Rom - Dolce Vita oder stressige Großstadt?

MB Updated

Der Autor und Künstler Mark Bauch (38) aus Berlin ist bereits sehr viel in der Welt herumgekommen. Privat und arbeitstechnisch war er mehrmals in den USA, auf Kuba, in Indien und in vielen europäischen Ländern unterwegs. Immer wenn er auf Reise ist, führt er Tagebuch, schreibt Gedichte und beobachtet sehr kritisch das Geschehen an den jeweiligen Orten. Anfang Juni war er in der italienischen Hauptstadt Rom unterwegs, lernte die Metropole kennen und machte Notizen. Das turus Magazin traf sich in Berlin auf einen Kaffee mit dem Künstler und befragte ihn zu Rom, der ewigen Stadt, die Jahr für Jahr hunderttausende Touristen aus aller Welt in ihren Bann zieht.

 
turus: Mark, du warst ja schon in vielen Großstädten rund um den Globus. In L.A., La Habana, London, Neu Delhi. Wie hat dir Rom gefallen?
 
Mark B.: Schrecklich! Tut mir leid ...
 
turus: Ach komm, du scherzt! 
 
Mark B.: Okay, okay, schrecklich ist vielleicht übertrieben. Ich habe lange überlegt, wie ich diese Stadt beschreiben kann. Als Moloch? Eigentlich mag ich es nicht, gleich ein negatives Urteil zu fällen, aber das einzige, was wirklich richtig gut war, war der Kaffee.
 
turus: Jetzt übertreibst du aber! Bedeutet Rom nicht Dolce Vita?
 
Mark B.: Die Gebäude sind wunderschön, ohne Frage. Aber Rom ist dermaßen überlaufen. Man glaubt es kaum. Und ja, die Italiener sind teilweise auch geschmacklos angezogen. Ich war selber überrascht. Vielleicht ist das in Mailand anders, wer weiß. Was wirklich positiv ist, die meisten Kirchen nehmen keinen Eintritt. Alles ist super organisiert. Technisch, in Sachen Marketing, Infos. Hübsch sind die kleinen Kirchen. Die sind nicht so überlaufen, in denen spürt man wirklich Atmosphäre. In den großen Bauten geht die Atmosphäre völlig verloren.
 
turus: Woher kommen denn die meisten Touristen? Aus Deutschland?
 
Mark B.: Dem Gefühl nach würde ich sagen: Aus Nordamerika. Die Stadt ist auch echt zugeschnitten auf Amis und Briten. Aber selbstverständlich sind auch die vielen Pilgergruppen, die aus aller Welt kommen, zu sehen.
 
turus: Wo hattest du deine Unterkunft? Außerhalb des Zentrums?
 
Mark B.: Ich wohnte in einer Pension. Sehr zentral, nur fünf Minuten vom Bahnhof Termini entfernt. Die Lage war genial, das Bett war eine Katastrophe. Die Matratze bestand aus wackeligen Federn und das heiße Wasser war nicht regulierbar. Aber! Es war erstaunlich ruhig.
 
turus: Ist das italienische Frühstück wirklich so schlecht, wie man sagt?
 
Mark B.: Ja, definitiv! Es gab geschmacklose Wasserbrötchen mit großen Luftblasen drin. Da haben ja selbst die Kubaner bessere Brötchen. Auf den Straßen gab es immer leckeren Kaffee, doch in der Pension war der Kaffee verdünnt. Sehr skuril. Wer jetzt denkt, es war eine billige Absteige, der irrt. Eine Nacht kostete 105 Euro.
 
turus: Was prägte das Stadtbild am stärksten? Die hübschen Damen mit den riesigen Sonnenbrillen?
 
Mark B.: Ich sah in Rom extrem viele Uniformierte. An jeder Ecke standen Männer in verschiedensten Uniformen. Mit verschiedenen Hüten, Orden, Abzeichen. Die Italiener müssen darauf total abfahren. Man traf auch Polizisten in Kampfanzügen mit MPi im Anschlag.
 
turus: Und kann man am Tiber flanieren gehen?
 
Mark B.: Können schon, doch erstaunlicherweise gibt es direkt am Tiber kaum Cafés. Das Wasser des Flusses erscheint auch ziemlich schmutzig.
 
turus: Ist Rom dermaßen teuer, wie immer behauptet wird?
 
 
 
Mark B.: Ja in der Tat, Rom ist ziemlich teuer. Was mich überraschte, eine Kaffee im Stehen ist sehr preiswert. Ein Espresso kostet 60 Cent, ein Cappuccino ist für einen Euro zu haben. Setzt man sich, kostet der Kaffee das zigfache. Dann wird es heftig! Die Italiener nehmen für alles Gebühren. Leider gibt es in der Innenstadt auch kaum Parkbänke, auf denen man sich kurz ausruhen kann. Häufig bleiben da nur die Treppen und Stufen. Viele Kirchen haben ihre Stufen eingezäunt, damit nicht herumgelungert wird. Und ja, es gibt viele, die sich herumtreiben. Überall kann man Straßenverkäufer sehen. In Gruppen. Häufig sind es Schwarzafrikaner. Souvenir und Ramsch an allen Ecken.
 
turus: Wirkte Rom gefährlich? Hast du abends jugendliche Straßendiebe bemerkt?
 
