Uff Rautze der Los Misenas: Ein amüsanter Blick in ein Fußballheftchen

Autor: Marco Bertram     veröffentlicht am 25 Februar 2015    
 
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turus Fotostrecke
zu Gast bei Moreirense FC vs CD Nacional Funchal
Foto: Lukas Lindemann

Super BockGedruckte Ware ist bald tot! Hoch leben die digitale Medien! So hieß es vor wenigen Jahren. Kaum jemand hätte sich vorstellen können, dass gedruckte Heftchen einen erstaunlichen Aufwind erleben würden. Fanzines in Papierform? Aufgrund all der Blogs und privaten Hopper-Seiten im world wide web schien das Ende der Hefte nahe. Denkste! In letzter Zeit erlebten die Heftchen einen echten Boom. Und wir sprechen hier nicht nur von „Blickfang Ultrà“, „Erlebnis Fußball“ oder „45 Grad“, sondern von all den mehr oder weniger liebevoll umgesetzten Heften, die rein privat in den verschiedensten Ecken des Landes unter die Leser gebracht werden. Von den eher schlicht gestalteten „Terrace Tales“ über „Der Daggl“, „Der kleine Zeitvertreib“, „Der Landstreicher“ und „Jottwede“ bis hin zum aufwändig gestaltetem 140-seitigen Heft „Republikflucht“, das bereits eine echte Hausnummer ist und in Kürze ebenfalls hier auf turus.net rezensiert wird. Heute jedoch wird zunächst ein Blick in „Uff Rautze #3“ geworfen, das von den „Los Misenas“, die einen eigenen Blog betreiben, herausgegeben wird.

BierFür 2,50 Euro erhält der lesewillige Fußballfreund von den Jungs aus Sachsen ein - ja, wie viele Seiten hat es eigentlich? - in schwarz-weiß gehaltenes Heftchen, auf dem vorn ein Pfarrer die Arme hebt und ein „Geheiligt sei Los Misenas“ verkündet. Wer jetzt fragt, was „Misenas“ eigentlich bedeutet, bekommt von mir keine zufrieden stellende Antwort. Spanisch ist es jedenfalls nichts. Oder doch? Zumindest ist im Wörterbuch nichts zu finden. Auf jeden Fall wird sogleich auf der Vorderseite erklärt: „Immer wieder sonntags … fehlt die Erinnerung!“ Kann man sich gut vorstellen, da es bekanntlich auf Fußballtouren zumeist feuchtfröhlich zu geht. Und auch auf der Rückseite wird schon mal was auf den Punkt gebracht. Zwei Typen, die im Feld was suchen. „Siehst du das Niveau irgendwo?“, „Nee … aber da drüben liegen zwee Bier!“ Herrlich, so muss das sein. Der Witz darf keinesfalls zu kurz kommen. Nichts ist schlimmer als ein Hopper-Heft, das bierernst rüber gebracht wird. Wobei dann nicht mal ein Bier geflossen ist.

BierUmso mehr Getreidesaft floss gewiss die Kehlen der „Los Misenas“ auf deren Touren quer durch Europa hinunter. „Bierpreise senken!“ wird sogleich im Heft auf Seite drei in Form eines Spruchbandes gefordert. Darunter ein abgelichteter Graffiti-Pimmel. Auf Seite zwei ziehen sie auf auf einem Foto die tschechischen Kassiererinnen in ihren Bann. Eine fröhliche Truppe, so viel steht schon mal fest. Seitenzahlen gibt es nicht. Ein Inhaltsverzeichnis auch nicht. Wozu auch? Dafür jedoch ein Vorwort, in dem von immerhin 101 Beiträgen zum Thema Fußball in Europa gesprochen wird. In die Tasten gehauen haben Glatze, Radsch, Alco, Cojote, Thomas und Sheldon. Entstanden ist ein überaus locker flockiges, unterhaltsames Heft, das durchaus lesbar ist. Natürlich würde man sich ein paar Farbfotos wünschen, wie es beim „Grenzgänger“ der Fall ist, doch auch die gedruckten s/w-Fotos lassen ja ein paar Details erkennen. Farbdruck kostet nun mal richtig Geld und rentiert sich erst ab einer bestimmten Auflage. Von großen Auflagen sind die „Los Misenas“ noch weit entfernt, doch im Grunde genommen stehe sowieso der Spaß an der Freude an erster Stelle. 

SplitBeschrieben werden in „Uff Rautze #3“ die verschiedensten Spiele aus dem Zeitraum März 2014 bis Oktober 2014. Vom grottigen Dorfkick bis hin zu manch einer Knaller-Partie. So wurden unter anderen FC Kopenhagen vs. Bröndby IF, SK Slavia Prag vs. HNK Hajduk Split und HNK Hajduk Split vs. Dinamo Zagreb mitgenommen. So wie es sein muss, werden auch die Anfahrten und das Drumherum beschrieben. Nicht im langweiligen öden Hopper-Deutsch, sondern durchaus in unterhaltsamer Art und Weise. Für jemanden, der früher in den 90ern - noch weit vor der Zeit der Smartphones und des Internet - selbst viel auf Achse war und in klapprigen Bussen, in miefigen Bahnwaggons, auf Bahnhöfen und hinter Hecken gepennt hatte, um die Nächte zu überbrücken und das nächste Spiel irgendwo in Lausanne oder Edinburgh zu sehen, ist es durchaus interessant zu lesen, wie die jetzige Generation der sagen wir mal 18 bis Mitte 20-Jährigen tickt.

Banja LukaWie wird geplant, wie werden Touren gestaltet, welche Spiele werden besucht. Allein um „Grounds entern“, „Länderpunkte sammeln“ und „Spiele abhaken“ geht es bei den Jungs von Los Misenas ganz gewiss nicht. Und das ist gut so. Diese Art der Fußballtouren hatte mich damals abgeschreckt und würde es auch heute noch tun. Nein, Los Misenas macht - wie natürlich auch die Macher der „Republikflucht“ und zahlreicher anderer Hefte, die in Kürze vorgestellt werden - alles richtig. Wäre ich noch einmal 20 Jahre jünger, würde ich mich glatt anschließen und mit denen Europa erobern. Und dann die Berichte dazu eintippen …

Fotos: Lukas Lindemann, Marco Bertram

Erhältlich sind zahlreiche Hefte und natürlich auch Bücher auf:

> www.nofb-shop.de

> Blog von Los Misenas Groundhopping

> zu den turus-Fotostrecken: Fußball, Stadien, Fankultur

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Hübsch hübsch. Nummer 4 Gönner ich mir dann.

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