Grün-Weiß Brieselang vs. Hansa Rostock II: Turbulentes Remis vor dem großen Herbststurm

Autor: Marco Bertram     veröffentlicht am 29 Oktober 2017    
 
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Brieselangs Torwart muss ins Krankenhaus
Foto: Marco Bertram

Westlich von Berlin gab es wieder die typische Kettenreaktion. Da Hertha BSC am Samstagnachmittag gegen den Hamburger SV spielte, gingen wieder weniger Fußballfreunde zum Brandenburgliga-Heimspiel des SV Falkensee-Finkenkrug. Da wiederum auch zeitgleich der Oberligist SV Grün-Weiß Brieselang daheim auf dem Sportplatz in der Karl-Marx-Straße seine Partie gegen die zweite Mannschaft des F.C. Hansa Rostock austrug, musste auch hier mit weniger Zuschauer gerechnet werden. „Spielt Falkensee-Finkenkrug parallel, kostet uns das rund 20 Zuschauer, da diese rüber an die Leistikowstraße pilgern“, erklärte ein Vereinsmitglied in Brieselang. Erstaunlich, da sich beide Vereine spinnefeind sind. Gespannt sein durfte man indes, wie viele Hansa-Fans bei recht trübem Herbstwetter die Auswärtspartie der Amateure besuchen würden. Die Vorboten des heranrückenden Herbststurmes waren bereits spürbar, doch glücklicherweise hielt Petrus seine Schleusen noch geschlossen.

Hansa

Knapp 100 Zuschauer kamen letztendlich zur Spielstätte des SV Grün-Weiß Brieselang. Unter ihnen zirka 30 Fußballfreunde, die den Blau-Weiß-Roten die Daumen drückten. Anders als bei etwaigen Auswärtsspielen in Frankfurt/Oder und Strausberg, wurde dieses Mal nicht mobil gemacht. Die lange Auswärtsfahrt nach Unterhaching - dort konnte ein klarer 3:0-Sieg gefeiert werden - steckte wohl auch den aus der Region Berlin-Brandenburg kommenden Hansa-Fans noch in den Knochen. Sagen wir es mal so, das Spiel in Brieselang wurde von einigen Hansa-Freunden einfach dazu genutzt, sich bei einem Bierchen mal wieder zu sehen. Mit dabei die Kinder, welche die Freiheiten dieses Sportplatz zu nutzen wussten. Vor Anpfiff noch rasch ein Ball geborgt und dann fix auf den Bolzplatz. Später wurden die Runden gedreht, wurde am Geländer gehangelt oder mit dem bereitliegenden Kescher Fange gespielt. Dieser lag wohl auf der Wiese, um im Fall der Fälle den in den kleinen Bach gefallenen Spielball wieder herausfischen zu können.

Hansa

Da der SV Grün-Weiß Brieselang von einem örtlichen Unternehmen finanziell recht gut ausgestattet wird, hat dieser Verein in der Region mitunter nicht den besten Ruf. Was die Gastfreundschaft betrifft, so zeigte sich der Verein am gestrigen Nachmittag von seiner besten Seite. Mit einem herbei getragenen Tisch konnte sich zwischen den Trainerbänken an der Außenlinie gemütlich gemacht werde, die Preise für Bier, Kuchen und Wurst sind überaus moderat, und nach dem Spiel steht die Pressekonferenz im schmucken Vereinsraum allen Zuschauern zur Verfügung.

Brieselang

Solche Partien in den unteren Ligen werden auch dazu genutzt, um einzelne Vereine ein wenig kennenzulernen. Also werfen wir kurz einen Blick auf die Historie des SV Grün-Weiß Brieselang. Die amtsfreie Gemeinde Brieselang hat zirka 11.500 Zuschauer und liegt im Landkreis Havellland zwischen Nauen und Falkensee. Das erste Mal urkundlich erwähnt wurde die Ortschaft bereits im Jahre 1315 - und zwar unter dem wendischen Namen „Brisenlank“ („Birkenlande“). Womit auch das grün-weiße Banner der Heimzuschauer mit der Aufschrift „Alles für die Birke“ geklärt ist. Der ansässige Verein wurde 1950 als SG Brieselang ins Leben gerufen, zwei Jahre später entstand aus ihr die BSG Chemie Brieselang. In der Saison 1952/53 sowie im Zeitraum von 1960 bis 1967 spielte die BSG Chemie Brieselang in der Bezirksliga Potsdam (dritte Liga). In erst genannter Spielzeit waren unter anderen die BSG Stahl Hennigsdorf, die BSG Motor Hennigsdorf, die BSG Motor Rathenow und die BSG Motor Luckenwalde die Gegner. Mit nur drei geholten Siegen ging es für Brieselang eine Etage tiefer. Acht Jahre später hatte man es mit der BSG Lokomotive Wittstock, mit der BSG Empor Potsdam und der BSG Aufbau Jüterbog und auch der BSG Stahl Brandenburg zu tun. Seit 1967 war die BSG Chemie Brieselang unterhalb der DDR-Bezirksliga angesiedelt.

