Deutsche Radprofis 2022 mit großen Erwartungen - Die Jugend ist auf dem Vormarsch

Deutsche Radprofis 2022 mit großen Erwartungen - Die Jugend ist auf dem Vormarsch

 
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BM 11 März 2022

Im vergangenen Jahr sind einige deutsche Radprofis, die national wie international mehr als das letzte Jahrzehnt mitgeprägt haben, zurückgetreten. Allen voran Tony Martin, der vierfache Weltmeister im Einzelzeitfahren, der sich darüber hinaus mit dem Sieg bei der letztjährigen Weltmeisterschaft in Belgien im Teamzeitfahren (Mixed Relay) keinen besseren Abschied vom Profisport wünschen konnte. Aber auch seine Teamkameraden von Jumbo-Visma Paul Martens und Christoph Pfingsten haben das Rennrad an den Nagel gehängt und befinden sich dabei in guter Gesellschaft von Andre Greipel, Marcel Sieberg, Andreas Schillinger und Martin Salmon, die in ihrer Laufbahn insgesamt nicht weniger als 234 Profisiege feiern konnten. Letzterer hat vielleicht zu früh seine aktive Laufbahn beendet, ist er doch gerade einmal 24 Jahre alt, aber trotz eines dritten Platzes auf der 4. Etappe der Tour of Denmark in 2021 erhielt er vom Team DSM keinen neuen Vertrag mehr.

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Nun gilt es, diese Cracks zu ersetzen und wenn möglich genauso erfolgreich in ihre Fußstapfen zu treten. Dabei wird der Nachwuchs eine nicht unwesentliche Rolle spielen, der mit Macht nach vorne drängt und dabei sogar teilweise die Klasse U 23 überspringt, um sich sofort in den UCI WorldTeams zu präsentieren. War es im letzten Jahr bereits Marco Brenner (19 Jahre alt) vom Team DSM, der diesen Sprung wagte, so ist es in diesem Jahr der gleichaltrige Luis-Joe Lührs, der vom deutschen Team BORA-hansgrohe einen Vertrag für die nächsten drei Jahre erhielt. Zu den WorldTour Debutanten zählen nunmehr auch die 20-jährigen Michel Hessmann von Jumbo-Visma und Georg Steinhauser von EF Education-EasyPost, der 21-jährige Marius Mayrhofer vom Team DSM, die 22-jährigen Kim Heiduk von INEOS Grenadiers und Leon Heinschke vom Team DSM sowie der 23-jährige Felix Groß, der nach seinen ersten Einsätzen im letzten Jahr als Trainee beim UAE Team Emirates dort mit einem Vertrag bis 2024 ausgestattet wurde. 

 

Vor dieser Saison haben insgesamt 63 Fahrer den Sprung in die höchste Klasse des Profiradsports geschafft, darunter sind allein 44 jünger als 23 Jahre. Ein Indiz dafür, dass heutzutage die Jugend mit Macht an die Spitze strebt, andererseits aber auch für die Klasse U 23 kaum noch Rennen zur Verfügung stehen, durch die sie behutsam an die Weltspitze herangeführt werden können. Als bestes Beispiel hierfür dient die Tour de Berlin, die letztmals 2016 ausgetragen wurde und mit dem Franzosen Remi Cavagna, dem gebürtigen Berliner Maximilian Schachmann und dem Dänen Kasper Asgreen am Ende der Rundfahrt ein Podium auswies, das heute ausnahmslos in der Weltspitze der Profis mitfährt. Nach der Absage des Rennens für das Jahr 2017 ist es dem Berliner Radsportverband (BRV) nicht mehr gelungen, dieses für den Nachwuchs so wichtige Rennen wiederzubeleben. Die behördlichen Auflagen waren nicht zu stemmen und darüber hinaus präsentierte sich der Verband in einem desolaten Zustand mit ständig wechselnden Präsidenten, so dass er über keine Lobby bei den zuständigen Stellen im Genehmigungsverfahren verfügte. Hoffnung gibt hier die neue Spitze des BRV mit dem engagierten Präsidenten Claudiu Ciurea!