Mark B.: Nein, gar nicht! Klar, man muss schon auf seine Wertsachen aufpassen. Wie überall in den Großstädten. Am Bahnhof Termini, na ja. Da kann einem schon ein wenig mulmig werden. Dieser Bahnhof ist echt ein Sammelbecken für alle möglichen Gestalten ...
 
turus: Was meinst du? Was ist absolute Pflicht während eines Rom-Besuchs?
 
Mark B.: Auch ich habe eine Münze in den Trevi-Brunnen geworfen. Das Geld spendet der Staat für wohltätige Zwecke. 
  
turus: Ich muss noch einmal nachhaken. Rom! Die Gebäude müssen doch imponieren. Dieser Hauch von Historie ...
 
Mark B.: Hm. Nein, der Funken sprang nicht so richtig über.
 
turus: Woran lag es?
 
Mark B.: Gute Frage. Ich denke, die Stadt war einfach zu überlaufen. Ich konnte die Heilige Stadt nicht richtig spüren. Es gab kaum Ruhe. Kaum Zeit und Raum, um durchzuatmen. Um in sich gehen zu können.
 
turus: Andere Frage. Wie bist du gereist? Mit dem Flieger?
 
Mark B.: Ja, mit einem Billigflieger. Und was soll ich sagen? Mein Flug war überbucht! Ich war recht knapp am Flughafen, dafür wurde ich hart bestraft. Für 50 Euro konnte ich auf den Nachmittagsflug umbuchen. Ich war stinksauer! Zudem waren Service und Sitze sehr bescheiden. Das nächste Mal dann lieber doch wieder eine klassische Airline!
 
turus: Auch für erheblich mehr Geld?
 
Mark B.: Definitiv! Zum Reisen gehört einfach auch Service. Ein angenehmes Gefühl. Eine respektvolle Behandlung. Bei meinem Flug kam gar keine Reisefreude auf. Es war nur Stress. Nein, solch einen Massentransport mag ich nicht. Da gebe ich gern ein paar Euro mehr aus!
 
turus: Und jetzt mal insgesamt betrachtet. Du warst in den USA, auf Kuba, in Indien. Wo hatte es dir am besten gefallen?
 
Mark B.: Madeira fand ich zum Beispiel sehr entspannt. Nette Menschen. Alles sehr grün. Funchal gefiel mir dort sehr gut ...
 
 
turus: Okay, aber ein Vergleich zu Rom hinkt natürlich. Funchal ist beschaulich, Rom ist Weltmetropole ...
 
Mark B.: Betrachte ich allein die Großstädte, dann gefielen mir New Orleans und Madrid recht gut. Und ich muss sagen - Berlin ist echt touristenfreundlich. Berlin bietet den Besuchern so viele Möglichkeiten. So viele Dinge kosten keinen Eintritt. Im Sommer ist Berlin echt genial! Berlin hat so viel Grün!
 
turus: Rom auch?
 
Mark B.: In Rom habe ich nicht so viele Grünanlagen gesehen. Ich empfand Rom nicht sehr grün. Anstrengend empfand ich das Pflaster der Bürgersteige. Am Abend ist man dort echt knülle. 
 
turus: Na komm, zum Abschluss aber noch einmal etwas positives!
 
Mark B.: Der Vatikan ist beeindruckend. Das Kolosseum ist auch gigantisch. Ohne Frage, die Historie ist allgegenwärtig. Leider stehen viele historische Dinge einfach nur in der Gegend herum. Alte Ruinen, Reste alter Viadukte. Viele Römer beachten solche Kleinigkeiten gar nicht. Für sie ist das Alltag ...
 
turus: Wir danken für das interessante Gespräch!
 
Fotos: Marco Bertram, P. Schoedler 
Art der News
Gesellschaft

Benutzer-Bewertungen

1 Bewertung
Weiterempfehlen
 
5.0(1)
Hast du schon ein Konto?
Ratings
Weiterempfehlen
Datenschutz
Durch das Anhaken der folgenden Checkbox und des Buttons "Absenden" erlaube ich turus.net die Speicherung meiner oben eingegeben Daten:
Um eine Übersicht über die Kommentare / Bewertungen zu erhalten und Missbrauch zu vermeiden wird auf turus.net der Inhalt der Felder "Name", "Titel" "Kommentartext" (alles keine Pflichtfelder / also nur wenn angegeben), die Bewertung sowie Deine IP-Adresse und Zeitstempel Deines Kommentars gespeichert. Du kannst die Speicherung Deines Kommentars jederzeit widerrufen. Schreibe uns einfach eine E-Mail: "kommentar / at / turus.net". Mehr Informationen welche personenbezogenen Daten gespeichert werden, findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Ich stimme der Speicherung meiner personenbezogenen Daten zu:
Kommentare
Weiterempfehlen
 
5.0
G
Beitrag melden Kommentare (0) | War diese Bewertung hilfreich für dich? 0 0