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1. FC Saarbrücken tröstet sich mit Landespokalsieg über Nichtaufstieg hinweg

Autor: Red.Sport     veröffentlicht am 29 Mai 2017    
 
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Fans des 1. FC Saarbrücken beim Pokalfinale
Foto: Steven Mohr

Eine Reise in das Homburger Waldstadion ist eine Reise in die Vergangenheit. 1986 wurden die Ränge des altehrwürdigen Stadions zuletzt ein wenig aufgehübscht, seitdem ist aber bis auf den Neubau einer elektronischen Anzeigetafel und des Flutlichts nichts mehr passiert – es wundert also kaum, dass die Homburger bei ihren wenigen DFB-Pokal-Teilnahmen als heimlicher Wunschgegner vieler Bundesliga-Szenen gelten. Der Saarländische Fußballverband bewies also bei der Wahl des Final-Standortes ein glückliches Händchen und konnte mit der Kulisse von 6.800 Zuschauern auch zufrieden sein. 

Für den 1.FC Saarbrücken und seine Anhänger, die grob geschätzt 2/3 des Publikums stellten, war das Duell gegen den Emporkömmling aus der Nachbarschaft die letzte Möglichkeit, die Saison noch zu retten. Zwar klingt Platz 3 in der Liga nicht so schlecht, dass man in der Landeshauptstadt des Saarlandes aber wieder zumindest zurück in die 3.Liga will dürfte kein Geheimnis sein. Allerdings beherrschten seit dem Abstieg aus eben jener Liga 2014 eher interne Querelen das Szenario, dazu kommt die ungeklärte Frage nach der Heimat des FCS. Aktuell tragen die Blau-Schwarzen ihre Heimspiele im Hermann-Neuberger-Stadion in Völklingen aus, während das Ludwigsparkstadion umgebaut wird. 

Saarland

Geplant war eine Fertigstellung im Jahr 2018, allerdings wurde im März festgestellt, dass die Kosten für drei der vier zu bauenden Tribünen etwa 30% über dem eigentlichen Budget liegen, was zur Folge hatte, dass der Stadtrat das laufende Vergabefahren stoppte und neu ausschreiben will. Was für die Stadt Saarbrücken aufgrund eines engen Budgetplans die logische Konsequenz ist, entwickelt sich für die Anhänger zum Alptraum, verschiebt sich dadurch die geplante Eröffnung des neuen Ludwigsparkes doch um mindestens zwei Jahre. Nicht umsonst warnen die Verantwortlichen des Vereins, dass dieser aufgrund der Posse in Gefahr gerät, seine Wurzeln zu verlieren.

Elversberg

Und auch der Aufstieg des SV Elversberg nagt am Saarbrücker Gemüt, galt der FCS doch jahrzehntelang als die klare sportliche Nummer 1 des Saarlandes, seit einigen Jahren machen die Schwarz-Weißen von der Kaiserlinde dem großen Nachbarn jedoch das Leben schwer. Mit Hilfe des Mäzens Frank Holzer, der früher selbst bei den Elversbergern spielte und mit einem Pharmaunternehmen reich wurde. Seit 1990 pumpt der ehemalige Bundesligaprofi sein Geld in den Verein, wie viel es im Laufe der Jahre wurden, weiß keiner genau. Zumindest hat es ausgereicht, um dem großen FCS einige Spieler abzutrotzen und das Stadion in Eigenregie drittligatauglich ausbauen zu lassen. Denn in die dritte Liga will auch der SVE wieder, nachdem man beim bisher einzigen Gastspiel 2013/2014 sofort wieder abstieg. In der letzten Saison scheiterte man knapp am FSV Zwickau, in diesem Jahr dürfte die SpVgg Unterhaching, die das Hinspiel der Relegation mit 3:0 gewann zum Stolperstein avancieren. 

