„Didi“ Senft: Vom Fahrraddesigner zum Tourteufel

„Didi“ Senft: Vom Fahrraddesigner zum Tourteufel

 
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BM 02 April 2020

Wer kennt ihn nicht, den verrückten Tourteufel aus Storkow? Ein Mann mit stets guter Laune, mit der er auch in Zeiten der Coronakrise aufwartet, immer optimistisch und politisch immer neutral, wie er ausdrücklich betont. Als Dieter Senft im Jahre 1952 in Reichenwalde bei Berlin geboren, hat er bis 1966 acht Klassen Schule hinter sich gebracht, um dann eine dreijährige Lehrzeit als Schlosser bis hin zum Gesellenbrief „Karosseriestellmacher“ zu absolvieren. Dabei ging es in erster Linie um Metallautos, mit denen er sich als Karosseriebauer vorrangig beschäftigte und dabei war auch der Künstler und Erfinder gefragt, zu denen er als Fahrraddesigner durchaus zu zählen ist.

Die Verbindung zum Radsport war schon früh vorhanden und so war er zu DDR-Zeiten aktiv als Amateur unterwegs bis hin zum Bezirksmeister. Aber seine ganz große Liebe galt der Entwicklung von Fahrradkuriositäten und so brachte er es für das größte Tandemrad der Welt nebst weiteren von ihm gebauten Fahrrädern bis ins Guinnessbuch der Rekorde. In 2004 eröffnete er im Storkower Ortsteil Neu Boston ein Museum für Fahrradkuriositäten, das mit all seinen ausgefallenen Räderkonstruktionen gespickt war. 

Er arbeitete u.a. als Schlosser auf dem Bau, dann wieder in der Autobranche und hat dann einfach sein Ding gemacht. „Ich war zu DDR-Zeiten ein „schwer erziehbarer“ Bürger, der wegen seiner selbst konstruierten Fahrräder schon vom westlichen Ausland mehrfach kontaktiert wurde. So wurde ich von 1972 bis 1988 mit Argwohn betrachtet und alle zwei Jahre für jeweils drei Monate zum Dienst der Nationalen Volksarmee eingezogen“, erinnert sich „Didi“ an die Zeit vor der Wende, als er aufgrund seiner bereits weltweiten Anerkennung sogar Erich Honecker anschrieb und die Bitte äußerte, Künstler zu werden. „Was daraufhin alles passierte, lässt sich nicht in kurzen Worten fassen, aber letztlich lag 1989 mein Berufsausweis „freiberuflicher Künstler“ mit der Rubrik „Vorführer von kuriosen Fahrrädern“ in meinem Briefkasten“, gibt „Didi“ hier nur das Fazit seiner schier unendlichen Geschichte preis. 

Im Jahre 1991 bei der Radweltmeisterschaft in Stuttgart startete „Didi“ durch, als er vom Marketing-Leiter Walter Demel von der LuK-Aftermarket Service aus Bühl entdeckt und über 21 Jahre weltweit unterstützt wurde. Seitdem gehört der  Fahrradtüftler und leidenschaftliche Radsportfan zum festen Inventar der internationalen Radsportszene, der sich über Honorare und teilweise feste Verträge finanziert. In zahlreichen TV-Sendungen war er schon zu Gast und etliche Zeitschriften rund um den Globus von Kanada, USA, Neuseeland, China, Ägypten, Iran und Thailand bis nach Europa haben von seinen spektakulären Erfindungen berichtet. Auch der Bürofachhändler Rockefeller unterstützt seit 2015 den Teufel, damit die Fahrt zur Tour de France gesichert ist. 

