Deutschland Tour 1 - 08

Eröffnungsetappe der Deutschland Tour an Álvaro Jose Hodeg

 
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BM 23 August 2018
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Es hat lange gedauert, bis eine erneute Wiederbelebung der erstmals 1911 ausgetragenen Deutschland Tour stattfinden konnte. Zwischen den beiden ersten Austragungen hatten schon allein 11 Jahre gelegen und immer wieder gab es Unterbrechungen, so dass die diesjährige Austragung erst die 33. ist. Der längste Zeitraum mit zehn aufeinanderfolgenden Rundfahrten datiert von 1999 bis 2008, in dem der Berliner Jens Voigt der einzige war, der zweimal als Sieger geehrt wurde (2006 und 2007). Mit der diesjährigen Austragung sollte nun der Nachfolger von Linus Gerdemann gefunden werden, der 2008 sich als letzter in die Siegerliste eintragen konnte. 

Bei der jetzigen Austragung geht es zunächst über vier Etappen von Koblenz über Bonn, Trier, Merzig und Lorsch nach Stuttgart, wo spätestens nach insgesamt 737,5 km die Entscheidung  fallen wird. Ein Anfang wurde zunächst einmal gemacht, wenngleich noch bei der letzten Tour vor 10 Jahren immerhin neun Etappen zu bewältigen waren. Mit neuem Konzept, eingebunden in ein großes Fahrrad-Festival, wurden auf vier recht anspruchsvollen Strecken deutsche Metropole und Regionen verbunden. Eine willkommene Gelegenheit vor allem für die deutschen Rennfahrer, sich vor heimischen Publikum zu präsentieren, das mit großer Begeisterung für entsprechende, lautstarke Unterstützung sorgen sollte.

 

Aber auch eine Jedermann Tour am 26. August in Stuttgart oder eine Newcomer Tour am 25. August in Merzig sowie weitere Aktivitäten vor allem für Kinder und Jugendliche im Rahmen einer Mini Tour sind Bestandteil dieser Deutschland Tour, ebenso wie eine Ride Tour, die das Miteinanderfahren ohne Renncharakter präsentiert, und die sogenannte Expo Tour. Hier können sich Partner der Veranstaltung dem Publikum vorstellen und ihre aktuellen Produkte und Dienstleistungen vorführen. Die tägliche Live-Übertragung des Rennens zählt ebenfalls zum Bestandteil des Programms.

 

Am Vorabend der ersten Etappe von Koblenz nach Bonn über 157 km gab es eine eindrucksvolle Teampräsentation, bevor dann am Donnerstag die 131 Fahrer das Rennen in Angriff nahmen. 22 Teams mit jeweils sechs Fahrern sollten starten, aber ausgerechnet das mit deutscher Lizenz fahrende Team Sunweb mit dem Topstar Tom Dumoulin aus den Niederlanden trat nur mit fünf Fahrern an und mit dem jungen Lennard Kämna war auch nur ein deutscher Fahrer dabei, da für Simon Geschke, Johannes Fröhlinger und auch Max Walscheid die Spanien-Rundfahrt angesagt war. Auch einen Nikias Arndt oder Phil Bauhaus hätte man gern bei der Deutschland Tour gesehen, aber das Team Sunweb hatte offensichtlich andere Einsätze für die beiden geplant.

 

Die Ambitionen der Favoriten dieser Tour waren unterschiedlich, vom Tour de France-Sieger Geraint Thomas vom Team Sky über Marcel Kittel von Katusha-Alpecin bis hin zu den deutschen Shootingstars Maximilian Schachmann von Quick-Step Floors und Pascal Ackermann von BORA-hansgrohe, sie alle hatten unterschiedliche Vorstellungen und Wünsche für diese Tour. Geraint Thomas wollte es langsam angehen lassen und seinem Team helfen, für Marcel Kittel war die Vorfreude groß nach der gelungenen Präsentation, die er als cool bezeichnete, während Maximilian Schachmann hoffte, seine gute Form von der Binck Bank Tour mitzubringen und sich durchaus optimistisch hinsichtlich des Streckenverlaufs zeigte. 

