Vorentscheidung in der RL Nordost? FC Carl Zeiss Jena lässt beim BAK nichts anbrennen

Autor: Marco Bertram     veröffentlicht am 13 März 2017    
 
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Jena feiert den Sieg im Berliner Poststadion
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War das die Vorentscheidung im Meisterschaftskampf in der Regionalliga Nordost? Gut möglich! Und ja, damit hatte wohl niemand gerechnet! Nicht damit, dass der FC Energie Cottbus daheim im Stadion der Freundschaft gegen den VfB Auerbach mit 1:3 verlieren würde. Und auch nicht damit, dass der Tabellenführer FC Carl Zeiss Jena locker flockig mit 3:1 beim Verfolger Berliner AK 07 gewinnen würde. Ein Sieg der Jungs aus dem Paradies konnte man schon auf dem Zettel haben. Warum auch nicht? Aber dass vor allem im ersten Spielabschnitt es im Berliner Poststadion ein dermaßen einfacher Aufgalopp werden würde - nein, das war einfach nicht zu erwarten. Mit einem Spiel weniger auf dem Konto hat Jena nun sieben Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten aus der Lausitz. Im Fall eines Sieges im Nachholspiel wären es bereits zehn Punkte. Auch wenn das direkte Duell am 02. April der FC Energie Cottbus gewinnen würden, wäre die Aufholjagd eine richtig schwere Kiste. Sich im Aufstiegsrennen verabschiedet hat der Berliner AK 07, stellte Jörg Goslar auf der anschließenden Pressekonferenz klar. Zu deutlich war phasenweise der Leistungsunterschied auf dem Rasen. Wer würde noch nach dieser Partie behaupten, ach wer weiß, da ginge vielleicht noch was?!

Zum eigentlichen Geschehen im altehrwürdigen Poststadion. Rund 500 Anhänger des FC Carl Zeiss Jena hatten sich auf den Weg nach Berlin-Moabit gemacht. Schätzungsweise 400 von ihnen hatten sich im Gästeblock eingefunden, der Rest nahm sich einen Sitzplatz auf der Haupttribüne. Bei recht angenehmer Witterung hatten sich allesamt im Rund auf einen harten ausgeglichenen Kampf eingestellt. Umso größer die Überraschung, als Jena bereits in der vierten Minute mit 1:0 in Führung ging. Und wie! Flott spielten die Thüringer über die linke Seite. Nachdem der Ball hereingebracht wurde, stand Dominik Bock bereit. Die BAK-Abwehr sah in diesem Moment richtig übel aus, routiniert legte sich Bock das Spielgerät zurecht, umkurvte BAK-Keeper Flauder und schob anschließend ein. Jubel im Gästeblock. Rauf auf den Zaun! Meine Güte, das ging ratzfatz. „Wir woll´n Jena siegen seh´n…“, wurde passend dazu im Gästebereich gesungen, in dem zirka 100 Fans für dauerhaften aktiven Support sorgten.

Jena

Und es ging weiter. Freistoß für den FC Carl Zeiss. Niklas Erlbeck versuchte sich, doch Stephan Flauder konnte den Schuss sicher abwehren. Kein Problem, die nächste gute Möglichkeit folgte prompt. Aus der Tiefe wurde der Ball wieder rüber auf die linke Seite gebracht. Dort ging es wieder mit dem Turbo nach vorn. Bock flankte den Ball hoch hinein, mutterseelenallein durfte Timmy Thiele den Abschluss machen. Mit Wucht krachte die Kugel an die Latte und prallte zurück ins Spiel. Das hätte das 2:0 für Jena sein können, ja müssen! Und der BAK? Kam nicht nach vorn. Bereits beim Versuch, die Mittellinie zu überqueren wurde ihnen der Ball abgeköpft. Hellwach und bärenstark - das war am Sonntagnachmittag der Tabellenführer aus dem Paradies. Wie im Training lief Rene Eckardt die rechte Seite entlang. Einmal geschaut, den Ball rübergepasst zu Timmy Thiele, dieses Mal hatte er keine Mühe, den Ball im Berliner Gehäuse unterzubringen. Aus Sicht des BAK war es bitter, mit welcher Leichtigkeit die Gäste die Treffer erzielen durften. 

