Gold für nervenstarke Emma Hinze im Sprint: Schafft sie im Keirin den Hattrick?

Gold für nervenstarke Emma Hinze im Sprint: Schafft sie im Keirin den Hattrick?

 
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BM 29 Februar 2020

Am Freitag begann die Nachmittagsveranstaltung mit den ersten beiden Disziplinen des Omniums der Frauen und den Qualifikationen in der Einerverfolgung und im 1000 m Zeitfahren der Männer, die in der Abendveranstaltung neben dem Sprint der Frauen und dem Punktefahren der Männer allesamt zur Entscheidung gelangten. Also fünf Entscheidungen am dritten Tag der Weltmeisterschaft und so war ein dicht gefülltes, spannendes Programm den Radsportfans garantiert. 

Den Anfang machten die Frauen mit dem Scratchrennen im Rahmen des Omniums, das die Japanerin Yumi Kajihara vor der US-Amerikanerin Jennifer Valente und der Französin Clara Copponi gewann. Hier gab es einen schweren Sturz kurz bevor es in die letzte Runde ging und davon betroffen waren auch die Britin Laura Kenny und die Kanadierin Allison Beveridge, die beide zum Favoritenkreis zählten. Als Verursacherin des Sturzes wurde die Titelverteidigerin Kirsten Wild aus den Niederlanden ausgemacht, die von der Jury als Zweitplatzierte dementsprechend auf Rang 19 zurückversetzt wurde, während die gestürzten Fahrerinnen gemeinsam den 20. Platz belegten. Ein ernüchternder Einstand sowohl für Kirsten Wild als auch für Laura Kenny, die es nun ganz schwer hatten, verlorenes Terrain wieder gutzumachen.

Drei der fünf gestürzten Fahrerinnen, darunter Allison Beveridge, konnten das Rennen nicht mehr fortsetzen und so nahmen noch 21 an den Temporunden teil, in deren Verlauf die Weißrussin Tatsiana Sharakova, die Dänin Amalie Dideriksen und auch Yumi Kajihara einen Rundengewinn erzielten. Die Weißrussin siegte schließlich mit den meisten Punkten, aber die Führung behielt nach zwei Disziplinen die Japanerin mit 78 Punkten vor Jennifer Valente mit 72 Punkten. Im dritten Wettbewerb, dem Ausscheidungsfahren, gab es wieder einen Sturz, wodurch das Rennen zunächst  abgebrochen und dann neu mit den gestürzten Fahrerinnen gestartet wurde. Am Ende ging der Sieg an Kirsten Wild vor der Italienerin Letizia Paternoster und der wiederum stark fahrenden Japanerin, die damit vor dem abschließenden Punktefahren weiterhin in Führung lag. Was kaum einer für möglich hielt trat ein: die Japanerin Yumi Kajihara verteidigte die Führung mit einer brillanten, taktischen Leistung und viel Übersicht, indem sie immer das richtige Hinterrad erwischte und mit dem Gewinn des ersten Wertungsspurts gleich ein Zeichen setzte. Sie gewann die Goldmedaille vor der Italienerin Letizia Paternoster, die den letzten Spurt mit doppelter Wertung vor der Polin Daria Pikulik siegreich beendete. Die Polin bot eine unerwartet starke Leistung, mit der sie sich völlig verdient die Bronzemedaille sicherte.

In der Qualifikation im 1000 m Zeitfahren, wo die besten Acht in das abendliche Finale gelangten, schafften nicht weniger als drei Fahrer eine Zeit unter einer Minute. Schnellster war der Franzose Quentin Lafargue mit 59,324 Sekunden, während dahinter der Niederländer Sam Ligtlee und der Franzose Michael d´Almeida mit 59,590 bzw. 59,974 Sekunden diese Marke ebenfalls knackten. Für den Deutschen Maximilian Dörnbach reichten 1:00,232 Minuten für Platz 6, während Joachim Eilers mit 1:00,671 Minuten „nur“ den 10. Platz belegte und das Finale nicht erreichte.

Das Finale wurde noch einmal zu einer spannenden Angelegenheit, in dem Maximilian Dörnbach mit 1:00,600 Minuten seinen 6. Platz aus der Qualifikation behielt. Aber an der Spitze fuhr als vorletzter Starter Sam Ligtlee mit 59,495 Sekunden eine Bestzeit, die selbst der leicht favorisierte Quentin Lafargue mit 59,749 Sekunden danach nicht mehr erreichte. Dessen Landsmann Michael d´Almeida vervollständigte den Erfolg der Franzosen mit 1:00,103 Minuten und dem Gewinn der Bronzemedaille.

Für das Finale um Gold in der Einerverfolgung qualifizierten sich der Italiener Filippo Ganna und der US-Amerikaner Ashton Lambie, wobei der Amerikaner mit 4:03,640 Minuten eine starke Zeit vorlegte, die ein entfesselter, langsam startender Filippo Ganna mit sagenhaftem neuen Weltrekord von 4:01,934 Minuten verbesserte. Um Bronze fuhren der Franzose Corentin Ermenault, der in seinem Lauf den Deutschen Domenic Weinstein um fünf Sekunden (!) distanzierte, und der überraschend starke Italiener Jonathan Milan. Während Domenic Weinstein auf Platz 9 mit 4:12,571 Minuten ohne Chance blieb, schaffte sein Landsmann Felix Groß mit neuem deutschen Rekord von 4:08,928 Minuten einen sehr guten fünften Platz. „Ich bin absolut zufrieden mit meiner Leistung, wenn ich auch den Lauf um Bronze gerne erreicht hätte.