 

Zurück zum Profigeschehen! Die Erwartungen im deutschen Lager sind für 2022 groß, wenngleich sich die Saison etwas zähflüssig angelassen hat. Bislang gab es erst einen Sieg durch Lennard Kämna von BORA-hansgrohe, der die Schlussetappe der Vuelta a Andalucia im Alleingang gewann. Zwei  dritte Plätze von Pascal Ackermann vom UAE Team Emirates auf der 2. Etappe der UAE Tour und von Moritz Kretschy vom Rad-Net Rose Team beim Grand Prix Velo Alanya 1.2 sind insgesamt eine eher schmale Ausbeute von Podiumsplätzen für die deutschen Profis. Für den derzeit besten Deutschen im UCI World Ranking, dem gebürtigen Berliner Maximilian Schachmann von BORA-hansgrohe (Platz 23), steht der bisherige Verlauf der Saison unter keinem günstigen Stern, hat er doch nach einer COVID-19-Erkrankung seinen Saisonstart verschieben müssen. Von einem so späten Saisoneinstand bei Paris-Nizza ausgehend, konnte von einer eventuell geplanten Titelverteidigung unter den gegebenen Umständen keine Rede sein, vielmehr zwang ihn Unwohlsein vor dem Start zur 4. Etappe zur Aufgabe. 

 

Die Saison ist noch jung und es folgen noch etliche Highlights, in denen sich deutsche Fahrer ins Rampenlicht fahren können. In der WorldTour sind 34 Fahrer in diesem Jahr unterwegs und da sollten doch Tagessiege bei Klassikern oder in Rundfahrten im Bereich des Möglichen liegen. Für Sprintentscheidungen richtet sich das Augenmerk auf Phil Bauhaus von Bahrain-Victorious, der dort von Jasha Sütterlin Unterstützung erhält, auf Max Kanter vom Movistar Team, John Degenkolb vom Team DSM und vor allem auf Pascal Ackermann, der allerdings u.a. mit den Kolumbianern Fernando Gaviria und Alvaro Jose Hodeg sowie dem Italiener Matteo Trentin ebenso schnelle Leute um sich hat. Vielleicht kann hier sein deutscher Kollege Felix Groß als Anfahrer behilflich sein, hat er doch mit einem 6. Platz auf der 1. Etappe der Saudi Tour und einem 7. Platz auf der 6. Etappe der Tour of Oman für Fernando Gaviria (3. bzw. Sieger) hervorragende Dienste geleistet. 

 

Bei vollständiger Genesung wird auch wieder Maximilian Schachmann etlichen Rennen seinen Stempel aufdrücken, wobei die Volta Ciclista a Catalunya eine optimale Vorbereitung für die Klassiker Amstel Gold Race, La Fleche Wallonne und Lüttich-Bastogne-Lüttich sein sollte. Für den vorgesehenen Start bei der diesjährigen Tour de France könnte dann ein Etappensieg das Ziel sein, so wie es seinem Teamkamerad Nils Politt im letzten Jahr gelang. Als Rundfahrer wird Emanuel Buchmann für BORA-hansgrohe wieder in Erscheinung treten, der erneut den Giro d’Italia bestreiten wird, nachdem er im letzten Jahr dort das Rennen nicht beendete. Das deutsche Team vervollständigen noch Jonas Koch, Anton Palzer und Ben Zwiehoff, von denen Letzterer schon im Januar in Spanien bewiesen hat, dass er endgültig in der obersten Profiliga Fuß gefasst hat. 

