RB Leipzig vs. 1. FC Lok Leipzig: Rückblick auf das Fangeschehen beim Stadtduell

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RB Leipzig vs. 1. FC Lok Leipzig

„Keinen Cent für den Brauseklub!“ Im Vorfeld des Duells zwischen RB Leipzig und dem 1. FC Lokomotive Leipzig plädierten einige Fans des Traditionsvereins aus Probstheida dafür, das Nachholspiel beim verhassten Gegner zu boykottieren. Die Mehrzahl kritisierte jedoch etwaige Boykott-Gedanken. Das Leipziger Stadtduell müsse auf den Rängen entschieden werden. Auf diesen müsse eindeutig erkennbar sein, wer die wahre Nummer eins in der Messestadt war, ist und bleiben wird. Den Begriff „Derby“ nutzten die meisten Lok-Fans nicht, da dieses nur für historisch gewachsene Stadtduelle gelte.

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LOK„Keinen Cent für den Brauseklub!“ Im Vorfeld des Duells zwischen RB Leipzig und dem 1. FC Lokomotive Leipzig plädierten einige Fans des Traditionsvereins aus Probstheida dafür, das Nachholspiel beim verhassten Gegner zu boykottieren. Die Mehrzahl kritisierte jedoch etwaige Boykott-Gedanken. Das Leipziger Stadtduell müsse auf den Rängen entschieden werden. Auf diesen müsse eindeutig erkennbar sein, wer die wahre Nummer eins in der Messestadt war, ist und bleiben wird. Den Begriff „Derby“ nutzten die meisten Lok-Fans nicht, da dieses nur für historisch gewachsene Stadtduelle gelte.

MarschDie fehlende Historie, all das reingesteckte Geld und das offensive Marketing in Leipzig und Umgebung – das lässt tausenden Fußballfreunden die Zornesadern anschwellen. RB Leipzig – für viele ein verhasstes Konstrukt, das bekämpft werden müsse. Dass dabei manch einer zu weit geht, steht außer Frage. Als im Vorfeld des Duells in der Red Bull Arena (einstiges Zentralstadion) an der Jahnallee einem Jungen der rot-weiß-blaue Schal gezogen wurde, sprangen andere Lok-Fans ein, um dem übermotivierten Lokisten zur Rede zu stellen. Der RB-Schal fand seinen Weg zurück zum Besitzer, der (zurecht) etwas ratlos drein schauende Familienvater konnte auch wieder beruhigt sein.

EinlassDass sich die Lok-Kurve am Mittwochabend gut füllen würden, zeichnete sich bereits ab 16 Uhr am Leipziger Hauptbahnhof ab. Dutzende, meist jüngere Lok-Fans hatten mobil gemacht und stimmten sich lautstark ein. Ein paar hundert wurden als Gruppe von der Polizei die Jahnallee entlang in Richtung Stadion gebracht. Ein Fanmarsch als solches war im Vorfeld nicht genehmigt worden. Hier und da ertönten in der Leipziger Innenstadt einzelne Böller, ansonsten blieb die Situation überaus ruhig. Im Prinzip entspannt ging es auch am Einlass zum Gästeblock zu. Die eigentliche Kontrolle ging rasch von statten. Einen unnötigen Stau verursachte die elektronische Ticket-Kontrolle, die einige Meter hinter der Sicherheitskontrolle montiert war. Was für ein Desaster! Generell sollen neue Technologien einen reibungslosen Ablauf ermöglichen, in diesem Fall tat die eingesetzte Technik das genaue Gegenteil.

RBHoch den Wall des einstigen alten Zentralstadions, in dem einst der 1. FC Lokomotive Leipzig große Europapokal-Schlachten ausgefochten hatte. Von oben hat man einen eindrucksvollen Blick auf die im alten Stadien errichtete neue Arena. Auf der anderen Seite setzten hinter dem Tor die RB-Fans bereits ihre Choreographie um. Eine rote aufgehende Sonne auf weißem Untergrund. Im Prinzip hätte dies auch die japanische Kriegsflagge (bis Ende des 2. Weltkrieges auch japanische Nationalflagge) sein können. Am 8. Mai – dem Tag der Befreiung des Faschismus in Europa – eine gewiss gewagte Form der Spielerei mit der Symbolik. Das anschließende Spruchband sollte erklären, worum es ging: „Wir wissen, dass RB gewinnt! Die Sonne geht auf, der Tag beginnt.“

ChoreoÄhnlich wie beim Hinspiel wurde auf Lok-Seite eine gigantische Blockfahne hochgezogen. Auch dieses Mal gelang das Hochziehen tadellos. Mit den Farben weiß, gelb (in diesem Fall silber und gold) und blau sowie dem historischen VfB-Logo und dem aktuellen Lok-Logo sollte wieder deutlich gemacht werden, welch eine lange und beeindruckende Historie dieser Klub hat. Diesbezüglich hatte die RB-Kurve ein weiteres Spruchband parat: „Tradition muss man sich erstmal leisten können!!!“

RBHm ja, als Anspielung auf die verzwickte finanzielle beim 1. FC Lok, könnte man dieses Spruchband gelten lassen. Wenn, ja wenn es die gegnerischen Fans aus Chemnitz, Dresden, etc. zeigen würden. Solch ein provokantes Spruchband in der RB-Kurve – das darf als schmerzfrei bezeichnet werden. RB Leipzig – ein Klub ohne nennenswerte Historie bzw. Tradition (immerhin gab der Verein inzwischen drei Spielzeiten in der Regionalliga seine Visitenkarte ab). RB Leipzig – ein Klub, in den immens viel Geld floss. Dass sich RB in den letzten Jahren stets die beste Mannschaft der Liga (zumindest auf dem Papier) leisten konnte, war allein der Unterstützung des Brause-Konzerns zu verdanken.