Jena

Apropos Leichtigkeit. Zu sehr auf die leichte Schulter nahm kurz vor der Pause Timmy Thiele den fälligen Elfmeter. Lässig lupfte er den Ball in die Mitte, beim Fallen konnte Stephan Flauder den Arm ausstrecken und die Kugel herunterholen. Ach herrje, Thiele schlug berechtigterweise die Hände vor das Gesicht. Einen Adrenalinschub bekam indes Flauder, der vor Freude erst einmal Thiele anrempelte und eine Ansage machte. Eine solche gab es gewiss auch von Trainer Jörg Goslar beim Pausentee. Ganz klar, so konnte es aus Berliner Sicht nicht weitergehen. Nur mit Glück hieß es zu Halbzeit nicht 0:4. Ein 0:2-Rückstand war indes aufholbar. Nur eins war klar, der BAK musste definitiv mehr Einsatz zeigen. Gesagt, getan. Die Berliner legten im zweiten Spielabschnitt ein gehöriges Schippchen drauf. Und das mit Erfolg! In der 54. Minute erzielte Florijon Belegu den 1:2-Anschlusstreffer. Nach sehenswerter Hereingabe köpfte Belegu auf das Jena-Gehäuse. Der Ball wird noch abgefälscht, und schon war der BAK wieder mit von der Partie. Die kommenden 35 Minuten versprachen nun doch noch spannend zu werden.

Jena

Tiefes Durchtatmen auf Gästeseite ein paar Minuten später. Hasan Pepic bracht von rechts den Ball herein, Myroslav Slavov verpasste diesen denkbar knapp. Zum 2:2 fehlten nur wenige Zentimeter. Nach einer zwischenzeitlichen Berliner Sturm- und Drangphase konnte Jena wieder nach und nach das Spiel bestimmen. Wieder versuchte sich Timmy Thiele (dieses Mal völlig berechtigt) mit einem Heber von schräg rechts, doch der Ball ging links am Tor vorbei. Im Gästeblock wurden indes nach viel melodischem Singsang der Ultras nun ein paar klassische Gesänge angestimmt, bei denen auch andere Fans sich mit einklinken konnten. Die Mannschaft brauchte die Unterstützung. Der Sack sollte zugemacht werden. Und ja, er wurde zugemacht! Nach Doppelpass schloss Niklas Erlbeck frei stehend vor Flauder mit Schmackes ab. Mit Wucht wurde der Ball zwischen Pfosten und Flauders Händen in die Maschen gedroschen. Das hatte gesessen! Dementsprechend fiel auch der Jubel im Gästeblock und an der Außenlinie aus. Traubenbildung an der Werbebande. Das war der Sieg, das war der Ausbau der Tabellenführung. Wenig später war Schluss, und die Mannschaft feierte die wichtigen drei Punkte mit den mitgereisten Fans. 

Jena

Und in Cottbus? Dort ging der FC Energie vor 4.545 Zuschauern bereits nach zehn Minuten mit 1:0 in Führung. Ein Eigentor von Schlüter brachte kurz vor der Pause den Ausgleich. In der 80. und 89. Minute erzielte Auerbach zwei Treffer und sorgte somit für den überraschenden Auswärtssieg in der Lausitz. Nach dem 0:2 bei RB Leipzig II war dies für Cottbus der zweite Rückschlag in Folge - und das, nachdem zuvor eine tolle Serie hingelegt wurde. Gibt es noch Hoffnung für Cottbus? Gute Frage. Ein Ass im Ärmel ist sicherlich das direkte Duell am 02. April. Jena muss zudem noch auswärts beim 1. FC Lok Leipzig und beim BFC Dynamo antreten. Aber wenn man sich das gestrige flüssige Spiel des FC Carl Zeiss ansah, liegt es nah zu behaupten: Jena wird das Ding sicherlich durchziehen und Rang eins in der Regionalliga Nordost behaupten. Die Stunden der Wahrheit folgen dann im Anschluss. Aufstiegsrunde zur 3. Liga. Wenn man bedenkt, wie souverän beispielsweise der SV Meppen und die SpVgg Unterhaching durch ihre jeweiligen Staffeln rocken, dann kann man sich ausmalen, was für eine schwere Aufgabe einen erwarten wird. Allerdings darf sich darüber nach dem 34. Spieltag am 20. Mai Gedanken gemacht werden. Bis dahin gilt es: Weiter am Finger ziehen und die Spannung halten. 

Foto: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: FC Carl Zeiss Jena

Inhalt über Klub(s):
Spielergebnis:
1:3
Zuschauerzahl:
1.113
Gästefans
500
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Schön geschrieben, schöne Infos zum Gästeblock! Besten Dank!!

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Sehr schön

Hallo Marco,

bin gerade über deinen Artikel gestolpert= Wirklich Lesenwert=)

Werde mir auf jedenfall auch noch weitere Artikel künftig anschauen.

Nur eine kleine Verbesserung da ich vor Ort war... das mit den 500 Fans stimmte nicht ganz ...
Im Gästeblock vielleicht ja..aber da ich auf der "Hauptribüne" saß mit meiner Familie würde ich sagen 600 eher.. aber egal.

Nur der FCC

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Meppen, wir kommen! :-D
Oder Unterhaching oder Elversberg. Was für Gegner!

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