 

„Ich habe eine Supermannschaft hinter mir, für die ich aber auch bei entsprechendem Verlauf Helferdienste leisten werde. Ich freue mich riesig auf den Start bei der Deutschland Tour und das Zuschaueraufkommen bei der Präsentation stimmt mich zuversichtlich“, zeigte sich der Giro-Etappensieger optimistisch. Für Pascal Ackermann, der von seinem Sturz bei den EuroEyes Cyclassics keine wesentlichen Nachwirkungen verspürte, war es ebenfalls ein Highlight hier in Koblenz mit seinem Deutschen Meistertrikot am Start zu stehen. „Ich bin gut vorbereitet, mache mir keinen Stress und habe eine starke Mannschaft hinter mir, mit der wir uns keine Sorgen machen müssen“, sagte der sympathische Rheinland-Pfälzer vor dem Start.

 

Für die Sprinter schien die erste Etappe nach Bonn prädestiniert zu sein und so kam es dann auch beim Zielsprint in der Adenauerallee zu einem Massenspurt. Zunächst aber der übliche Verlauf der Etappe mit einer Ausreißergruppe von sechs Fahrern, u.a. dabei die jungen deutschen Fahrer Dorian Lübbers und Sven Reutter von den Continental Teams Lotto-Kern Haus bzw. Heizomat Rad-Net. Der Vorsprung dieser Gruppe betrug maximal 2:45 Minuten und die ersten, die nicht mehr an der Spitze mithalten konnten, waren die beiden jungen Deutschen, wobei schließlich 35 km vor dem Ziel nur noch der Spanier Jorge Arcas vom Movistar Team, die Belgier Kevin van Melsen von der Wanty-Groupe Gobert und Jens Reynders vom Team Leopard Pro Cycling in Führung lagen. Um sie war es dann 12 km vor dem Ziel auch geschehen und dann wurde auch der Ausreißversuch vom Briten Luke Rowe vom Team Sky gekontert, so dass es zum Massenspurt kam, den Pascal Ackermann offensichtlich etwas zu früh anzog, so dass der Kolumbianer vom Team Quick-Step Floors Álvaro Jose Hodeg noch hauchdünn an ihm vorbeizog und seinen vierten Saisonsieg und den 56. Erfolg seines Teams realisierte. 

 

Mit dem dritten Platz des Italieners Niccolo Bonifazio von Bahrain Merida war das Podium komplett, das die Deutschen Alexander Krieger von Leopard Pro Cycling (5.), André Greipel von Lotto Soudal (6.) und Aaron Grosser vom Team Sauerland (7.) sowie Rick Zabel von Katusha-Alpecin (9.) zwar verfehlten, aber dennoch mit ausgezeichneten Leistungen aufwarteten. Dagegen hatte Marcel Kittel (109. und damit Letzter im Massenspurt) mit dem Ausgang des Rennens nichts zu tun, als er schon vor dem Ziel seinem Sportlichen Leiter Torsten Schmidt signalisierte, dass er sich an diesem Tag nicht gut fühlt. Das Team entschloß sich dann für Rick Zabel zu fahren, der für sein Team wenigstens eine Top Ten-Platzierung erzielte. Es bleibt spekulativ, warum Marcel Kittel in dieser Saison nicht die Leistungen abrufen kann, die man von ihm kennt. Sind vielleicht sogar gesundheitliche Gründe dafür verantwortlich? 

Es war auf jeden Fall ein toller erster Tag der Deutschland Tour, die allein in Bonn etwa 20.000 Zuschauer in den Bann zog. Nicht erst seit dem letzten Jahr zum Start der Tour de France in Düsseldorf hat sich einmal mehr gezeigt, dass das Publikumsinteresse durchaus vorhanden ist. Diesen Umstand gilt es künftig zu nutzen, damit der Radsport vielleicht wieder einen Boom erlebt wie in früheren Zeiten. Eine Ausweitung der Deutschland Tour auch in andere Regionen des Landes könnte dabei in Betracht gezogen werden.

Abschließend noch ein Wort zum Tagessieger aus Kolumbien: in der Pressekonferenz machte der erst 21 Jahre alte Alvaro Jose Hodeg einen sehr sympathischen Eindruck. „Ich bedanke mich bei meinem Team für die hervorragende Arbeit, die alle geleistet haben und die ich mit meinem Sieg zurückgezahlt habe“; gab er zu Protokoll. Von ihm dürfte in Zukunft noch einiges zu erwarten sein, der zum ersten Mal in Deutschland ein Rennen bestritt und zunächst seinen Sieg kaum glauben konnte.

Bericht: Bernd Mülle

Fotos: Fabian S.(www.inpivoveritas.de), Serge Waldbillig

> zur turus-Fotostrecke: Deutschland Tour 2018

Inhalt der Neuigkeit:
Rennbericht
Radrennen-Art:
Straßenrennen
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