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Kristina Vogel gibt den Startschuss im Velodrom: Zum 108. Mal rollen in Berlin die Räder

 
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BM 23 Januar 2019
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Nehmen wir einmal nur die Zahl der Austragungen seit dem ersten Rennen im Jahre 1909 und die Vielfalt der Radsportdisziplinen, die Profis, Sprinter, Steher, Frauen und Nachwuchsfahrer seit 1997 im Velodrom zu absolvieren haben, dann stehen die Six Day Berlin einsam an der Spitze der nur noch wenigen Sechstagerennen, die der Veranstaltungskalender ausweist. Nur noch Gent, Bremen und Kopenhagen haben eine ähnliche Tradition aufzuweisen, während einstmalige Hochburgen des Sechstagesports wie Brüssel, Amsterdam, Antwerpen, Zürich, Dortmund, Frankfurt, München, Stuttgart oder Köln längst das berühmte Handtuch geworfen haben. Schade eigentlich, dass diese Mischung aus Sport und Unterhaltung woanders keine Zugkraft mehr besitzt, um zahlreiches Publikum in die Halle zu locken. 

Am kommenden Donnerstag ist es wieder soweit und die 108. Auflage des Berliner Sechstagerennens beginnt im Velodrom mit der sogenannten Afterwork Party, die bereits mit dem Vorprogramm ab 17.00 Uhr beginnt. Dabei stehen Fahrer der Nachwuchsklassen U 17 und U 23 im Mittelpunkt, die um den Berlin Cup kämpfen und mit internationaler Besetzung aus Dänemark, Österreich, Tschechien, Polen, Schweden, den USA und der Schweiz für den deutschen Nachwuchs eine starke Konkurrenz bilden werden. An den folgenden Tagen kommen dann auch Fahrer der Klassen U 19 (Junioren) sowie die Schüler der Klassen U 13 und U 15 zum Zuge, so dass etwa 200 Nachwuchsfahrer eine Startmöglichkeit erhalten. Wenn dann noch die Profis mit rund 75 Athleten hinzukommen, dann kann man sich vorstellen, was hier im Velodrom von den Organisatoren und ihren ehrenamtlichen Helfern unter logistischen Aspekten zu leisten ist.

Wenn dann gegen 19.00 Uhr die Profis präsentiert werden und der Startschuss durch die zweimalige Olympiasiegerin und 11-fache Weltmeisterin Kristina Vogel erfolgt, dann sind die Hauptakteure, die Profis, gefordert, die von den amtierenden Weltmeistern im Madison Roger Kluge und Theo Reinhardt angeführt werden. Nach dem Ausfall so starker Fahrer wie Kenny de Ketele aus Belgien (Sturzverletzungen) und Vorjahressieger Yoeri Havik aus den Niederlanden (Weltcup-Einsatz) sind die Weltmeister mehr denn je in die Favoritenrolle geschlüpft, die sie gern annehmen, dabei aber keinen Gegner unterschätzen werden, wie Theo Reinhardt bei der Pressekonferenz im Vorfeld zu Protokoll gab. Den Niederländern Yoeri Havik und Wim Stroetinga wird durch eine wenig sinnvolle Terminüberschneidung die Möglichkeit genommen, nach ihren Siegen in 2017 und 2018 den berühmten und auch anvisierten Hattrick in Berlin zu schaffen. Es wird höchste Zeit, dass der zukünftige Veranstaltungskalender in den Wintermonaten Überschneidungen von Sechstagerennen mit Weltcups nicht mehr beinhaltet! Bei den nur noch wenigen Sechstagerennen sollte es doch möglich sein, hier eine Einigung zwischen den Sechstageveranstaltern und dem Weltradsportverband UCI zum Wohle der Radsportfans zu erzielen. 

In diesem Jahr war es extrem schwierig ein leistungsstarkes Fahrerfeld zu verpflichten, denn dem Veranstalter flatterten bis zuletzt Hiobsbotschaften von Ausfällen auf den Tisch. So fallen ganz aktuell auch noch die vorgesehenen Belgier Moreno de Pauw (frischgebackener Papa!) und Otto Vergaerde (Bruch des Schulterblattes im Training) aus, die kurzerhand durch die Dänen Sebastian Lander/Matias Malmberg ersetzt wurden, aber dem Veranstalter noch zu einigen Teamumstellungen zwangen. So fährt jetzt Wim Stroetinga mit dem Belgier Robbe Ghys als zweites Favoritenteam, während der Niederländer Melvin van Zijl mit dem Belgier Jules Hesters ein neues Team bilden wird. 

Dabei sind auch wieder die Sprinter mit dem Rekordsieger von Berlin Maximilian Levy, dem starken Russen Denis Dmitriev und dem Franzosen Francois Pervis, der für den Berliner Lokalmatador Robert Förstemann einsprang, der beim Bremer Sechstagerennen schwer gestürzt war und im Velodrom hoffentlich wenigstens als Zuschauer dabei sein kann. Die Frauen sind mit 24 Fahrerinnen am Start und bestreiten neben dem Omnium auch einen Madison-Wettbewerb. Die Teilnehmerinnen kommen aus insgesamt neun Nationen, darunter so starke Athletinnen wie die Italienerinnen Elena Cecchini und Barbara Guarischi, die Däninnen Julie Leth und Trine Schmidt, Lydia Gurley und Lydia Boylan aus Irland, denen junge Deutsche Fahrerinnen wie Lea Lin Teutenberg, Katharina Hechler, Michaela Ebert oder Laura Süßemilch Paroli bieten wollen. 

Fehlen dürfen auch nicht die beliebten Steher, die allerdings in diesem Jahr nur an zwei Tagen zum Einsatz kommen werden. Am Montag und Dienstag bestreiten sie jeweils ein Steherrennen über 80 Runden, das ist nicht gerade das Gelbe vom Ei, zumal das Wochenende ein besserer Zeitpunkt für die spektakulären Rennen, die die Zuschauer immer von den Sitzen rissen, gewesen wäre. An frühere Zeiten, wo die Steher täglich ihren Auftritt hatten, darf man nicht denken und auch für die Aktiven lohnt sich dabei kaum die Anreise. Von den Deutschen Franz Schiewer und Daniel Harnisch sowie dem Niederländer Reinier Honig sind dennoch spannende Rennen zu erwarten, die auch in Zukunft hoffentlich weiter Bestand haben werden.

Bericht: Bernd Mülle            

Fotos: Arne Mill (frontalvision.com)

Inhalt der Neuigkeit:
  • Ausblick
  • Vorstellung
Radrennen-Art:
Six Days
Name des Radrennens
Berliner Sechstagerennen
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