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Mit Volldampf und Köpfchen: Dynamo Dresden bürstet zu Lehmis Abschied mal eben Aue weg

Autor: Marco Bertram     veröffentlicht am 04 Dezember 2017    
 
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turus Fotostrecke
K-Block in Aktion (Zwickau inklusive)
Foto: Maik Demuth

Als Lehmi die ersten Male mit den Support im K-Block des alten Rudolf-Harbig-Stadion koordiniert hatte, lagen einige Fans, die jetzt als 18-Jährige mittendrin stehen, noch in Windeln. Seit Ende der 1990er Jahre ist Stefan Lehmann bereits dabei. Damals hieß der Verein 1. FC Dynamo Dresden und hatte das sächsische Grün im Emblem. 2007 wurde wieder das „SG“ aufgenommen, das Weinrot im Emblem kehrte 2002 zurück. Mit Dynamo ging Lehmi durch Dick und Dünn. Er erlebte mit, wie Dresden am Ende der Saison 1999/2000 von der Regionalliga Nordost in die NOFV-Oberliga Süd abstürzte und die Stadt plötzlich auf den Dresdener SC als Nummer eins gesetzt hatte. Die Zuschauerzahlen brachen ein, plötzlich kamen im Schnitt nur noch 3.800 Fußballfreunde zu den Heimspielen. Zwar musste damals in der Oberliga-Saison 2000/01 Dynamo Dresden unter anderen gegen den VfB Zittau, Anhalt Dessau und Dresden-Nord ran, doch da auch der 1. FC Magdeburg, der VfB Leipzig und der Hallesche FC mit von der Partie waren, wurde es nicht langweilig. Manch einer älterer Fan spricht sogar von der geilsten Zeit nach der Wende. Die zwei Spielzeiten in der Oberliga hatte die aktive Anhängerschaft zusammengeschweißt. Nach dem Abstieg aus der Regionalliga wurden die „Ultras Dynamo“ ins Leben gerufen, Lehmi war eines der Mitglieder der ersten Stunde.

Aufstieg

2002 gelang der Aufstieg in die Regionalliga Nord (legendär war das Aufstiegsspiel bei Hertha BSC II), zwei Jahre später war Dynamo Dresden plötzlich wieder zweitklassig. Der Zuschauerschnitt stieg wieder auf 16.000 an. Zwar rutschte Dresden von 2006 bis 2008 noch einmal ab in die Regionalliga, doch seit 2008 wird in Dresden nonstop in 3. Liga und 2. Bundesliga gespielt - und das stets vor großer Kulisse. Eine der größten Herausforderungen für die „Ultras Dynamo“ und den Vorsänger Lehmi war sicherlich das neue Zuhause, das im Herbst 2009 eröffnet wurde. Statt einer unüberdachten Kurve gab es nun eine große überdachte Stehtribüne, die es mit Leben zu füllen galt. Das neue Stadion wurde angenommen, schon bald konnte phasenweise ein Großteil des neuen K-Blocks zum Mitmachen animiert werden. Man mag Lehmi und seine jährlichen Videobotschaften mögen oder nicht - zweifelsohne hat er einen großartigen Job ausgeübt. Er dürfte einer der wenigen Vorsänger sein, dessen Name im ganzen Land bekannt ist. Das muss man erst mal schaffen.

DD

Nun übergibt er das Zepter an einen Nachfolger. Lehmi räumt seinen Platz auf dem Zaun bzw. auf dem Podest. Er möchte mehr Zeit haben für seine Familie. Das kann man gut verstehen. Fußball und Familie. Es ist schwer jeweils 100 Prozent zu geben. Steht man auswärts an einem Freitagabend auf einem Zaun, gehen die Kinder nun mal ohne ihren Papa ins Bett. Der Spagat ist quasi nicht zu schaffen. Klar, er könnte auch mit Ende 40 irgendwann als Vorsänger die Massen anheizen. Das nötige Charisma wird er auch als „alter Sack“ haben, doch dann werden die Kinder eines Tages außer Haus gehen - und du sagst dir: Scheiße noch mal, ich habe eigentlich viel zu wenig Zeit mit ihnen verbracht. Immer stand Fußball - die SG Dynamo Dresden und ihre Fans - an erster Stelle. Von daher: Hut ab vor seiner Entscheidung!

Lehmi

Als letztes Spiel als Anheizer des K-Blocks wurde das Heimspiel gegen den FC Erzgebirge Aue ausgewählt. Zuletzt wurde daheim gegen die Jungs aus dem Schacht mit 0:3 verloren, davor trennten sich beide in der 3. Liga 1:1. Den letzten Heimsieg gab es am 30. September 2012. Damals brachten Romain Brégerie (2 Treffer) und Tobias Jänicke die schwarz-gelben Massen zum Jubeln. Endstand war 3:1 - Brégerie machte beide Buden mit dem Köpfchen. Mit dem Kopf wurde auch am gestrigen Nachmittag gearbeitet. Drei der vier Treffer wurden mit dem Kopf erzielt! Und wie!

aue

Dank des 3:1-Sieges bei Fortuna Düsseldorf wurde Selbstvertrauen getankt. Ein Sieg gegen Aue war absolute Pflicht. Vor ausverkauften Rängen und einer prima aufgelegten Anhängerschaft machte die SG Dynamo von Beginn an richtig Alarm. Bereits in der vierten Minute landete der Ball an die Unterseite der Latte, nach einer einer Viertelstunde setzte Hartmann einen Kopfball an die Querlatte. Zwischendurch zeigte Aue-Keeper Männel eine Parade. Mein lieber Herr Gesangsverein! Was für ein Sturmlauf! In der 21. Minute brachte Duljevic den Ball rein, Röser machte das 1:0 mit einem Kopfball klar. Frenetischer Jubel auf den Rängen. Lange Gesichter im Gästeblock.

Red Kaos

Der Torschrei lag den Fußballfreunden aus dem Erzgebirge allerdings nach knapp einer halben Stunde bereits auf den Lippen, Rapp traf allerdings nur die Latte. Kurz vor dem Pausentee war es schließlich Benatelli - von 2013 bis 2015 in Aue unter Vertrag -, der mit einem platzierten Schuss das 2:0 erzielte. Mit Schmackes weiter ging es im zweiten Spielabschnitt. Sowohl Ballas in der 47. Minute als auch Berko in der 75. Minute köpften sehenswert ein. 4:0! Der Sieg war in trockenen Tüchern.

Danke Lehmi

Nach Abpfiff wurde noch einmal richtig Rambazamba gemacht. Laut hallte das „Forza Dynamo!“ von den Rängen. Eine letzte brachiale Uffta wurde angestimmt. Mitten im K-Block war ein ein großes „Danke Lehmi“ zu lesen. Am Ende der Uffta wurden oberhalb des Spruchbandes einige Fackeln abgebrannt. Die Ära Lehmi ist zu Ende, der neue Vorsänger darf nun sein Bestes geben. Wie es funktionieren wird, darf am kommenden Wochenende auswärts in Berlin-Köpenick eingeschätzt werden, wenn die SG Dynamo beim 1. FC Union antreten muss…

Fotos: Maik Demuth, Veit Pätzug, Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: SG Dynamo Dresden

> zur turus-Fotostrecke: FC Erzgebirge Aue

Spielergebnis:
4:0
Zuschauerzahl:
30.453
Gästefans
3000
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