Verpasster Anschluss! Energie Cottbus lässt bei Viktoria 1889 wertvolle Punkte liegen

Autor: Marco Bertram     veröffentlicht am 30 März 2017    
 
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Der Einsatz stimmte, doch Tore wollten keine fallen
Foto: Felix

Ein blanker Zaun im Gästeblock des Stadions Lichterfelde. Allein die Fahne mit der Aufschrift „Fighting Wendish Chosebuz“ wurde zu Beginn der ersten Halbzeit des RL-Nachholspiels FC Viktoria 1889 Berlin vs. FC Energie Cottbus angebracht. Wenig später kamen noch das Banner der „Sektion Spreewald“ und ein altes Stück Stoff mit dem markanten gelben Blitz im Emblem hinzu. Allerdings wurden die drei Fahnen im Laufe des Spiels abgenommen, so dass der neue befestigte dunkelgrüne Zaun völlig leer daherkam. Die Banner der Gruppierungen „CBR“ und „Ultima Raka“ erblickten am gestrigen Abend erst gar nicht das trübe Berliner Licht. Entweder blieben sie in der Tasche oder wurden erst gar nicht mit auf  die Reise genommen. Mitte des ersten Spielabschnitts nestelten ein Stück weiter zwei Energie-Fans am Zaun herum und befestigten zwei graue T-Shirts mit den Aufschriften „Inferno Cottbus“ und „Unbequeme Jugend Cottbus“ an einem Zaunfeld. Dachte man zuerst als neutraler Beobachter, dass irgendeine Form des Boykotts am Laufen sei, so führten die Gedankengänge nun in eine andere Richtung. Die Geschehnisse beim Auswärtsspiel in Bautzen schienen die Ursache zu sein. Nach dem Abbrennen von Pyrotechnik kam es dort innerhalb der Fanszene zu Reibereien, bei einem anschließenden Polizeieinsatz wurden zahlreiche mutmaßliche Zündler eingekesselt.

Nein, einen Stimmungsboykott gab es am gestrigen Abend nicht. Die Anzahl der angereisten Energie-Fans konnte sich sehen lassen - rund die Hälfte der 1.588 Zuschauer drückte dem FCE die Daumen -, und zu Beginn der Partie ertönte recht lautstark ein „Hurra, hurra, die Cottbuser sind da“ über den Platz. In den ersten 15 Minuten wurde in alter 90er-Jahre-Manier ohne Vorsänger das ganze Repertoire durchgesungen. „Auf geht´s Cottbus kämpfen und siegen!“, „1966, hey, hey…“, „Wenn wir in der Gästekurve steh´n…“, „Nur die BSG…“, „Auf geht´s Cottbuser Jungs!“ Im Laufe des Spiels verstummte jedoch der Support nach und nach, und es wurde nur noch bei hitzigen Spielsituationen laut. Auf Heimseite versuchten sich rund 20 aktive Viktoria-Fans ihre Mannschaft lautstark zu unterstützen. Als tatsächlich von dieser kleinen Gruppe ein freches „Wir sind eure Hauptstadt ihr Bauern!“ ertönte, kletterten zwei, drei Cottbuser auf den Zwischenzaun. Aber vielmehr war es die Neugier, die dazu führte, mal einen Blick zu den Rufenden zu werfen. Der Gästeblock des Stadions befindet sich auf der gleichen Seite wie die Haupttribüne, und man müsste ein Stückchen die Kurve entlanglaufen, um als Gästefans zu sehen, was sich auf Heimseite so tut.

FCE

Und was tat sich auf dem Rasen? Der FC Viktoria 1889 erwies sich wie erwartet als äußerst unangenehmer Gegner, der es den Lausitzern wirklich schwer machte. Überraschend deutlich hatte Viktoria 1889 das Pokalhalbfinale bei der VSG Altglienicke mit 4:0 gewinnen können, äußerst schwer tat sich indes Cottbus bei seinem Landespokalspiel beim FSV Optik Rathenow. Mit der nötigen Portion Glück und Dank des Last-Minute-Treffers zog der FC Energie in das Brandenburger Pokalfinale ein. Allerdings gab es zwischen den Berlinern und den Lausitzern am gestrigen Abend einen erheblichen Unterschied: Während der FC Viktoria 1889 locker aufspielen und einfach nur unter Beweis stellen wollte, was in der Mannschaft steckt, stand der FC Energie Cottbus gehörig unter Druck.

