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Paracycling Bahn-WM: Robert Förstemann als Tandem-Pilot mit Kai Kruse am Start

 
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BM 11 März 2019
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Ein ganz besonderes, relativ kurzfristig angesetztes Pressefrühstück fand am 11.03.2019 in der  Samariterstraße statt, zu dem die BTR Profisport GmbH sowie der ehemalige Weltmeister im Teamsprint Robert Förstemann und Kai Kruse, seines Zeichens bei den Paralympics 2016 mit Stefan Nimke Gewinner der Bronzemedaille im Zeitfahren über 1000 Meter, eingeladen hatten. Allein diese Einladung mit Blick auf die vom 14. bis 17. März 2019 im niederländischen Apeldoorn stattfindenden Bahnweltmeisterschaften war aufgrund der schweren Sturzverletzungen von Robert Förstemann beim Bremer Sechstagerennen kaum zu glauben. Sollte er überhaupt schon wieder einsatzfähig sein und Rennen bestreiten können nach zwei gebrochenen Rippen, einen Schlüsselbeinbruch, den Bruch des linken Schulterblattes und Schnittwunden im Gesicht? 

Aber wenn man den sympathischen Sprinter näher kennt, dann weiß man, dass er zwar für den Radsport brennt, aber auch keinesfalls ein Hasardeur ist, der den Rat der Ärzte nicht befolgt. Diese bestätigten seinen erfolgreichen, schnellen Heilungsprozess und gaben ihm grünes Licht für eine zweite, neue Karriere, die nun nach langen Jahren im Bereich des Bund Deutscher Radfahrer (BDR) im Paracycling Sport ihre Fortsetzung findet. Eine ganz wichtige Rolle hat dabei die Bundespolizei als sein Arbeitgeber in Verbindung mit dem Bundesministerium des Innern gespielt, die nach dem Ausstieg aus dem Olympiakader des BDR zum Ende des letzten Jahres den Sportler weiterhin unterstützen. Hinzu kam das Interesse des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) an einer zukünftigen Zusammenarbeit im Bereich des Tandemrennens als Pilot für den sehbehinderten Kai Kruse, der sich von seinem langjährigen Partner Stefan Nimke aus unterschiedlichen Gründen getrennt hatte.

„Wir brauchten einen neuen Partner für Kai Kruse und dafür kam für mich nur Robert Förstemann in Frage“, sagte Emanuel Raasch, ehemaliger Weltmeister im Tandemrennen mit Eyk Pokorny (1991) und jetziger Coach des neuen Tandem-Duos. Robert Förstemann wurde kontaktiert und fand die Idee durchaus cool, zumal sein Traum vom Olympiastart in Tokio realistische Züge annahm. „Selbst mein Arbeitgeber ist stolz darauf, dass ich dieses Paradebeispiel für Inklusion in Angriff nehme, aber es ist eine sehr anspruchsvolle Disziplin mit großer Verantwortung, die ich für Kai auf dem Tandem habe. Dennoch macht es Spaß zu sehen, wie wir uns entwickeln, nachdem wir erste Trainingseinheiten im Dezember letzten Jahres absolviert hatten“, fuhr Robert Förstemann fort, ganz fokussiert auf die neue, spannende Aufgabe. Zwei Wochen Vorbereitung in Frankfurt/Oder nach seinem schweren Sturz waren nicht gerade üppig für eine bevorstehende Weltmeisterschaft im Tandemrennen über 1000 Meter mit stehendem Start, aber hier rechnet das neue Duo ohnehin nicht mit einem Medaillenrang, der erst im kommenden Jahr bei den Paralympics in Tokio angepeilt werden soll. 

„Ich habe bei Paralympics schon Silber im Rudern und Bronze im Radsport gewonnen, da fehlt noch eine“, gab Kai Kruse vielsagend zu verstehen, der mit seinen 27 Jahren sich im besten Wettkampfalter befindet. Beide Athleten wohnen nicht allzu weit entfernt, so dass gemeinsames Training sich gut realisieren lässt, wenngleich das näherliegende Velodrom leider als Trainingsstätte ausscheidet. Von Anfang an haben beide gut harmoniert, was ihr Coach durch jetzt schon schnellere Zeiten als mit Stefan Nimke nur bestätigen konnte. „Es ist eine große Herausforderung, dazu ein höherer Aufwand für mich als ehemaliger Einzelkämpfer, insbesondere wichtig ist dabei die Technik, das Rad synchron in Schwung zu bringen“, ist Robert Förstemann dennoch optimistisch, noch einmal internationale Erfolge einfahren zu können, für die Zeiten unter einer Minute notwendig sein werden. 

Der neue Bundestrainer Tobias Bachsteffel bringt laut Aussagen der beiden Athleten frischen Wind und sorgt für ein hohes Niveau. Insofern sind die beiden optimistisch für ihr gemeinsames Vorhaben, das bis zu den nächsten Olympischen Spielen in Paris im Jahre 2024 Bestand haben soll. „Dann wäre es Zeit für mich mit 38 Jahren vom aktiven Sport zurückzutreten, aber davor wollen wir noch den Tandemsprint ins Visier nehmen, wo auch dort die Konkurrenz der starken Briten, Australier und Niederländer zu distanzieren wäre“, war der Blick von Robert Förstemann zielgerichtet auf eine hoffnungsvolle, weitere Zukunft, die wir mit Interesse verfolgen werden. 

Robert Förstemann wird zwar nicht mehr für den BDR international am Start sein, aber zum Beispiel bei Deutschen Meisterschaften oder Rennen im Rahmenprogramm der Sechstagerennen werden wir den beliebten, für den RSC Cottbus startenden Sprinter auch weiterhin begrüßen können. Einen stets offen und ehrlich den Medien gegenübertretenden Sportler wie ihn darf man für seine weitere Karriere nur alles Gute wünschen. Wer seinen Ehrgeiz kennt, weiß auch, dass er immer mit vollem Engagement bei der Sache ist und keine halben Sachen mag. So wird auch Kai Kruse optimistisch nach vorne schauen, denn einen besseren Piloten für seine zukünftigen, internationalen Ambitionen kann er sich kaum wünschen.

Bericht: Bernd Mülle   

Fotos: Arne Mill / frontalvision.com 

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Bahnradsport
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