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Deutschland Tour hat sich etabliert: Etappensieg durch Pascal Ackermann gleich zu Beginn

 
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BM 04 September 2019
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Die 34. Deutschland Tour, nach dem Wiederbeginn im letzten Jahr, nun zum zweiten Mal erneut über vier Etappen ausgetragen, wurde wie im letzten Jahr von begeisterten Zuschauern begleitet, die von Hannover über Göttingen und Eisenach bis zum Finale in Erfurt für hervorragende Stimmung am Straßenrand sorgten und den Fahrern in den jeweiligen Zielorten einen tollen Empfang bereiteten. Man erwartete ein offenes Rennen auf den vier sehr abwechslungsreichen Strecken, die eigentlich mit der 1. Etappe nur eine reine Sprintetappe vorsahen. Vom 29. August bis zum 01. September 2019 war es nun wieder soweit und am Vorabend der 1. Etappe wurden die 131 Akteure aus 22 Teams in Hannover vor dem Neuen Rathaus im Rahmen der „Nacht von Hannover“ präsentiert. Einige der Rundfahrtteilnehmer waren auch beim Nachtrennen dabei, wie zum Beispiel die Deutschen André Greipel, Simon Geschke, Marcel Sieberg, Nils Politt oder auch die Briten Geraint Thomas und Luke Rowe sowie der Pole Michal Kwiatkowski, die für die richtige Einstimmung sorgten.

Nachdem das Hauptrennen der Nacht von Hannover vom letztjährigen Tour de France-Sieger Geraint Thomas vom Team INEOS gewonnen wurde und damit  ein stimmungsvoller Auftakt für die am folgenden Tag beginnende Deutschland Tour erfolgt war, setzten sich die aus 27 Nationen stammenden Profis, darunter nicht weniger als 38 Fahrer aus Deutschland, von Hannover aus in Bewegung, um das Etappenziel in Halberstadt nach 167 km zu erreichen. Es war kein Geringerer als Pascal Ackermann vom Team BORA-hansgrohe, der am Ende als erster Etappensieger gefeiert werden konnte, nachdem er noch am letzten Sonntag in Hamburg bei den EuroEyes Cyclassics weit abgeschlagen das Ziel erreicht hatte. Im Massenspurt feierte er seinen 10. Saisonsieg, als er Alexander Kristoff und Simone Consonni, beide vom UAE-Team Emirates, auf die Plätze verwies und sich das Rote Trikot des Spitzenreiters überstreifen konnte. „Ich bedanke mich bei meinen Teamkameraden, die einen tollen Job gemacht haben. Jetzt beginnt der Spaß, nachdem der Druck durch den ersten Etappensieg nicht mehr groß ist“, äußerte sich Pascal Ackermann auch positiv über das enorme Zuschauerinteresse, das eine tolle Stimmung verbreitete.

Die zweite Etappe ging von Marburg nach Göttingen über 202 km war die längste dieser Tour und vielleicht schon für eine Vorentscheidung prädestiniert mit zwei Bergwertungen. Geprägt wurde die sehr hügelige Etappe durch eine lange Alleinfahrt des 19-jährigen Belgiers Remco Evenepoel von Deceuninck-Quick Step, der rund 100 km mit zeitweise über 3 Minuten in Führung lag, um am Ende von den Verfolgern eingeholt zu werden. Von den noch 27 Fahrern, die vorn verblieben waren, versuchten noch einige wie z.B. der Schweizer Marc Hirschi vom Team Sunweb einen Ausreißversuch, aber am Ende sprintete der Norweger Alexander Kristoff zum Sieg vor dem schnellen Italiener Sonny Colbrelli von Bahrain Merida, während als bester Deutscher Nils Politt vom Team Katusha Alpecin Platz 11 belegte. Pascal Ackermann musste seine führende Position an Alexander Kristoff abgeben und fiel mit über 16 Minuten Rückstand auf Platz 78 zurück, damit blieb er chancenlos für den weiteren Verlauf der Rundfahrt.