Alles für die Birke 

Nach der Wende ging es als SV Grün-Weiß Brieselang erst im neuen Jahrtausend sportlich aufwärts. 2012 gelang der Aufstieg in die Landesklasse, durchmarschiert wurde sogleich in die Landesliga. Nach zwei Jahren in der Landesliga durfte der Aufstieg in die Brandenburg-Liga gefeiert wurde. Mit Argwohn und Skepsis beobachtete man beim benachbarten SV Falkensee-Finkenkrug, was dort in Brieselang vor sich geht. Am Ende der Spielzeit der Saison 2015/16 wurden wieder die Sektflaschen entkorkt. Ab dem fünften Spieltag war Brieselang Tabellenführer, am Ende mit elf Punkten Vorsprung gelang der Sprung in die NOFV-Oberliga Nord. In dieser hängen die Früchte bekanntlich etwas höher. Nur sechs Partien konnten 2016/17 gewonnen werden. Als Drittletzter wurde jedoch die Klasse gehalten, selbst der Tabellenletzte 1. FC Frankfurt (Oder) musste aufgrund der Umstände nicht den Weg nach unten antreten. Aber auch in der laufenden Saison konnte Brieselang erst zwei Spiele gewinnen und ist auf Rang 16 zu finden. Gegen die Hansa-Bubis sollte nun nach Möglichkeit der dritte Saisonsieg eingefahren werden.

Hansa 

Während die mitgenommenen Kids kaum zu bremsen waren und noch umher wuselten, stand es bereits 2:0 für den F.C. Hansa Rostock II. Menelik Ngu´Ewodo hatte locker flockig in der 7. und 14. Minute die beiden Treffer erzielt. Hansa II war zu jenem Zeitpunkt klar überlegen, und einem Auswärtssieg stand quasi nichts mehr im Wege. Wer holt die nächste Runde Bier? Erste Böen fegten über den Platz. Mit dem besagten Kescher fing einer der Jungs den anderen ein. „Lass die Hacke weg, meine Fresse!“, rief der Co-Trainer der Hansa-Bubis seinen Spielern zu. Er ahnte es schon. Ganz so locker würde der Sieg nicht einzufahren sein. Und in der Tat. Nach der frühen Führung stellte Hansa II quasi das Spielen ein. Brieselang kam immer besser ins Spiel. Nach einer halben Stunde gelang Niclas Wittur der 1:2-Anschlusstreffer.

Brieselang 

In der zweiten Halbzeit konnte der Gastgeber in Grün-Weiß sehr zur Freude der Heimzuschauer noch ein Schippchen drauflegen. Und so stand es nach 65 Minuten plötzlich 3:2. Patrick Richter und Rico Liedtke hatten die beiden Tore besorgt. Die rund 30 anwesenden Hansa-Fans wurden nun muffiger und gaben vom Spielfeldrand aus lautstark diverse Anweisungen. Wo war eigentlich der Trainer? Der Stuhl war verwaist. Aufgrund des Windes saß er wohl nun geschützt unter dem kleinen Dach. Die Aufgabe des Anheizens übernahmen nun eh zwei, drei Männer am Geländer. „Spiel rüber!“, „Mensch, der steht dort drüben frei! Ich werde gleich richtig sauer!“

Hansa 

Hansa Rostock II kam zurück ins Spiel, in der 78. Minute machte Christian Flath den Ausgleich zum 3:3 klar. Dabei hatte sich der Brieselang-Torwart Eike Doht schwer verletzt. Der Krankenwagen musste gerufen werden, im Schneckentempo humpelnd konnte er diesen mit eigener Kraft erreichen. In Spielkleidung ging es sogleich ins Krankenhaus. Gute Besserung an dieser Stelle! Für ihn kam Ersatz-Keeper Dennis Hildebrand ins Spiel. Recht erhitzt wurden die letzten Minuten über die Bühne gebracht. Drei gelbe Karten für Hansa II und eine rote Karte für Brieselang in der Schlussphase sind ein klares Indiz dafür, dass nicht einfach so die Partie austrudeln gelassen wurde. Die Rostocker, angetrieben wurden den Fans (auf einem Sportplatz hört man schließlich jede Stimme), hatten noch eine Möglichkeit zum 4:3, doch am Ende ging es mit dem Remis in die Kabinen. Unter dem Strich ein gerechtes Unentschieden.

Hansa 

Im Vereinsheim lief die Bundesligakonferenz, und etliche Zuschauer hatten sich zu Kaffee, Kuchen und Bier eingefunden. Zwischendurch sollte die Pressekonferenz stattfinden. Doch wo war eigentlich der Gästetrainer? Ein Rostocker Fan holte ihn schließlich vom Bus und zeigte ihm den Weg zum Ort des Geschehens. Die anschließende Analyse der beiden Trainer Patrick Schlüter (Brieselang) und Felix Dojahn (Hansa II) konnte sich hören lassen. Klipp und klar, ohne großes Herumgerede um den heißen Brei. Aufgrund der stattlichen Anzahl Zuhörer und der professionellen Ausstattung der Räumlichkeit, hätte man denken, man sei nicht in der Oberliga, sondern ein, zwei Ligen höher zu Gast. Unter dem Strich war es ein unterhaltsamer Nachmittag, der ein paar mehr Zuschauer verdient hätte.

Brieselang

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock

Inhalt über Klub(s):
Spielergebnis:
3:3
Zuschauerzahl:
100
Gästefans
30
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Ha Ho Höre - Hansa Amateure!

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Ahu

Ganz fein! AFDFCH

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