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Ostsee Teil V: Darß, Zingst und Fischland – weite Dünen und weißer Sand

 
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M 07 März 2019
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Bisher habe ich zu wenig über Zingst berichtet, obwohl man analog zum gesamten Bundesland Mecklenburg-Vorpommern ohne Probleme überall kleine faszinierende Ecken und Kleinode findet. Es war ein Dezember-Wochenende im Jahre 2016, als es mich zum ersten Mal in meinem Leben nach Zingst verschlug. Die Umgebung hatte ich bei dem straffen Terminplan, der aus TSG Zingst und VC Stralsund bestand, gar nicht im Blick. Bis dahin war Zingst für mich nur ein Bestandteil des großen Topographie-Tests "Deutschland" in der Klassenstufe11. Da wurde noch nicht einmal Zingst vom Rest geteilt. Die ganze Halbinsel Fischland-Darß-Zingst war für den Lehrer einfach Zingst – von Ribnitz-Damgarten bis zum Großen Werder so zu sagen.

Was passiert wenn man sich die Insel etwas genauer und differenzierter betrachtet? Das habe ich vor ein paar Wochen mal gemacht. Zunächst fällt dann z.B. doch die alte Gleisanlage in den Blick, die Barth mit Zingst (der Ort) verbunden hat und auch wieder verbinden soll. Die Schienen und alles um sie herum gehören einer Tochtergesellschaft der Bahn. Auch hier stellt man fest, dass es nur von weitem wie die moderne Ruinen-Romantik aussieht. Sie können jeder Zeit wieder aktiviert werden. Während ich einen kurzen Blick auf eine Brücke werfe, parkt mein Auto einen halben Fuß breit im Parkverbot, was einen der Radtouristen auf den Plan ruft, der in seinem nicht-norddeutschen, nicht-sächsischen und im Allgemeinen nicht ostdeutschen Dialekt Reden darüber hält, wie unmöglich das doch ist, und meiner allein im Auto sitzenden Partnerin allerlei Schimpfwörter an Kopf knallt. 

Die Einheimischen sind da anders. Kühl erscheinen im ersten Moment, dann zeigt sich ihre hilfsbereite Art. Das habe ich häufig beobachten können. An diesem Tag gibt es ein älteres Ehepaar, das unsere Frage nach dem Weg zu den Zingster Urwelt-Mammutbäumen freundlich beantwortet. Zu diesem Zeitpunkt haben wir den Ort schon fast hinter uns gelassen und befinden uns im Osterwald (800 ha). Noch 11 km in Richtung Osten, dann trifft der Tourist auf ein Gebiet, das mit "Hohe Düne" bezeichnet wird. Heut schaffen wir es leider nicht (ohne Fahrräder). Dafür wartet nun die sich im Saaler Bodden befindende Insel Kirr. Der Blick auf die Salzwiesen und Vögel entschädigt dann wenigstens noch ein bisschen für die verpasste Hohe Düne.

Zingsts Seebrücke wird mal wieder keine Beachtung geschenkt. An der Küste habe ich insgesamt nur zwei Seebrücken nicht besucht, da es für mich auf die Dauer nichts Spannendes mehr ist. Sie sind für mich alle ähnlich konstruiert, während ein Seebrücken-Fan wahrscheinlich überall Besonderheiten entdecken würde. Aber Stadionsammlern geht es ja ähnlich. Für die Masse sind es nur zwei Tore auf einer grünen Wiese.

Dem Seebrücken-Hopper würden die drei Stufen im Sassnitzer Stadion mit Sicherheit nicht auffallen, was Sammlern zum Jauchzen animiert. So ist das. Anstelle Zingst wurde sofort die Brücke in Prerow angesteuert. Ein ermüdendes Ärgernis wie in den stark frequentierten Ostseebädern ist auch hier die Parksituation. Eigentlich will jeder rund um die Uhr seine Taler, mit dem die Automaten gefüttert werden sollen. Geld scheint in Prerow dennoch zu fehlen. Mindestens zwei Brücken über den Prerower Strom sind defekt bzw. gesperrt. 

Und auch die Seebrücke ist nur zu einem Teil freigegeben. Der Prerower Strom, auf den ich heiß war, ist das Gewässer, das einst den Darß von – Na was ist richtig? Dem Zingst oder der Zingst? -  dem Zingst trennte. Der Zingst ist männlich. Das Delta verlandete zunehmend und der Rest des Seegats (eine Rinne im Meer) wurde zugeschüttet. Ganz interessant werden an diese Küste Sedimente geschwemmt. Hier transportiert die Ostsee nicht nur eine Schippe. Im weltweiten Netz findet man eine Karte aus dem 18. Jahrhundert. Da sind die drei Inseln noch richtige Inseln.

Ganz anders sieht es beispielsweise auf Usedom aus, wo sich die See ziemlich viel schon holte. Da ist das baltische Meer so gefräßig wie Buffet-Esser im deutschen China-Restaurant. Aus diesem Resultat der küstendynamischen Prozesse mit Landgewinn hat man hier ziemlich breite Strände, die dann noch ansehnliche Dünen aufweisen. Und für alle die, die Hiddensee als die schönste deutsche Insel verehren: Irgendwann wird auch sie eine Verbindung nach Zingst haben.

Und Prerow? Der Ort selbst ist an diesem Tag ein typischer Ferienort im Winter. Ein paar Ausflügler spazieren hier und da an den geschlossenen Buden vorbei und dann hinunter zum Strand. Ich will nicht sagen, dass es angenehm ist, es ist sogar sehr angenehm. Vielleicht besser als im Sommer? Wahrscheinlich ja. Mit den warmen Sonnenstrahlen kommt ja halb Deutschland hierher. Die Ostsee steht noch immer hoch im Kurs - trotz der hohen Zimmerpreise, Essen usw. Also sollte man die März-Sonne nutzen und sich ausgiebig vom Lenz grüßen lassen. Wir sagen Prerow für heut „doswidanja“ und schauen mal auf die den südlichen Teil vom Darß. Dort verbinden sich beim Erholungsort und Fischerdorf Born der Saaler mit dem Bodstedter Bodden. Das Bindeelement ist den Koppelstrom. An seinem Ufer (in Born) gibt es einen Steg in das Boddengwässer – ein wahrer Geheimtipp, die auf einen wunderschönen Blick über das Gewässer stehen. Sehr empfehlenswert.

Auch die Seebrücke in Wustrow lassen wir rechts hinter uns und steuern die Steilküste an. Hier hat die See deutlich Hunger. An manchen Stellen schauen alte Rohre von irgendetwas hervor, was schon lange am Grunde des Meeres schlummert. Das letzte Highlight des Tages ist die Schutzmauer gegen die Wogen. Massiv ragt die Mauer aus dem salzigen Nass und tut es uns gleich: den Sonnenuntergang beobachten und genießen.

Fotos: Michael

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Mecklenburg-Vorpommern
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Und beim nächsten Besuch,ab an den Weststrand. Da kann man abschalten.
?

R
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Ja, an der Ostsee ist es schön und es gibt viele schöne Orte. Zingst, Boltenhagen, Kellenhusen, Bansin, Scharbeutz, Koserow, ich könnte die Aufzählung noch eine Weile fortsetzen. Alles schöne Ort, auch im Sommer, wenn Touristen da sind.
Schade das Du Dir nicht die Hohe Düne angesehen hast. Da ist selbst im Hochsommer nicht viel los.

Und Autofahrer, die den Radweg blockieren nerven überall, egal ob an der Ostsee, am Bodensee oder in Nürnberg.

O
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G
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