Arminia Bielefeld entführt einen Punkt aus der Alten Försterei

Autor: Red.Sport     veröffentlicht am 28 August 2017    
 
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Arminia Bielefeld zu Gast in Berlin-Köpenick
Foto: Felix

Beim 1. FC Union Berlin drehte sich in dieser Woche alles um Neuzugang Atsuto Uchida. Der Rechtsverteidiger kommt von Schalke 04. Den Großteil seiner 153 Spiele für die Knappen absolvierte er in der Bundesliga aber auch gut zwei Duzend Champions League Spiele waren dabei. Ungefähr ähnlich verteilt war es in seinem Heimatland Japan: Für die Kashima Antlers lief er in der J-League und der asiatischen Champions League auf. Durch seine guten Leistungen wurde er zudem 74 Mal in die Nationalmannschaft berufen und war unter anderem bei den Weltmeisterschaften 2010 und 2014 dabei. In Japan hat er drei Mal die Liga gewonnen, dazu den AFC Asian Cup, den japanischen Ligapokal und zwei Mal auch den japanischen Super Cup. 2011 konnte er mit Schalke den DFB-Pokal in den Pott holen. In der Blüte seiner Karriere belief sich Uchidas Marktwert auf 9 Millionen Euro - das war 2015. Danach warfen ihn Verletzungen aus der Bahn, von denen er sich erst jetzt wieder erholt hat. Schalkes neuer Trainer machte aber deutlich, dass er nicht mehr mit Uchida plant und so stellte ihn Schalke frei.

FCU

Wenn der mittlerweile 29-jährige auch nur Teile von der Leistung abrufen kann, die er an besten Schalker Tagen gezeigt hat, dürfte er eine deutliche Verstärkung für Union werden. Sollte es nicht klappen, ist das Risiko für den Verein überschaubar: der Vertrag gilt zunächst für ein Jahr. Auf Unions rechter Außenbahn soll er Druck auf den derzeit gesetzten Christopher Trimmel ausüben. Trimmel nimmt diese Herausforderung erfrischend sportlich an.

Abseits des sportlichen bringt Uchidas Verpflichtung Union aber auch aus Sicht von Marketing und Öffentlichkeitsarbeit in neue Gefilde: seine Erfolge haben ihn zu einem Fan-Liebling in Japan gemacht, wo man seine Karriere noch immer eng verfolgt. So organisierte Union erstmalig für eine Spielervorstellung einen separaten Pressetermin und hat in den sozialen Medien auch schon zahlreiche neue Follower aus Übersee gewinnen können. Der Club ist sich des Hypes bewusst, geht aber gewohnt bodenständig damit um: es würden schon genug Trikots zur Verfügung stehen, aber ansonsten gibt es eine Extras. Schließlich steht der gesamte Verein, das gesamte Team im Vordergrund. Und deshalb darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass der Ex-Dresdner Akaki Gogia, immerhin einer von Unions teuersten Transfers, nach überstandener Fersenverletzung wieder im Kader stand und zusammen mit Uchida auf der Bank Platz nahm.

 Arminia

Heute dann also Top-Spiel gegen Bielefeld. Mit dem Begriff muss man sicher vorsichtig umgehen: Unions Auswärtsspiel in Ingolstadt war ein Top-Spiel, denn beiden wird der Kampf um den Aufstieg zugetraut. Unions Besuch in Nürnberg war ein Top-Spiel, denn beide hatten ihre ersten zwei Spiele gewonnen. Und auch heute also diese Klassifizierung, da Bielefeld gleich drei Mal erfolgreich war. Das gelang den Arminen allerdings schon einmal und damals konnten sie sich am Ende gerade so vor dem Abstieg retten. In jedem Fall sind drei Auftaktsiege gut fürs Selbstbewusstsein und Unions Rückkehr zu einer anfälligen Defensive war sicher nicht die schlechteste Ausgangsposition für die Gäste.