RBEs gab im Laufe des Abends noch einige Spruchbänder in der rot-weißen RB-Kurve zu sehen. „Keine Lobby für Lok. Qualität hat ihren Preis! Danke für 120 Jahre – wir schreiben die Geschichte nun weiter ...“ Dass RB Leipzig in Zukunft den einen oder anderen sportlichen Erfolg feiern wird, steht wohl außer Frage. Doch seine Geschichte wird der 1. FC Lokomotive Leipzig gewiss allein weiter schreiben. Chemie ist Chemie. Lok ist Lok. Und Rasenball ist Rasenball. Jedem Klub seine eigene Geschichte. Gilt abzuwarten, auf was für eine Geschichte man bei RB zurückblicken wird. Sagen wir mal im Jahre 2030 oder 2040.

Red Bull ArenaDiskussionswürdig gewiss auch folgendes RB-Spruchband: „Ihr habt unser Banner – wir eure Fans!“ Dass RB Leipzig in der Messestadt ein beachtlich großes Publikum zieht, steht außer Frage. Im Vergleich zur RL-Saison vor zwei Jahren hat sich in der Tat einiges getan in der Red Bull Arena. Aus neutraler Sicht muss eingestanden werden: Lächerlich sieht es nicht mehr aus. Man scheint aus den gravierenden Fehlern, die bei RB Salzburg gemacht wurden, gelernt zu haben. Es ist gelungen – wenn auch zwischendurch mit einigen Freikarten-Aktionen – die Zuschauer ins Stadion zu locken und eine Fankurve zu schaffen. Dass jedoch echte Fußballfans vom 1. FC Lok zu RB überwandern, ist komplett ausgeschlossen. Vielmehr mobilisiert RB tausende Fußballfreunde, die in den vergangenen Jahren weder zu Lok und zu Chemie gingen. Nicht wenige meinen: „Ich möchte einfach nur guten Fußball und interessante Gegner sehen!“

LokUnd auf Lok-Seite? Dort hatte man am Mittwoch an den tollen Support des Hinspiels angeknüpft. Knackig schallte das „L-O-K!“ über den Rasen. Beachtlich hoch war die Mitmachquote. Keine Böller, keine nennenswerten Provokationen. Die blau-gelbe Fankurve beschränkte sich weitgehend auf das Unterstützen der Mannschaft auf dem Rasen. Und das mit Erfolg – der Außenseiter kämpfte aufopferungsvoll und machte den spielerischen Klassenunterschied durch Kampf und Einsatz wett. Sicher hatte RB die besseren Spielanlagen, doch auch das Team des 1. FC Lok wusste zu überzeugen. Hätte der Schiedsrichter gegen Ende der Partie statt des Freistoßes an der Strafraumgrenze einen Elfmeter gegeben, wäre Lok eventuell sogar als Sieger vom Platz gegangen. So aber blieb es beim torlosen Remis, das in der Lok-Kurve als beachtlicher Erfolg gefeiert wurde.

Lok20.348 Zuschauer wollten diese Partie sehen. Die Leipziger Polizei sprach davon, dass von ihnen rund 10.000 Lok-Anhänger waren. Eher war das Verhältnis 12.000 zu 8.000, doch was den Support in den Blöcken anging, konnte Lok die Angelegenheit ganz klar für sich entscheiden. Man darf gespannt sein, wie es nun bei RB Leipzig weitergeht. Der Meistertitel in der Regionalliga Nordost war aufgrund der Niederlage des FC Carl Zeiss Jena beim Berliner AK 07 bereits vor dem Leipziger Stadtduell gesichert. Nun wird man im Hause RB gespannt auf die Auslosung der drei Aufstiegsspiele schauen. Sportfreunde Lotte? Hessen Kassel? Oder vielleicht Holstein Kiel? Klingt alles schlagbar. Richtig große Namen werden nicht dabei sein. So oder so: Unterschätzen wird man keinen der möglichen Gegner. Nur der Aufstieg zählt.

LeipzigWürde RB in der Aufstiegsrunde scheitern, würde es kübelweise Hohn und Spott aus ganz Deutschland geben. Ein Aus gegen Lotte? Der Image-Schaden wäre gewaltig. Gelingt der Aufstieg, winkt eine größere Bühne. Zwar kann die 3. Liga für RB nicht das endgültige Ziel sein, doch auf die Spiele gegen den Halleschen FC, den Chemnitzer FC und vor allen Dingen gegen den FC Hansa Rostock darf man ganz gewiss gespannt sein! Und vielleicht wird ja sogar der FC St. Pauli, der VfL Bochum oder die SG Dynamo Dresden in der Drittligasaison 2013/14 bei den Roten Bullen vorbeischauen...

Fotos: Matthias Dehmel & Marco Bertram

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