„Ich habe es gerade jetzt in Coronazeiten sensationell geschafft, mich als Künstler beim Finanzamt anzumelden und will jetzt noch einmal richtig angreifen“, ist „Didi“ Senft zuversichtlich, dessen Idee Teufel zu werden schon in den 60-ziger Jahren entstand. „Das Westfernsehen, das wir 50 km von Berlin entfernt mit schneebedeckten Bild empfangen konnten, gab uns Einblicke von der Tour de France. Die Reporter sprachen vom roten Teufelslappen kurz vor dem Ziel und da war für mich klar, dass ich als Rentner zur Tour als Teufel fahren werde. Der Mauerfall machte es möglich und Rentner brauchte ich nicht erst zu werden“, war die klare Ansage von „Didi“, der 1993 bei der Tour de France seinen ersten Auftritt als Teufel hatte, als es nach Andorra ging. Mit seinem Riesenfahrrad, ein überdimensionales Hochrad, war er anfangs immer dabei, als Teufel verkleidet und den obligatorischen Dreizack schwenkend. Nur einmal präsentierte er sich aus Werbezwecken auf einer Tour-Etappe in Grün, ohne damit eine politische Richtung zu vertreten. 

Bekannt ist „Didi“ inzwischen weltweit und aus der Radsportszene als sogenanntes „Unikum“ kaum mehr wegzudenken. Er ist in vielen Ländern und Kontinenten und jetzt schon im vierten Jahr für die A.S.O (Amaury Sport Organisation) erfolgreich unterwegs und kann sich dabei auf seinen Sponsor verlassen. Ein Globetrotter, ein Lebenskünstler, aber vor allem liebenswerter Mensch, der keine Sprachen sprechen muss, um bei Sportlern und Fans anzukommen. „Ich kann keine Fremdsprachen, doch mit deutscher Sprache gepaart mit dem Berliner Dialekt komme ich trotzdem überall voran. Mehr ist auch nicht nötig, denn mit rumspringen, rumkrakeelen  und rumschmusen mache ich alle Leute glücklich und das ist das Wichtigste“, ist der lebensfrohe Teufel bei allen Rennen ein gern gesehener Gast. In Rente gehen ist für ihn ein Fremdwort, obwohl es im Jahre 2014 schon einmal danach aussah. Aber schon im Jahr danach war er wieder überall an den Rennstrecken zu sehen, wo er weiterhin für Aufsehen sorgt und die Fans bei Laune hält. 

Wie verbringt er nun die derzeit radsportlose Zeit? „Ich halte mich in Form mit täglich ein paar Stunden im Wald auf dem Mountainbike, denn so ein Leben als Teufel verlangt einem alles ab und ich will meine Form halten“, gibt er schmunzelnd zu Protokoll. Revue passieren lässt er dabei die tollen Erlebnisse vergangener Tage, wo er mit Größen wie Peter Sagan oder Chris Froome in Kontakt kam und bei Siegerehrungen oder Empfängen bei Stadtoberhäuptern dabei war. 

„Yeahhhhhh – los geht’s oder sein berühmtes Didiiiiiiiiiiiiiii sind ein Markenzeichen, das eigentlich jeder schon kennt. Umso erstaunlicher sein diesjähriger Auftritt bei den Bahn-Weltmeisterschaften im Berliner Velodrom, wo man ihn buchstäblich vergraulte und der Halle verwies, als er seine Eintrittskarte nicht vorzeigen konnte. Seine Ehefrau auf der Tribüne hatte diese in der Handtasche, aber er war halt einmal allein in der Halle unterwegs. Für den immer fröhlichen „Didi“ war das ein Tiefschlag, denn so etwas hatte er in all den Jahren zuvor noch nicht erlebt. Beim hoffentlich nächsten Six Day Berlin im Velodrom sollte man dieses mit freiem Eintritt für den Weltenbummler wieder gutmachen.

Hoffen wir gemeinsam mit ihm, dass die schwierige Zeit im Zeichen des Coronavirus in absehbarer Zeit überstanden sein wird und wir alle wieder unserem  geliebten Radsport nachgehen können. Hungrig darauf sind wir jetzt schon, aber zunächst steht vor allem die Gesundheit an erster Stelle und danach werden wir uns in alter Frische an den Rennstrecken wiedersehen und auch wieder viel Spaß miteinander haben. Dazu wird „Didi“ mit Sicherheit wie gewohnt beitragen! 

Bericht: Bernd Mülle   

Fotos: Mario Stiehl, Arne mill / frontalvision.com       

 

Inhalt der Neuigkeit:
  • Rennbericht
  • Vorstellung
Radrennen-Art:
Rundfahrt
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