FCE

Drei Punkte mussten her, um vor dem Spitzenspiel am kommenden Sonntag im Stadion der Freundschaft den Rückstand auf den Tabellenführer FC Carl Zeiss Jena zu verkürzen. Nach dem Sieg der Jungs aus dem Paradies beim Berliner AK 07 und der zeitgleichen Niederlage des FC Energie gegen die Auerbacher schien der Drops gelutscht, doch die zwei zurückliegenden Unentschieden des FC Carl Zeiss Jena (2:2 gegen Hertha BSC II und 1:1 beim SV Babelsberg 03) ließen die Lausitzer wieder Hoffnung schöpfen. Geht da vielleicht doch noch was?! Eine neue Serie muss her, forderte FCE-Trainer Wollitz. Na dann, der klare 4:0-Sieg bei Budissa Bautzen sollte der Auftakt sein. Gestern ein Sieg - und der Rückstand wäre auf sechs Punkte geschmolzen. Am Sonntag beim „6-Punkte-Spiel“ ein weiterer Dreier und die Sache könnte noch einmal richtig eng werden.

FCE

Keine Frage, Energie zeigte sich bemüht und kam bereits nach drei Minuten zur ersten vielversprechenden Möglichkeit. Nach einem Freistoß von Ziegenbein knallte der Ball an den rechten Pfosten, der Nachschuss von Weidlich ging deutlich über das Gehäuse. In der Folgezeit drückte dann jedoch der Gastgeber - und das ganz erheblich. Während im Gästebereich das „Märkische Heide, märkischer Sand…“ gesungen wurde, ertönte unterhalb der überdachten Haupttribüne ein „FCV! FCV!“ Rasch kam Viktoria über die rechte Seite, einen anschließenden Kopfball setzte Reher an das linke Außennetz. Gefährlich wurde es auch, nachdem Skoda einen Schuss auf das Energie-Tor abgab und FCE-Keeper Spahic den Ball erst im Nachfassen sichern konnte. 

Viktoria

Ganz klar, Cottbus hätte alles auf ein frühes Tor setzen müssen, denn je länger im zweiten Spielabschnitt die Partie lief, desto schwerer wurde es für die Gäste. Viktoria ging hart zum Ball und sicherte hinten gut ab. Nach rund einer Stunde die Riesenmöglichkeit für die Berliner. Karim Benyamina - ja genau jener, der von 2005 bis 2011 beim 1. FC Union Berlin gespielt hatte und dort zu einem Publikumsliebling wurde - wurde prima angespielt, umkurvte dann FCE-Torwart Spahic, traf dann jedoch aus spitzem Winkel nur den linken Pfosten. Auf der Gegenseite gab es dann einen kleinen Aufreger. Ziegenbein wurde im äußeren Bereich des Strafraums am Fuß getroffen und kam zu Fall, doch der Pfiff des Schiedsrichters blieb aus. In der Schlussphase versuchte Energie noch einmal viel und drängte zum arg wichtigen Treffer, doch die clever spielende Viktoria ließ nichts anbrennen und brachte das torlose Remis verdient über die Zeit.

FCE

Aus Sicht der Cottbuser schlichtweg zum Haareraufen. Ob es oben in der Regionalliga Nordost noch ein wenig spannend werden wird, zeigt sich am kommenden Sonntag. Alles oder nichts. Vor großer Kulisse muss ein Sieg gegen Jena her. Wird dieser nicht eingefahren, dürfte es dann endgültig gewesen sein. Und Viktoria 1889? Rang fünf soll gehalten werden, und vielleicht reicht es am Ende sogar für den vierten Platz. Würde auch der Berliner AK 07 hinter sich gelassen werden, wäre der FC Viktoria 1889 derzeit auf dem Papier die sportliche Nummer drei in Berlin. Saisonhöhepunkt wird dann am 25. Mai 2017 im Jahn-Sportpark das Berliner Pokalfinale sein. Der Gegner ist der BFC Dynamo, und die Weinroten aus Hohenschönhausen müssen sich einiges einfallen lassen, um die kompakt stehenden Mannschaft zu knacken.

Fotos: Marco Bertram, Felix (Titelbild)

> zur turus-Fotostrecke: FC Energie Cottbus

Spielergebnis:
0:0
Zuschauerzahl:
1.588
Gästefans
750
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die richtigen hintergrundinfos fehlen mal wieder

warum hingen denn nun keine fahnen? bist doch son "experte"..

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