser Stelle Rostocker Fans zu Wort kommen, die schildern, was wirklich passiert ist.

 

Hansa


Zum Thema Anreise verfasste ein Rostocker Fan folgenden Text:
"Die Anreise verlief doch anders als geplant, da die Straßenbahnhalteste Alte Försterei gesperrt war. Da mussten ja die Sonderzugfahrer lang. Nach den Infos die ich von dem Zugfahrern bekommen hatte, wurde 300m vor dem Gästeblock kontrolliert wer Gästeblockkarten hatte und wer nicht. Offensichtlich hatten sich, wie auch immer, unter den Zugfahrern welche gemischt die keine hatten. Jedenfalls als feststand, dass einige nicht in den Gästeblock reinkommen, hat die aktive Szene wohl gesagt alle oder keine. 10 Minuten vor Anpfiff waren nur 50 Personen im Gästeblock. Als sich dann schätzungsweise 300 Rostocker in der Kurve vor dem Gästeblock bemerbar machten, brach Hektik unter den Sicherheitskräften aus, Zivis liefen die Treppe rauf und runter. Es wurde dann innerhalb von 3 Minuten entschieden alle in den GB zu lassen. Wir hatten ja Sitzplatzkarten für den Block neben der Gegengerade. Dieser Block ist von der Gegengerade ohnehin noch einmal durch eine Zaun getrennt. Der Zusätzliche Pfufferblock war also völlig unnötig."

Zum kurzen Zwischenfall im Stadion meinte der gleiche Rostocker Fan:
"Die wurden dort auch erst rausgeholt nachdem sie von Unionern angeriffen wurden (ca. 20 Leute). Die Rostocker haben sich ordentlich gerade gemacht und Team Blue stand ratlos daneben ..."
Laut Angaben der Fans wurden die Rostocker Fans von der Polizei nach Ankunft am S-Bahnhof Spindlersfeld mitten auf der Straße im Gleisbett voller Steine festgesetzt, obwohl 150 Meter weiter komplett asphaltierte Straße war.
Ein anderer Hansa-Fan schilderte die Situation rund um das Stadion An der Alten Försterei so:
"Ja, was soll man sagen. Bis 300 Meter vor dem Stadion verlief alles gut, Stimmung entspannt und niemand hat was böses erwartet. Dann aber eben 300 Meter vorm Stadion der Versuch der Polizei, die Sektor-3-Kartenbesitzer von den Gästeblock-Karten-Besitzern zu trennen, sowie die Leute ohne Karte zu isolieren. Warum das Aufgabe der Polizei ist, erschließt sich mir nicht so ganz.
Daraufhin gab es eine Sitzblokade, die durch übermäßige Härte versucht wurde zu durchbrechen (von der Berliner Polizei). 2 Wasserwerfer wurden vorgefahren und alle Fans aggressiv nach hinten gedrängt.
Der Mob wurde geteilt, ca 2/3 wurden zum Stadion getrieben, der Rest blieb vor Ort und versuchte zu verhandeln.
Nach kurzer Zeit kam die Meldung, dass alle Hansa Fans aus Sektor 3 im Gästeblock wären, dieser nun voll ist und keiner mehr rein kann. Hat also wieder mal super geklappt, vorm Stadion will man sie trennen, im Stadion werden alle in den GB gelassen.
...

Resultat war, dass zirka 300 Fans mit Gästeblock-Karten nicht mehr ins Stadion kamen und vom Spiel nichts gesehen haben. Deshalb auch die schlechte Stimmung, da zu diesen 300 Leuten viele zu den Vielfahrern und Stimmungsmachern gehörten. Ich fand die Stimmung angemessen, jedenfalls die paar Minuten die ich miterleben konnte. In solch einem Moment kann man nicht gut gelaunt und ausgelassen feiern.
Nach dem Spiel erfolgte dann die Durchsage, dass alle Sonderzugfahrer schnell zum Zug sollen und der Rest im Block bleiben muss. Draußen angekommen, wurde man erstmal 45 Minuten bei strömenden Regen vorm Stadion eingekesselt und stehen gelassen, mit der Begründung, alle Rostocker aus dem Gästeblock müssten mit zum Bahnhof. Auch hier wieder eine totale Fehlkommunikation zwischen Polizei und Ordnungsdienst. SUPER!!!
Alles in Allem ein absoluter scheiß Tag. So einen Mist hab ich lange nicht erlebt! Das Ergebnis war der negative Höhepunkt."
Die Wut der Rostocker Fans zielt gar nicht einmal so sehr in Richtung Polizei oder gar 1. FC Union Berlin, sondern auf die Verantwortlichen des eigenen Vereins. "Was ist nur aus diesen Verein geworden?" fragen immer wieder Fans im Hansa-Forum. "Diese Vereinsverantwortlichen müssen endlich weg!", empört sich ein anderer. Manch einer vermutet eine "gezielte Spaltung der Rostocker Fanszene".

