Dylan van Baarle dominiert die Königin der Klassiker

Dylan van Baarle dominiert die Königin der Klassiker

 
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BM 20 April 2022

Das Spektakel von Paris-Roubaix erlebten in diesem Jahr wieder Zuschauermassen in einer Größenordnung, die man sich hierzulande kaum vorstellen kann. Die 119. Austragung fand dieses Mal bei trockenem Wetter mit blauem Himmel und Sonnenschein statt und so blieb eine erneute Schlammschlacht wie in 2021 aus. Einzig der Wind machte den Fahrern zu schaffen, der den Staub insbesondere bei den 30 Sektoren mit groben Kopfsteinpflaster aufwirbelte und die Sicht der Fahrer einschränkte. 

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Zu fahren waren 257,2 km von Compiegne nach Roubaix und am Start befanden sich 170 Fahrer aus 26 Nationen, darunter einige Topfavoriten wie die Niederländer Mathieu van der Poel von Alpecin-Fenix und Dylan van Baarle von INEOS Grenadiers, aber auch der Belgier Wout van Aert von Jumbo-Visma, sein starker Teamgefährte Christophe Laporte aus Frankreich, der Schweizer Stefan Küng von Groupama-FDJ, der Mailand-San Remo-Sieger Matej Mohoric aus Slowenien von Bahrain-Victorious sowie die Dänen Kasper Asgreen vom Quick-Step Alpha Vinyl Team und Mads Pedersen von Trek-Segafredo konnten sich durchaus gute Chancen für das Podium ausrechnen.

 

Zwei deutsche Fahrer hatten in der Vergangenheit dieses Rennens schon einmal für Furore sorgen können und waren auch dieses Mal hoffnungsvoll an den Start gegangen. Der erfahrene, 33-jährige John Degenkolb vom Team DSM war bereits im Jahre 2014 Zweiter dieses mörderischen Spektakels geworden, ehe er ein Jahr später sich seinen größten Wunsch erfüllen konnte und die Königin der Klassiker gewann. Von deutscher Seite machte es ihm danach nur noch Nils Politt von BORA-hansgrohe nach, der im Jahre 2019 einen grandiosen zweiten Platz hinter dem Belgier Philippe Gilbert von Lotto Soudal belegte, der bei der diesjährigen Austragung ein letztes Mal startete, da er seinen Rücktritt zum Ende des Jahres bereits bekanntgegeben hat. Es war eine Ehre für den Belgier mit der Startnummer 1 ins Rennen zu gehen, da der Vorjahressieger Sonny Colbrelli aus Italien krankheitsbedingt auf einen Start verzichten musste.

 

Nach dem äußerst abwechslungsreichen Rennen triumphierte letztlich der Vizeweltmeister des Vorjahres im Straßenrennen Dylan van Baarle, der schon vor 14 Tagen bei der Ronde van Vlaanderen mit dem zweiten Platz hinter Mathieu van der Poel überzeugen konnte. Es war der sechste und bislang größte Erfolg seiner Laufbahn und die Einfahrt ins Radstadion von Roubaix war nach eigenen Aussagen ein Moment mit Gänsehautfeeling. „Ich bin überglücklich und habe es einfach nur genossen, hier als Sieger über die Ziellinie zu fahren“, gestand er den Journalisten und bestätigte mit seinem letztlich unwiderstehlichen Alleingang seine derzeit glänzende Verfassung. Platz zwei ging an Wout van Aert, der Stefan Küng auf den dritten Podiumsplatz verwies. Gemeinsam mit dem Belgier Tom Devriendt von Intermarche-Wanty-Gobert Materiaux und Matej Mohoric, die die Plätze vier und fünf belegten, gehörten sie zu der vierköpfigen Verfolgergruppe, die 1:47 Minuten zurücklag. 

 

Von Beginn des Rennens an jagte eine Attacke die nächste, wobei sich die großen Favoriten wie Wout van Aert und Mathieu van der Poel zunächst auffällig am Ende des Feldes aufhielten. In einer ersten großen Spitzengruppe um den Italiener Filippo Ganna von INEOS Grenadiers befanden mit Nikias Arndt vom Team DSM, Jannik Steimle vom Quick-Step Alpha Vinyl Team und Max Kanter vom Movistar Team auch drei deutsche Fahrer, die das Rennen mitbestimmten. Das Feld hatte sich zunächst geteilt und aus einer etwa 40-köpfigen Spitzengruppe setzten sich etwa 112 Kilometer vor dem Ziel fünf Fahrer ab, von denen Matej Mohoric und Tom Devriendt bis zum Finale das Rennen prägten. Es war viel Hektik angesagt mit diversen Stürzen, u.a. auch vom jungen Deutschen Felix Groß vom UAE Team Emirates, und auch Materialschäden, von denen auch der spätere Sieger Dylan van Baarle betroffen war, der das Rad wechseln musste. Auf der Verfolgung der fünf Spitzenreiter setzte auch Nils Politt Akzente und auch John Degenkolb zeigte sich stets wachsam in guten Positionen. 

 

Neben Matej Mohoric und Tom Devriendt blieb nur noch der Franzose Laurent Pichon vom Team Arkea Samsic vorn, während sich zwölf Fahrer, darunter auch Geburtstagskind Jasper Stuyven aus Belgien von Trek-Segafredo, auf die Verfolgung der Ausreißer machten. Nach einem mechanischen Problem von Matej Mohoric fuhr nur noch Tom Devriendt allein an der Spitze, der aber 19 km vor dem Ziel gestellt wurde. Zu diesem Zeitpunkt ergriff der spätere Sieger die Initiative, sprengte die zuletzt vierköpfige Spitzengruppe auf dem Carrefour de l’Arbre und ward nicht mehr gesehen. Großes Pech dann noch für den Belgier Yves Lampaert vom Quick-Step Alpha Vinyl Team, der mit einem Zuschauer kollidierte und sieben Kilometer vor dem Ziel spektakulär stürzte, aber das Rennen fortsetzen konnte. Sein zehnter Platz war unter diesen Umständen aller Ehren wert, wenngleich der erhoffte und mögliche Podiumsplatz für den Belgier damit illusorisch war. 

 

Für die deutschen Fahrer, die sich insgesamt gut in Szene setzten, blieb am Ende für John Degenkolb Platz 18, während Nils Politt auf dem 22. Platz landete. Stark fuhren auch Max Kanter (48.), Nikias Arndt (51.) und Jannik Steimle (57.), die früh das Rennen mitgeprägt hatten und das Ziel ebenso erreichten wie Roger Kluge von Lotto Soudal (60.), Jonas Rutsch von EF Education-EasyPost (74.), Jasha Sütterlin von Bahrain-Victorious (76.) und Jonas Koch von BORA-hansgrohe auf dem 85. Platz. Neben dem gestürzten Felix Groß beendeten auch Pascal Ackermann vom UAE Team Emirates und Marius Mayrhofer vom Team DSM das Rennen nicht, wobei Nico Denz (Team DSM) noch außerhalb des Zeitlimits ins Ziel kam.

Bericht: Bernd Mülle  

Fotos: Arne Mill / Bildagentur frontalvision.com

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Inhalt der Neuigkeit:
Rennbericht
Radrennen-Art:
  • Straßenrennen
Name des Radrennens
  • Paris – Roubaix
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