Unter niederländischer Flagge fährt in diesem Jahr das Team DSM, zu dem außer den bereits Erwähnten noch Nikias Arndt, Nico Denz, Niklas Märkl und Florian Stork gehören. Neben Routinier Simon Geschke tritt nun auch der neue Zeitfahrspezialist Max Walscheid beim französischen Team Cofidis in die Pedalen, während Jonas Rutsch weiterhin bei EF Education-EasyPost unter Vertrag steht. Vervollständigt wird die Riege der deutschen Fahrer in der WorldTour durch Georg Zimmermann (Intermarche-Wanty-Gobert Materiaux), Rick Zabel (Israel-Premier Tech), Roger Kluge, Michael Schwarzmann und Rüdiger Selig (alle Lotto Soudal), den auch erst 22-jährigen Juri Hollmann (Movistar Team) und Jannik Steimle, der im Topteam Quick-Step Alpha Vinyl noch bis 2023 vertraglich gebunden ist.

Weitere drei Deutsche fahren in eines der UCI Pro Teams, die mit sogenannten Wildcards bei den Klassikern oder den großen Rundfahrten teilnahmeberechtigt sind. Für das belgische Team Alpecin-Fenix fahren der gebürtige Berliner Maurice Ballerstedt, der mit gerade 21 Jahren auch erst am Anfang einer hoffnungsvollen Karriere steht, und der 30-jährige Alexander Krieger, von dessen Erfahrungen Maurice Ballerstedt nur profitieren kann. Außerdem steht Miguel Heidemann, ein weiterer Zeitfahrspezialist, beim französischen Team B&B Hotels-KTM im Aufgebot, wo er sich im Zeitfahrprolog und in der Nachwuchswertung der Tour de la Provence jeweils mit Platz 11 schon gut in Szene setzte. 

 

Für die immerhin 98 deutschen Fahrer in internationalen bzw. deutschen Continental Teams gilt es in erster Linie, sich für höhere Aufgaben zu empfehlen. Auch in dieser Kategorie sind äußerst talentierte Fahrer in internationalen Teams unterwegs wie u.a. der 20-jährige Linus Rosner und die 21-jährigen Felix Engelhardt und Florian Lipowitz (alle Tirol KTM Cycling Team), Benjamin Boos (18 Jahre) und Tim Torn Teutenberg (19 Jahre), beide von Leopard Pro Cycling, Henri Uhlig (20 Jahre, Alpecin-Fenix Development Team) sowie Moritz Kärsten (18 Jahre) und Hannes Wilksch (20 Jahre), die beide für das Development Team DSM im Einsatz sind. Aus den insgesamt acht deutschen Continentalteams ragen Talente wie Pirmin Benz (21), Tobias Buck-Gramcko (21), Laurin Drescher (19), Nicolas Heinrich (20), Moritz Kretschy (19) oder Sven Redmann (20), alle vom Rad-Net Rose Team, heraus, während auch der 21-jährige Tim Wollenberg von Maloja Pushbikers sowie Leon Eduard Brescher (20), Luca Dreßler (20), Jakob Geßner (21), Pierre-Pascal Keup (21), Leslie Lührs (20), Daniel Schrag (18) und Alexander Tarlton (21), alle vom Team Lotto-Kern Haus, für die Zukunft einiges versprechen. 

Das gilt auch für Tom Lindner (20), Jannis Peter (21) und Tim Oelke (21) von P&S Benotti, für   Julian Borresch (19), Max-David Briese (18) und Tim Neffgen (19) vom Saris Rouvy Sauerland Team oder für Albert Gathemann (20) und Jonas Fabian Messerschmidt (20) vom Team Dauner Akkon, die wir alle stellvertretend für die junge Garde des deutschen Profiradsports insgesamt noch nennen wollen.  

Die Saison hat gerade erst begonnen und so bleibt noch genügend Zeit für die deutschen Radprofis, um sich in Szene zu setzen. Potenzial ist ausreichend vorhanden und wenn die Pandemie nicht allzu sehr Einfluss nimmt, sollten sich auch wieder Erfolge einstellen. Drücken wir für Maximilian Schachmann & Co. die Daumen, dass sich die großen Erwartungen noch im Laufe des Jahres erfüllen. 

Bericht: Bernd Mülle

Fotos: Arne Mill / frontalvision.com

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