Ein weiterer Rostocker Fan verfasste eine lange Stellungnahme:
"Der Freitag lässt sich nicht einfach beschreiben, dazu müsste man schon einige Wochen zuvor betrachten. Das Problem der Kartenvergabe muss hier nicht weiter erläutert werden, die meisten müssten es mitbekommen haben, wieso und warum es so beschissen ablief.
Vielmehr sollte man im Vorfeld erwähnen, dass ein Herr Friedrich mit Unterstützung des Vorstandes des F.C. Hansa jeden Tag Presseerklärungen oder Artikel in den örtlichen Zeitungen initiierte, in denen von Randale, Ausschreitungen und brutalen Geschehnissen die Rede war bzw. gewarnt wurde. Der Verein hat zirka zwei Wochen daran gearbeitet, dass ganz Fußball-Deutschland nicht mehr an den Randaleverein Hansa Rostock vorbei kam."

Zu den Vorkommnissen in Berlin scheibt dieser Fan weiter:
"Am Spieltag selber rollten ein Zug aus Rostock mit ca. 800 Fans und ein Zug aus Stralsund mit ca. 300 Fans in Berlin ein. Viele Personen bezahlten im Vorfeld ihre Karten nicht, bzw. ließen ihre Bestellung verstreichen, so dass knapp 350 Karten nochmals zurück gegeben wurden. Insgesamt waren am Haupttreffpunkt (Spindlersfeld) ca. 1.400 Hansafans. Dazu kam nun noch eine 400-köpfige Gruppe von älteren und jüngeren Allesfahrern, die zumeist den Ultras bzw. dem Block 27/27a zuzurechnen sind. Im Stadion waren zu diesem Zeitpunkt ungefähr 60 Hansafans im Gästeblock. Dazu kamen noch 700 Leute, die im Union-Block standen.
Randnotiz: Wichtig dabei zu erwähnen ist, dass die 400er Gruppe komplett auf den Besitz ihrer Eintrittskarte kontrolliert wurde! Schon während dieser Polizeimaßnahme auf dem Bahngleis in Schöneweide wurde von dem Polizeisprecher vor 400 Zeugen und 3 Anwälten wortwörtlich via Megaphon bekannt gegeben: "Hören Sie jetzt zu, während der jetzt folgenden Maßnahmen treten Ihre Grundrechte außer Kraft!" Trotz dieser wirklich makaberen Ansage zeigte jeder seine Eintrittskarte vor und nun wusste auch die Polizei, dass die meisten der 400 Leute Karten für die Union Blöcke hatten. Daraufhin wurde man per Zug zum Treffpunkt Spindlersfeld gefahren."
Vor dem Stadion geschah laut Aussage des Rostocker Fans folgendes:
"400 Meter vor dem Gästeeingang stoppte die Polizei den singenden Tross der Fans und meinte "Jetzt werden nur noch die Leute durchgelassen die eine gültige Eintrittskarte für den Gästeblock haben", obwohl die Polizei wusste, dass mindestens 400-600 Leute nicht im Besitz einer solchen Karte war.
...
Nunmehr fand eine Art Solidarisierung der meisten Hansafans statt. Es herrschte blankes Entsetzten und eine Art Schockzustand bei vielen Fans. Man fragte sich "Was soll das jetzt hier werden", dazu standen die 1.800 Fans direkt in einem Gleisbett der Straßenbahn, obwohl 200 Meter weiter eine komplett asphaltierte Straße war.
Viele von den Leuten setzen sich hin, jetzt kamen von den Fans aus dem hinteren Bereich, die eine gültige Eintrittskarte für den Gästebereich hatten, Gesänge wie " Alle, alle, alle oder keiner".
Andere Fans zeigten ihre Karten vor und gingen weiter. Wir wollen diesen Leuten keinen Vorwurf machen, aber wir möchten zu verstehen geben, dass diese Situation wohl jeden überfordert hat, dementsprechend auch einige Anfeindungen unter den Fans, die ihre gleich gesinnten Hansafans mit "Buh-Rufen" und Pfiffen belegten, sobald sie durch die Absperrung gingen.
Das ganze zog sich etwa eine halbe Stunde hin. Nun wurden einige Leute von der Polizei gewaltsam aus dem Kessel geholt, Grund sei gewesen, sie hatten die Leute animiert sich hinzusetzen. Parallel dazu fanden Gespräche mit der Polizei statt, auch mit Beamten aus Rostock, so wie mit dem Haupteinsatzleiter (Rostock) einen gewissen Herrn Ebert der unmissverständlich zeigte, was er von dem ganzen "Fangehabe" halte und die "Störer" doch endlich den wahren Fans den Weg frei machen sollten.
Dabei sprach er zumeist mit Leuten, die eine gültige Eintrittskarte hatten und von sich aus nicht gehen wollten.
Das erschütternste kam aber jetzt: Der 1. FC Union Berlin ließ die Hansafans über Dritte wissen, dass der Verein 1. FC Union Berlin selber kein Interesse daran hat, die Fans auf der Straße stehen zu lassen und sie eine Lösung im Stadion für ALLE bevorzugen würden. Daran hatte die Berliner Polizei und auch der FC Hansa Rostock kein Interesse, obwohl letzterer normalerweise keine Handhabe in solchen Dingen hat!!!!
Die drei Anwälte die sich für die Anhängerschaft des FCH einsetzten, meinten, dass Sie so etwas noch nie erlebt haben."
Zu den kurzen Auseinandersetzungen auf der Straße vor dem Stadion schreibt der gleiche Rostocker Fan folgendes:
"Jetzt gab es kurz Aufruhr und es flogen 5 bis 6 Steine in Richtung Polizei. Das war und wird an diesem Tag auch das einzige sein, was sich die Rostocker Anhängerschaft vorwerfen lassen kann.
Sofort sorgten viele Fans dafür, dass so etwas unterbunden wurde, da man friedlich bleiben wollte. Die Polizei selber war anfangs sehr angespannt (2 Wasserwerfer, etc.) und ging auf einige Anhänger brutal los, so dass die Nachrichten in der Presse nicht stimmen können, dass es keine Verletzten gab. Nach jetzigem Stand gab es mehrere dutzend Fans mit Prellungen und eine Person mit mittelschwerer Gehirnerschütterung, welche durch einen Faustschlag eines Beamten hervorgerufen wurde.
Erst später entspannten sich auch die Polizeibeamten. Auf einmal gab es positive Aufruhr in dem Mob von noch ca. 700 Hansa-Fans. Die Polizei zog ihre Leute zurück und jeder strömte zu den Schleusen. Es hieß über den Lautsprecher "Jeder darf mit einer Karte durch". Ca. 500 Leuten durften durch, viele von Ihnen ohne gültige Eintrittskarte. Dann schlossen sich die Schleusen wieder und über 200 Leuten standen draußen. Viele von den Leuten, die rein durften, hatten leider nicht mitbekommen, dass nicht alle durchgelassen wurden."

