Die Grotte zu Kliczków 

Die Grotte zu Kliczków 

 
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Tief im Wald, Stein auf Stein - Das muss das Haus des Emigranten sein! Irgendwo beim Blauen See Nummer I sollte es oder musste es sein. Der gute Mann aus der Touristen-Information war ziemlich bemüht, mir die Stelle, die ich unbedingt sehen wollte, ausfindig zu machen. Sogar eine Ureinwohnerin wurde zu Rate gezogen. Am nächsten Tag bot ich der Information dann die begehrten Koordinaten an, welche für weitere mögliche Fragende auch gleich fleißig mitgeschrieben wurden. Am Ende war das Finden kein Aufwand. Da hatte ich in der Vergangenheit schon härtere Nüsse zu knacken. 

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Aber irgendwie möchte man ja auch mit den Einheimischen in Kontakt kommen. Wir schreiben das frühe Frühjahr und befinden uns in Dolnoślaskie, genauer gesagt in Bolesławiec, noch genauer gesagt in Kliczków. Schon vor einiger Zeit kam mir dort auf einer Karte die Bezeichnung "unbekannte Ruine" unter die Augen. In Zeiten von GoogleMaps als Wissensbasis ist das doch eigentlich kaum vorstellbar, aber die Datenkrake kannte dieses Objekt anscheinend wirklich nicht. Dafür war das mysteriöse Bauwerk nun wieder vor Ort auf einer Karte für Touristen eingezeichnet, übelst ungenau und grob. Also ging es im nasskalten Grau unter der Woche in die weiten Wälder Niederschlesiens. 

Denkste! Viele Lost-Place-Leute hätten jetzt irgendwelche Geschichten mit dem üblichen Wortschatz bestehend aus Wald, versteckt, verlassen, einsam, tief usw. erfunden, aber ich kann versichern, dass sich die künstliche Grotte, als was sich dann die Konstruktion wohl letztendlich entpuppte, vielleicht 500 m vom nächsten Haus entfernt liegt. Sogar ein kleiner Steig führt zu ihr. In "grauer Vorzeit" müsste die Grotte allerdings doch etwas ab vom Schuss gelegen haben. Der Weg zu ihr führte dann ausgerechnet noch am Evangelen-Friedhof vorbei. Dieser ist heute durch sein Dahinsiechen gefühlt wahrscheinlich etwas gruseliger als damals. Einige Grabsteine lassen sich noch entziffern. Einige Einwohner gingen demnach der Tätigkeit des Zimmerpoliers nach. Das Putzen des überregional bekannten Schlosses (gemütlich, sehenswert und mit viel Tradition) im Ort war also wohl Männersache. Etwas jünger dürften die Schützengräben sein, an welchen man später vorbeikommt. Da ein kleiner Hügel, hier schroffe Felsen. Ganz nett hier. 

Und dann steht man schon vor der Grotte, oder was das sein soll. Zur Rechten bietet sich der Blick auf den Fluss Kwisa, zur Linken zeigt sich schon der erwähnte See, der ebenfalls mal von Menschenhand geschaffen worden war. Quarzit wurde einst in der Gegend um Kliczków abgebaut. Heute sieht es etwas anders aus. Wenn nicht gerade einer der Truppenübungsplätze den Weg versperrt, ist das ein cooler Ort für lange Wanderungen. Wozu werden Kriege eigentlich noch unterstützt? Selbst dem Ottonormalverbraucher müsste doch langsam einleuchten, wem Kriege am meisten dienen. Jedenfalls findet hier der Wanderer eine reichliche Auswahl an Pfaden durch ein sehr schönes und abwechslungsreiches Gelände. Wälder, Heide, Felsen, Täler soweit das Auge sehen kann. Für Geologen und Historiker ist die Umgebung bei Kliczków sehr zu empfehlen.

Doch was hat es nun mit der Grotte auf sich? Die Einheimischen wissen äußerst wenig darüber. Mitte des 19. Jahrhunderts und aus adeliger Hand stammend taucht die erste Erwähnung des Bauwerks, dessen Funktion nicht ganz eindeutig geklärt ist, in der Geschichtsschreibung auf. Sogar als Höhle wurde es auf einer Info-Karte bezeichnet. Das ist wahrlich eine These, die nun völlig das Thema verfehlt. Einerseits sieht es jedenfalls den künstlerischen bzw. künstlichen Elementen der romantischen Gartenbaukunst, die auch in Deutschland sehr verbreitet war, äußerst ähnlich, andererseits gibt es an der Spitze so etwas wie einen Rauchabzug, sodass auch die Nutzung als Köhlerhütte gar nicht so abwegig erscheint. Der Legende nach  lebte dort einst ein Einwanderer, ein Schuster. Das war es eigentlich auch schon, was über dieses Gebilde bekannt ist. Somit bleibt die Funktion der Sache dann doch irgendwie und irgendwo verborgen. Ganz Unrecht hatte die Karte also nicht.

Fotos: Michael

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