Mit der dritten Etappe von Göttingen nach Eisenach über 189 km, die sehr hügelig mit einer großen Schleife durch den Thüringer Wald verlief, wechselte erneut das Spitzenreitertrikot. Zunächst war es der Franzose Julian Alaphilippe von Deceuninck-Quick Step, der eine lange Flucht unternahm und dabei von dem Dänen Mads Pedersen von Trek-Segafredo und dem jungen Deutschen Mika Heming von Dauner D&DQ-Akkon begleitet wurde. Mehr als sieben Minuten betrug ihr Vorsprung, der aber sukzessive schmolz, als das Feld ernsthaft die Verfolgung initiierte. Anfangs der Schlussrunde über 27 km war es dann um die Ausreißer geschehen und das Hauptfeld reduzierte sich weiter, als noch zwei Anstiege zu bewältigen waren. Auf den letzten fünf Kilometern gab es noch einige Attacken aus dem knapp 20 Fahrer starken Spitzenfeld, wobei es am Ende der Belgier Jasper Stuyven von Trek-Segafredo und der Däne Kasper Asgreen von Deceuninck-Quick Step waren,  die sich entscheidend mit 17 Sekunden Vorsprung absetzten. Der Däne behauptete sich gegen den Belgier, während aus der Verfolgergruppe der starke Sonny Colbrelli den Spurt um Platz drei gewann. Die beiden Deutschen Simon Geschke vom CCC Team und Emanuel Buchmann von BORA-hansgrohe fuhren in dieser Gruppe auf die Plätze 12 und 14, während die Gesamtführung nun Jasper Stuyven übernommen hatte.

In Eisenach konnte sich auch der weibliche Radsport-Nachwuchs der Klasse U 17 in Szene setzen, für die es schon im letzten Jahr eine Premiere bei der Deutschland Tour gegeben hatte. Am Start standen 31 Fahrerinnen, die 15 Runden zu absolvieren hatten, die eine Länge von 3,9 km aufwiesen. Alle, einschließlich der Botschafterin des Rennens, Hanka Kupfernagel, waren angetan von der Möglichkeit hier vor größerem Publikum zu fahren, das mit toller Anfeuerung für entsprechende Stimmung sorgte. Im Alleingang mit einem Vorsprung von 3:16 Minuten siegte schließlich Jette Simon aus Rheinland-Pfalz, die Marla Sigmund aus Hamburg und die Vorjahressiegerin Linda Riedmann aus Bayern auf die Plätze verwies. 

Am Schlusstag auf der Etappe von Eisenach nach Erfurt über 159,5 km war aufgrund der geringen Zeitabstände und drei bevorstehenden Bergwertungen noch einiges zu erwarten, aber am Ende waren es 22 Fahrer, die den Sieg unter sich ausmachten. Nach dritten und zweiten Etappenplätzen  gelang es nun endlich dem Italiener Sonny  Colbrelli, die vierte und letzte Etappe dieser Deutschland Tour zu gewinnen. Zum Gesamtsieg reichte es für den starken Italiener allerdings nicht mehr, mit lediglich drei (!) Sekunden Rückstand musste er Jasper Stuyven den Vortritt lassen, der über seinen ersten Sieg bei einer Rundfahrt überglücklich war. „Die gute Arbeit meines Teams hat zu meinem Erfolg geführt, eine tolle Rundfahrt, an der ich unbedingt teilnehmen wollte“, war der Belgier mehr als zufrieden mit dem für ihn so positiven Ergebnis. Hinter Sonny Colbrelli, der sich mit dem Punktetrikot tröstete, belegte der  Belgier Yves Lampaert von Deceuninck-Quick Step mit 12 Sekunden Rückstand Platz drei, während sich in diesem Jahr kein deutscher Fahrer unter den Top Ten platzieren konnte. Auf Platz 12 hatte Simon Geschke als bester Deutscher nur 23 Sekunden Rückstand aufzuweisen, ebenso wie der unmittelbar nach ihm platzierte Emanuel Buchmann. Bester Nachwuchsfahrer war Marc Hirschi, die Bergwertung gewann der Däne Magnus Cort Nielsen vom Astana Pro Team und die Mannschaftswertung sah das Team Deceuninck-Quick Step vorn.

Dank des Einstiegs der A.S.O. im vorigen Jahr konnte die Deutschland Tour nach zehn Jahren Pause wiederbelebt werden und sie sollte nach den Erfahrungen der jetzt zwei erfolgten Austragungen zum festen Bestandteil des deutschen Rennkalenders werden. Im Hinblick auf die gerade in diesem Jahr so starke Besetzung des Rennens, dem enormen Zuschauerzuspruch am Streckenrand und die durchaus anspruchsvollen Strecken, die vielleicht künftig eine Ausdehnung auf sechs oder sieben Etappen ermöglichen sollten, hat diese Rundfahrt vielleicht sogar in der Zukunft den UCI WorldTour Status verdient. 

Bericht: Bernd Mülle

Fotos: Mario Stiehl

 

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Rennbericht
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  • Rundfahrt
  • Straßenrennen
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