Sein Fazit zu diesem Spiel lautet wie folgt:
"Das Spiel ging verloren. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch auf den Rängen. Es war für die meisten einer der schlimmsten Tage, die man als Fan erleben durfte. Die komplette Anreise via Zug war eine Farce. Es fühlte sich nicht nach Fußball an. Obwohl gerade die aktive Fanszene und besonders die Ultras auch via Flyer in den Zügen dazu appellierten, sich ordentlich zu benehmen, wurde sich im Nachhinein bei der Polizei bedankt!! Wir möchten auch die Herren des Vereins darauf hinweisen, dass Sie selber sehen sollten, dass Ihr Sicherheitskonzept nicht aufgegangen war. Das einzige, was sie dadurch geschaffen haben, sind einige Streitereien unter der eigenen Anhängerschaft, Sicherheitsprobleme für über 1.000 Fans, ein Gefühl von Unsicherheit und eine weitere Verschlechterung des Images des gesamten Vereins samt Fans.
Sich jetzt noch bei den wahren Fans und der Polizei zu bedanken, dass es ruhig geblieben ist, ist der größte Hohn den man als Hansa-Fan in den Tagen erleben darf. Bedankt euch lieber bei Leuten wie den Fanbetreuer "Schuppe", der mit einigen anderen Mitstreitern viele Gespräche im Vorfeld des Spiels führte. Diese Leute verhinderten Schlimmeres während der Polizeikontrollen."
 
Für mächtig Ärger sorgte eine Meldung des Vereins am 22. August. In dieser Meldung bedankte sich der Verein F.C. Hansa Rostock kurz und knapp bei den friedlichen Fans und bei der Polizei. Kein Wort darüber, dass womöglich einiges im Vorfeld und während des Fußballspiel schief gelaufen war.
 
Ein Rostocker Anhänger meinte dazu:
"Ich bedanke mich beim 1. FC Union Berlin, der versucht hatte, alles mögliche zu tun, um all unseren Fans den Zutritt zum Stadion zu gewähren. Nicht so wie UNSER eigener Verein! Danke für nichts! WIR SIND DER VEREIN!"
 
Hansa
 
Festzuhalten ist folgendes: Sämtliche Berichte der Rostocker Fans über die Geschehnisse rund um das Spiel stimmen im Großen und Ganzen überein.
Sich nicht ganz einig sind die Fans darüber, bei wem die Schuld zu suchen ist. Viele sehen im Vereinsvorstand den Hauptschuldigen. Andere geben gewissen Strömungen unter den Fans die Schuld, dass es soweit kommen konnte.

Doch Fakt bleibt, dass man die gesamte Situation sicherlich anders hätte lösen können. Schaut man einmal nach NRW in die 1. Bundesliga, wenn der 1. FC Köln gegen Borussia Mönchengladbach oder der FC Schalke 04 gegen Borussia Dortmund spielt, so kann man feststellen, dass auch brisante Fußballspiele ordentlich über die Bühne gebracht werden können.
Als Außenstehender kann man nicht begreifen, weshalb dieses Mal so gut wie nichts funktionierte. Die brisanten Spiele des 1. FC Union gegen Dynamo Dresden in der 3. Liga hatten doch gezeigt, dass es durchaus möglich ist, ein Fußballspiel mit vielen Auswärtsfans in Berlin-Köpenick zu organisieren...

alt

 

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