Saar

Genau jenes Relegations-Hinspiel ist für die Elversberger auch der größte Knackpunkt, denn in Anbetracht der Vorbereitung auf das Saison-Highlight kommt das vermeintlich unwichtigere Pokalfinale ungelegen. Dass hier nicht die absolute A-Elf aufläuft dürfte also kaum verwundern, gilt es doch Verletzungen wichtiger Schlüsselspieler zu vermeiden. Den FCS tangiert das wenig, der Pokal soll nach Saarbrücken gehen, da interessieren die Beschwerden des Gegners nur wenig. Und zumindest in der ersten Halbzeit ist es auf dem Rasen dann eine deutliche Angelegenheit: noch keine halbe Stunde ist gespielt und Blau-Schwarz liegt nach Toren von Patrick Schmidt, der zweimal traf, und Kevin Behrens schon mit 3:0 vorn. Der SV Elversberg weiß nicht wirklich, wie er hier auftreten soll und schenkt dem Gegner mit kapitalen Fehlern die Tore. Dem Anhang der Blau-Schwarzen ist die Art und Weise der Führung natürlich herzlich egal, es wird gefeiert. Und wie! 

Saar

Denn das was die Saarbrücker hier zeigen ist ganz großes Kino und kratzt gefährlich nah am Prädikat „Perfekter Auftritt“. Zu Spielbeginn wird mittels Doppelhaltern der FCS zum „Leuchtturm der Saar“ ausgerufen, die passende leuchtende Untermalung gibt es in Form diverse Pyrotechnik. Danach herrscht auf den Rängen eine durchgehend hohe Beteiligung unter Führung der Boys Saarbrücken und die Jungs und Mädels legen eine flotte Sohle auf das Parkett. Immer wieder pusht man sich gegenseitig nach vorn, treibt die eigene Mannschaf voran und besingt die Liebe zu Blau-Schwarz. Da helfen auch alle Bemühungen der wenigen Anhänger des SVE wenig, die nach dem 0:3 de facto eh eingestellt werden – der FCS hat hier definitiv ein Heimspiel. 

Saar

Bekanntlich sollte man sich im Fußball aber nie zu sicher sein, genau das scheint bei Saarbrücken in der zweiten Hälfte aber das Problem zu sein. Der große Druck, das Pressing lässt nach und Elversberg kommt vermehrt zu Chancen. Etwas glücklich erzielt Steffen Bohl das 1:3 und läutet damit eine hitzige Schlussphase ein. Eine Viertelstunde später klatscht ein Freistoß der Elversberger an den Saarbrücker Pfosten, fliegt zurück in Richtung Elfmeterpunkt und erneut steht Bohl goldrichtig und köpft zum Anschlusstreffer – für die Fans des FCS brechen damit exakt 28 Minuten an (Nachspielzeit von sechs Minuten), die sich vermutlich wie Stunden anfühlen. Denn der SVE drückt weiter, will den Ausgleich und hat teilweise hochkarätige Chancen. Doch mit etwas Glück und weiterhin grandioser, wenn auch mittlerweile etwas angespannter Unterstützung der eigenen Fans (bei dieser Hitze so durchzuziehen – Respekt!) bringen die Landeshauptstädter den Sieg über die Zeit und können sich damit zum 10. Mal als Landespokalsieger bezeichnen. 

Saar

Während auf der Bank der Gäste Frust herrscht, ist auf den Rängen eine erstaunliche Diskrepanz zum Rheinlandpokal zu erkennen: in Salmrohr wurden Polizeiketten vor den Blöcken gezogen und darauf geachtet, dass ja niemand den Platz betritt, hier zucken die Ordner nur mit den Schultern und lassen die Anhängerschaft den Platz fluten. Ein paar weniger freundliche Worte an die Verlierer werden gerichtet, größtenteils konzentriert man sich auch hier auf das Feiern der eigenen Mannschaft, die damit das Saison-Minimalziel erreicht hat. Für Trainer Dirk Lottner ist der Wunschgegner in der ersten Runde dann auch klar: der 1.FC Köln soll es für den ehemaligen FC-Profi sein. Vielleicht klappt es ja. 

Text: Frank Grunert

Fotos: Frank Grunert, Sachseninformer, Steven Mohr

> zur turus-Fotostrecke: 1. FC Saarbrücken

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