 

Aber das Fahrerfeld mit einem Straßenprofi wie Filippo Ganna war einfach zu stark, da war nichts zu machen“, gab der sympathische Deutsche zu Protokoll, der dennoch optimistisch nach Tokio schaut. Im Lauf um Bronze siegte Corentin Ermenault, der 4:09,921 Minuten fuhr und den 19-jährigen Jonathan Milan mit über drei Sekunden Vorsprung auf Rang vier verwies. Danach folgte die Show des Filippo Ganna, der sich das angestrebte Gold gegen einen ebenfalls starken Ashton Lambie sicherte, aber diesmal keinen neuen Weltrekord fuhr. Mit 4:03,875 Minuten distanzierte er den Amerikaner mit über vier Sekunden und zog auf der Zielgeraden nicht mehr voll durch. Er verteidigte damit seinen Titel souverän und holte erneut Gold vor Ashton Lambie und Corentin Ermenault, die das Podium vervollständigten.

Ein tolles Rennen boten die 23 Akteure im 40 km Punktefahren, in dem zunächst vier Fahrer einen Rundengewinn vollzogen, darunter der Weißrusse Raman Ramanau, der Neuseeländer Corbin Strong, der Pole Wojciech Pszczolarski und der Niederländer Roy Eefting. Ein beherztes Rennen fuhr auch der Berliner Moritz Malcharek, der sich mit einigen Ausreißversuchen an der Spitze zeigte, aber am Ende landete er mit sechs Punkten auf Platz 13. Einfach sensationell war die Leistung des erst 19-jährigen Corbin Strong, der mit großer Übersicht als einziger einen weiteren Rundengewinn gemeinsam mit dem Spanier Sebastian Mora und dem Russen Viktor Manakov herausfuhr und die Goldmedaille souverän vor dem Spanier und Roy Eefting gewann. 

Zum absoluten Höhepunkt gelangte schließlich aus deutscher Sicht das Sprintturnier der Frauen. In den ersten Läufen des Halbfinales überzeugte einmal mehr die junge Deutsche Emma Hinze, die aus vorderer Position die Weltmeisterin des Vorjahres Wai Sze Lee aus Hongkong niederrang. Auch die Russin Anastasiia Voinova siegte auf gleiche Art und Weise gegen die Kanadierin Kelsey Mitchell, die erst seit kurzer Zeit im Frauensprint für Furore sorgt und dabei aktuelle Weltrekordhalterin über 200 Meter mit 10,154 Sekunden ist. Emma Hinze gewann auch ihren zweiten Lauf von vorne mit einer außerordentlichen Nervenstärke und zog damit ins Finale um Gold ein. Dagegen verlor die Russin den zweiten Lauf, erhielt eine Verwarnung und musste in einen  Entscheidungslauf, den sie allerdings gegen Kelsey Mitchell gewann und das Finale um Gold gegen Emma Hinze erreichte. 

Die Deutsche ließ sich auch im ersten Finallauf um die Goldmedaille nicht von der Russin überraschen, die sie von vorn mit starker Beschleunigung in Schach hielt. Die Taktik der Russin im zweiten Lauf mit Verzögerung die Deutsche in die Führung zu lotsen, ging nicht auf, da die selbstbewußte Emma Hinze sich nicht ins Bockshorn jagen ließ, die Führung selbst übernahm und mit enormen Antritt der Russin nicht die Spur einer Chance ließ. War das ein Jubel im weiten Rund des Velodroms, das mit angabegemäß 4.000 Zuschauern gut gefüllt war. 

„Ich kann es nicht glauben und habe noch nie geweint, wenn ich etwas gewonnen habe“, waren die ersten Worte der neuen Weltmeisterin Emma Hinze, die jetzt sogar einen Hattrick landen könnte, wenn sie auch im Keirin am Sonntag erfolgreich ist. Auch Bundestrainer Detlef Uibel war überwältigt von dem Auftritt seines Schützlings: „Grandios, überragend. Emma war mental unheimlich stark und mit enormer Tempohärte ausgestattet. Sie hat auch am Sonntag nochmal alle Möglichkeiten“, so das erste Fazit des Bundestrainers. Im Kampf um Bronze siegte ebenso sicher wie Emma Hinze im großen Finale die alte Weltmeisterin Wai Sze Lee, die die Kanadierin Kelsey Mitchell klar distanzierte.

Damit ging ein bemerkenswerter dritter Wettkampftag zu Ende mit einem tollen Publikum, das erneut die Leistungen aller Sportler fair anerkannte und dann zum Abschluss aber bei dem Sieg von Emma Hinze mit anschließender Siegerehrung fast aus dem Häuschen war.

Bericht: Bernd Mülle

Fotos: Arne Mill / frontalvision.com

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Mega!!!!

G
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Super!!!

Die Frauen deichseln das Ding.

G
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