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Großes Finale beim 56. Bremer Sixdays mit erstem Sieg von Nils Politt

 
5.0 (4)
BM 15 Januar 2020

Der Schlussabend begann pünktlich um 18.00 Uhr mit der dritten Etappe des Andy-Kappes-Cups für die Klasse U 19 in Form eines Mannschaftsrennens über 45 Minuten mit fünf Schlusswertungen  bevor die Profis in Aktion traten. Die jungen Athleten sorgten für die richtige Einstimmung für das große Finale, in dem noch sechs Teams mit guten Aussichten auf den Gesamtsieg beim Bremer Sechstagerennen hoffen konnten. Zwei junge Dänen waren von Anfang an dominierend und so siegten Frederik  Erringsö und Mathias Möller Jörgensen nicht nur in der letzten Austragung nach Punkten, sondern auch der Gesamtsieg ging an das dänische Paar mit einer Runde Vorsprung vor den Deutschen Domenick Wolf und Yannick Andrä, die als einzige den starken Dänen in etwa Paroli bieten konnten.

Dann waren die Profis an der Reihe mit dem Ausscheidungsfahren für alle Akteure, das Theo Reinhardt/Morgan Kneisky vor den in der Gesamtwertung führenden Kenny de Ketele/Nils Politt siegreich beendeten und die Spannung vor der folgenden kleinen Jagd weiter erhöhten. Diese verlief ein wenig unspektakulär bis etwa neun Minuten vor Schluss der Jagd über 30 Minuten Andreas Graf/Marc Hester den Fehdehandschuh warfen und die zwischenzeitlich alleinige Führung übernahmen, aber kurz danach zogen Kenny de Ketele/Nils Politt und Moreno de Pauw/Leon Rohde nach und fuhren zur Spitze auf und auch Tristan Marguet/Maximilian Beyer im Alleingang sowie Theo Reinhardt/Morgan Kneisky und Wim Stroetinga/Nico Selenati im Duett schafften einen Rundengewinn, so dass die sechs führenden Mannschaften wieder allein in der Nullrunde lagen. In einem dramatischen Endspurt behielten Tristan Marguet/Maximilian Beyer durch den schnellen Berliner die Oberhand und meldeten ihre Ansprüche für das große Finale an.

Auch die Sprinter hatten am Schlusstag ihren Auftritt mit Rundenrekordfahren, Keirin und den Finalläufen der Sprinter. Auf der neuen Bremer Piste schaffte zunächst Tomás Babek mit 8,531 Sekunden einen neuen Bahnrekord, um dann gegen Robert Förstemann im Keirin den Kürzeren zu ziehen.  Somit war auch hier knisternde Spannung vor dem Finallauf der Sprinter garantiert, denn beide Kontrahenten lagen punktgleich an der Spitze und im Zweierfinale triumphierte einmal mehr der sympathische Tomás Babek äußerst knapp, der mit 40 Punkten die Gesamtwertung der Sprinter vor Robert Förstemann mit 41 Punkten gewann.

Wichtige Punkte für eine eventuelle Bonusrunde gab es im Mannschaftszeitfahren über 500 Meter zu ergattern, das von Wim Stroetinga/Nico Selenati mit 27,242 Sekunden gewonnen wurde, die damit tatsächlich noch eine Bonusrunde bekamen und nun sogar in der Gesamtwertung die alleinige Spitze übernahmen. Im finalen Dernyrennen über 80 Runden mit Wechsel waren die sechs führenden Teams der Gesamtwertung unter sich und so konnte man einen Schlagabtausch erster Güte erwarten. Und das Finale war dann auch grandios mit einem Nico Selenati, der in einem mitreißendem Endspurt seinen Landsmann aus der Schweiz Tristan Marguet niederrang und den anderen Teams mit großem Vorsprung keine Chance ließ. Vor der letzten Jagd sorgte das Mannschaftsausscheidungsfahren für weitere Spannung zumal es auch hier noch wichtige Punkte zu gewinnen gab, wenn auch eine Bonusrunde für eines der sechs Teams nicht mehr zu realisieren war. Der Sieg ging aber an die Außenseiter Bryan Boussaer aus Belgien und Stephen Bradbury aus Großbritannien, wobei für die führenden Teams nur wenige Punkte für die Gesamtwertung heraussprangen. 

Kurz nach 22.00 Uhr begann die mit Spannung erwartete 60-minütige Schlussjagd, die für klare Verhältnisse sorgen musste. Eröffnet wurde die Jagd von Moreno de Pauw/Leon Rohde und Henning Bommel/Roy Pieters, die den ersten Rundengewinn vollzogen und einen tollen Rundenwirbel in Gang brachten. Ganz stark dabei die Fahrweise von Henning Bommel/Roy Pieters, die als chancenloses Team äußerst couragiert auftraten und sich fleißig auch an weiteren Rundengewinnen beteiligten. Es ging hin und her zwischen den Topteams, die sich kaum aus den Augen ließen und so zählte man nach zwanzig Minuten nicht weniger als 28 Rundengewinne. Die letzte halbe Stunde gingen vier Teams rundengleich an mit Kenny de Ketele/Nils Politt an der Spitze, aber war das schon eine Vorentscheidung?