Union nahm früh das Heft in die Hand und drückte auf das Bielefelder Tor. Große Chancen sprangen dabei allerdings nicht heraus. Sebastian Polter rauschte haarscharf an einer guten Hereingabe von Christopher Trimmel vorbei; Simon Hedlund fiel nach 30 Minuten im Strafraum - berechtigterweise kein Elfer. Danach hatten die Eisernen Glück, als Bielefelds Kracher-Freistoß aus über 30 Metern nur am Gebälk landete. Es war das Ergebnis einer der wenigen Erkundungen, der Bielefelder in die Union-Hälfte.

 Union

Simon Hedlund war der auffälligste und gefährlichste Union-Spieler. Auch sein Transfer war nicht billig und dafür blieb der Schwede in der letzten Saison unter seinen Möglichkeiten. Mittlerweile hat er sich voll eingewöhnt und in dieser jungen Saison schon zwei Tore in der Liga und eins im Pokal erzielt. Ein Assist heute blieb ihm verwehrt - Steven Skrzybski verwandelte seine Hereingabe zwar mustergültig, allerdings stand Hedlund vorher im Abseits.

So ging es torlos in die Halbzeit. Auf dem Feld gab es wenige Highlights und auch auf den Rängen ging es gemächlich zu. Das änderte sich schlagartig gleich zu Beginn des zweiten Durchgangs: Union bekam den Ball nicht aus dem eigenen Strafraum, Bielefeld schnappt ihn sich frech und auf einmal knallte Andreas Vogelsammer das Spielgerät mit voller Wucht unter die Latte an Jakob Busk vorbei. Der Gästeblock plötzlich im Freudentaumel! Weit über 1.000 waren vor Ort (ausverkaufter Heimbereich, 21.034 anwesend, Kapazität: 22.012).

 Union

Die Union-Fans reagierten prompt, heizten mit Anfeuerungen und Gesängen ein und das Team attackierte: Polter mit großer Chance, Hedlund fiel erneut im Strafraum - Lautstärkepegel und Adrenalinspiegel stiegen mit jeder Minute. Die Erlösung für Union dann in der 55. Minute: Hedlund passte, Polter blockte und leitete im Strafraum weiter und Marcel Hartel - Neuzugang vom 1. FC Köln - konnte sich erstmalig als Union-Torschütze feiern lassen.

 Jetzt war das Feuer endgültig entfacht und loderte noch weiter, als der Schiedsrichter diverse Entscheidungen traf mit denen die Heimfans nicht einverstanden waren. Bielefelds Taktik bestand danach nämlich vor allem darin, Unions Spielfluss mit kleineren Fouls zu unterbrechen. Es ging nun hin und her, allerdings hatte Union weiterhin die meisten gefährlichen Aktionen zu verzeichnen: Damir Kreilach traf aus der Distanz auch noch mal das Lattenkreuz und Bielefelds Torwart Stefan Ortega hielt noch bravourös ein paar Schüsse und damit den Punkt für Bielefeld fest.

 Arminia

Am Ende monierte Keller, dass seine Mannschaft in der Schlussphase zu viele lange Bälle gespielt hat - die landeten nämlich oft beim Gegner. Er hat jetzt bis zum 10. September Zeit an der Taktik zu feilen, dann tritt Union bei Fortuna Düsseldorf an. Die stehen seit heute an der Tabellenspitze und so gibt es - gut festhalten - erneut ein Top-Spiel. Für Jens Keller besteht am 2. September die Möglichkeit, ausgiebig zu testen und vielleicht auch Atsuto Uchida etwas Spielzeit zu geben: dann treten die Profis des 1. FC Union Berlin gegen eine Auswahl von Torsten Mattuschka und Karim Benyamina an, die beide ihr Abschiedsspiel feiern. Bielefeld testet am 30. August gegen den niederländischen Erstligisten PEC Zwolle und tritt am 8. September daheim gegen Duisburg an.

Bilder und Text wurden produziert für turus.net von https://football-wildlife-media.com/

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