Ein erster Sturz bei den Profis von Moritz Malcharek/Melvin van Zijl bei der Ablösung sorgte für eine kurze ungewollte Verschnaufpause, aber danach ging es gleich wieder munter weiter. „Ein Sieg hier in Bremen wäre ein Traum für mich“, sagte Nils Politt noch zu Beginn des Schlussabends, aber kann er dieses Vorhaben verwirklichen? Stets wechselnde Führungen sorgten zumindest dafür, dass er auch andere Teams noch auf der Rechnung haben musste. Für Spannung war auf jeden Fall gesorgt, zumal vor allen Dingen Wim Stroetinga/Nico Selenati nicht zurücksteckten. Mit Beginn der Wertungsspurts 40 Runden vor Schluss entbrannte ein furioses Finale, das tatsächlich zum umjubelten Sieg von Kenny de Ketele und Nils Politt führte, der damit in seinem dritten Sechstagerennen überhaupt seinen ersten Sieg herausfuhr und sich dabei natürlich auf die immense Erfahrung seines Partners verlassen konnte. 

Zum Schluss hatten die Sieger nicht nur die höchste Punktzahl, sondern auch mit einer Doublette sieben Runden vor Schluß die alles entscheidende Runde gewonnen, während mit einer Runde Rückstand Theo Reinhardt/Morgan Kneisky Platz zwei belegten und Andreas Graf/Marc Hester als Dritte aufs Podium fuhren. Für die so stark auftrumpfenden Wim Stroetinga/Nico Selenati blieb am Ende nur der undankbare vierte Platz, der ihre Leistung aber nicht schmälerte. 

„Wir sind mit dem dritten Platz zufrieden bei so starken Gegnern“, gab Andreas Graf zu Protokoll, während Theo Reinhardt auch mit dem zweiten Platz leben konnte. „Es gibt keine Ausreden, eher großer Dank an Moritz Malcharek, der mich während meiner Neutralisation stark vertreten hat. Man hat gesehen, wer hier die Besten waren, die verdient gewonnen haben vor einem tollen Publikum, dem mein Dank gilt“, war der Berliner durchaus happy über seine Platzierung. Auf deutsch gab auch Kenny de Ketele seinen Kommentar ab: „Es war eine große Challenge mit Nils, ich musste ihn erst kennenlernen, das hat etwas Zeit gekostet. Für mich war es eine Ehre mit ihm zu fahren, wobei die von Nils ausgehende Doublette schon Schmerzen bereitete“, war Kenny de Ketele glücklich hier seinen dritten Bremer Sechstagesieg errungen zu haben.

Für Nils Politt ging ein Traum in Erfüllung. „Ich glaube, hier war ein Double von mir unterwegs. Es freut mich riesig, hier gewonnen zu haben, zumal ich seit meiner Kindheit ein großer Sechstagefan bin, als ich in Dortmund vom Sechstagefieber gepackt wurde. Ich hoffe, dass ich im nächsten Jahr nach Bremen zurückkomme und meinen Straßenvertrag für 2021 dahingehend beeinflussen kann“, gab der sympathische Nils Politt den Veranstaltern zu verstehen. 

Es war wieder einmal ein Erlebnis in Bremen dabei zu sein. Hier sorgt ein fachkundiges Publikum für große Stimmung und auch die Zusammenstellung des Fahrerfeldes hat gezeigt, dass der Sportliche Leiter Erik Weispfennig wieder einmal hervorragende Arbeit geleistet hat. Nach Gent hat Bremen mit einem hervorragenden Fahrerfeld einen gewaltigen Schritt nach vorn gemacht. Wann hat es das schon einmal gegeben, dass sechs Teams rundengleich ins Finale gehen? Ausgeglichenheit war Trumpf und sorgte so für einen mehr als spannenden Sport, der das Publikum einfach nur faszinieren konnte. Bremen hat die Latte hoch gelegt und für ein Sechstageflair gesorgt, das auch an frühere Zeiten im Berliner Sportpalast erinnerte. Hoffen wir, dass auch beim Six Day Berlin in der nächsten Woche ein ähnliches Spektakel geboten wird.

Bericht: Bernd Mülle

Fotos: Arne Mill (frontalvision.com)

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Inhalt der Neuigkeit:
Rennbericht
Radrennen-Art:
Six Days
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